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Jüdische Zeitung · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 des vorigen Jahrhunderts. Da setzte plötzlich, seit 1880, eine starke antisemitische Bewegung ein, die die jüdischen Staatsbürger, nachdem sie alles geleistet, wie die anderen, völlig überraschte, und die sie wieder zum Bewußtsein ihrer Besonderheit als Volk brachte. Mit sarkastischer Schärfe wandte sich der Zionist Nordau gegen die Taufjuden, gegen die. Indifferenten, gegen die sogenannten Missionsrabbis. Die ersteren seien vom Antisemitismus ebensowenig verschont geblieben, wie die zweiten, die zu dem Worte Anlaß gegeben haben, daß die jüdische Religionsgesellschaft überhaupt nur aus Atheisten bestände, und die Missionsrabbis lehrten im Grunde nur dasselbe, was die christliche Kirche auch lehre: die ewige Zerstreuung des Volkes bis zum jüngsten Tage. So kam Nordau zu dem von Begeisterung getragenen . Schlußwort, daß nur die zionistische Sammlung der nationalen Kräfte das Heil des Volkes bedeute. * * *■ Jüdisches Theater. Wie intensiv und nachhaltig das Kultur- und Kunstbedürfnis der jüdischen Massen im Osten ist, beweist die Gründung von vielen Theatervereinen in den verschiedenen Städten Galiziens und der Bukowina. In der letzten Zeit sind zwei größere Vereine entstanden, die sich die Pflege des jüdischen Theaters zur Aufgabe gemacht haben. Einer dieser Vereine steht unter der geistigen Führung Dr. Natan Birnbaum und erstreckt sein Tätigkeitsgebiet auf Czernowitz und die Bukowina, der zweite ist eine Gründung zionistischer Arbeiter in Krakau. Wenn vorläufig die Bedingungen für jüdische Theater nicht allzu günstig sind, so muß man doch zugeben, daß durch die Tätigkeit dieser Vereine die jüdische Kunst gefördert werden wird. Jeder bewußte Jude ist darum verpflichtet, die Bestrebung der Freunde des jüdischen Theaters materiell und moralisch zu unterstützen. Parteinachrichten. Innerösterreichisches Distriktskomitee. Wie bereits verlautbart, findet der ordentliche Distriktstag am Samstag, den 15. d. M., präzise 7 '/s Uhr abends, im Saale des zionistischen Bureaus, IX., Türkenstraße 9, statt und wird, wenn nötig, am Sonntag den 16. d. M., 9 Uhr früh, fortgesetzt. Tagesordnung: 1. ) Rechenschaftsbericht des abtretenden D.K. 2. ) Kassabericht und Budget 3. ) Vorlage eines Organisationsstatuts des Distrikts 4. ) Neuwahlen 5. ) Parteitag 6. ) Parteisekretariat 7. ) Eventualia. In der Tagesordnung ist insofern eine Aenderung eingetreten, als der Punkt „Neuwahlen“ vor die Punkte „Parteitag“ und „Parteisekretariat“ geschoben wurde. Das i.-ö. Distriktskomitee erlaubt sich nachdrücklichst darauf aufmerksam zu machen, daß der Distriktstag zwar öffentlich ist, daß aber nur jene Delegierten Sitz und Stimme haben, deren Vereine für alle Mitglieder Parteisteuer entrichtet haben. Je 25 Mitglieder entsenden einen Delegierten. Die Parteisteuer ist bis spätestens 14. d. M. abends an das zionistische Bureau abzuführen. * * * An alle NF-Kommissäre und Vertrauensmänner! Der Jahresabschluß 1909 ergab laut Ausweis des NF-Hauptbureaus aus Oesterreich die Summe von K 79.388‘96, also rund K 80.000 gegenüber der Jahreshauptsumme für 1908 per K 59.030'49, also rund K 60.000 an NF und Oelbaumspenden. Die Zunahme der Jahreshauptsumme um rund K 20.000 ist dem treulichen Zusammenwirken-aller dem Diensteunseres NF gewidmeten Kräften zu danken und wird gewiß nicht verfehlen, das Selbstbewußtsein, den Pflichteifer und das Aufwärtsstreben der österreichischen Organisation anzuregen. Zunächst ergeht die Aufforderung, das Sammelergebnis der Agitation für die PLDC, deren hervorragender Wert vom Kongreß neuerdings in aller Form anerkannt wurde, an uns abzuführen, damit wir auch auf diesem Gebiete hinter keiner anderen Landsmannschaft zurückstehen. Mit Zionsgruß: Die Landessammelstelle des JNF für Oesterreich. Die Bezaiel-Ausstellung in Hamburg. Um die Wahrheit zu sagen: meistens mußten wir lange Einleitungen schreiben und tiefsinnige Betrachtungen anstellen, wenn wir von irgend einem zionistischen Unternehmen zu berichten hatten, und zwar aus dem Grunde, weil wir immer nur von Anfängen, Wünschen, Plänen und Hoffnungen zu erzählen vermochten und das tatsächlich Geleistete, das greifbare Produkt der Vorbereitungen und Arbeiten mit einigen Worten abzutun gezwungen waren. Darum erfüllt es einen mit Freude, wenn man von der Bezaiel-Ausstellung in Hamburg zu berichten hat. Da sind keine Philosophien nötig, keine Rück- und Ausblicke am Platze, man erzählt einfach: das und das haben wir gesehen, so und so ist es beschaffen. Und das unter dem unmittelbaren Eindruck des Gesehenen