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Jüdische Zeitung · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 7 Bezalelvereines übernommen hatte. Die Generalversammlung wurde eröffnet und geleitet von Herrn Dr. Theodor Weltsch, der zunächst Schatz begrüßte, die tüchtige und erfolgreiche Arbeit des Proponentenkomitees würdigte und mit großer Freude konstatierte, daß hier endlich eine Basis gefunden sei, auf der Anhänger aller jüdischer Richtungen Zusammenarbeiten können. Daß ein Erfolg dieser Bestrebungen auch in Prag und in Böhmen zu erzielen sei, habe die vor kurzem veranstaltete Bezalel-Ausstellung bewiesen, die überall das stärkste Interesse wachgerufen hat „So können wir von hier aus, im versöhnenden Zeichen der Arbeit und Kunst das Werk Professors Schatz fördern, nicht nur im Interesse der arbeitenden Juden Palästinas, sondern auch zum Ruhme des Gesamtjudentums, der europäischen und insbesondere der böhmischen Judenschaft.“ Der Vorsitzende teilte noch mit, daß Präsident Dr. Rosenbacher die Abwesenheit der durch eine Sitzung am Erscheinen verhinderten Kultusgemeinderepräsentanz schriftlich entschuldigt und gleichzeitig deren volle Sympathie dem neuen Vereine übermittelt habe. Die Kultusgemeinde wird mit K 200 ordentliches Mitglied. Ebenso liegt von Schatzmeister Bertrand Hamburg (Berlin) ein Begrüßungstelegramm vor. Im Namen des Proponentenkomitees spricht Herr Dozent Dr. J. P o 11 a k über die Gründe, die die Schaffung des Prager Bezalelvereines haben wünschenswert erscheinen lassen. Das seien vor allem seine hervorragenden humanen und kulturellen Zwecke. Das sei die Notwendigkeit der aktiven Solidarität mit den bedrängten Juden aller Welt — denn es gebe auch eine passive Solidarität des Leidens. . . . Der „Bezalel“ aber habe sich in der kurzen Zeit seines Bestandes als wichtiger Faktor allgemein jüdischer Kultur'durchgesetzt und stehe als solcher über allen Parteien, sei also nicht mehr eine zionistische Parteisache. „Im Bezalel wurde nicht bloß geredet, sondern geschaffen; das Werk unseres verehrten Boris Schatz ist eine Tat im Dienste der Juden, im Dienste des Kunstgedankens. Und diese Kunst ist unser, ist jüdisch, in ihr können wir heimisch sein, ohne uns als geduldet zu fühlen.“ Redner dankt zuletzt der Prager Repräsentanz, besonders Dr. Rosen b ach er für die Förderung des Unternehmens, das allerdings auf praktischer, kommerzieller Basis aufgebaut werden soll. Professor Boris Schatz, mit stürmischem Beifall begrüßt, gibt seiner Freude Ausdruck, daß er in allen Städten Europas, durch die er komme, das größte Verständnis für den Bezalel finde. „Ueberall versteht man, daß sich nur in Palästina die Tätigkeit der Bezalelschule entfalten könne, dort, wo sich die klassische Vergangenheit und Gegenwart unserer Geschichte vereinigen; denn Kunst kann nur auf eigenem Boden geschaffen werden, nicht mit dem Verstände bloß, sondern auch mit dem Herzen. Und wenn wir schon bloß praktisch denken wollen: nur für die ei ge ne, also jüdische Marke können wir uns einen eigenen Markt schaffen, ohne Furcht vor Konkurrenz. Bisher haben wir als Einzelne, nicht als Volk schaffen können, darum haben sich auch unsere Besten, wie Max Liebermann, nicht voll entwickeln können. Und ich bin überzeugt davon, daß wir nach 10 Jahren eine nicht unbedeutende Rolle in der Kunst werden spielen können, denn die Juden sind auch für die Kunst sehr begabt. Wenn unser Leben, unser Wille einheitlich sein wird, harmonisch mit unserem jüdischen Innenleben, unseren Instinkten, dann werden wir erst zeigen können, was wir bedeuten.