Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. G JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 wenn ihr nicht die materiellen Grundlagen zur Verfügung gestellt werden, wettp nichj ihre Anhängerzahl durch unablässige Werbearbeit ständig vermehrt und zur tätigen Pflichterfüllung angehalten wird. Sammelt den Schekel ein! Jetzt ist die Zeit! Wie immer nian den Kongreß beurteilen, wie man sich zu seinen Ergebnissen auch stellen mag: er war eine mächtige Demonstration des zionistischen Gedankens und bildete in seiner imposanten Wucht ein unwiderstehliches Propagandamittel. Benutzen wir diesen Faktor! Nicht als ob wir verlangten, daß die Debatten jetzt ruhen, daß die Auseinandersetzungen jetzt eingestellt werden sollen. Im Gegenteil! Je eingehender die Aussprache erfolgt, um so mehr werden die Meinungen sich klären, um so besser wird dem nächsten Kongreß vorgearbeitet sein. Aber versäumen wir darüber nicht unsere wichtigste Pflicht, die Bewegung materiell zu kräftigen und auszubauen, den Schekel einzuziehen. Wenn jetzt allerorten mit dem genügenden Eifer gearbeitet, wenn jetzt überall das rege Interesse, mit dem die Oeffentlichkeit unsere Verhandlungen verfolgt hat, in der richtigsten Weise ausgebeutet wird, dann kann es nicht daran fehlen, daß die Schekelsammlung dieses Jahres ein glänzender Erfolg wird. Es ist die Aufgabe der Landesorganisationen und Föderationen, jetzt die Vereine durch ununterbrochene Mahnung zur schleunigen, tatkräftigen Einziehung des Schekels, zur Veranstaltung von Schekelversammlungen und -Demonstrationen anzuhalten. Es ist die Aufgabe der Vereine, jetzt überall mit nie versagendem Eifer und unermüdlicher Hingabe dem Rufe der Organisationsvorstände zu folgen. Es ist die Aufgabe der einzelnen Gesinnungsgenossen, jetzt selbst den Schekel sofort zu entrichten und mit aller Kraft darauf bedacht zu sein, andere zu veranlassen, durch die Schekelzahlung ihrer Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation, ihrer Sympathie für unsere nationale Sache den einzig unwiderleglichen Ausdruck zu geben. Und wenn so überall sich das richtige Verständnis tür diese Forderung des Tages geltend macht, dann kann niemand mehr daran zweifeln, daß dieser Kongreß eine mächtige Wirkung zurückgelassen hat: Die neuerwachte Arbeitslust unserer Freunde, die allgemeine Stärkung unserer Organisation. Sammelt darum den Schekel ein! Das Aktionskomitee David W o 1 f f s o h n. * * * Mährisch-schlesischer Distriktstag. Mittwoch den 2. d. M. fand in Prerau im Saale des Restaurants Haas der diesjährige ordentliche Distriktstag statt. Anwesend waren 27 stimmberechtigte Delegierte nebst einer größeren Anzahl Gäste aus Prerau und Umgebung. Vertreten waren die Vereine Freudenthal, Troppau, Oderberg, Mähr.- Ostrau, Proßnitz, Olmütz, Brünn, Ung.-Hraüisch, Eywanowitz (Frauen- und Mädchenverein), nebst den Studentenverbindungen „Achiwah“, „Giskalah“, „Massada“, „Veritas“ und der Arbeitsausschuß der Ferialverbindungen in Wien u. a. H.-Vbd. in B. Nach der üblichen Begrüßung der Versammlung und im Besonderen des erschienenen Vertreters der Kultusgemeinde von Prerau, Herrn Meier, durch den Distriktsobmann wurde Herr Fabrikant L ö w aus Proßnitz zum Vorsitzenden, Dr. L ö w aus Prerau zu dessen Stellvertreter und Gg. Beck (Olmütz) und Gg. Schön („Veritas“, Brünn) als Schriftführer gewählt. Namens des abtretenden Komitees erstattet der Obmann Dr. L i c h t w i t z den Rechenschaftsbericht über die abgelaufene Tätigkeitsperiode. Er verweist zunächst auf die neugeschaffenen „Mitteilungen“, die jedem Gesinnungsgenossen des Distriktes unentgeltlich zugestellt werden und kommt sodann auf den Ausbau der Organisation durch Anwerbung weiterer Vertrauensmänner, Abhaltung von Kreistagen zu sprechen, nach dem Muster des im Vorjahre in Troppau abgehaltenen, erwähnt die Neugründung der Volksvereine in Mähr.