Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Dr: Weizmann: Wir haben für das EÄC. folgende Mitglieder vorzuschlageri: Herrn Professor Warburg (Beifall),' Herrn S o k ö I o w (Beifall), Herrn Dr. Tschlenow, Herrn Ussischkin (Aeußerungen des Mißfallens und Zischen, Beifall auf der anderen Seite), Herrn Dr. H a n t k e, Herrn Dr. Stand (Beifall), Herrn Dr. S a n d 1 e r. Im Namen des Permanenzausschusses beantrage ich En bloc-Annahme dieser Liste. Dr. Hantke: Es ist für mich eine hohe Ehre, -wenn mich der Permanenzausschuß für dasAktions- 'komitee vorschlägt. Ich danke für die Ehre, bitte aber, von meiner Wahl Abstand zu nehmen, denn ich bin nicht in der Lage, eine derartige Wahl anzunehmen. (Beifall.) Vors. Dr. B o d e n h e i m e r: Ich frage den Permanenzausschuß, ob er eine andere Wahl vorr schlägt. Dr. Weizmann: Nein. Dr. Sandler: Auch ich danke dem Permanenzausschuß für die Ehre, die er mir durchseinen Vorschlag erwiesen hat, erkläre aber, daß ich unter diesen Umständen die Wahl nicht annehmen kann. (Lebhafter Beifall.) Vors. Dr. Bodenheimer: Es liegt also .folgende Liste vor: 1. Herr Prof. Warburg, 2. Herr Sokolow, 3. Herr Dr. Tschlenow, 4. Herr Ussischkin, 5. Herr Dr. Stand. .'Es ist En bloc-Annahme dieser Liste be- •antragt. Dr. Tschlenow verlangt das Wort zur Ge- ■-schäftsordnung. Der Präsident erklärt: Ich gebe jetzt niemandem das Wort zur Geschäftsordnung. Dr. Tschlenow: Ich muß aber erklären, daß ich unter diesen Umständen eine Wahl nicht annehmen kann und mich mit meinen Freunden beraten muß. Hierauf verlangt Prof. Warburg das Wort zu einer. Erklärung. „. .. Professor Dr. Warburg: Hochverehrter Kongreß! So ehrenvoll auch die Wahl für mich sein würde, so muß ich doch auch erklären, daß ich unter diesen Umständen nicht in der Lage bin, die Wahl anzunehmen. (Stürmischer Beifall. Außerordentlich große Bewegung. Es tritt eine lange Pause ein. Das EAC., die vorgeschlagenen Kandi- •daten sowie der Präsident Dr. Bodenheimer ziehen sich zu einer Beratung zurück. Dann fordert Jabotinski die russische Landsmannschaft auf, sich in ihrem Zimmer zu versammeln. Die Sitzung wird : unterbrochen.) Erst um 3 Uhr 35 Min. nachts erscheinen der Permanenzausschuß und das Große Aktionskomitee wieder. Die Verhandlung wird wieder aufgenommen. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Ich habe Ihnen eine Erklärung abzugeben. Nachdem sich durch die .Abstimmung und durch die Erklärungen, die darauf erfolgt sind, herausgestellt hat, daß eine Zusammensetzung des E. A. C. entsprechend den Wünschen des Permanenzausschusses nicht möglich ist, haben wir in langen Beratungen mit den Vertretern der verschiedenen Landsmannschaften die Lage erwogen. Wir sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß sich der Kongreß in einer Zwangslage befindet, aus der es nur einen Ausweg für uns gibt, daß wir das bestehende Engere Aktionskomitee wieder wählen. Wir haben darauf mit den Herren, die bisher das ' E. A. C. gebildet haben, beraten und haben sowohl Präsident Wolffsohn, als auch Professor Warburg, . als auch Herrn Kann gefragt, ob sie bereit sind, in dieser Zusammensetzung die Geschäfte der zionistischen Bewegung weiterzuführen. Die Herren haben die Erklärung abgegeben, daß sie mit Rücksicht auf die Lage, die durch die Vorschläge der Permanenzkommission geschaffen worden ist, bereit sind, das Amt weiter zu übernehmen. Ich mache also dem Kongreß den Vorschlag, er möge beschließen, daß das E. A. C. in seiner früheren Zusammensetzung weiterbestehen bleibt. Hiermit sind selbstverständlich die früheren Beschlüsse aufgehoben und bleibt das alte Organisationsstatut unverändert in Kraft. David Wolffsohn: Geehrter Kongreß 1 In dieser Form ist es nicht richtig, weil es nicht legal ist. Wir müssen uns nach den Statuten richten. In der Einsicht,- daß die zionistische Organisation ohne Leitung nicht bleiben kann, habe ich mich dazu entschlossen, auch dieses Opfer noch einmal zu bringen. Ich habe mich dazu entschlossen, das Amt wieder zu übernehmen, indem wir es ohne Veränderung lassen. Und wir werden den nächsten Kongreß