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Jüdische Zeitung · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 Um den Boden für eine gründliche | programmatische Aussprache zu schaffen, habe ich am letzten Wiener Distriktstag den Antrag gestellt, ein „Freies zionistisches Seminar“ zu begründen. Das Distriktskomitee wird diese Anregung in nächster Zeit zur Ausführung bringen. Hoffentlich findet dies Beispiel auch in anderen Orten Nachahmung, so daß das geistige Leben in unserer Partei wieder so gepflegt werden kann, was zum größten Schaden für die Anziehungs- und Festhaltungskraft unserer Idee bisher gröblich vernachlässigt wurde. Mit bestem Zionsgruß Adolf Böhm. Eine erfreuliche Statistik. (Opferwilligkeit der Zionisten Oesterreichs.) I. In Nr. 10 der „Jüdischen Zeitung“ ex 1909 haben wir für das Jahr 1908 zum erstenmal eine nach Distrikten geordnete Statistik der N.-F.- und Oelbaumspenden aus Oesterreich gebracht. Die damals noch arge Zersplitterung in der Abführung dieser Spenden hatte uns nur eine ungefähre Berechnung ermöglicht. Dank der seither strikt durchgeführten Zentralisierung der Geldabführung auf dem Wege unserer Landessammelstelle können wir heute für das Jahr 1909 eine genaue Distrikts-Statistik verlautbaren und so den einzelnen Distrikien und ihren Kommissären ein klares Bild ihrer Tätigkeit oder Untätigkeit, ihrer Erfolge oder Mißerfolge Vorhalten. Die Statistik ist nach der „Jüdischen Zeitung“ als dem offiziellen Ausweisorgan für Oesterreich bearbeitet mit Bedacht auf die Ausweise der „Welt“ über jene wenigen Spenden, welche statt an uns direkt an die Zentralbehörden gingen. Der leichten Uebersichtlichkeit wegen, wurden alle Beträge auf ganze Kronen auf- oder abgerundet. Die sonach für 1909 ermittelte Jahreshauptsumme beträgt K 79.299, beziehungsweise nach Zurechnung des von uns nach Köln abgelieferten Materialerlöses per K 751.—, gar K 80.041 und übersteigt die Summe für 1908 per K 59.030 um K 20.260 bis K 21.011. Die K 79.290 verteilen sich auf die drei Gebiete, in welche die zionistische Landesorganisation Oesterreichs seit nun mehr als drei Jahren zerfallen ist, wie folgt: 1. Westösterreich.K 38.108.— 2. Galizien.. 36.552.— 3. Bukowina.„ 4.630.— Da 1908 auf Galizien K 28.900.—, Westösterreich K 22.300.— und Bukowina K 5500.— entfallen war, hat Westösterreich durch seine raschere Entwicklung Galizien überflügelt, während die Bukowina sogar zurückgegangen ist. Unter den 8 Distrikten hingegen ergibt sich folgende Reihung, wobei die 1908 erzielten Summen zum leichteren Vergleich in Klammern beigesetzt sind: allzu üppig bewachsenen Bergeshängen oder an den Steppenrändern der Wüste. — -- Und dann wieder Aegypten! Sphinxe aus Ptolemäerzeit und die Katakomben von Chöm esch Schukä fa, ein Stück der alten Totenstadt. Ein Skeletknöchelchen, das ich mit nach Hause nahm, mag vielleicht einem allen Bedrücker unseres Volkes angehören — doch nein! die liegen ja noch unversehrt im britischen Museum in Kairo — und auch die Mumien des hiesigen Museums gehören späteren Königen an. Mehr der Name als der Anblick Alexandriens weckt alte Erinnerungen. Wie jetzt aus Wien und London, kam man ehemals aus Jerusalem, um hier Handels- und primitive Bankinstitute zu gründen. Auch Synagogen gab es, wie Philo berichtet, in der ganzen Stadt. Die Juden hatten einen großen Stadtteil inne, das sogenannte Delta, nahe dem Königspalast, freie Selbstverwaltung und großen Einfluß. Aber sie stießen hier an ein anderes Volk mit großen nationalen Traditionen und einer vollendeten Kultur, die hier in einer Riesenbibliothek aufgespeichert war. Und hier entfaltete sich die Blüte der griechischen Wissenschaft. Aber hier enstand auch jene erste große Kulturvermischung, bei der wir vielleicht mehr gaben als empfingen. Das Judentum wurde nicht griechisch, ebensowenig wie das Griechentum jüdisch. Aber wir gaben unsere Bibel und nahmen dafür das Gymnasium. 