Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 9 Fechten. Uebungszeiten jeden Sonntag vormittags von 10 bis 12 Uhr im Lokale der akademischen Verbindung „Maccabaea“, HL, Reisnerstraße Nr. 23, Monatsbeitrag 1 K. Durchdas bereitwilligste Entgegenkommen der akademischen Verbindung „Unitas“, deren A. H. Dr. Gabriel Wolf als Gründer und Leiter unserer Wintersportsektion unserem Ausschüsse angehört, wird es uns ermöglicht, anfangs Februar eine zweite Fechtsektion zu eröffnen. Die Uebungen dieser Sektion werden an zwei Abenden der Woche von V/i bis 9 Uhr im Lokale VIII., Auerspergstraße 21, stattfinden. Monatsbeitrag 2 K. Anmeldungen für alle Sektionen sind an unseren Sekretär S. Weinberger, Beamter, 11., Rembrandtstraße 19, zu richten. * * * Sportklub „Makkabi“, Krakau. Mit der Entwicklung des Turn- und Sportwesens unter den Juden in Galizien, faßte auch die jüdische Jugend unserer Stadt den Entschluß, sich dieser Renaissancebewegung zu widmen. D e Folge war die Begründung des Jüdischen Fußballklubs „M a k k a b i“ im Sommer des verflossenen Jahres, welcher Klub bereits zwei tätige Mannschaften besitzt und unter der Devise der „Blau-Weißen“ Matchs abhält. Es war selbstverständlich ein großer Kampf und es stellten sich arge Hindernisse in den Weg, speziell materieller Natur. Mit der Begeisterung und Hingebung für die Sache gelang es in Kürze die Hemmungen zu beseitigen und mit den hiesigen nichtjüdischen Vereinen, wie auch mit den brüderlichen Klubs Galiziens in freundschaftliche Verbindung zu treten. Wie einem jeden jungen Vereine anfangs große Gleichgiltigkeit, sogar Ironie entgegengebracht wird, so war es auch bei uns der Fall, aber nur kurze Zeit, denn Disziplin und Fleiß weckten gleich die Aufmerksamkeit und Sympathie der fremden Klubs wie auch der Oeffent- Iichkeit. Es gelangten auch folgende Matchs zur Austragung im Herbst 1909: 1. „Makkabi I.“ mit „Cracovia II“ . Resultat .1:3 ' 2. .„ - „%WisIa II“ . . .2 :3 3- „ „Cracovia II.“ . .2:4 4. , „ „Wisla II“ . . .0:2 5. n n ♦ .1:4 6. » » .1:1 Wir waren, wie ersichtlich, keine Sieger, aber unsere dreimonatliche Existenz in Erwägung gezogen, haben wir einen kolossalen moralischen Sieg errungen. Ach heuer nehmen wir uns vor, das Fußballspiel noch aktueller zu gestalten und uns nicht nur auf dasselbe zu beschränken, sondern auch andere sportliche Spiele ins Leben zu rufen. Wir hoffen auch, daß das hiesige Judentum unsere Ziele und Ideale endlich für begründet finden und uns tatkräftiger unterstützen wird. In allen Vereinsangelegenheiten sind die Zuschriften an die Adresse H. Leser, Krakau, Mostowa 2, zu richten. Aufruf! . Jüdische Handels- und Privatangestellte! Kollegen und Kolleginnen! Immer offener und schärfer, immer gefährlicher und verderblicher wird das Wüten des Antisemitismus. Es gibt keinen unter Euch, der das nicht täglich sieht, keinen, der es nicht irgendwie zu fühlen bekommt. Die jüdischen Angestellten sind es, die physisch und seelisch dem Judenhasse am meisten preisgegeben sind. Nicht ihre jüdische, ihre Menschenehre, ihr Stück Brot müssen sie dem Antisemitismus gegenüber verteidigen. Die jüdischen Angestellten stößt der jüdische und nichtjüdische Unternehmer nur allzu oft. zurück, den jüdischen Angestellten verweigert man den Posten. Nicht das Fach, nicht die Arbeit, der Jude wird boykottiert. Nun denn, ihr jüdischen Angestellten, wenn ihr als Juden zurückgesetzt, wenn ihr als Juden getroffen werdet, so verteidigt Euch auch als Juden! Nichts ist logischer, nichts ehrenvoller, nichts klüger. Heraus aus Eurer Lethargie, heraus aus Vereinen, die Euch fremd sind, die von der speziellen Notlage der jüdischen Angestellten nichts wissen wollen! Als jüdische Angestellte schließet Euch zusammen zur Abwehr d'er wirtschaftlichen und antisemitischen Gefahr! Es nützt nichts, über die traurigen Zeiten zu klagen und müßig dreinzuschauen. Ebensowenig nützt es Euch, fremdnationalen Vereinen nachzulaufen und sie um ihre Hilfe anzuwinseln. Wer sich uns nicht anschließt, begeht ein Unrecht an sich selbst, eine Sünde an seinen Berufsgenossen, ein Verbrechen an seinem Volke. Da wir in allen wirtschaftlichen Fragen gemeinsam mit den anderen gewerkschaftlichen Organisationen vorgehen wollen, so kann von einer Schädigung der Angestellten- Interessen durch