Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Nr. 5 Beiträge und Beteiligungen nehmen alle Landessämmelsfelten des jüdischen Nationalfonds und das Hauptbureau in Köln, Karolingerring 31 (z. H. des Herrn Dr. M. J. Bodenheimer) entgegen. Im Namen, des Komitees des Jüdischen Genossenschaftsfonds: Dr.M.J.Bodenheimer, Köin Dr. A. H a n t ke, Berlin J. H. Kann,-Haag S. Kaplansky-Kaplan, Wien Dr. N. K a t z e n e I s o h n, Libau L. J. K e s s 1 e r, London J. Kremenezky, Wien ifc Dr. Franz Oppenheimer, Berlin' Dr. Max Rosenfeld, Lemberg Dr. E. W. T s c h I e n o w, Moskau Prof. Dr. 0. W a r b u r g, Berlin D. Wolffsohn, Köln. Sitzung des Engeren Aktionskomitees. Am Montag den 24. und Dienstag den 25.Jännär 1910 fand in Berlin im Bureau des Palästinaressorts eine Sitzung des Engeren Aktionskomitees statt, an der, außer den Mitgliedern des EAC., Präsident Wolffsohn, J. H. Kann und Prof. Warburg, die Präsidenten des JNF. und des JCT., Dr. Bodenheimer und Dr. Katzeneisohn, und Herr Hoofien teilnahmen. Für die Angelegenheit der Siedlungsgenossenschaft wurde Herr Dr. Franz Oppenheimer, für die Organisationsfragen Herr Dr. Hantke zugezogen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Vorbereitung der Propaganda für die Siedlungsgenossenschaft. Es wurde beschlossen, das Komitee für die Verwaltung des Genossenschaftsfonds aus den Herren Dr. Franz Oppenheimer, Prof. Warburg und Dr. Bodenheimer zusammenzusetzen. Zur Propaganda für den Fonds soll ein Aufruf veröffentlicht werden, der von den Mitgliedern des EAC., des Direktoriums des JNF. und drei Vertretern der Poale Zion unterzeichnet werden soll. Die weitere Agitation und Propaganda soll von den Sammelstellen des JNF. übernommen jwerden. , Auf Vorschlag des Präsidenten wurde beschlossen: Die David- und Fanny-Wolffsohn-Stiftung soll als Grundstock zur Schaffung eines Fonds für den Bau von Arbeiterhäusern in Palästina verwendet werden. Auch für diesen Zweck soll eine Sammlung eingeleitet werden. Die vom IX. Kongreß gefaßten Beschlüsse wurden eingehend besprochen. Die Durchführung derselben wurde in die Wege geleitet. Eine Eingabe der amerikanischen Federation sowie ein Gesuch des Order of Ancient Maccabeans sollen dem Großen Aktionskomitee vorgeiegt werden. Bezüglich der Verwaltung der Oelbaumspende wurde bestimmt, die bereits früher beschlossene Vereinigung der Propaganda und Sammeltätigkeit für die Oelbaumspende mit dem Hauptbureau des JNF. bis zum 1. April d. J. durchzuführen. Herr Prof. Warburg erstattete sodann Bericht über die Vorbereitungsarbeiten für das Mikrobiologische Institut. Das Komitee soll, nachdem der Vorsitzende Herr Dr. Arndt gestorben ist, anderweitig ergänzt werden. Es folgte eine Beratung über Organisationsfragen. Hier wurde beschlossen, innerhalb des Zentralbureaus ein besonderes Dezernat für die Schekeleinziehung und die Propaganda einzurichten. Zur Durchführung dieser Arbeiten wurde ein Komitee, bestehend aus den Herren Dr. Bodenheimer und Dr. Hantke eingesetzt. In New York wird von privater Seite ein Aufruf für eine neue Sammlung zwecks Landerwerbes in Palästina verbreitet, der nach Form und Inhalt durchaus ungeeignet ist. Das EAC. beschließt, allen Landesorganisationen und Föderationen sowie der zionistischen Presse zur Kenntnis zu bringen, daß öffentliche Sammlungen für zionistische Zwecke lediglich mit Genehmigung der Landesorganisation und des EAC. erfolgen dürfen und daß vor allen privaten Sammlungen, die einer Kontrolle der zionistischen Organisation entzogen sind, gewarnt wird. Den weiteren Gegenstand der Beratung bildeten Beschlußfassungen über Presseangelegenheiten, die Vorbereitung des Agrarkreditinstituts und einige andere