Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 4 Suczawa. (Tikwah). Der jüd.-nat-akad. Ver-. ein ^Tikwah“1 veranstaltete Samstag den 23. Jänner L'L-inüyüd.1 Haiis“ einen allgemein zugänglichen V ort ra gsahen fl, der einen glänzenden Verlauf -nahm: Nach der Begrüßung durch den Präses stud. iur.; Meier: T6ich ' sprach ■ ■ A; H. Dr. Josef Ellenbogen über „Die jüd. Psyche“. In einem großartigen Bilde schilderte er diezerrissene und zerklüftete ^Seel& dtes 'modernen Juden “und' tat: dann einen historischen Rückblick," in - welchen er die Grundzüge und die Entwicklung der jüd. Volksseele zeigte. Die größten Juden zeigen am besten die Licht- und Schattenseiten der jüd. Psyche. Moses, groß und gewaltig, ist bescheiden vor Gott. Und der auf Golgatha hat nur den von Sinai wiederholt und symbolisch verinnerlicht. Ein Grundzug der jüd. Seele ist auch das Wegwerfen des Heiligsten: Alles werfen die Juden weg, die Sprache und, von wilder Wanderlust ergriffen, das Land, ihre größten Männer und was ihnen alles ersetzen mußte, ihre Religion, um dann den Leidensweg des Martyriums zu gehen und sich nach allem zuriickzusehnen. Und die Seele des modernen Juden, der noch tief im geistigen und psychischen Ghetto steckt, ringt nach der alten Heimat, damit sie dort gesunde und ganz werde. Zum Schlüsse rezitierte Bsch. stud. phil. Anna Rauch aus der Bibel: „Moses’ Triumpflied uam Schilfmeer“, aus Morris Rosenfelds „Lieder des Lebens“, „In der Wildnis“ und „Freiheit“ und aus „Die Judenlieder“ von Donath: „War ein kleines, stilles Haus . . _ T. Personalnachricht. Sonntag den 16. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung unseres geschätzten Mitarbeiters und Gesinnungsgenossen Schriftsteller Dr. Dawid R o t b 1 u m mit dem Fräulein Josefine Greil aus SL Putilla statt. Gg. Dr. Leopold M e i s e 1 hat seine Advokaturskanzlei in Wien eröffnet. An Stelle des bisherigen NF.-Kommissärs für den Kreis I g 1 a u, Herrn Richard Weissenstein, wurde Herr Emil Singer zum NF.-Kommissär ernannt. Wir drücken an dieser Stelle Herrn W e i ssenstein für seine hingebungsvolle und opferfreudige Arbeit im Dienste unserer Sache, den besten Dana aus. Jüdischer Nationalfonds, Landesstelle für Oesterreich. Jüdisches Theater Regie: M. Siegler. Hotel „Stefanie,“ H., Taborstraße 12. Ab Freitag den 28. Jänner 1910. Neu! Premiere. Neu! Der Skandal im Theater. Von J. Rakow. Sonntag den 30. Jänner 1910 : Volkstümliche Literarische Nachmittags-Vorstellung halb 4 Uhr. Unter Arrangement des Akademischen Vereines „jüdische Kultur.“ Zur Aufführung gelangt: Sulamith. Von A. Goldfaden. ln Vorbereitung. ln Vorbereitung. Das Lustige Wab’l. Von Wilensky. Studenten zahlen an Wochentagen halbe Preise. V olks Wirtschaft. Oesterreichisch-ungarische Bank. Auf Wunsch verschiedener Abonnenten wollen wir auch in Zukunft den wirtschaftlichen Teil in unserem Blatte mehr pflegen, und namentlich dem Bank- und Kreditwesen unsere Aufmerksamkeit widmen. Von den Jahresabschlüssen der Banken ist jetzt zuerst, wie alljährlich derjenige der Oesterreichische-ungarischen Bank erschienen und enthält für die jetzigen Verhältnisse viel Interessantes, das wir an dieser Stelle besprechen wollen. Der Bericht ist erst vorgestern erschienen und wir können ihn daher nur kurz skizzieren. Das Geschäft der Bank hat auch dieses Jahr zugenommen, indem dasselbe einen Umsatz von K 11.677,000.000 auf weist, was gegen das Vorjahr eine Zunahme von K 502 Millionen bedeutet. Der Metallschatz der Bank, u. zw. Gold