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Jüdische Zeitung · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 würde gut dar?» tqn, , 4ie| *y fcerqgk* sichtigea. gs erweckt fpn$; gqg Art' ü^-* saut, wenq 4er Aktionär sicht, daß die Ver« waltungen ihre Taritiemen-vo'n-dera voUgq- Erfrägnis. beziehen, während man den Aktidriqreii zumütet, stets für die Zukunft *zu drheiten, Fftr ein Institut; welches solid arbeitet und keine riskanten Geschäfte macht, ist die übertriebene Anhäufung von Reserven absolut zwecklos, denn man hebt damit nicht das Ansehen desselben.' Man vermutet im Gegenteil, daß diese Reserven notwendig seien, weil gefahrvolle oder riskante Engagements vorhanden sein könnten. Dies dürfte wohl bei der Verkehrsbank nicht der Fall sein und deshalb ist der Dividendenvorschiag des Verwaltungsrates unpraktisch. * , * Es wurde diese Woche auch die Generalversammlung des Girou. Kassen- V er e i n e s abgehalten. Dieselbe bewegt sich in dem Rahmen des Vorjahres und zeigt, daß in der Leitung dieses Institutes keinerlei Impulse vorhanden sind. * * * Vom Krankenbette der S ü d b a h n kommen wieder Berichte über die Heilversuche der verschiedenen Finanzdoktoren. Dieselben beweisen nur, daß den leitenden Kreisen der Spiritus ausgegangen ist und daß sie nichts Besseres zu tun wissen, als sich an die Regierung zu wenden. Das Schlachtopfer wendet sich um Hilfe an den Schlächter. Das wird wieder eine hübsche Pfuscherei geben! Die ganze Kunst soll darin bestehen, daß man die Gläubiger der Gesellschaft wieder verkürzt und sich vor der ganzen Welt wieder die Unfähigkeit und Unreellität des österreichischen Finanz-; Wesens verkündet Die Verhandlungen sind noch nicht an dem Punkte angelangt, um schon in Details eingehen zu können und behalten wir uns eine ausführlichere Besprechung der Sachlage für demnächst vor. Das Wort „Ehrlichkeit währt äm längsten“ findet bei unserem Finanzwesen keine Sympathie. Der Mangel an kaufmännischem Ehrgefühl bildet überhaupt leider eines der Grundübel unserer -wirtschaftlichen Verhältnisse. Zeitschriften und Bücherschau. „Die Welt* bringt einen offiziösen Artikel „Nach dem Kongreß“, der von der Ansicht ausgeht — die wir natürlich nicht teilen — daß die Opposition in Hamburg nur zwei Vorwurfe gegen das gegenwärtige System der Leitung erhoben hätte: 1. Nicht genügende praktische Betätigung in Palästina. 2. Mangel an Verständnis für die kulturellen Aufgaben. Die anderen in diesen Blättern wiederholt dargelegten Forderungen der oppositionellen Delegierten — wir verweisen nochmals insbesondere auf die in diesen Spalten reproduzierten Ausführungen desGg.Simon-Mannheim — wurden von vornherein außer Diskussion gestellt Gegen den ersten Vorwurf wird fpigendes eingewendet: „Es wäre für die Leitung ein Leichtes gewesen, ihre Geneigtheit zur Palästinaarbeit dadurch zu bekunden, daß sie eine ganze Menge von Projekten in die Oeffentlichkeit gebracht und in Angriff genommen hätte. Weshalb hat sie denn diesen bequemen Weg zur Popularität nicht gewählt? Deshalb, weil sie sich nicht nur fragte: „Was könnten wir anfangen?“, sondern auch: „Was können wir zu einem guten Ende führen?“ Wir möchten nicht mißverstanden werden. Wir sind nicht der Meinung, daß der gute Ausgang eines Unternehmens gewissermaßen nift mathematischer Sicherheit feststehen muß, ehe man an dessen Ausführung schreiten dürfte. Das wäre fürwahr weder praktisch noch politisch. Wohl aber sind wir der Ansicht, daß sehr gute Aussichten auf Erfolg vorhanden sein müssen, daß nach reiflicher, vorsichtiger Erwägung die Möglichkeiten des Gelingens bedeutend größer erscheinen müssen, als die Möglichkeiten des Fehlschiagens. Erst dann darf man die Verantwortung für eine Sache übernehmen, bpi der nicht nur ein gewisses Kapital, nicht nur eine Anzahl jüdischer Existenzen, sondern aüch der gute Ruf und vielleicht die ganze Zukunft der national-jüdischen Arbeit auf dem Spiele steht. Aus diesem Grunde ist die Leitung nur an solche Unternehmungen herangetreten, die den An- JÜPffiCHE ZEITUNG. fojdejrqngen einer vorsichtigen und weitäusschauen.- dea aafionälen 'Politik entsprechen.