unsere Vereinigung keine Rede sein. Nur aus Dummheit oder Böswilligkeit kann eine solche Behauptung aufgestellt werden! Die Verhältnisse unter den Angestellten sind eben derart, daß sich jeder nach seiner Art organisieren muß. Die Anstrengungen, die gewiss,e Vereine gemacht haben, um eine „internationale“ Handlungsgehilfenorganisation zu schaffen waren nicht von Erfolg gekrönt, dehn 99% der Mitglieder dieses „internationalen“ Vereines sind Juden, an vielen Orten sogar 100%. Diejenigen jüdischen Angestellten, welche die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich mit klarem Auge betrachten, die sich ihr Selbstbewußtsein, ihre Ehre erhalten möchten und im schweren Kampfe ‘als wirtschaftlich Schwächere und Juden zugleich brüderliche Unterstützung und Kräftigung suchen müssen, werden sich unserer Organisation anschließen.; % Dieser Organisation kann jeder jüdsche Angestellte männlichen oder weiblichen Geschlechtes beitreten. (Monatsbeitrag 30 Heller). Der Verein erstreckt seine Tätigkeit auf ganz Oesterreich und wird die geistigen und materiellen Interessen der Mitglieder jederzeit mit Entschiedenheit wahren. Insbesondere will er den Boykott, der vielfach durch prinzipiellen Ausschluß von Juden bei vielen Unternehmungen besteht, entgegenwirken, sowie eine gut funktionierende kostenlose Stellenvermittlung seinen Mitgliedern bieten. Zuschriften und Beitrittserklärungen sind zu richten an Kollegen Max W e i ß m a n n, Wien IX., Liechtensteinstraße 11. Statuten werden auf Wunsch gratis und franko zugesendet. Verein der jüdischen Handels- und P r i v a t- A’n ge st e 111 en „Achw a h“ in Wien. An unsere Abonnenten! Unsere Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, werden dringend ersucht, die schuldenden Beträge sofort zu überweisen. Die neu eintretenden Abonnenten werden aufmerksam gemacht, daß das Abonnement im Vorhinein zu bezahlen ist. Die Empfänger von Probenummern werden um gefl. Mitteilung ersucht, ob sie auf weitere Zusendung reflektieren. Bitte. Ein durch schwere Krankheit stellenlos gewordener Advokatursbeamter, der eine Familie und seine alte Mutter zu erhalten hat, befindet sich in der größten Notlage und bittet edle Menschen um Hilfe. Spenden werden unter „Advokatursbeamter“ in der Administration der „Jüd. Ztg.“ entgegengenommen Bücher des „Jüdischen Verlages“. Alleiniger Vertreter für Oesterreich: W o 1 f Teitelbaum, IX.,Türkenstraße 9. Für Agitationszwecke sowie als Belehrungsmittel über das Wesen der jüdischen Renaissance eignen sich vorzüglich die bisher im „Jüdischen Verlage“ erschienenen Werke modern-jüdischen Inhaltes. Bisher sind erschienen und bei Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme sofort erhältlich folgende PubliKationen: Jüdischer Almanach.K 4.20 — Luxusausgabe., 6.60 — Liebhaberausgabe .... 9.60 Jüdische Künstler .„ 12.— Moses. Literar.-künstier. Sammelwerk ■ - » 6.60 Theodor Herzl, Zionistische Schriften. Volksausgabe „ 4.20 — — Prachtausgabe „ 7.20 — Der Judenstaat. Broschiert . - „ —.60 — — Kartoniert „ —.90 Achad-haam, Am Scheidewege. Broschiert , 6.— — — Gebunden - - „ 7.20 S.M. Dubnow, Die Grundlagen d. Nationaljudentums „ 1.80 H. York-Steiner. Der Talmudbauer u. And. Broschiert, 3.60 — — Gebunden, 4.80 I. L. Perez, Erzählungen und Skizzen. Broschiert. 3.60 — — Gebu den, 4.80 — — Gebunden u. illustr., 6.— Junge Harfen. Herausg. v. B. Feiwel - - , 2.40 Jung-IsraeL Illustr., gebunden.„ 4.80 Dr. M. Judt. Die Juden als Rasse. Broschiert - , 5.04 — — Gebunden , 6.60 Prof. S. Schechter, Die Chassidium. Studie Uber jüdische Mystik Broschiert , 1.20 — Gebunden * , 1.80 David Pinski. EIS1K SCHEFTEL. Broschiert . . 1.80 — — Gebunden , 2.UI Told. Die Judenmassakres in Kischenew mit einem Weiheblatt von E. M. Lilien , 0.60 Bürries Freih. v. MUnchhausen JUDA Zeichnung v. Lilien. Prachtband - , 0.60 Ferner ist bereits erschienen und erhältlich das neue Werk von Dr. Zollschaii, Das Rassenproblem. Preis broschiert K 7.20, gebunden K 8.80. Außerdem sind verschiedene Herzlbilder, Ansichtskarten Reproduktienen von Gemälden Hirschenbergs, plicnorskis u. a. zu bekommen. Ich beehre mich, die Eröffnung meiner Advokaturskanzlei in Wien I., Graben Nr. 13 (TELEPHON 4892> bekanntzugeben. Dr. LEOPOLD ME1SEL Hof- und Gerichtsadvokat und Verteidiger in Strafsachen. 4