Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2438141-2438273-2438278--1680-2441290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jSeft&g ig fg2^ lODlseHg^ElfUNCl: gf^gj § *0*% -y^§; p g|. 5 der Politik nicht sentirn&taie.. uji§r--pers6n- Uche, sondern nur reiii pblitische'Gesichts erfolg $£hqn dkfaus leicht zu erklären ist, Solche «htipent Richtige und von i|ns beflossene?and in ^usfülirung? begriffene eitep; ijjf Palästina sollen Käber*ff nach u^iseijM^näicht n£deö$ff§ tel|uftit».4eg, Partrapropäganda;gestellt': werden. ' - ■ -.5 Dies ..ist nflur -te i n Deispie I, aber. einr; typisches: Die Opposition “nvuß aus solchen-; und ähnlichen Vorfällen (geringe Propaganda für Verkauf der ÄPC.-Aktien, unzureichend e'A u sde hn u n g d e r T äfigk ei t der APC. etc.) naturgemäß den Rückschluß ziehen, daß das Präsidium einen anderen prinzipiellen Standpunkt einnimnit, als sie, respektive die Mehrheit des achten und neunten Kongresses. Dieser Eindruck muß zur Gewißheit werden, wenn Dr. Nordau als authentischer Interpret des Zionismus auf die Tribüne berufen wird und als solcher die Prinzipien der verflossenen Richtung verkündet: Warten, warten, warten — bis man das ganze Volk gewonnen habe Man „mag“ inzwischen auch in Palästina arbeiten. Die Forderung der „Opposition“ und Warburgs, daß die palästinensische Richtung in der Leitungzu verstärken sei,war daher sachlich und prinzipiell vollkommen berechtigt. Nichts bezeichnet übrigens den Grad politischer Reife der Partei besser, als der Umstand, daß wir uns nur auf Grund von Rückschlüssen ein Urteil über die prinzipielle Meinung unseres Präsidenten bilden können, anstatt daß wir von vornherein keinen Mann in die Leitung wählen, den wir nicht auf ein Minimalprogramm, welches vom Kongresse aufzustellen wäre, verpflichtet haben. Das ist die Hauptquelle aller Wirrungen. Der achte Kongreß hatte bereits dem Palästina-Evolutionismus zum Siege verholfen, anstatt aber eine Leitung einzusetzen, welche auf dem Boden desselben stände, wählte man ein Dreierkollegium, in dem nur ein Mann strikter Anhänger jener Richtung war. Wann werden wir endlich aufhören, um Personen zu würfeln, anstatt dafür zu sorgen, daß die Leitung der politische Ausdruck der Kongreßmehrheit ist? Hätte der achte Kongreß dafür gesorgt, dann hätte es auch nicht Vorkommen können, daß am neunten Kongreß von der Kongreßtribüne autoritativ der Zionismus im Sinne einer längst überwundenen Richtung interpretiert wird. Dr. Nordau mag eine noch so gewaltige Persönlichkeit sein; wenn seine politische Ansicht im Widerstreit steht mit derjenigen der überwiegenden Kongreßmajorität, so darf er nicht zum offiziellen Sprecher gemacht werden. Wenn wir den geringsten Grad politischer Reife besitzen, so dürfen wir solche Vorkommnisse bei aller Verehrung für die Person Nordaus nicht weiter zulassen. Wie oft soll man denn die Binsenwahrheit predigen, daß in funkte zu gelten haben..y / V- > Hättet Dr. Nordau äbeic^nur den; Zio-; trotzdemerejne von der Majorität abweichende Dar- ^1iurig:verkünäete,-ihm diese kritiklos zur fejubelt. Es müßte erst Stärker f kommdn, ämit es endlich demfKongreß aüfdäfnmere, wje gefährlich es ist, von unverantwortlichen Persönlichkeiten Politik treiben zu lassen. Ich meine natürlich jenen Teil der Rede Nordaus, in welcher er der wohlabgewogenen Erklärung, die unser Präsident im Einvernehmen mit dem großen AC. abgab und die tatsächlich unser offizielles Programm ist, jede Wirkung benahm, indem er ganz andere Ansichten autoritativ verkündete. Dies war ein schwerer politischer Fehler, dessen Folgen sich schon zeigen (Interview Nassim Bey) und der hoffentlich allen Zionisten klar machen wird, welcher Mangel an politischer Schulung darin liegt, andere als verantwortliche Männer der Regierung zu offiziellen Sprechern zu