allein und auswärtige Goldwechsel im Betrage von 60 Millionen, betrug K 1.354,072.27320, was einer Ver- -mehrung von rund 171 Millionen Kronen gleichkommt. Der Banknotenumlauf von 2.188,040.520 Kronen war mit 78,2 % durch Bar bedeckt. Der Zinsfuß betrug. das ganze Jahr hindurch 4% / ■ Im Eskomptegeschäft. betrug der Umsatz'rund 5922= Millionen Kronen und der Stand des Wechselportefeuilles war Ende Dezember rund 687 Millionen; gegen das Vorjahr mehr um 2,251.676 Kronen 78 Heller. Dagegen ist der Umsatz im Eskomptegeschäft um rund 206 Millionen Kronen zurückgeblieben. Am Umsatz waren beteiligt die österreichischen Bankanstalten mit rund 3171 Millionen, die ungarische mit 2965 Millionen. Dagegen waren die Anlagen der Bank in Wechseln bei den österreichischen Bankanstalten rund 253 Millionen Kronen, in den ungarischen Bankanstalten 434 Millionen. Es ergibt sich daraus, daß Ungarn an die Bank weit mehr verschuldet ist, als Oesterreich. Der Umsatz iip Lombardgeschäft betrug 391 Millionen und war der Stand desselben am 31. Dezember rund 90 Millionen oder zirka 9,300.000 Kronen weniger als Ende 1908. Hievon kommen 67 Millionen auf Oesterreich und 23 Millionen nur auf Ungarn. Der Giroverkehr war im ganzen 37 Millionen und das Giroguthaben der Einleger betrug J49 Millionen gegenüber 84 Millionen Ende 1908. Die Zahl der Kontoinhaber war 5501 wovon 2799 auf Oesterreich und 2702 auf Ungarn entfallen. Gegenüber 1908 hat sich der Stand derselben nur um,4 vermehrt. Es ist dies ein Beweis, daß der Giroverkehr der Oesterreichischen' Ungarischen Bank im Grunde genommen ein ganz unentwickelter, geringer ist. Dei; Stand von 5500 Teilnehmer am Giroverkehr gegenüber der Postsparkassa, welche mehr als 100.000 Teilnehmer besitzt, ist geradezu kläglich. Auch die Ziffer der Zunahme von 4 Komittenten ist ein entsprechender Beweis der Stagnation in diesem Geschäftszweige. Nun muß man wissen, daß jede Firma, welche bei der Bank Wechsel eskomptieren will, daselbst ein Giro-Konto haben muß. Daraus ergibt sich, daß es in - ganz Oesterreich-Ungarn 5501 Firmen gibt inkl. der Banken,Sparkassen und andererGeldinsti tute, welchen die Bank zugänglich ist. Das ist ein Beweis, daß die Oesterreichisch-ungarische Bank in' ihrem Eskompteverkehr ungeheuer exklusiv ist und daß das verkehrtreibende Publikum im großen und ganzen von dem direkten Verkehr mit der Oesterreichisch-unigarischen Bank ausgeschlossen ist. Damit richten sich auch die Phrasen, welche von den Gegnern der Aufnahme der Barzahlungen immer ins Treffen geführt werden, um nachzuweisen, daß unsere Geschäftswelt viel besser daran sei als die ausländischen, weil bei uns der Zinsfuß so relativ nieder sei. Der niedrige Zinsfuß nützt aber 99% der Geschäftsleute nichts, wenn die Bank überhaupt nur die wenigen Begünsfigsten, 5500, an ihren Schalter zuläßt. Die übrigen" Kapitel des Verkehrs weisen relativ unbedeutende Ziffern auf, so daß wir sie hier übergehen können. Das Hypothekargeschäft der Oesterreichisch-ungarischen Bank wird auch hauptsächlich in - Ungarn betrieben. Der Stand der Darlehen war Ende 1909 insgesamt rund 300 jyiillionen Kronen, wovon 59 Millionen in Oesterreich und 240 Millionen in UngarÄ bewilligt waren. Also auch hier hat die Bank ihre Haupteinnahmen aus Ungarn gezogen und betragen die Verschuldungen von Ungarn viermal soviel als die von Oesterreich. Im übrigen sihd wir der Ansicht, daß es einer Notenbank überhaupt nicht zusteht, Hypothekengeschäfte zu machen. Das Erträgnis ist ohnehin kein großes und betrug netto 1,131.000 Kronen. Die verschiedenen Bankgebäude- und das Mobiliar der Bank stehen :mit'31.