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Jüdische Zeitung · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 betreffend die Abänderung des Organisationsstatuts. § 23 soll folgenden Wortlaut erhalten: „Das Exekutivorgan des Kongresses ist das von diesem für die Zeit bis zum nächstes Kongreß gewählte und nur ihm verantwortliche Aktionskomitee. Es besteht aus mindestens 21 Mitgliedern. Drei bis..sieben von diesen bilden das Engere Aktionskomitee. Mindestens drei Mitglieder des Engeren Aktionskomitees müssen an einem Orte ugohnen. Die Mitglieder des E. A. C. und die Mitglieder des Großen A. K. werden in getrennten Abstimmungen vom Kongreß gewählt Der Wahl der Mitglieder des Großen A. K. durch den Kongreß soll die Vorlage von Vorschlägen des Personalausschusses der Landesorganisationen (Föderationen) vorangehen. Das passive Wahlrecht des Aktionskomitees ist von der dreijährigen ununterbrochenen Schekelzahlungen abhängig. Der Präsident des Aufsicbtsrates des J. K. T. bat im E. A. C. Sitz und Stimme, ebenso die Präsidenten der Landesorganisationen (Föderationen) im Großen A. K. Die Mitglieder des Großen A. K. haben auf dem Kongreß beratende Stimme.“ Dr. Heinrich Löwe: Namens der überwiegenden Mehrheit der deutschen Landsmannschaft, namens der geschlossenen südafrikanischen, der geschlossenen ungarischen Landsmannschaften, namens der geschlossenen Misracbi, der geschlossenen bulgarischen, belgischen, italienischen, eines Teiles der türkischen Delegierten, namens des geschlossenen Order Knigbts of Zion, namens der Mehrheit der holländischen Delegierten, eines Teiles der rumänischen Delegierten, namens der geschlossenen englischen Zionistenföderation (Dr. Daiches und Bentwich protestieren) — es war mir so angegeben worden.; ich konstatiere dann: namens eines Teils der englischen Zionisten — habe ich folgende Erklärung abzugeben, der sich ein Teil der russisch-polnischen Landsmannschaft, und zwar mit -11 Unterschriften, anschließt: 1. Der Präsident des E. A. C. wird vom Kongreß gewählt; 2. der Kongreß wählt Herrn Wolffsohn zum Präsidenten des E. A. K. Präsident des E. A. C. David Wolffsohn (mit lebhaftem Beifall;begrfißt)::Ich richte die Bitte; an Sie, von Ihrem Vorhaben äbzustehen, keine' Schwierigkeiten zu bereiten, die schließlich doch zu nichts führen werden. Ich habe am Montag Ihnen hier gesagt, daß ich nicht mehr in der Lage bin, unter den heute gegebenen Umständen die Leitung weiter fortzuführen. Es könnte mancher glauben, ich hätte es nur aus einer verärgerten Stimmung herausgesagt; aber, meine Herren, ich habe es aufrichtig gemeint. Seit zwölf Jahren habe ich die Ehre und das Glück, immer mit zur Leitung zu gehören. Manche Vorfälle haben bei uns, wie es nicht ausbleiben kann, zu Demissionen geführt, und ich selbst war oft genug in einer solchen Lage, aber ich habe es niemals getan. Ich habe mir immer die Frage voigelegt: Wird es dann besser, wenn ich gehe? und als ich mir sagte, nein, da habe ich weder meine Demission gegeben, noch damit gedroht. Die Sache ist mir viel zu ernst und viel zu teuer, als daß ich damit ein Spiel treiben könnte. Nun habe ich Ihnen erklärt, daß ich die Leitung nicht weiterführen kann; es ist mein Ernst gewesen, ich habe Ihnen die Gründe ausführlich genug gesagt, und ich kann heute abends nur dieselben Gründe wiederholen, und ich richte die Bitte an Sie, keine Schwierigkeiten zu machen. Der Permanenzausschuß hat in tagelangen Sitzungen und Arbeiten den Weg gesucht. Man wird Ihnen von der Mehrheit des Permanenzausschusses hier Vorschläge unterbreiten. Nehmen Sie diese Vorschläge an. Antrag Leon Reich: Der Kongreß erachtet es als notwendig und beschließt, daß der Sitz der Parteileitung nach Berlin verlegt wird. Gleichzeitig drückt der Kongreß den dringenden Wunsch aus, daß Herr David Wolffsohn weiter die Leitung der Bewegung als Parteipräsident beibehalten möge. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß Herr Wolffsohn sich nicht weiter weigern wird, dem Rufe der Partei und dem Wohl unserer Idee zu folgen, wendet sich die galizische Landsmannschaft an den bisherigen Präsidenten mit der warmen Aufforderung, seinen Wohnsitz in Berlin zu nehmen. Temk i n : Im Namen der russischen, eines Teils der österreichischen und eines Teils der JÜDISQHE ZEITUNG. englischen, deutschen und amerikanischen Landsmannschaften habe jch folgende Erklärung abzugeben: Im Interesse ,egner gedeihlichen Führung der Arbeiten und im Interesse eines Zusammenwirkens wurde beschlossen: L.das Zentrum ist nach Berlin zu verl.ejjen, 2. die Wahl des Präsidenten, w.ird durch das E. A. C. vollzogen. Dr. Isidor Margulies: Die westösterreichische Landsmannschaft hat einstimmig den größern Teil der vom Permanenzausschuß gefaßten Beschlüsse selbst in Vorschlag gebracht, den andern Teil der gegen 1 oder 2 Stimmen. Die westösterreichische Landsmannschaft hat - sich nur ausschließlich davon leiten lassen, daß im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung des Zionismus eine Systemänderung im Sinne einer Teilung der Verantwortlichkeit notwendig ist. Die westösterreichische Landsmannschaft ist dabei davon ausgegangen, daß, wie wir mit besonderer Freude gehört haben, Wolffsohn als Präsident des Aufsichtsrates und zugleich als Mitglied des E. A. C. in der Leitung bleiben wird. (Wolffsohn: Das habe",ich nicht gesagt!) — Anders wird es ja nicht seid. Wir hoffen, daß der ganze Kongreß der Aufforderung Wolffsohns, die von Parteitreue und Veräiitwortlichkeitsgefühl für die Bewegung getragen ist, entsprechen und keinen Keim der Zwietracht in die Bewegung tragen wird. Smelianski:1 Die palästinensische Landsmannschaft hat sich für Verlegung des Zentrums nach Berlin und für di4 Wahl des Präsidenten durch das E. A. C. ausgesprochen. Kaplanski: Im Aufträge der Kongreßfraktion des jüdisch-sozialistischen Arbeiterverbandes „P o a 1 e Z i o n“ habe.'ich folgendes mitzuteilen: Wir haben uns ausgesprochen für ein Aktionskomitee, das mindestens ein fünfgliedriges Kollegium darstellt. Wir haben gegen die. Wahl des Präsidenten aus der Mitte desselben keinen Einwand zu erheben. Wir sind der Meinung,' das mindestens 3 Mitglieder des E. A. C. an einem Ort wohnen müssen. Wir sind gleichfalls dör Meinung, daß es der politische Moment und die Interessen der zionistischen Bewegung erheischen, daß der Sitz der Leitung in einem großem politischen Zentrum sich befindet, in diesem’Falle ln Berlin'.’ Imubrigen winschen wir, daß keine einzige Persönlichkeit, die eine bestimmte Richtung vertritt und die für die Bewegung durch ihre Tatkraftund ihre Erfahrung wertvoll ist, aus dem E. A. C. ausgeschaltet wird. (Beifall.) Dr. Israel Wald’mann: Darüber muß noch abgestimmt werden. (Zustimmung und Widerspruch.) Die Streichung muß doch vom Kongreß ausdrücklich beschlossen werden, wenn sie gütig sein soll. Dr. Waldmann formuliej-t den Antrag: Dieser Passus des alten Organisationsstatuts ist nicht zu streichen. Dr. F r i e d e m a n n: Wir sind zu unserem Bedauern nicht in der Lage, bei dem von Dr. Löwe mitgeteiiten Beschluß zu verbleiben. Wir sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß es unbedingt notwendig ist, daß Präsident Wolffsohn weiter an der Spitze bleibt Wir werdönunsan den Abstimmungen weiter beteiligen. (Große Bewegung.) Wir nehmen die Anträge des Dr. Löwe wieder auf. (Stürmischer Beifall.) ’ David Wolffsohn: Ich kann nur wieder meine Bitte wiederholen. Es fällt wir schwer, bei einer solch treuen Freundschaft, die ja in erster Linie dem Zionismus gijt, aber doch auch zum Teil meiner Person, die Herren bekämpfen zu müssen. Ich richte die dringend^ Bitte an Sie, es führt ja doch zu nichts. Sie hab^n sich der Abstimmung enthalten; es ist das der ^inzige Ausweg. Sie wollen nicht dafür stimmen, nun, so stimmen Sie nicht dagegen. Ueberlassen Sie den Herren die gesamte Verantwortung. Besser verfahren können Sie nicht. Ich bitte Sie, meine ljeben Freunde, den Antrag Friedemann nicht zu akzeptieren. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Mir wird mitgeteilt, daß ein Teil der Delegierten sich im Zweifel darüber befunden hat, ob mit der Annahme des Paragraphen auch eine Aenderung in der Richtung beabsichtigt sei, daß der Präsident nicht mehr vom Kongreß gewählt wird. " (Sehr richtig!) Ich werde darauf aufmerksam gemacht, daß es parlamentarische Regel ist, daß in diesem Fall ausdrücklich bekanntgegeben wird: der und!der Passus ist zu streichen. Bei der Verlesung war mir nicht bekannt, daß eine Stelle aus dem früheren Statut in der Neufassung Nr. 2 des Paragraphen fehlt. Es ist daher begreiflich; daunterlassen worden ist, es dem Kongreß nptzuteilen, und es ist nur recht und billig, daß über die Frage der Streichung, nochmals abgestimmt wird. (Sehr richtig!) Ich werde also darüber abstimmen lassen. Es ist ein Antrag gestellt: „Die Wahl des Präsidenten des E. A. C. erfolgt durch den Kongreß.