1. Innerösterreich . . . . K 14.530.— (K 7900.—) 2. Böhmen.„ 12.904.- („ 7.500.-) 3. Südgalizien.„ 12.405.— („ 11.000.—) 4. Ostgalizien.„ 11.390.— („ 8.800.—) 5. Mähren-Schlesien . . . „ 10.674.— („ 6.900.—) 6. Westgalizien.„ 8.023.— („ 5.100.—) 7. Podolien.„ 4.734.- („ 4.GC0.-) 8. Bukowina.„ 4.630.— („ 5.500.—) Sonach haben Innerösterreich und Böhmen sich vom 3. und 4. Platz auf den 1.- und 2., an Stelle Süd- und Ostgaliziens vorgeschoben, während die Bukowina — der einzige Distrikt mit einer absoluten Abnahme! — vom 6. Platz, hinter Westgalizien und Podolien auf den letzten Platz zurückfiel. Werden aber die Leistungen der Distrikte relativ, d. h. im Hinblick auf die Zahl ihrer jüdischen Einwohnerschaft gewertet, so haben per Kopf und Jahr 1909 (beziehungsweise 1908) in Hellern aufgebracht: 1. Mähren-Schlesien mit 56.243 Juden . 18'98 h (12*3) 2. Böhmen „ 92.745 » . 13 91 „ (81) 3. Innerösterr. (ohne Dalmatien) „ 168.056 ff . 8 65 „ (4-7) 4. Südgalizien „ 205.000 ft . 6 05 „ (5.4) 5. Bukowina „ 96.150 ft . 4 82 „ (5 7) 6. Podolien „ 105.000 ft . 4-51 „ (38) 7. Westgalien „ 192.000 ft . 4M8 „ (27) 8. Ostgalizien „ 309.000 ft . 3-69 „ (2.8) Sofort fällt der starke Vorsprung Westösterreichs auf, welchen es allerdings zunächst der günstigeren wirtschaftlichen Lage seiner Judenschaft verdankt. Innerösterreich isi wohl vom 5. auf den 3. Platz vorgerückt, wobei es mit der Bukowina den Platz tauschte, es würde jedoch viel schlechter abschneiden, wenn die zirka 30.000 Juden, welche seit der Volkszählung vom Jahre 19C0 aus den Sudeten- und Karpathenländern nach Wien zugewandert sind, mit in Rechnung gebracht wären. Uebrigens ist in der Summe Innerösterreichs eine Oelbaumspende Kremenezkys von21C0K inbegriffen. Ostgalizien hat an Stelle Westgaliziens den letzten Platz besetzt. II. Unser Ehrgeiz hat sich nicht darauf beschränkt, in die Sammlung der NF- und Oelbaumspenden Ordnung zu bringen, vielmehr haben wir auch darnach gestrebt, sämtliche Zahlungen, welche für Erfordernisse der zionistischen Ges a m t p a r t e i bestimmt sind, (mit Ausnahme des Schekels, dessen Inkasso den Zentral-Bureaus in Wien, Lemberg und Czernowitz zusteht), bei uns zu zentralisieren. Bei diesem Streben leiteten uns mehrfache Erwägungen: 1. gilt es die gesamte Geldleistung der Zionisten Oesterreichs festzustellen, um ihnen Selbstvertrauen und den gebührenden Respekt in der Gesamtpartei zu verschaffen, 2. soll bezüglich jener Institutionen, welche nicht rein parteimäßig sind, wie z. B. der „Bezalel“, der überwiegende Anteil der Zionisten an den Ein- Nur im Reingeistigen vollzog sich aus den alternden Elementen des Griechentums und des biblischen Judentums eine neue Synthese, die sich in „Philo Judaeus“ verkörperte. Und hier lag auch die Quelle des ersten Christentums oder besser gesagt, des Essäertums. Seltsam, daß in Alexandrien dies alles, Griechentum, Judentum, „Judengriechentum“, spurlos versunken ist. Waren es nur die Flammen des muslimischen Fanatismus, der Häuser und Bücher vernichtete, oder war es, daß jene Mischkultur keine reale Lebenskraft, keine Wurzeln und keine ewigen Monumente haben konnte. Neulich fand man geringe Spuren eines alten Tempelgebäudes, eben als man eine Schule und Synagoge bauen wollte. Aber fast die ganze Stadt ist modern, erinnerungslos, dem Handel geweiht. Ihre neuere Historie reicht bis auf Napoleon zurück, der die Stadt bezwungen, ihr Aufschwung bis auf Mehmet