“ *’.T? " ' -• Be&ügürf} zweifcu Yerwnvfes irfet- Mm erklärt, daß diegeistige..rq|j.rung der Renaissancebewegung nicht in den •Händen des engeren Aktionskomitees ruhen kqnqe, An energischer Förderung ijijbe. es die Leitung qicM fehlen lassen'.. Ein nächster Artikel der „Welt“ wird der Pärfeguiig eines neuen j Arbeitsprograrames gewidmet sein. ' „Das Recht.“ Ein trefflicher Artikel behandelt das aus der Tagespresse bekannte famose Urteil des Krakauer Strafgerichtes, wonach die Greisleriri Esther Frisch, die h\ Umschlagbögen des „Herzjesu-Bpte“, der das Bild [esu Christi trug, Spezereivyaren verpackt hatte, zu einer Woche Arrest, verschärft mit ’ Fasten verurteilt w u r d e, ein Judikat, das bekanntlich der oberste Gerichtshof bestätigt hat. „. . . Die Umschläge sehen nicht anders aus, als andere Makulaturbögen. Auf einer Seite der Titel der Druckschrift mit dem gefährlichen Bild, darunter der Preis (nur 4 Heller), auf der Rückseite ein alltägliches junigebet in dem bekannten Stil und auf beiden Innenseiten der Preiskuränt diverser Druckwerke desselben Verlages; das Ganze ia einem marktschreierischen Rot. Und in dieses rote Papier hat die Uebeltäterin Zucker und Kaffee eingewickelt Nicht nur die Frömmigkeitshändler, die die makulierten Umschlagbögen verkauft haben, sondern auch ein Konzil von Kanonisten könnten darin nichts Verfängliches erblicken, denn die Druckschrift hatte weder das bischöfliche Imprimatur, noch war sie geweiht. . Sie konnte also auch nicht entweiht werden. Aber der Kassationshof bleibt nur seinen Traditionen und den Gefühlen des Schinderpeters von Krakau treu» wenn er päpstlicher ist als der Papst. Kann denn aber in der Verwendung eines gedruckten Bildes zur Umhüllung einer Ware überhaupt etwas Herabwürdigendes erblickt werden? Das Markenschutzgesetz geht nicht von dieser Ansicht aus, denn es regelt sogar ausdrücklich die Art, ig der „Bildnisse des Kaisers oder von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses“ verwendet werden dürfen. Und während es den Gebrauch unsittlicher oder Aergerais erregender Darstellungen verbietet, spricht es nichts von Heiligenbildern. Nicht nur Apotheken, sondern vornehmlich auch die Klöster verwenden bei der Verpackung ihrer Produkte Darstellungen von „Lehren; und Gebräuchen“ der Kirche. Das heilige Zeichen auf den Schnapsflaschen der ehrwürdigen Benediktinermönche hat noch kein frommes Gemüt von. dem Genüsse des süßen Giftes abgeschreckt. Hat jemand an Ehrfurchtsverletzung und Majestätsbeleidigung gedacht, als während der Jubilüpmsfeieriichkeiten riesige Taschentücher mit dem Bilde des Kaisers in den Schaufenstern erschienen? Gerade die bewährtesten Veteranen waren die eifrigsten Abnehmer der als Huldigung gedachten Ware. Und wohin käme man mit dem Fetischismus gar bei Drucksachen! Kein Mensch ahnt, in welche Gefahren er sich begibt, wenn er sich in das Privatleben zurückzieht, um die „Neue Zeitung“ oder das „Extrablatt“ ihrer natürlichen Bestimmungen zuzuführen. Man kann doch nicht am Ende eine Präventivzensur einführen, die bei jedem bedruckten Papier über die Art 'seiner Vernichtung zu entscheiden hätte. Und was gerade den heiligen Stoff betrifft, so weiß man aus der Geschichte der Religionen, daß die Menschen zuerst Gott geschaffen haben, um ihn dann anzubeten; daß aber der Gott, der angebetet werden soll, in einer mit den modernsten Maschinen versehenen Druckerei auf rotem Papier hergestellt werden kann, das zu entdecken, blieb erst der Krakauer Filiale beim obersten Gerichtshöfe Vorbehalten. Was Esther Frisch hauptsächlich belastet, ist das Verhalten nach dem ersten Besuche des angenehmen Gastes. Nach seinen Belehrungen hätte sie sofort die Pflicht gehabt, die bereits eingewickelten Pakete auszupacken und die Emballage mit gebotener Ehrfurcht zu beseitigen; bis dahin wäre ihr immerhin noch zuzubilligen, daß ihr das Bewußtsein fehlte, eine Religionsstörung zu begehen. Was im Anfang kein Vergehen war, gewann diesen Charakter, als der Wasenmeister mit seinen religiösen Gefühlen Schindluder zu treiben anfing. Auf diese Weise ist es also glücklich in die Hand irgend einer