Fragen. Generalversammlung des Jüdischen Nationalvereines für Oesterreich. Unter zahlreicher Beteiligung der Mit- | glieder fand am Montag den 31. Jänner; die ordentliche Generalversammlung des i Jüdischen Nationalvereines für Oesterreich; statt. Der Vorsitzende, Gg. Dr. Lanzer, I erstattete den Rechenschaftsbericht. Der j Verein hat eine eifrige Propagandatätigkeit; entwickelt, die insbesondere in der Provinz | dank der Bemühungen des Gg. Dr. Kadisch I sehr erfolgreich war. Ebenso hat der Verein j zu allen politischen Fragen, welche jüdische Interessen tangierten, Stellung genommen. (Kurie; der Juden Bosniens und der Bukowina.) Für dein Wahlfond anläßlich der Reichsratsersatzwahl in Bobrka hat der Verein ca. 900 Kronen gesammelt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 418. Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel dankt dem Vereine für seine Tätigkeit auf dem Gebiete des Rechtsschutzes. Hierauf folgte eine anregende Diskussion, in der prinzipielle und taktische Fragen besprochen wurden. Dem Vorstand wurde für seine Arbeit Dank und Vertrauen votiert. — Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Abgeordneter Dr. Heinrich Gabel, Obmann; Abgeordneter Adolf Stand, erster Obmannstellvertreter; Dr.Hermann Kadisch, zweiter Obmannstellvertreter; Leopold Sitzmann, Schriftführer; Moses Hammer, Kassier; Oberingenieur Emil Fried, Ingenieur Robert Stricker, Alexander Geller, Dr. Alfred Lanzer, Dr. Otto Abeies. Aus dem jüdischen Leben. Ein aufgehobenes Urteil. (Verhandlung vor dem obersten Gerichtshöfe.) Die Brüder Rochner hatten sich als Vorkämpfer der zionistischen strenggläubigen Lemberger Jugend den Zorn der Chassidim zugezogen. Die Gegnerschaft der Antizionisten wurde immer leidenschaftlicher ’ und verdichtete sich schließlich zu einem regelrechten Ueberfall auf die Brüder Rochner während des Gottesdienstes in einer Synagoge. Sämtliche Beteiligte — auch die Ueberfallenen — wurden vom Lemberger Straflandesgerichte zu Arreststrafen in der Dauer von 3 bis 7 Tagen verurteilt. Ueber die von den Verurteilten eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde hat vor einigen Tagen die Verhandlung vor dem obersten Gerichts- und Kassationshofe stattgefunden, bei welcher die Brüder Rochner durch den Obmann des Wiener zionistischen Zentralvereines, Gg. Dr. Jakob K o h n, vertreten waren. Nach langer Beratung hat der oberste Gerichtshof das erste Urteil aufgehoben und die Sache zur neuerlichen Verhandlung an das Erkenntnisgericht zurückgewiesen. Mauschel nimm dich in acht! Aus Hamburg wird der Wiener „Zeit“ telegraphiert: Unter dem Namen „Moria“ wurde von der Hamburger israelitischen Kultusgemeinde Altona eine Gegenorganisation gegen den Zionismus gegründet, die auf Deutschland und das Ausland ausgedehnt werden soll. Wir fühlten uns verpflichtet, zur Erheiterung unserer Leser diese Nachricht wiederzugeben. An die Gründung dieser merkwürdigen „Organisation“ Bemerkungen zu knüpfen, ist wohl überflüssig. Rabbi Zwi Hirsch Rabbinowitsch gestorben. Der berühmte „Kownoer Raw“, Rabbi Zwi Hirsch Rabbinowitsch, ist gestorben. Das Leichenbegängnis fand unter ungeheurer Teilnahme der Juden statt. Der Korrespondent des „Israelit“ gibt nachstehende Schilderung: Am Donnerstag in aller Frühe fing man mit den Vorbereitungen für die Bestattung an. |eder Zug, jeder Dampfer bringt neue Trauergäste. Ungeheure Massen kommen per Wagen und zu Fuß herbeigeströmt. Um 9 Uhr ist die Straße von schwarzen Menschenwogen dicht gefüllt, der Verkehr ist eingestellt, alle Läden — auch die der Christen — geschlossen, alle Straßenlaternen auf Befehl des Gouverneurs angezündet. Die gesamte Polizeimannschaft ist