-Ostrau und Oderberg, spricht über den Mangel von Agitationsrednem und erörtert das Verhältnis des Distriktskomitee zum Nationalverein. Die Eroberung der Kultusgemeinden durch die Gesinnungsgenossen wird als dringendes Postulat aufgestellt, dem in Troppau und Iglau bereits erfolgreich Rechnung getragen wurde, und wird in erster Linie als Aufgabe der im Distrikte wohnhaften alten Herren der Studentenverbindungen bezeichnet, der sich jeder derselben ohne Rücksicht auf Beruf und Stellung widmen könne. Zwischen Distriktskomitee und Studentenschaft selbst besteht ein höchst erfreuliches Zusammenarbeiten. Der Referent bespricht sodann den guten Fortgang der im Vorjahre gegründeten Jüdischen Volksbank in Brünn, hebt den günstigen Erfolg sowohl der Schekelsammlung (1800 gegen 1282 Schekolim im Vorjahr) als auch der Werbetätigkeit für den Nationalfond (10.499 K gegenüber 6651 im Jahre 1908) hervor, muß hingegen mit Bedauern feststellen, daß die westösterr. Gesamtorganisation die erhofften Resultate bisher nicht erzielen konnte. Nach Erwähnung des vielfach zutage getretenen innigen Verhältnisses zum benachbarten oberschlesischen Gruppenverbande schließt der Referent mit einem entschiedenen Hinweise auf die Palästinaarbeit als das Hauptarbeitsfeld sowohl der Organisation als auch jedes einzelnen Gesinnungsgsnossen. Nach Genehmigung des von Dr. Eckstein erstatteten Kassaberichtes referieren die einzelnen Kreisobmänner über ihre und ihrer Vertrauensmänner Tätigkeit. An der daran sich anschließenden Debatte beteiligten sich dieGg. phil. Kohn, techn. Fischer und Smetana, jur. Altar, Strach etc. und wird nach dem Schlußworte des Ref. dem abtretenden D.-K. unter lebhaften Beifallsbezeugungen Vertrauen und Dank votiert. Nach Erstattung des interessanten Nationalfondsberichtes durch Dr. Eckstein erfolgt die Budgetdebatte (Ref. Finzi), in deren Verlauf eine von Gg. Altar beantragte Resolution zwecks Gründung von zionistischen Wanderbibliotheken angenommen wird. Ueber Antrag des Gg. Strach wurden sodann die bisherigen Mitglieder des D.-K. perakklamationem wiedergewählt. Der letzte Punkt der Tagesordnung brachte eine auf hohem Niveau stehende Debatte über den Hamburger Kongreß, die beantragten Resolutionen, insoferne sie zur Personenfrage Stellung nehmen, wurden jedoch als unzeitgemäß und überflüssig abgelehnt. Angenommen wurden die Resolutionen des Gg. Dr. Gallus auf Veröffentlichung der Austritte aus dem Judentum seitens aller Kultusgemeinden Mährens und Schlesiens. Gg. S1 a t n e r auf gleichzeitige Einhebung der auf 89 h ermäßigten Parteisteuer mit dem Schekel. Gg. Altar auf größere Pflege des Hebräischen insbesondere unter den Mittelschülern. ln der Schlußdebatte über Stellungnahme zur westösterreichischen Organisation gelangen folgende Anträge zur Annahme: 1. Der mähr.-schles. D.-.T wünscht die Beibehaltung der westösterreichischen Organisation. 2. Die möglichst baldige Einberufung eines westösterreichischen Parteitages, dem behufs Erstattung von Wahl Vorschlägen für das Z.-K. ein a. o. D.-T. voranzugehen hat. Mit der Absingung der „Hatikwah" schloß nach siebenstündiger Dauer die an Anregungen reiche Tagung. * . * Konstituierung des zionistischen Arbeitskomitees in Tarnow. Samstag den 5. Februar konstituierte sich das neugewählte Arbeitskomitee für Tarnow in folgender Weise: Gg. Dr. Salz, Obmann; Gg. Ed. Schwager, Obmannstellvertreter; Gg. Berkelhammer, Sekretär; Gg. Dr. Spann, Kassier; Gg. Dr. Gottlieb, Nationalfondskommissär; Gg. Dr. Daniel, Kommissär für Shareklub und „Bezalel“. Ferner gehören dem Arbeitskomitee an die Gg. Gg. Dr. Goldberg, Dr. Menasche, Joachim Neiger, Abraham Brandstätter, Tisch, Rottenberg, Safier und Schudmak. In der ersten Sitzung wurde beschlossen, in den nächsten Tagen eine große Volksversammlung einzuberufen zum Zwecke der Sammlung von Beiträgen für die vom IX. Kongreß beschlossene Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft. Für den 9. Februar wurde eine außerordentliche Komiteesitzung einberufen, auf deren Tagesordnung folgende besonders aktuelle Fragen gestellt waren: 1. Stellungnahme der Partei zu der von der Kahalclique in Angriff genommenen Gründung eines kaufmännischen Gremiums mit obligatorischem Befähigungsnachweis für das Handelsgewerbe in Tarnow, welche Institution ein neues Instrument politischen Terrors in den Händen der Assimilanten zu werden verspricht. 