Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 3 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2438141-2438273-2438276--1657-2441265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 5 Stoß gböänft&i judi&heff&%be'ri^ü:VrHljlf£i&DfeFj*ute Willfe rrtag S^SeiSi-i^ie^Tat äbtHliefet, nlttit ‘In'BtfsW'dr Machff;iWös2Mifei^lschiäitc<'fiei4t)öHÄ-H^ch2rt)^Wd märti^ciftnieiöfiWiogefttRjtpsnKitl^iRftl -niöfifpiätii?. löffeln können, .nsiaireixs su!ß{.;s-//s frf-ln ifcon oib -" :> n^ Uneb O&tWüsi§äUei“i fWIf22MeifffoS?i(\feri'agen? Söllfen -!Wi¥i,daäi;,Wiiföfe6!i v^itfiff^khe'r^^:sö[k'rigp-'(ftfs Großem m§ nöeH^Ö'ret^^'M •i'Keirie«Wi^;9I!rTm gesellschaftlichen-npärt'tfJWabÖfnß^eS^ltetffi^eifljBä t1 sehen Lebens' erlangt atich das kleinste Palliativ eine gewisse Bedeutung, umsomehr eine rationelle Reorganisation -der Gemeinde als Ausgangspunkt einer demokratisch - nationalen jüdischen Politik, welche die Sammlung und Konsolidierung der zerstöberten Kräfte unseres Volkes zum Leitstern haben muß. — Von diesem Gesichtspunkte aus kann man den diesbezüglichen Verhandlungen des Kongresses in Kowno eine gewisse Bedeutung nicht absprechen. Der Weg ist angezeichnet. Nun heißt es — ihn energisch betreten. Aus dem jüdischen Leben. Für Vergewaltigung jüdischer Mädchen — Geldstrafe. Der österreichische Abgeordnete Ernst Breiter, hat dem Justizminister eine Interpellation überreicht, die in drastischer Weise die Justizverhältnisse Galiziens beleuchtet. Man .würde glauben in Rußland zu sein. In der Interpellation wird folgender Sachverhalt geschildert: „ln Rzeszow lebt ein alter Wüstling, der Bäckermeister Stephan Bryczkowski, zu dessen Beruf es zu gehören scheint, arme jüdische Proletariermädchen zu vergewaltigen, ln seiner Bäckerei richtete er sich ein dunkles Zimmer ein, und wenn so ein junges Mädchen um Semmeln kommt, lockt er es unter dem Vorwände, ihm bessere Semmeln zu geben, in die Dunkelkammer, reißt ihm die Kleider vom . Leibe und vergewaltigt es. Im Jahre 1909 allein hat er zehn solche Opfer auf seinem Gewissen und ist im allgemeinen die Zahl der Opfer eine recht bedeutende. Die Sache ist in Rzeszow allgemein bekannt und dennoch sind die Gerichte bisnun nicht eingeschritten, wiewohl es sich um das Schiksal von Kindern handelte, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. In den meisten Fällen scheuten sich die Eltern und Anverwandten, die Anzeige zu erheben, weil sie den Skandal fürchteten und da es arme Menschen waren, verstand es Bryczkowski, ihnen mit einigen Gulden beizukommen. Heuer wurde der Staatsanwaltschaft in Rzeszow die Anzeige über zwei Vergewaitigungsfälle gemacht. Der eine betrifft ein 13jähriges Dienstmädchen, Feige G., der zweite ein I5jähriges, physisch und geistig zurückgebliebenes Mädchen, Dola N. Bei dem zweiten Mädchen sind auch Folgen eingetreten und sie sieht ihrer Entbindung entgegen. Wie entledigte sich nun die k. k. Staatsanwaltschaft ihrer Aufgabe? Sie machte über die Fälle keine Erhebungen, nahm nicht die Lokalität in Augenschein und ließ den Bryczkowski auf freiem Fuß, wiewohl ihr mitgeteilt wurde, daß Bryczkowski den Eltern und Verwandten gedroht habe, er werde nach Amerika durchgehen, wenn sie sich nicht in Güte mit ihm abfinden werden. Nachdem sich die Sache fast ein Jahr hingezogen, wurde das Verbrechen Bryczkowskis nach Ansicht der Rzes^ower Staatsanwalt zu einem Vergehen und dem Einzelrichter Cz. zur Aburteilung übergeben. Und der Schlußeffekt dieser Verhandlung war, daß Bryczkowski zu einem Monat Arrest und zu einer Entschädigungssumme in der Höhe von sage und schreibe 100 Kronen verurteilt wurde.“ * * * David Pinski im Berliner deutschen Theater. Wie aus Berlin berichtet wird, bereitet das Deutsche Theater als nächste Novität das dreiaktige Schauspiel „Der Schatz“ von David P i n s k i, dem hochbegabten Jargondichter, vor. Auch ein zweites Stück, „Jakob der Schmied“, hat Direktor Reinhardt für diese Bühne erworben. David Pinski ist der Autor des Proletarierdramas „Eisik Scheftel“ und der „Familie Zwi“, Unseren Lesern ist er durch seine Studie über die „Entwicklung des jüdischen Dramas“ wohlbekannt. » * * Die Organisierung des jüdischen Mittelstandes Kolomea. (Orig. Korr.). Samstag den .tjOö'isesfösz'EcreöÄj. TR dl lM: ihielb Heri-’&ik-'ter; Direktor der „Kredit- Uriidtt*'aus;‘Lehtbergr,,; vör einertr'zaHfrelcheuiPübliküm.'efnerf'Voftrag; über "die‘ Organisation -Jdcs^üäfi äefiefl!4Ufltfäfefande5.