“ David Wolffsohn: Im Interesse der Sache, damit die neuen Herren nach ihren Begriffen arbeiten können, bitte ich Sie dringend, stimmen Sie für die Streichung des Passus. (Lebhafter Widerspruch!) Lassen Sie mich doch ausreden! Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, wenn es sich in den nächsten zwei Jahren nicht bewähren sollte, werde ich auf dem nächsten Kongreß den Antrag stellen, den Passus wieder aufzunehmen. Heute aber streichen Sie ihn, es ist notwendig. (Widerspruch) Es wird abgestimmt. Der Antrag auf Streichung des Satzes aus dem bisherigen Statut wird mit 148 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Hermann Struck: Im Namen der Zionistischen Förderation Misrachi habe ich zu erklären, daß wir bei den Beschlüssen beharren, die Dr. Heinrich Löwe verlesen hat, und daß wir wünschen, daß David Wo lffsohn Präsident unserer Bewegung bleibt. (Stürmischer Beifall der Mehrheit). Dr. Weizmann ersucht als Obmann des Permanenzausschusses den Kongreß, sich zu gedulden, da er in diesem Augenblick nicht in der Lage sei, Vorschläge wegen der zu wählenden Personen zu machen. Der Permanenzausschuß habe seine Vorschläge auf Grund bestimmter Voraussetzungen gemacht, diese Voraussetzungen sind nicht eingetroffen. Infolgedessen wird die Sitzung um 11 Uhr 50 Min. auf eine halbe Stunde unterbrochen, um den Permanenzausschuß Zeit zu neuer Beratung zu lassen. Die Verhandlung des Kongresses kann aber erst nach zwei Stunden wieder begonnen werden, um 13A Uhr. David Wolffsohn: Geehrter Kongreß! Es ist mir wirklich peinlich und ich finde kaum die nötigen Worte, um das zu wiederholen, was ich bereits gesagt habe. Ich habe jetzt im Permanenzausschuß mit verschiedenen Freunden, die durch ihre Tätigkeit für den Zionismus einen großeh"Einfiuö be-'J sitzen, gesprochen und sie dringend gebeten, meinen Wunsch, den sie mir bisher nicht erfüllt haben, was nur dazu geführt hat, daß wir jetzt einige Stunden verloren haben, nunmehr zu erfüllen, indem sie. den Beschluß von vorhin wieder rückgängig machen. Ich sehe keinen anderen Weg, als daß die Beschlüsse des Permanenzausschusses, die er nach fünftägiger Beratung gefaßt hat, angenommen werden. Es ist zwar, noch nie, jedenfalls nur selten, auf unserem Kongreß vorgekommen, daß ein Beschluß nach kurzer Zeit wieder aufgehoben werden muß. Aber es ist besser, wenn man einen Irrtum gleich wieder gutmacht, als wenn man eigensinnig darauf besteht; und da ich sicher weiß, daß die Delegierten, die vorhin für die Aufrechterhaltung des Satzes gestimmt haben, wenigstens viele von ihnen, in ihrem Eifer geglaubt haben, mir damit einen großen Gefallen zu erweisen — ich bin ihnen dankbar dafür, aber ich werde ihnen noch viel dankbarer sein, und ich hoffe, sie werden mir diesen Dienst erweisen, wenn sie jetzt für den Antrag stimmen werden, den ich hier stelle: Ich stelle den Antrag, den Passus, daß der Präsident vom Kongreß gewählt wird, in unserem Organisationsstatut zu streichen. Ich kenne keinen anderen Ausweg. Dr. Heinrich Löwe: Ich habe die Erklärung abzugeben, daß die durch mich vertretenen vereinigten Landsmannschaften die Absicht haben, sich der Abstimmung zu enthalten. Es wird abgestimmt. Der Antrag Wolffsohn wird unter Stimmenthaltung der Mehrheit angenommen. Die Bestimmung, daß der Präsident des EAC. durch den Kongreß gewählt wird, ist also gestrichen. § 23 des Organisationsstatuts ist in der vom Permanenzausschuß vorgeschlagenen Fassung vom Kongreß beschlossen. Dr. Friedemann gibt folgende Erklärung ab: Die vereinigten Landsmannschaften haben beschlossen, sich auch an der Abstimmung über die Wahlen nicht zu beteiligen. Wir erklären aber ausdrücklich, daß wir zu der Person des Herrn Professor Warburg das unbegrenzteste Vertrauen haben, und daß wir hoffen, daß seine Mitarbeit der Bewegung erhalten bleiben möge wie bisher. (Beifall.)

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