2. Der Bau eines jüdischen Volkshauses, zusammen mit einem Schulgebäude für die „Safa Berura“-Schuie, dessen Mangel sich besonders empfindlich fühlbar gemacht hat. Chen. * . * Freies zionistisches Seminar. Der letzte innerösterreichische Distriktstag hat auf Antrag des Gg. Adolf Böhm dem Distriktskomitee die Gründung eines Freien zionistischen Seminars zur Erörterung der theoretischen und prinzipiellen Fragen, welche die Partei beschäftigen, aufgetragen. In Ausführung dieses Beschlusses veranstaltet das D.-K. am 17. d. M. abends 8 Uhr in den Räumen des Zionistischen Bureaus, IX., Türkenstraße 9, den ersten Vortragsabend des Freien zionistischen Seminars, an welchem Gg. Böhm unter dem Titel: „Die Revision des Zionismus“ die wichtigsten und prinzipiellen Parteiprobleme zur Diskussion stellen wird. Das Seminar ist allgemein zugänglich. (Regiebeitrag 20 h.) * . * Distriktsfonds. Der am 16. Jänner stattgehabte innerösterreichische Distriktstag hat mit Stimmeneinheliigkeit beschlossen, allen Gesinnungsgenossen die Entrichtung einer einmaligen Steuerleistungvon Kronen 5. zur unbedingten Pflicht zu machen. Diese einmalige Abgabe ist zur Bildung eines Distriktsparteifonds bestimmt, der dem D. K. die Möglichkeit geben soll, eine großangelegte Agitation in die Wege zu leiten. Das neugewählte D. K. steht jetzt am Anfang seiner Tätigkeit und fordert alle Gesinnungsgenossen auf, ihm durch sofortige Uebersendung des Distriktsbeitrages von Kronen 5.— die Mittel an die Hand zu geben, die es zur Einleitung einer großen planmäßigen Arbeit dringend braucht. In unserer Mitte herrscht der größte Wille zur Arbeit. Wir erwarten von dem bekannten Opfersinne unserer Parteigenossen, daß sie uns auch die Mittel geben, die wir zur Durchführung der Arbeit brauchen. Das innerösterreichische Distriktskomitee. * * * Johann Kremenezkys 60. Geburtstag. Die Sammeistelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich versendet an ihre Vertrauensmänner folgendes Zirkular : Sehr geehrter Gesinnungsgenosse! Am 25. Februar d. J. wird Herr johann Kremenezky seinen 60. Geburtstag feiern. Es erscheint wohl überflüssig, Ihnen auseinanderzusetzen, wer Johann Krcmenczky ist und was er für die zionistische Bewegung im allgemeinen und für den Jüdischen Nationalfonds im Besonderen geleistet hat. Es genügt zu erwähnen, daß er einer der ersten und opferwilligsten Mitarbeiter Theodor Herzis war, daß er den Nationalfonds zuerst organisiert und populär gemacht hat, daß er bis auf den heutigen Tag unermüdlich in der Verwaltung des Nationalfonds tätig ist und daß es schließlich im Zionismus sowohl wie im Nationalfonds kein Unternehmen gab und gibt, welches nicht von Johann Kremenezky auch materiell in geradezu großartiger Weise gefördert worden wäre. Es ist darum Ehrenpflicht aller Zionisten, diesem hochverdien t e n M a n n e einenTeil unserer Dankesschuld abzustatten. Wir schlagen vor, diese Ehrung in Form einer imposanten, von den Gesinnungsgenossen aller Länder zu veranstaltenden Eintragung des Jubilars in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds zu bewerkstelligen. Wir hoffen, daß hierfür eine Summe aufgebracht werden wird, welche der beispiellosen Opferwilligkeit des Jubilars würdig ist. Wir ersuchen Sie, in Ihrem Bezirk unverzüglich zu diesem Zwecke spezielle Sammlungen einzuleiten und sich auch an Einzelpersonen um Beiträge zu wenden. Die Sammlungen sollen innerhalb dreier Monate abgeschlossen sein. Diejenigen Vereine oder Einzelpersonen, welche mindestens K 120 etc. beisteuern, erhalten ein Duplikat des Diploms. Das Diplom selbst wird Herrru Kremenezky in einer schön ausgestatteten Mappe überreicht werden. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß Sie all Ihre Kräfte einsetzen werden, um Sammlungen zur Eintragung Johann Kremenezkys einzuleiten und bitten Sie, uns die gesammelten Gelder sobald als möglich einzusenden.