machen. Was wäre ferner nicht alles über den Mangel an politischer Schulung in Fragen der Taktik zu sagen, wie ihn alle Gruppen zeigten! Die „Regierungspartei“ vor allem, welche ohne Skrupel die nach mühevollen, aufreibenden Beratungen und Verhandlungen mit allen Faktoren zustandegekommene Einigung zunichte machte, ohne irgend einen Gegenvorschlag unterbreitet zu haben, was den Eindruck der Frivolität hervorrufen mußte. Der Präsident, welcher sich für die vorgeschlagene Lösung engagiert hatte, aber nicht mit dem vollen Gewicht seiner Autorität für sie eintrat, die Opposition nicht minder, von welcher die Russen ursprünglich einen Präsidenten (Dr. Nordau) verlangt hatten, dessen Auffassung des Zionismus im striktesten Gegensatz zu ihrer eigenen steht. Die Galizier, welche ohne jeden sichtbaren Grund in der letzten Stunde die Beschlüsse, welche sie während des Kongresses auf Grund langjähriger Erfahrungen gefaßt haften, teilweise umstießen und damit das Schicksal der Vorschläge des Permanenzausschusses besiegelten, an deren Zustandekommen gerade ihre Vertreter hervorragenden Anteil hatten. Schließlich die westösterreichische Landsmannschaft! War sie durch kluge Mäßigung und gegenseitige Konzilianz auf die sachlichen Forderungen der Opposition geeinigt, so ließen sich doch einige Mitglieder in eine Gegenaktion hineinzerren. Dem Mangel an politischer Schulung ist gewiß nicht leicht abzuhelfen, weil er seine Ursache darin hat, daß die Juden durch zwei Jahrtausende keine Politik betrieben haben.;: Abet:-eben weil hier sc-hwerwfegendek;:^f an ko yqrhaiiden ist,’.’ muß in j den einablnerj|Land^nanns<ihafteri;' auf die ' politisch^ "tiryL parlament^rische-Erziehung. ' der Zrbni^eri >.sehryiel/Gewicftt “ gelegt! Werden.’ :Däs Grundprinzip däbePmüB sein,; daß. in den Organisationen eine politischem WilienSbildüng ermöglicht wird, daß sich alle, auch ^die Minorität;- den einmäLgefaßten Beschlüssen unterordnen, daß die Leitungen auf Grund; des beschlossenen^ Programmes gewählt und auf dieses verpflichtet werden und daß last not least kein Zionist, er sei wer immer, das Recht hat, sich an Stelle der gewähIten_Leitung als „Wortführer“ aufzuspielen, die offizielle Parteipolitik zu durchkreuzen etc. Letztere Forderung ist am schwersten durchzusetzen, weil, wir allzusehr Individualisten; sind. Hier in Wien hat seinerzeit die | Durchführung jener Prinzipien durch den : Reorganisator des Distriktes, Dr. Isidor :Margulies, schwere Kämpfe zur Folge gehabt, doch ist es schließlich bis zu einem gewissen Grade gelungen, sie durchzusetzen, freilich nicht ohne daß wir uns dabei aufgerieben haben. Die nachfolgenden Distriktskomitees habendie Arbeit mit ' Erfolg weitergeführt und der letzte Wiener. Distriktstag hat bewiesen, daß selbst hier, wo vielleicht die allertrostlosesten Verhältnisse in bezug auf Parteischulung herrschten, die Gesundung möglich war. Wird an anderen Orten ebenso energisch und ohne Ansehen der Person gearbeitet, dann wird der nächste Kongreß ein geschulteres Delegiertenmaterial vorfinden. Noch wichtiger ist es natürlich, daß, abgesehen von der korrekten Form, in welcher die Parteibeschlüsse zustande kommen und durchgeführt werden, deren Inhalt ein klarer und bestimmter sei. Bestimmt im Sinne einer programmatischen Grundanschauung. Der Kongreß hat bewiesen, welche furchtbare Verwirrungdiesbezüglich herrscht. Man arbeitet mit unklaren Begriffen, falschen Einteilungen, veralteten Schlagworten etc. Was nötig ist, was ich schon seit zwei Jahren verlange, eine Revision unserer Theorien, einem Ausbau unserer Anschauungen zu einem politischen System. Darin hat es die Opposition am meisten fehlen lassen, und deshalb ist eine wichtige positive Aufgabe all der Kritiker der Leitung ihre Postulate zu entwickeln, zu formulieren und zu begründen. Das ist die