aufgeboten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie muß nur selten in Aktion treten. Schweigend und tiefgebeugt bewegt sich die Menge. Man denkt unwillkürlich an die Bestattung des. alten Kownoer Raw. Der . Schmerzist'unbe-' schreibiich ... Dergreise Rabbiner aus der Nachhargemeinde Slobodke versucht an seinen Freund und Kollegen . ein paar Abschiedsworte zu richten. Aber er findet keine Worte, er sagt etwas mit vor Tränen erstickter Stimme und alles schluchzt laut, auch der Gouverneur und die Beamten weinen, sie sind von der ganzen Szene sichtlich hingerissen und sehen es vielleicht zum erstenmal, wie eingedrücktes, unglückliches Volk über seinen großen Toten trauert... Getragen von „Peruschim“, erreicht die Bahre um 11 Uhr das Beshamedrasch, in dem der Rabbi täglich zu beten pflegte. Dort spricht der erste Dajan ergreifende Worte des Abschiedes, aber nur wenige können die Worte hören. Die Menge steht draußen bei strömendem Regen und harrt . . . Gegen 1 Uhr erreichte der gewaltige Zug, angeführt von Psalmen rezitierenden Talmudthoraschülem den p"rQ> aber erst um 3 Uhr konnte die Beerdigung vor sich gehen, denn noch viele Rabbiner ergriffen das Wort, um den Verlust zu schildern, die Massen zu trösten ... Volkswirtschaft. (Verkehrsbank. — Giro- und Kassenverein. — Südbahn). Die vergangene Woche brachte wieder verschiedene Abschlüsse von Banken. Zuerst erschienen vorläufig Mitteilungen der k. k. priv. allgemeinen Verkehrsbank über die Ergebnisse des Jahres 1909. Die Leitung dieses Institutes hat es verstanden, durch energische Tätigkeit den Geschäftskreis der Bank, namentlich durch Errichtung zahlreicher Filialen, sehr stark auszudehnen. Außerdem hat sich dieselbe auf dem Gebiete des Emissionswesens in hervorragender Weise betätigt, und zwar mit günstigem Erfolg. Das Institut, welches früher kaum beachtet worden ist, hat sich rasch großes Ansehen erworben und gilt als eines der bestgeleiteten Institute hier. Dementsprechend ist auch das Jahreserträgnis ein günstiges. Der Rechenschaftsbericht ist noch nicht erschienen, sondern nur eine Mitteilung durch Tagesblätter erfolgt, welche summarisch die Ziffern der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung publiziert. Nach Erscheinen des Berichtes werden wir eventuell auf die Einzelnheiten zurückkommen. Es wäre wünschenswert, daß bei Veröffentlichung von Bankbilanzen auch ein spezifiziertes Verzeichnis des Effektenvorrates, sowie der Konsortialbeteiligungen veröffentlicht würde. Vielleicht wird die Leitung dieses Institutes mit dem guten Beispiel vorangehen und mit dieser Neuerung vor das österreichische Publikum treten. Ebenso erwünscht wären einige Daten über die Zusammensetzung der Debitoren und Kreditoren. Dies ist bei allen Banken das wesentlichste Moment zur Beurteilung ihrer Geschäftsgebarung. Auf den Kurs der Aktien hat die günstige Bilanz nicht den von der Verwaltung erwarteten Eindruck gemacht. Er ist seit Bekanntgabe des Vorschlages für die Dividende eher zurückgegangen. Spekulative Käufe dürften in diesem Effekt wenig Vorkommen, da dasselbe zumeist in Händen von Kapitalisten oder doch kapitalskräftigen Firmen ist. Aber auch die Kapitalisten scheinen nicht befriedigt zu sein, denn bei einem wesentlich besseren Erträgnisse und Vortrag für bedeutende, unverrechnete Gewinne kann der Aktionär auch eine verbesserte Dividende erwarten. Dies insbesondere, weil ein großer Teil der Aktien von Neuemissionen herrührt und mit einem hohen Agio einbezahlt worden ist. Es wäre also am Platze gewesen, die Dividenden etwas zu verbessern und hätte dies der Stärkung der Reserven nicht geschadet. Das ist, wie wir hören, die allgemeine Stimmung in seriösen Aktionärkreisen. Die Verwaltung