weiblichen oder männlichen Betschwester gegeben, Verbrecher zu schaffen, wo keine Verbrechen begangen wurden. Und der unglückliche Besitzer eines Jubiläumstaschentuches kann jeden Augenblick durch einen beliebigen Ueberpatrioten zu einem Majestätsverbrecher gestempelt werden. Pedanten werden übrigens in der Zumutung, die fertigen Pakete auszupacken, auch noch den Zwang zu einer religiösen Handlung finden, der nach Hem Staatsgrimdgesetz — das komische Ding gewährleistet auch die Gewissensfreiheit — ausgeschlossen sein sollte. Doch wozu noch Worte. Der Kassationshof hätte seine christliche Mission nicht erfüllt, wenn er Esther Frisch freigesprochen hätte. Er hat freilich unsere Rechtsprechung für unabsehbare Zeit vor der der ganzen Kulturwelt blpßgestellt. Aber anderr wärts hat er Begeisterung geweckt- In Krakau. Bej Peter Bilinski. Auf dem Schindanger. öps Kgtus- Am 2. Fqfeer hielt der Vorstand eine öffentliche Sjtgupg'äbrunj anläßlich des 100. G e büt r. t s ta g;e$ des 1894 verschiedenen. G.e me i n de Sekretär s Lqd.W.ijr August Ftftnljl dgggeq ftndeqkenzu ehren.1 Präsidgijt tk, Sftqtji zitierte Frankls Gedicht „Der alte und' der neue Friedhof“, das mit den Worten beginnt: ^Nichts als die Gruft war unseren Vätern eigen?, um darzutun, daß Frankl noch in jener für uns Juden so schlechten Zeit gelebt und für das Judentum gewirkt hat. Froh sei Frankl dem Rufe nach dem heiligen Lande der Väter gefolgt, um die den Namen der Stifterin Elise Herz geh. v. Lämel noch heute tragende Volksschule in Jerusalem zu errichten, welche als Musteranstalt unter der Patronanz der österreichischen Regierung stehend und von der Wiener Kultusgemeinde fortlaufend subventioniert, tausende Glaubensbrüder tüchtig ausgebildet hat. Wohl durch die orientalischen Augenkrankheiten angeregt, habe Frankl später Freiherrn Jonas v.Königswarter zur Gründung des jüdischen Blindeninstftuts auf der Hohen Warte bestimmt. Wenn auch die Politik mit der Kultusgemeinde nichts zu tun habe, so müsse er, der Präsident, dennoch der undankbaren österreichischen Gesetzgebung und Regierung jene Anklage Vorhalten, die ihm der Genius loci zuflüstere. Denn in diesem Hause habe der Mann gewohnt und gewirkt, der den Ruf nach Recht im Kremsierer Parlament erhob, der todesmutig auf die Barrikaden trat und zu dem später die Staatsmänner pilgerten. Schon durch. Frankls herrliche Freiheitsode „Das Lied an die Universität“, die begeistert und begeisternd aus diesem Hause klang, sei es — trotz seiner Verfallenheit — für immerdar geheiligt. Zu dieser flammenden Ansprache will uns nicht recht stimmen, was Karl von Thaier am;0 Jänner 1910 zu Frankls Gedenken in der „Neue Freie Presse“ schrieb. Daß Tahler wehmütig der gemütlichen Sylvester-Feiern gedenkt, weiche er durch Jahrzehnte im gastlichen Hause des Kultussekretärs mitgemacht hat, ginge noch an. Bedenklich aber ist eine weitere Notiz. Darnach habe Frankl erzählt, daß der in seiner Dichtung „Der Primator“ dargestellte Plager'Rabbinely der aus Schmerz-über’die Taufe seines Sohnes diesen, das Haus und die ganze Familie dem Flammentode übergibt, sein Vorfahre gewesen sei; dann habe Frankl mit milden Lächeln hinzugefügt: „Siehst Du, wie sich die Zeiten ändern? Wenn sich meine Söhne taufen lassen, werde ich nichts dagegen haben. Ich denke an Nathans Erzählung von den 3 Ringen.“ Es wäre wohl Pflicht des Kultuspräsidenten, das Apdenken Frankls gegen die Verunglimpfung durch derartige Feuilletons zu schätzen. Jüdisches Theater Regie: M. Siegler. Hotel „Stefanie,“ II., Taborstraße 12. Ab Freitag den 4. Februar 1910. Der wilde Mensch. Von J. Gordin'. Sonntag den 26. Februar 1910: Volkstümliche Nachmittagsvorstellung zu halben Preisen. Zur Aufführung gelangt: Bar-Kochba. Von A. Goldfaden. Wochen-Repertolr.: Montag, dei\ 7. Februar 1910. Die Seder-Nacht. Von J. Lateiner. Dienstag den 8. Februar 1010: Kreutzer-Sonate, Von J. Gordin, Mittwoch den 9. Februar 1910: Der jüdische Hamlet. Von Zaiatarowsky. Donnerstag den 10. Februar 1910: Die jüdische Neschome. Von J. Gprdin. Studenten zahlen an Wochentagen halbe Preise.

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