Voraussetzung dafür, daß der nächste Kongreß ein sachlicher wird, daß er die Richtlinien der künftigen Arbeit genau feststellt und nur eine Leitung wählt, welche die beschlossenen Grundsätze zu den ihren macht. senspangen befestigt sind — das sind die vornehmeren Frauen, während die ärmeren nur schmutzige Tücherfetzen über dem Gesichte tragen. Und dicht daneben modernste Großstadt. Stattlich breite Plätze mit prächtigen Parkanlagen, Paläste, elektrische Straßenbahn und riesige Kaufmagazine. Das Gewoge ist hier womöglich noch stärker, denn es umfaßt Orient und Okzident. Alle Sprachen spricht man hier, und außer dem seltsamen Anblick der Eingeborenen — Fellachen, Neger, Abessinier — sind alle Handelsvölker Europas hier vertreten: Engländer, Franzosen, Italiener und Griechen und ein starker jüdischer Einschlag. Wenn man aber an den Inhalt und Zweck dieser Kulturberührung, dieses Europäisierens im Orient denkt, dann muß einem das deutsche Gretchen einfallen: „Am Golde hängt usw. ln einem Automobil sausen zwei leibhaftige Beduinen vorüber. So kultiviert sich der Araber. Von allen Errungenschaften der europäischen Zivilisation gibt er dreien den Vorzug: dem feinen Restaurant, der Pariser Ansichtskarte und dem Grammophon. ' Er interessiert uns aber doch, unser semitischer Stammesbruder. Der da mit mir ging, war ein abgefeimter Spitzbube, das sollte sich bald zeigen, als er einen tüchtigen Gotteslohn für seinen freiwilligen Dienst des Mitgehens forderte. Es gibt aber doch manche interessante Gestalten. Da ist z. B. der Beduine, leicht erkennbar an seiner Kopftracht, dem weißen Tuch, bloß mit dem Agile, der Schnur aus Ziegenhaar, gehalten. Seine Haut ist braunglänzend, seine Gesichtslinien sind scharf geschwungen, seine Augen blitzend „wie die einer schlafenden Tigerkatze“ so sagt irgendwo ein Reiseschilderer. Der ägyptische Fellache ist dunkler als der syrische, sei es unter dem Einfluß intensiverer Sonnenglut, sei es durch abessynischen oder Negereinschlag. Des Abends sieht man stattliche Greise mit riesigen Turbans und seidenen Gewändern langsam auf der Promenade hin- und herschleifen, in den Zügen etwas von der bedächtigen Weisheit des Kadi oder dem Stolze des Effendi. So mögen die Führer eines ruhigen, modernen und typisch nationalen Jungarabertums äussehen. Soeben war in den Zeitungen von einer großen Versammlung berichtet, die Kiamil Pascha, der seither gestorben, in einem großen Saale Alexandriens abhielt. „Was fällt euch denn ein Kinder?“ so ungefähr klang der Artikel aus. „Gefallen euch denn unsere elektrischen Tramways nicht? Und unsere Geschäfte? Und unsere ganze Kultur, die wir euch bringen? Ihr wollt etwas gegen uns? Aber was fällt euch denn ein?“ Ganz eigenartig wirkt das Singen der Araber. Wer auch nur einmal einen altjüdischen Chanson gehört hat, mit seinem freien Kantilieren, den fast wehklagenden Ansätzen und sentimentalen Uebergängen, dem ganz fremdartigen Tongeschlecht, der wird im ersten Augenblick über eine gewisse Aehnlichkeit verblüfft sein. Es ist, als ob da eine Grundstimmung unverwüstet in unserem Volke sich noch erhalten hätte, wenn auch verkümmert und mit dem Fluche des Golus belastet. Wer weiß es? Ein Berliner Reformkantor sagt, es gebe keine Spuren jüdischer Musik. Und doch hatten jene ältesten Chasanim ihre Vorbilder nur in ihrer eigenen Tradition. Aber auch hier in den ägyptischen Handels¬ und Vergnügungsstädten, wo diese Weisen oft mit den Lockungen des Venusmarktes in. rätselhafter Verbindung stehen, auch hier wird ihre Heimat nicht zu suchen sein, noch weniger als in der frommen und doch seelisch verkümmerten Welt des- Ghetto. Ihre Heimat mag vielmehr dort liegen, wo heute noch wie ehedem primitive Hirtenschwärme ihrer einfachen Sehnsucht Ausdruck geben, des Nachts, um die Hirtenfeuer einsamer Zelte, an nicht