wahrscheinlich früher einberufen als sonst, um eine endgültige Leitung zu schaffen, um vorbereiteter dazuzukommen als diesmal. Hermann Struck verlangt im Großen Aktionskomitee auch eine Vertretung der neuen Föderationen. n David Wolffsohn: :Nein, ganz unverändert. Der Antrag Wolffsohn wird angenommen. Professor W e y 1 nimmt! das Wort zu einer Schlußansprache. - Sport; Schwimmeil. Montag, den 10. d. M., fand der zweite Klubabend des Sportklub „Hakoab“ statt. Fast zweimal soviel Schwimmer als dap erstemal waren erschienen. Dem gesündesten pller Sportzweige erscheint dadurch in unseren Kreisen die höchste Entfaltungsmöglichkeit für die Zukunft eröffnet. Das Verdienst an diesem vielversprechenden Anfang gebührt der akademischen Verbindung „Kadimah“, welche durch die große Zahl der uns aus ihrer Mitte beigetretenen Mitglieder vieles dazu beitrug, unserem ersten Auftreten jenes Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit zu geben, welches die Grundlage einer gedeihlichen Entwicklung ist. Die sportlichen Leistungen selbst zeigen noch das Gepräge mangelnden Trainings. Doch fesseln schon einige Schwimmer die,,Aufmerksamkeit des Beobachters: Rudolf Löhner, derzeit wohl der Führer der Riege, Beral der Jüngere^ und David Krässel, die durch Kraft und Eleganz der Bewegungen das Beste versprechen. Monatsbeitrag für einmal wöchentlich Schwimmen (jeden Montag 7—9 Uhr abends im Dianabad) einschließlicb .des Mitglipdsbpitqige.s, an „HakQäb“, K 2.20. * * Fußball. Sonntag, den 16. d. M., 9—11 Uhr vormittags, findet in unserem Klublokal Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse 22, die diesmonatliche Vollversammlung der Fußballsektion des Sportklubs „Hakoah“ statt. Wichtige Tagesordnung. Vorstellung der neuaufgenommenen Mitglieder. Nachmittags Turniere auf unserem Sportplatz. Die Vorbereitungen für die kommende Frühjahrssaison sind bereits in vollem Gange. Die Vorschläge zur Wahl des Sektionsleiters, der Kapitäne, der Mannschaften etc. werden in der nächsten Ausschußsitzung verhandelt werden. Die zahlreichen Neuanmeldungen erfordern unbedingt eine vollständig veränderte Aufstellung und Umstellung der Spieler und die Vermehrung der Mannschaften. Mit der Einteilung der Spieler' in die Mannschaften wird in den folgenden Wochen begonnen und haben die eintrainierten Mannschaften mindestens vier Wochen in der gleichen Aufstellung zu spielen. Beitrittserklärungen sind daher ehestens an unseren SekretärS. W e i n b e rge r, II., Rembrandtsraße 19, zu richten. Monatsbeitrag K l!—. Keine Einschreibgebühr. Die Dressen werden liom Klub beigestellt. * Wintersportsektion des Sportklub „Hakoah“. Sonntag, den 9. d. M., unternahm die Sektion eine Uebungstour auf den Muckenkogel bei Lilienfeld, welcher sich die Teilnehmer vollständig gewachsen zeigten. Freitag, den 14. d. M., Klubabend im Cafe Kaiserhof, 87* Uhr abends. Sonntag, den 16. d. M.,' Uebungstour auf die Pretulalpe für Vorgeschrittene, für Anfänger Uebungslaufen auf der Uebungswiese in Mürzzuschlag. Abfahrt 6 Uhr 30 Min. Südbahn. Zeitschriften und Biicherschau. Die „Jüdische Rundschau“ zieht aus den Kongreßverhandlungen folgende Lehren: Erstens: Es gibt heute im Zionismus keine prinzipiellen Gegensätze mehr. Die Notwendigkeit praktischer Arbeit wird nirgends mehr bestritten, und nur über das Tempo - der Arbeit herrschen Meinungsverschiedenheiten. Di“ Notwendigkeit politischer Arbeit wird gleichfalls allseitig anerkannt, denn sie folgt aus dem nationalen Charakter unserer Bewegung, der von allen Zionisten mehr als je betont wird. Zweitens: An der Spitze unserer Bewegung steht ein Mann, der für die Leitung der zionistischen Organisation unentbehrlich ist. Die Forderungen der Gegenwart, die gewisse Reformen in der Zusammensetzung der Leitung und im Zusammenwirken der führenden Männer erheischen, müssen mit dieser Tatsache in Einklang gebracht werden. Ein Ausgleich kann nicht durch Abstimmungen auf dem Kongreß erzielt werden, sondern durch sorgfältige Erwägungen und durch vernünftige Vorbereitung der Entscheidung. Drittens: Der X. Kongreß muß ein wirklicher Arbeitskongreß