^BI&vötfteiflKihörtrAüSHJfiTut%ea UekiRbitn^snifäfftietr; fefcheh BeifalPi-tihct'’'ret)ftafö Zustimmung derdoärrtVehenxien 'itfötidtverker n-utid ’-Käuffeilte. <Auf!(Verahfassüng :de&'’ H.^Eiäfer -Ist auch tüh Koftffefi1'eingesetzt wwöen;^veiches'die Gründung eiheri-Filiafe-lÜöF>-,;Kfedif-ühron“-'''’in fiuhser‘erSfaeft vörbereiten soll, m. u. Die jüdischen Handelsangestellten. Zu den Unentwegten, welche noch an das Ideal der Volksfreundlichkeit der Sozialdemokraten glauben, gehören auch die jüdischen Handelsangestellten in Wien. Zu Tausenden strömen sie herbei, um dem wackeren Pick und seinen Genossen zu einer gut bezahlten Pfründe zu verhelfen. Wenn einmal ein Prinzipal es wagt, einen Angestellten nicht ganz so zu behandeln, wie es im Tarif steht, dann wallt ein Meer von sittlicher Entrüstung auf. Versammlungen, auf riesigen Plakaten angekündigt, werden einberufen und der betreffende Ausbeuter wird unter tosendem Jauchzen der Genossen an den Pranger gestellt. Aber diese Hilfsbereitschaft für die Handelsangestellten zeigt eine ganz gewaltige Lücke, wenn es sich um die jüd ischen Handelsangestellten handelt. Jahr aus Jahr ein lesen wir in den Zeitungen „Komptoirist gesucht. (Christ)“. Sogar im Organ des kaufmännischen Vereines, welcher doch zu 90 "U aus juden besteht, liest man ähnliche Annoncen. Besucht man den Chef eines solchen Hauses, welcher den christlichen Komptoiristen sucht, und spricht ihn persönlich an, da will er es natürlich nicht haben, daß er der antisemitischen Gesinnung geziehen wird. Schließlich hat man auch jüdische Kunden und die will man nicht vor den Kopf stoßen. Aber so lang sich niemand darum kümmert, daß der jüdische Angestellte, förmlich, boykottiert .wird,; geht die Geschichte so weiter. Nach und nach findet man überhaupt keine jüdischen Angestellten mehr in den Geschäften, deren Eigentümer nicht Juden sind, und selbst jüdische Geschäftsinhaber ziehen christliche Angestellte vor. Man weiß, daß es für sie schwer ist, einen Posten zu finden und druckt ihre Gehaltsansprüche herunter. Und so geht es weiter und immer weiter, und der Beruf wird immer schwieriger für den jüdischen Angestellten, die Lage immer schlechter. Wer nimmt sich also der jüdischen Handelsangestellten an? Ein paar Philantropen, welche eine Arbeitsvermittlung gegründet haben. Das ist aber blutwenig. Sollen diese traurigen und stets schlimmer werdenden Verhältnisse sich bessern, dann müßten vor allem die Beteiligten selbst für ihre Rechte eintreten und sich nicht dazu hergeben, für fremde Interessen und bezahlte Berufsagitatoren zu arbeiten, welche nur ihre persönlichen Ziele verfolgen. Man ist es nun schon so gewöhnt, daß sich der Jude überall von den politischen Parteien mißbrauchen läßt. Er übernimmt alle Pflichten und bekommt keine Rechte^ Die Gehilfenschaft des Gremiums der Wiener Kaufleute besteht bekanntlich in ihrer großen Mehrheit aus Juden. Es wäre nun Aufgabe dieser Korporation, die jetzt unter sozialdemokratischer Führung steht, gegen diese fortwährende Entrechtung Stellung zu nehmen, aber das fällt den Herren gar nicht ein. Wir reproduzieren einen Brief an den Gehilfenausschuß, welcher über einen ganz krassen Fall berichtet. Dieser Brief ist vor drei Wochen an den Gehilfenausschuß abgegangen, der es aber nicht der Mühe werterachtete, hierauf eine Antwort zu geben. ::ic; Wie»,: am 31.i Dezember 1909 < i: ► .■ -. u Aj j!.. I^Ötil. •' i ■ ■! -i.,. , . . - . _ öenfliehäusscßüß'.aes Gremiiiüs der Wieder Kaufsiun Li-I-mihs»' * , mvt Dr-:;j >W;ieir.