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Jüdische Zeitung · 1910-01-28 · 4 (28.1.1910) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr.: 4 gaben entschließen. — Der Verein „Bar-Kochba“ kann mit seinem Erfolg zufrieden sein'.; Der nächste Festabend wird hoffentlich ' noch- - wirkungsvoller werden, wenn die Veranstalter aus manchen Fehlern zu lernen wissen. Interessant ist die Haltung der Tagespresse, die zum Teile spaltenlange' Berichte brachte. ■ . . ACHTUNG! Zur Bezalelausstellung. Da ein Teil der Ausstellungsgegenstände nicht rechtzeitig eingelangt ist, wird die Ausstellung Sonntag den 30. d. M. eröffnet. Näheres wird in den Tageszeitungen bekannt gegeben werden. Entree 1 Krone. Studenten und Arbeiter gegen Vorzeigung der Legitimation 50 Heller. Zionistische Vereine, welche ihren korporativen Besuch vorher anmelden, zahlen pro Person 50 Heller. Käufern von Gegenständen im Einkaufspreise von mindestens 20 Kronen das Entree in den Kaufpreis eingerechnet. Disziplinarverfahren gegen jüdische Advokaten. (Von unserem Korrespondenten). Stürmische Generalversammlung in der Lemberger Advokaten-Kammer. Lemberg, den 16. Jänner- Wie seinerzeit berichtet wurde, hatte im November v. J. im Saale des Vereines „jad-Charuzim“ eine von einem ansehnlichen jüdischen Bürger-Komitee einberufene Protestversammlung gegen die Ablehnung einer kleinen Subvention für das von dem Rigorosanten-Verein errichtete jüdische Studentenheim durch den Lemberger Gemeinderat stattgefunden. Gegenstand der Diskussion war die stiefmütterliche Behandlung der jüdischen Bevölkerung seitens des Lemberger Gemeinderates. Die Redner, darunter die Gg. Gg. Dr. Zipper, Dr. Grünberg, Dr. Ringel und Dr. Feld, wie auch die Herren Dr. Landes, Dr. Nußbrecher, Dr. Trier und Dr. Buber unterzogen die Tätigkeit der pseudojüdischen Gemeinderäte einer scharfen Kritik. Tags darauf erschien im allpolnischen Hetzblatte „S1 o w o Polskie“ ein denunziatorischer Bericht über diese imposante Versammlung, in welchem mitgeteilt wurde, daß die obgenannten Redner insbesondere unser Gg. Dr. Zipper gegen die polnische Nation gehetzt und —horribile dictu—jüdisch gesprochen hätten.Letzteres wurde insbesondere als Verstoß gegen die Standesehre hervorgehoben. Auf Grund dieser Denunziation ist gegen die genannten Advokaten das Disziplinarverfahren seitens der Lemberger Advokaten-Kammer eingeleitet worden. Dieses ungewöhnliche Vorgehen der Advokaten-Kammer, welches eine Einschränkung der bürgerlichen Rechte des Advokatenstandes bedeutete, rief begreiflicherweise einen Sturm der Entrüstung bei allen demokratisch gesinnten Advokaten hervor, und unsere Gesinnungsgenossen, die die durch dieses schamlose Vorgehen am meisten betroffen wurden, begannen sich zu einem Abwehrkampfe gegen die brutale Willkür der allponisehen Denunzianten zu rüsten. Eine günstige Gelegenheit, mit den allpolnischen Schlachzizen in der Advokatenkammer abzu^echnen, bot die äm: 22. d. M. stattgefundene Generalversarntiiiung der Lemberger Advokatenkammer. Unseren GesinnüngsgenÖssefi gelang es, behufs gemeinsamen Vorgeh|ns eine Koalition der Zionisten, Rüthenen ' und der Stapinskigruppe zustande zu bringen. Aus den Prövinzstädteh waijen dank der intensiven Agitation mehr äjs 150 Advokaten der Opposition zusammengeströmt. Noch nie hatte eine Generalversammlung einen