werden. Seine Aufgabe ist, die auf dem IX. Kongreß diskutierten Parteifragen endgiltig zu lösen, das heißt eine einheitliche Leitung und ein klares Aktionsprogramm zu schaffen. Auf dem VIII. Kongreß waren wir uneinig. Auf dem IX. Kongreß haben wir einsehen gelernt, daß die Einigung möglich ist. Der X. Kongreß muß die Einigung schaffen. Schlemihle. Von Richard Schaukal. (Georg Müller, München.) Drei Novellen enthält dieses Büchlein, jede ein kleines Meisterwerk. Nicht so sehr des Inhalts wegen, als vielmehr der Ausführung willen. Fein, soigniert, in Stil und Komposition, flößen sie uns Respekt vor dem künstlerischen Ernst des Verfassers ein. Schaukal bevorzugt leise Uebergänge, weiche Linien, verschwimmende Farben, und schildert halbdämmerige Zustände und traumhafte Erlebnisse. Wir wähnen den vorgeführten Schlemihlen in die wehmütigen Augen zu sehen. Solchen Augen begegnen wir nur bei den Tieren. Stumm duldende Geschöpfe sind auch diese Matthias Siebenlist, Moriz Duftig und Ferdinand Maria Neubauer. In Moriz Duftig gab Schaukal das Bild eines getauften, reichen Juden, der sich trotz aller Güter des Lebens nicht glücklich fühlt, weil er entwurzelt, leer und einsam dasteht . . . „Es gibt Menschen, die unter den andern durch ein nicht recht deutsames Etwas auffallen ... So einer war Moriz Duftig, der ahnenlose, seit je gewesen . . Niemals hatte er einen Freund besessen.“ Wie bezeichnend für den getauften Juden, der unter Christen lebt! Auch seine Frau verrät ihn. Er hat es übrigens vielleicht nicht anders verdient, doch er geht daran zugrunde. Die Gründe, wie sie der Autor anführt, sind zwar nicht zwingend, wir finden aber die Erklärung in. der. ganzen Veranlagung, des, Moriz Duftig und denken der schönen Worte des Lyrikers Schaukal: „Ich liebe den Juden, den niemand bekehrt.“ Dr. M. Scherlag. „Wschöd“, Lemberg, Nr. 1. Im Artikel „Der neunte Zionistenkongreß“ von Hasofer wird die Bilanz der Hamburger Tagung gezogen. Nachfolgend seien die markantesten Stellen des Artikels wiedergegeben. „ . . . Wenn wir aufrichtig unsere Meinung äußern wollen, so müssen wir mit voller Entschiedenheit feststellen, daß der IX. Kongreß in einer Hinsicht vollkommen auf der Höhe seiner Aufgabe gestanden ist und die allgemeine Erwartung nicht getäuscht hat. Er war nämlich die Tribüne, auf der sich unzweideutig und rückhaltslos die verschiedenen Meinungen und Ansichten gegenüberstanden, auf welcher vor den Augen der ganzen Welt die verschiedenen Ideenströmungen unserer Partei sich bemühten, für ihre Bestrebungen Raum zu gewinnen. Man mag wohl verschiedener Ansicht über die scharfe und rücksichtslose Kritik sein, welche an unserer bisherigen Leitung geübt wurde. Man mag wohl meinen, daß ein tieferes Eindringen in die Intentionen der bisherigen Leiter, genauere Kenntnis der tatsächlichen Möglichkeiten, ein tiefer wurzelnder Glaube an dem guten Willen der Führer manches Mißverständnis und manch allzu bitteres Wort hätten verhindern können . . . Aber man muß ohne Einschränkung gestehen, daß das Auftreten aller Vertreter dieses oder jenes „Lagers“ würdig und von Liebe zum Volke und seinen Idealen erfüllt war “ »Tygodnik“, Krakau, Nr. 1, nimmt im Leitartikel zu der sonderbaren Praxis des galizischen Landesausschusses, beim Saizverkauf die jüdischen Kaufleute auszuschalten, Stellung. Die Klage über das Vorgehen des Landesausschusses gerade in Sachen des Salzverschleißes, der seit jeher eine allgemeine Erwerbsquelle der Juden bildete, ist alt und hat leider bis jetzt keine Remedur herbeiführen können. Freilich haben es bis jetzt die „gewählten“ Vertreter des jüdischen Volkes im galizischen Landesausschusse unterlassen, wegen dieses antisemitischen Vorgehens Rechenschaft zu fordern Sie hatten genug damit zu tun, den Juden einzureden, daß die von demselben Landesausschusse einzuberufende Enquete die jüdische Not lindern werde. Ankündigung zu der auf Sonntag, den 10. Jänner 1910, vormittags 11 Uhr verschobenen ersten ordentlichen Hauptversammlung des Vereines Oelbaumspende (E. V.), in den Räumen des Vereinsbureaus, Berlin W. 15, Bleibtreustr. 34/45.