Ali, der in der Stadt ein prächtiges Denkmal hat. Die Neuerbauung des Nilkanals hat einen Hauptanstoß zum Aufschwünge gegeben. In den letzten Jahrzehnten haben vor allem die Engländer die Verschönerung und Modernisierung der Stadt herbeigeführt. Besonders prächtig, ein Gartenparadies ist das nahe Er Romleb, seine Pracht unmittelbar der Wüste abgezwungen. gängen konstatiert und somit unser fortdauernder Anspruch auf die Mitverwaltung an diesen Institutionen sichergestellt werden, 3. wollen wir auch die Gesamtleistung der einzelnen Distrikte ermitteln, um Lob und Tadel nicht an die einseitigen Ergebnisse gerade der NF- Sammlungen knüpfen zu müssen, und nicht zuletzt sollten alle Institutionen von der NF-Verwaltung zu deren Auslagen, um diese so perzentuell herabzudrücken, entsprechend herangezogen werden. Da diese anderen Institutionen, wie unsere drei Banken (JCT, APC, ALBC), ferner die PLDC, der „Bezalel“, das Hygienische Institut, Parteifond, Kulturfond etc., ja auch bisher ihre Inkassospesen hatten, gingen sie auf unser Zentralisierungsverlangen durchwegs ein und wird sich zweifellos dieser Rechtszustand, welchen das EAC in seiner letzten Sitzung vom 24. und 25. Jänner 1910 dankenswert bekräftigt hat, bald auch faktisch ausnahmslos durchgesetzt haben. Vorläufig jedoch geht nur ein Teil dieser Gelder durch unsere Hände und sind wir bezüglich des Restes auf die von jenen Institutionen in der „Welt“ verlautbarten Ausweise angewiesen, welche jedoch bisher vieles an Vollständigkeit und Uebersichtlichkeit zu wünschen übrig ließen. Daher darf auch die folgende Statistik nur als ein erster tastender Versuch gelten. Es haben sonach von der glaublichen Jahreshauptsumme per K 24.335.— aufgebracht: 1. Westösterreich. .K 15.354.— 2. Galizien. 2. Bukowina. .. 1.142.- und die Distrikte: 1. Innerösterreich. .K 12.187.- 2. Südgalizien. 3. Westgalizien. .„ 2.878.- 4. Mähren. .„ 1.787.- 5. Ostgalizien. .„ 1.650.— 6. Böhmen. 7. Bukowina. .„ 1.142.— 8. Podolien. 199 innerösterreich verdankt seinen Vorrang der von Herrn Kremenezky mit K 3.000.— eingeleiteten Sammlung für das Hygienische Institut. III. In obangeführter Summe von K 24.335.— sind enthalten an Spenden für das Hygienische Institut ca.. . K 11.500.— Ferner brachte Oesterreich laut des dem Kongreß vorgelegenen Berichtes des EAC pro 1908/9 dem Parteifond „ 4.089.— Laut des vom 1. Oktober 1908 bis 1.Oktober 1909 reichenden Berichtes des „Bezalel“ diesem K 9757.—, wovon auf zionistische Spender ungefähr entfallen .. 6.000.— Schätzen wir ferner die Leistungen Oesterreichs für die Banken, die PLDC, den Kulturfond etc. auf.„ 8.000.— Rechnen wir hiezu die N.F.- und Oelbaumspenden per ca.„ 80.000.— und die laut AK-Bericht für 1908/9 verbuchten Schekelgelder per . . „ 25.246.— so ergibt sich für Oesterreich eine Jahreshauptsumme der Geldleistungen für Zwecke der Gesamtpartei von ca K 135.000. — , fast durchwegs — und das ist unser größter Stolz — von den Massen durch heiler- und kronenweise Opfer aufgebracht! Wird schließlich erwogen, daß die Zionisten Oesterreichs nebst den Vereins-, Distrikts- und Landesbeiträgen, welche auch anderwärts üblich sind, noch hoch in die Tausende gehende Lasten für Kultus-, Reichsrats- und Landtagswahlen zu tragen haben, dann wird niemand, der für seine Worte verantwortlich sein will, uns eines Mangels an Opferwillen und Arbeitseifer zeihen dürfen. Darum machen wir uns zu Beginn des neuen Rechnungsjahres die Parole der Parteileitung ohne Selbstvorwurf und voll Selbstvertrauens zu eigen: Auf! an die Arbeit! Die Landessammelstelle des JNF für Oesterreich, Wien, IX., Türkenstraße 9.

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