so starken Besuch aufzuweisen. Große Entrüstung herrschte bei allen Teilnehmern über das jtiickische Vorgehen des Disziplinarrates der Advokatenkammer, der angeblich zur Wahrung der Standesehre die ihm politisch nicht genehmen Advokaten kirre zu machen sucht. Gg. Dr. Löwenherz, Dr. Sokal und 147 Genossen brachten in einer Interpellation die Angelegenheit zur Sprache, yvelche Dr. Löwenherz in einem ausführlichen Referate begründete. Daran schloß sich eine überaus stürmische Debatte. Der sattsam bekannte jüdische Vizebürgermeister von Lemberg, Dr. Aschkenaze, brachte, da er die Opposition in der Majorität sah, einen „Vermittlungsantrag“ ein. Er muß natürlich immer vermitteln, wenn es gilt, ein reaktionäres System zu; stützen. Doch alle Vermittlungsanträge wurden schlankweg abgelehnt. Da nun vorquszusehen war, daß die Resolution der Opposition zur Annahme gelangen wird, ^erklärte der Präsident Dr. Max, über diese nicht abstimmen zu lassen, da sie eine5 „Kritik des Disziplinarrates enthalte“ uijd verließ mit dem gesamten Präsidium den Beratungssaal. Dieses feige Auskneifen wurde gebührend gekennzeichnet. Die Versammelten konstituierten sich als kollegiale Generalversammlung und über Antrag des •Herrn Dr. D w e r n i c k i wurde dem Präsidium der Advokatenkammer das Mißtrauen ausgesprochen. Die Disziplinäruntersuchung selbst, welche.eine inquisitorische. Fqrm angenommen hat, ist itiech nicht abgeschlossen. Parteinachrichten. f> - .1—— - Innerösterreichischer Distriktstag. Die Fortsetzung Tdes Distriktstages fand am 18. d. M. statt. Gegenstand der. Beratungen bildete die Haltung der/iUnerösterreichischen Delegierten auf dem IX. Kongreß. 1 Dr. M ei sei: Der,Distriktstag hat beschlossen, über - die Stellung derinnerösterreichischen Delegierten auf dem Kongreß die Debatte zu eröffnen, ln Ausführung dieses Beschlusses wird Herr Böhm über die von den inner/isterreichischen Delegierten einhellig gefaßten Beschlüsse referieren. Böhm erklärt, daß die Opposition der innerösterreichischen Delegierten gegen die Leitung eine rein sachliche gewesen sei. Es handelte sich um die letzten Kämpfe zwischen Judenstaatlern und Evolutionisten. Diese Erklärung hat auch Doktor Margulies im Namen pnserer Landsmannschaft abgegeben. Wir haben dazu beigetragen, daß die russische Opposition von ihren radikalen Forderungen abließ und sich mit uns auf folgende Forderungen einigte: Die Leitung njuß eine kollegiale sein, der Sitz derselben muß von Köln in ein jüdisches Zentrum, nach Berlin, verlegt werden, in der Leitung müssen auch die Ostjuden vertreten sein. Wolfsohn behält das Finanzressopt und hat Sitz und Stimme im E. A. C. Die letzte Forderung, daß der Präsident nicht vom Kongreß, sondern vom E. A. C. gewählt werden solle, wurde nicht aus prinzipiellen, sondern aus taktischen Gründen' aufgestellt, um einen Wahlkampf zwischen Wolfsphn und Warburg zu vermeiden. Der Vorwurf, daß wir unvorbereitet Opposition trieben, ist unbegründet. Im Gegenteil, wir haben an Stelle Wolfsohns, der von Anfang an die strikte Erklärung abgab, er könne die Leitung nicht übernehmen, eine Liste vorgeschlagen und diese Liste wurde durch dip Opposition der deutschen Landsmannschaft gestürzt. Es wäre eben Aufgabe der anderen Partei gewesen, für den Fall der Ablehnung unserer Vorschläge, selbst Vorschläge zu erstatten; Auch in -Zukunft dürfen wir den Standpunkt,''den wir'auf Grund■ unserer-Erfahrung einmal eingenommen haben, nicht verlassen: f ’ 1 Gg. Hartmann kritisiert das Vorgehen bei den Wiener Kongreß wählen, verteidigt'das-System der Leitung;1 Keinesfalls dürfe mati nach-- dem Kongresse eine Kampfstellung einnehmeh. Dr. Margulies: Es hat eine Wählerversammlung des Zenträlvereines statfgefunden, in der die Delegierten ihre Stellungnahme zu den Problemen des Kongresses äußerten, ohne daß der geringste Widerspruch erfolgt wäre. Wir haben ausdrücklich beschlossen, daß, wenn Wolfsohn die sachlichen Forderungen akzeptiert, er in jeder von ihm gewünschten Form auch als Präsident an der Leitung teilnehmen möge. Wir wurden in einen Kampf hineingezwungen und haben uns der unangenehmen Pflicht der Kritik mit größter Schonung unterzogen. Es sprachen noch die Herren Kohn, Dr. Beer, Hartmann, worauf folgende Resolution angenommen wurde: I. Der innerösterreichische Distriktstäggenehmigt die Haltung der -Delegierten des innerösterreichischen Distriktes auf dem IX. Kongresse und hält an ihren als sachlich anerkannten Forderungen fest. II. Der Distriktstag anerkennt die volle Autorität der Parteileitung in Köln, obgleich sich dieselbe selbst als eine provisorische bezeichnet und bringt ihr unbedingte Arbeitswilligkeit entgegen. Dr. Margulies dankt dem Obmann des D. K. für die Uebernahme der Leitung und erhofft eine gedeihliche Zusammenarbeit des Zentralkomitees mit dem Distriktskomitee. * ' * * Inner österreichisches Distriktskomitee. Das Innerösterreichische Distriktskomitee hat sich wie folgt konstituiert: Dr. Leopold M e i s e 1, Obmann und Preßreferent. Dr. Karl Pollak, 1. Obmann-Stellvertreter u. Hausverwalter. Dr. Hugo Löwy, 2. Obmann-Stellvertreter und Referent für Kultusgemeindeagenda. Ernst Skutezky, 1. Schriftführer. Dr. Robert Beer, 2.r Schriftführer und :ReferÜnt> für Agitation in Wien. Emil Kugel, Palästina-Referent. Dr. Leopold S o f e r, Referent für Provinzagitation. Dr. Hugo Z uckerman, Naiionalfondskommissär. Die Sitzungen des Innerösterreichischen Distriktskomitees finden jeden Montag um 8 Uhr abends im zionistischen Bureau, Wien, IX., Türkenstr. 9, statt; die Amtsstunden für den Parteienverkehr täglich mit Ausnahme des Freitags ebendaselbst und zwar an Sonntagen von 9—12 Uhr vormitags, an den übrigen Tagen von 7—8 Uhr abends. , * * * Mährisch-schlesischer Distriktstag. Am Mittwoch den 2. Februar 1910, nachmittags 2 Uhr, findet in Prerau (Restauration Haas), der diesjährige - ordentliche Distriktstag mit folgender Tagesordnung statt: 1. Begrüßung und Wahl des Bureaus. 2. Rechenschafts- und Kassabericht. 3. Nationalfondsbericht. 4. Budgetberatung.- 5. Neuwahlen. 6. Allfälliges. Für das mährisch-schlesische Distriktskomitee: Gustav Finzi m. p. Dr. Robert Lichtwitz m. p. SQdgalizischer Distriktstag. Am 6. Februar 1910 findet in Stanislau der V. ordentliche Distriktstag des südgalizischen Distriktes statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1909. 2. Rechenschaftsbericht der N.-F.-Kommission. 3. Die'gegenwärtige Lage'im Zionismus und unsere nächsten Aufgaben. (Referat nnd Diskussion). 4. Neuwahlen. 5. Anträge. Beginn 11 Uhr vormittags. Ort: Verein „Erez Israel“ (Sobieskigasse). Am Distriktstag nehmen teil mit Sitz und Stimme:

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