*).' ' rr; ‘;! ilrrZirkulär Voni' Dezember 1 £09;' we>rih: Sie n.'die Gesctfiiltfeitlfiafcter:;Ztir:sEchC/hunc*1 derQe härter oder Apge?tplflW. auffprderrb -jxc mir ztigesgndet ge* i' 0ist JeiQclr^riclVfig,., daß die Preise: der ’ Lebensmittel umgefieuer gediegen sind, aber nicht nur diese allein, auch alle anderen Lebensbedürfnisse und insbesondere die Löhne und die Geschäftsunkosten aller Art haben sich im gleichen Maße erhöht. Den Anfang hat natürlich die organisierte Arbeiterschaft gemacht, indem sie es verstanden hat, überall höhere Löhne und weniger Arbeitsleistung zu erzwingen. Da ist es dann kein Wunder, daß auch die Produzenten von landwirtschaftlichen Produkten das Beispiel nachahmen und ihrerseits durch entsprechende Organisationen eine bessere Lebenshaltung zu erzwingen suchen. Dieses Wettrennen nach gegenseitiger Verteuerung, und zum Teil auf künstlichem Wege, in welchem es ein Stand dem andern zuvortun will, hat eben zur Evidenz bewiesen, daß das einseitige und wahllose Erzwingen von Lohnerhöhungen und Preistreibereien keinem Stande etwas genützt hat. Es ist das Fiasco der einseitigen und undemokratischen Klassenpolitik, in welcher jede Klasse nur ihren Sondervorteil anstrebt, ohne Rücksicht auf das allgemeine Wohl. Wie kann man sich z. B. beschweren über die Erhöhung der Eisenbahntarife, wenn die gleichen Kreise jedes Jahr eine Erhöhung der Löhne der Eisenbahnangestellten fordern und jeden beschimpfen, der dies nicht für gerechtfertigt hält? Wenn man ohne jede gründliche Behandlung der wichtigsten wirtschaftlichen Fragen mit allerhand Schlagworten operiert und die Verstaatlichung aller Privatbahnen erzwungen hat, was zur Folge hat, daß dadurch ein Defizit unserer Staatsbahnen von 78 Millionen Kronen herbeigeführt wurde, welches nun aus Steuergeldern zu bezahlen ist. Die Folge davon ist die Verteuerung der Lebenshaltung durch unsinnige Konsum- und Vermögenssteuern. Richtig ist nur, daß leider der Handelsstand nicht in der Lage ist, diesem allgemeinen Wettrennen zu folgen, denn dort herrscht noch die freie Konkurrenz und diese zwingt den Kaufmann, durch eine vermehrte Tätigkeit und Anspannung der Intelligenz die erhöhten Unkosten gutzumachen. Nachdem Sie sich nun der Handelsangestellten so eifrig annehmen, gestatte ich mir einen Fall vorzulegen, von wetchem mir kürzlich berichtet wurde. Das Geschäft eines hiesigen Industriellen ging nach dessem Tod ein die Hände einer reichsdeutschen Gesellschaft über. In diesem Geschärte waren zirka 80 Angestellte tätig durchwegs Oesterreicher und meistens J ude n. In ganz kurzer Zeit sind nun alle diese Angestellten bis auf 5 oder 6 entlassen worden, und natürlich durch Arier ersetzt worden. Die noch übrig gebliebenen 6 Juden stehen jeden Tag vor der Kündigung. Selbstverständlich leugnet die Leitung des Geschäftes jede antisemitische Tendenz. Es ist nur zufällig, daß gerade alle österreichischen jüdischen Angestellten nichts können und nichts taugen, und nur zufällig, daß die reichsdeutschen Arier alle tüchtig sind Da es eine allgemein bekannte Tatsache ist, daß die jüdischen Angestellten die Majorität der Wiener Handelsangestellten überhaupt ausmachen, so wäre es, glaube ich, an der Zeit, wenn der Oehilfenausschuß einmal zu dieser Frage Stellung nehmen wollte und bitte mir Antwort hierüber, ob Sie geneigt sind, dies zu tun, dann werde ich Ihnen mit weiteren Auskünften .dienen. Hochachtungsvoll Lucian Brunner. Nun, Ihr Ausbeuter der jüdischen Angestellten: Keine Antwort, ist auch eine Antwort — und die heißt: Was kümmern uns die Interessen der jüdischen Handelsangestellten; mögen sie zugrunde gehen, mögen sie überall, wenn sie Stellen suchen, verschlossene Türen finden, möge von Jahr zu Jahr die Vertreibung und die Proskription der jüdischen Handelsangestellten zunehmen, was geniert uns das! Die jüdischen Handelsangestellten sind ja so dumm, daß sie doch immer für unsere Partei stimmen werden. Sie müssen ja so stimmen, sonst werden Antisemiten gewählt. Nun denn, jüdische Handelsangestellte! Aerger können es Antisemiten auch nicht treiben, und weniger haben sie auch nicht für Euch getan, als sie noch die Leitung des Ausschusses innehatten. Ist aber noch etwas Männlichkeit in Euch und etwas Selbstachtung, dann rafft Euch einmal auf *) Mit den in diesem Schreiben geäußerten Ansichten des geschätzten Briefschreibers über die Lohnbewegung identifizieren wir uns nicht. (Anmerkung d. Red.)