“ Schatz sprach schließlich von der Arbeitsweise desBezalel, wie eine gesunde Hausindustrie zum Nutzen des ganzen volkswirtschaftlichen Lebens herangezogen werde und erzählte von der Anteilnahme der ganzen jüdischen Welt an den Fortschritten des „Bezalel“, aber auch von der Freude seiner Schüler, wenn sie erfahren, wie allenthalben ihre Arbeit geschätzt und gefördert werde. Hierauf wurden auf Vorschlag des Herrn Bankdirektors B r o d die Statuten des „Kunstgewerbeverein Bezalel in Prag“ en bloc angenommen,^ der Ausschuß mit der Ausarbeitung der Geschäftsordnung beauftragt und der Antrag des Herrn Jur. Dr. Emil Margulies angenommen, den ordentlichen Mitgliedsbeitrag derart festzusetzen, daß ein Minimalbeitrag von K 5, außerdem aber ein solcher von K 10 beschlossen wird. Die Zahlung des höheren Beitrags werde mit der Beteilung mit Erzeugnissen der Bezalelschule verbunden sein. Ebenso einstimmig wie alle diese Anträge wird die von Herrn Doz. Dr. Pollak verlesene Kandidatenliste für den Ausschuß genehmigt. Damit schloß die denkwürdige konstituierende Generalversammlung. Hie Beer, hie Neustadtl! In der Leopoldstadt haben sich anläßlich der Gemeinderatswahlen zwei deusch-sozialfreiheitlich-biirgerlich-radikale Komitees gebildet, die einander heftig befehden. Da sie schon viel z-u.groß gewesen, Die „Leopoldstädter Partei“, Zerteilte sie sich, wie wir lesen; Aus einem* Haufen wurden zwei. Und hat die „Neue Freie Presse“ Ganz hinten eine Spalte frei, Entdeckt der Leser mit Interesse In dieser Spalte alle zwei! Sie hargenen einander mächtig Und machen so ein Mordsgeschrei, Wie Paviane, welche trächtig, Und denen alles einerlei. — - — — Ich bin schon ziemlich reich an Jahren Und sah schon manche Schweinerei; D och diesmal hab’ ich erst erfahren, Was eigentlich „Nekome“ sei! Beda. Parteinachrichten. Sitzung des Westösterreichischen Zentralkomitees. l Am 13. d. .fand in Wien eine Sitzung des zionistischen Zentralkomitees fürWestösterreich statt. Anwesend waren: Das zionistische Zentralbureau, bestehend aus den Herren Dr. Isidor Margul i es und .Adolf ,B ö h m, die Vertreter der Distrikte: aus Innerösterreich: Herr Dr. Leopold M e i s 1 und Herr Dr.. L ö w y, aus Böhmen: Herr Dr. Emil Margulies aus Prag, aus Mähren- Schlesien: Herr Dr. Fritz Eckstein aus Troppau; ferner die Mitglieder des Zentralkomitees: Herr Dr. Abeies, Wien, Heir Obering. Lau Baden, und Herr Fritz L ö w, Proßnitz, die Vertreter der Nationalfondskommission: Herr Dr. E. M. Zweig und des Informationsbureaus für Palästina: Herr Wilhelm B e i g e 1. Vorsitzender Hejr Dr. Isidor Margulies teilt vor Beginn der Tagesordnung mit, daß am 15. d. Herr Johann Kremenezky seinen 60. Geburtstag feiert, und würdigt die Verdienste dieses Mannes um unsere Bewegung. Es wird beschlossen, eine Deputation zu Herrn Kremenezky zu entsenden, die ihm die Glückwünsche des Zentralkomitees überbringen soll, und 'einen Kremenezky-Garten im Herzlwald zu stiften. Für diesen Zweck werden bei der Sitzung selbst von seiten der drei Distriktskomitees und des Zentralkomitees 20 Bäume gezeichnet Dr. Isidor Margulies erstattet hierauf im Namen des Zentralbureaus den Tätigkeitsbericht für die kur.re Zeit seit der letzten Sitzung, die auf dem Kongresse stattfand. Das Zentralbureau hat anläßlich des Kongresses mit Herrn Dr. Mossinsohn die Agitation für das Hebräische Gymnasium, Jaffa, besprochen, konnte aber, weil die in Aussicht gestellten Berichte und Prospekte noch nicht eingelangt sind die Arbeit nicht beginnen. Die von der Vereinigung „Bar-Kochba“ veranstaltete „Bezalel“-Ausstellung, die für die Bewegung in Wien von großer Bedeutung war, hat das ZK. unterstützt und gefördert. Ueber die Tätigkeit des Informationsbureaus, das sich befriedigend entwickelt, liegt ein separater Bericht vor. Für den Sommer 1. J. plant das Zentralbureau das Arrangement von Studentenreisen nach Palästina. Die Beziehungen zu den Distrikten waren befriedigend. Auf die Tagesordnung der Sitzung stellt der Vorsitzende vor allem die Frage des nächsten Parteitages und schlägt vor, denselben am 27. und 28. März in Wien mit folgender Tagesordnung zu veranstalten. 