% Millionen zu Buch und haben: sich; gegen das Vorjahr um; rund 1 Million vermindert durch Verkauf von Bankgebäuden,.denen die A;ustlagen für -neu angekaufte Grundstücke .gegenüberstehen. Das Jahreserträgnis der Bank für^ die Aktionäre ist rund 4>/» Millionen kleiner als im Jahre 1908. Das Personal der Bank bestand insgesamt aus 1023 Beamten, 64 Unterbeamten, 413 Dienern, 411 Arbeitern beiderlei Geschlechtes. Unter diesen sollen sich, wie verlautet, beinahe keine jüdischen Angestellten befinden, und das Bankpersonal steht durchaus im Rufe, judenrein zu sein. Von den Erträgnissen der Bank entfallen 9,122.000 auf die österreichischen Bankanstalten und 7,260.000 auf die ungarischen. Außerdem kommen noch hiezu die Erträgnissen des Hypothekargeschäftes mit 1,131.000, wovon % auf Ungarn entfallen, so daß die österreichischen Bankanstalten zirka 9,300 000, die ungarischen 7,800.000 verdienten. Diese Ziffern sihd sehr interessant für die Beurteilung der Sachlage im. Falle einer Banktrennung. Es gebe noch sehr viel Interessantesüber die Geschäftstätigkeit zu berichten und kritische Bemerkungen anzubringen, aber wir wollen diese Besprechung bis nach der Generalversammlung verschieben. Sport. Sportklub „Hakoah“, Wien. In gewisser Beziehung ist das alte Hellenentum auch heute vorbildlich und das Land der harmonischesten Ausbildung von Körper und Geist ein unerreichtes Ideal. Wir zählen zu dem glücklichen Jahrhundert, daß sich diese Erkenntnis von dem Werte gleichmäßiger Uebung aller Funktionen zu eigen zu machen sucht. Der Pflege körperlicher Uebungen wird heute, abgesehen von ihrer Bedeutung für die Hygiene, in dem Erziehungsprogramm aller Kulturvölker eine stets steigende Beachtung geschenkt. Auch für uns Juden sind diese Gesichtspunkte schon längere Zeit richtunggebend. Wie auf ein Zauberwort sind in allen jüdischen Zentren Turnvereine aus dem Boden geschossen und ein jüngerer Strom führt die Sportvereine in eine verheißungsvolle Zukunft. Der Sportklub „Hakoah“ ist eine dieser Jungschöpfungcn. Er hat sich ein schönes Sinnbild gewählt, die „Kraft“. Und langsam, aber stetig gewinnt er an Kraft und jeder Tag wird für ihn ein Fortschritt. Möchten doch alle jüdischen Organisationen mit solcher Energie ihrem Ziel zusteuern, jede in so kurzer Zeit ihre Kräfte und Fähigkeiten verdoppeln! Fußball. Mit der Aufnahme in den Oesterreichischen Fußballverband sind dem Sportklub Hakoah größere Aufgaben erwachsen. Einen Hauptteil der nächsten Tätigkeit wird eine starke und entschiedene Vertretung nach außen bilden. Der jüdische Sportklub wird einer schärferen Kritik standhalten müssen als ■ andere Vereine, aber die innere Festigkeit wird die beste Basis für ein erfolgreiches Auftreten sein. Schwimmen. Auf Vorschlag unseres Sektionsleiters Herrn Walter Werner, eröffnen wir am 7. Februar eine Jugendriege, in welcher Knaben von 10 bis 14 Jahren, die bereits schwimmen können, zur weiteren Ausbildung aufgenommen werden. An jedem Trainingsabend wird der Sektionsleiter einen oder mehrere tüchtige Schwimmer mit diesem Amte betrauen. Der Jugendriege wenden wir unser ganzes Augenmerk zu und hoffen aus diesen Kleinen unsere großen Sieger emporwachsen zu sehen. Wir fordern die schwimmlustige jüdische Jugend zu zahlreichem Beitritt auf. Der Monats? beitrag für einmal wöchentlich Schwimmen (jeden Montag abends 7 bis 9 Uhr im Dianabad) beträgt bloß 2 K 20 h.