1. Bericht des Zentralkomitees. 2. Verhältnis der zionistischen Organisation zu den Kultusgemeinden und das zionistische Kultusgemeindeprogramm. 3. Aufgaben der Landesorganisation. — Dieser Punkt der Tagesordnung soll durch zwei Referate erledigt werden. a) Ueber die durch den IX. Kongreß geschaffene Situation, b) über die nächsten Aufgaben des ZK. 4. Palästinareferat. 5. Bericht des Nationalfonds. 6. Bericht des Informationsbureaus. 7. Budget des Zentral- und des Informationsbureaus. 8. Neuwahlen. Bei dem letzten Punkte erinnert der Vorsitzende^ daß an Stelle des bisherigen Vorsitzenden des Zentralkomitees der Parteitag laut Statuten einen Präsidenten zu wählen haben wird. Es entwickelt sich hierauf über Ort und Tagesordnung des Parteitages eine längere Debatte, in welcher auch über das Verhältnis der zionistischen Organisation zur national-jüdischen Partei diskutiert und darauf hingewiesen wird, daß nach den Bestimmungen des Statutes eine die Einschränkung der Autonomie der Distrikte involvierende Organisationsänderung eine Vereinbarung der Distrikte voraussetzt. Das Zentralkomitee resolviert sohin, daß über Anträge, welche den bezüglichen §§ 4 und 22 des Statutes zuwiderlaufen würden, eine Diskussion und Beschlußfassung ausgeschlossen wäre. Der Beschluß, den Parteitag für den 27. und 28. März nach Wien einzuberufen, wird hierauf einstimmig gefaßt. Die Tagesordnung wird laut Vorschlag des Präsidenten akzeptiert, wobei der Wunsch ausgesprochen wurde, die Referate folgend zu verteilen: a) Kultusgemeinde-Programm: Dr. Isidor Margulies, eventuell Dr. Leopold M e i s e 1, t und Dr.L i ch.tw i tz, eventuell Dr. Si ng er; b) Situation nach dem IX. Kongresse: Dr. Emil Margulies. — Das Zentralkomitee spricht den Wunsch aus, daß in diesem Referate die notwendige Reform des Kongresses genügend erörtert werde; c) Palästinareferat: Adolf Böhm; d) Nationalfonds: Dr. Egon Zweig. Der Bericht des Informationsbureaus wird schriftlich vorliegen. Seitens des Delegierten des mähr.-schlesischen Distriktskomitees wird ein offizieller Brief des Herrn Heinrich York-Steiner de dato 22. Dezember 1909 und ein Nachbrief in Angelegenheit seiner Wahl zum Kongresse zur Verlesung gebracht. Der Inhalt dieses Briefes gab Anlaß zur Fassung folgenden Beschlusses: „Das Zentralkomitee hat Kenntnis genommen von zwei seitens des Herrn Heinrich York-Steiner an das mährisch-schlesische Distriktskomitee gerichteten Briefen, sowie von Briefen und mündlichen Aeußerungen an einzelne Gesinnungsgenossen identischen Inhalts, in welchen insbesondere gegen die Mitglieder des Zentralkomitees, die Herren Dr. Isidor Margulies und Adolf Böhm, Beschimpfungen und Verleumdungen vorgebracht werden. Das Zentralkomitee spricht seine schärfste Entrüstung über dieses Vorgehen aus und beschließt, Herrn Steiner zwecks Vermeidung seiner gerichtlichen Verfolgung vor ein Ehrengericht zu laden. Dieses Ehrengericht wird zusammengesetzt aus je zwei vom Zentralkomitee und von Herrn Steiner zu nominierenden Personen und aus einem von diesen gewählten Vorsitzenden, welche sämtlich Mitglieder der westösterreichischen Organisation sein müssen. Das Zentralkomitee nominiert in dieses Ehrengericht die Herren: Dr. Alfred Lanzer, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, und Dr. Fritz Eckstein, k. k. Gerichtsauskultant in Troppau. Herrn Steiner wird dieser Beschluß mit der Aufforderung mitgeteilt, seine Nomination dem Zentralkomitee binnen 4 Wochen mitzuteilen. Es wird beschlossen, dem EAC. und der „Welt“ mitzuteilen, daß die westösterreichische Landsmannschaft am Kongresse in Hamburg mit allen gegen eine Stimme Herrn Steiner ihre

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