Erzählte muß füglich größere Wirkung erzielen als tiefgründige Reflexionen über etwas, das erst werden soll. Vom Schöpfer und Leiter des „Bezalel“ geleitet, durchschreiten wir den großen Saal und bestaunen die ausgestellten Objekte. Was uns am meisten interessiert sind, die rein künstlerischen Arbeiten der „Bezaler-Schüler. Da fallen uns vor allem die verschiedenen Skizzen, Buchstabenstilisierungen, ins Auge. Wie all das exakt und sauber, schön und kunstgerecht duchgeführt ist! Alle möglichen Töne sind da angeschlagen: ernste, straff komponierte landschaftliche Bilder, Portraits, Zeichungen, Ornamente und Karrikaturen. Am auffallendsten sind wohl die zwei Buchstabenbogen, auf welchen mannigfach stilisierte, hebräische Alphabete den Blick des Beschauers gefangen nehmen. Man würde es gar nicht glauben können, daß unsere altehrwürdige Quadratschrift eine solch wundervolle Wandlung erfahren kann! Aber auch die „Ex libris“, die von Schülern des Bezalel gezeichnet sind, rufen unsere Bewunderung hervor. Alles ist eigenartig und gesund. Von den kunstgewerblichen Erzeugnissen, die zur Schau gestellt sind, sind die Teppiche besonders rühmenswert. Unter ihnen ein großer Teppich, der die ganze Mitte des Ausstellungssaales bedeckt und ein kleiner doppelseitiger aus Seide, dessen Farbenpracht und geschmackvolle Ornamentik das Auge erfreut. Viele Besucher bleiben stehen und staunen diesen Teppiche an. „Das sind Erzeugnisse einer Schule, die kaum drei Jahre besteht?“ scheinen sie zu fragen. Nach kurzer Betrachtung schon sind sie überzeugt: der Stil, die hebräischen Inschriften, die Ansichten aus dem heiligen Lande, welche als Ornamente eingewoben sind, lassen keinen Zweifel, daß jüdischer Fleiß und modern jüdischer Kunstsinn diese Teppiche hergestellt haben. Jüdischer Kunstsinn aber, der sich in bewußt jüdischen Formen äußert— nicht reproduzierend, sondern schöpferisch — lebt nur im Bezalel. Unzählig fast sind die verschiedenen Arten der ausgestellten Nippsachen und Gebrauchsgegenstände, die alle mit dem hebräischen Signum „Bezalel“ versehen sind. Am zierlichsten sind da die verschiedenen Filigranarbeiten: Broschen, Nadeln, Tabaksdosen, Federhalter, Necessaires usw. Alles ist fein und geschmackvoll und jedes ein kleines Kunstwerk für sich. Die mit Perlmutter eingelegten Rahmen, die großen Messingschüsseln erinnern an die besten Fabrikate modern europäischen Kunstgewerbes. Alles in allem: Das Ganze ist herzerfreuend' Man sieht etwas Gewordenes, etwas, das in sich den Beweis seiner Daseinsberechtigung, und der Fortschrittsmöglichkeit trägt. Es erübrigt sich jedes weitere Agitieren für den Bezalel: man nehme einige Bezalelprodukte, stelle sie aus und jeder wird überzeugt sein, daß diese Institution gehalten, was sie versprochen hat, - und daß sie einen Aufschwung nimmt, der aber nur dem jüdischen Volke zur Ehre gereicht. W. Schluß des Kongreßberichtes. Aus den letzten Sitzungen ist folgendes nachzutragen: Dr. Tschlenow erstattet den Bericht des Agrarkreditausschusses. Der Ausschuß beantragt: Der Kongreß wählt eine Kommission, welche die zur Gründung eines Instituts für Bodenkredit erforderlichen Maßnahmen durchführen soll. Die Kommission hat das Recht der Kooptation. Sie soll ihre Arbeiten im Einverständnis mit dem A. C. durchführen. Im Namen des Agrarkreditausschusses beantragt Dr. Tschlenow Enblocannahme dieses Antrags. Der Kongreß beschließt demgemäß unter Beifall. Hugo Schachtel stellt folgenden Antrag: Die Namen von Zionisten, die bereit sind, außerhalb ihrerOrtsgruppen für einen Kongreß ein Mandat zu übernehmen, sind in der „Weit“ und andern zionistischen Organen in der Reihenfolge des Eingangs der Meldungen rechtzeitig zu veröffentlichen. Einer weiteren direkten Vermittlung haben sich alle offiziellen zionistischen Institutionen zu enthalten. Dieser bedeutsame Antrag wird ohne Debatte angenommen. Wolffsohn erstattet an Stelle des Dr. Hantke den Bericht der von der letzten jahreskonferenz eingesetzten „Finanzkommission“. Ein Budget ist unbedingt, nötig. Die Schekeleiunahmen sind schwankend, und es gibt kein anderes Mittel, als die Besteuerung der Finanzinstitute. Wir sind es, die diese Institute geschaffen haben, die sie weiter erhalten, indem wir für sie arbeiten; da ist es nur gerecht, wenn diese nach dem alten Prinzip Maisser zahlen, ein Zehntel der reinen Einnahmen. Man hat auf der Jahreskonferenz gegen die Besteuerung des Nationalfonds eingewendet, das sei heiliges Geld. Aber von diesem heiligen Geld werden doch auch die Beamten bezahlt und die Auslagen. An erster Stelle sind wir es, die für den Nationalfonds arbeiten, daher solle auch er nicht nur zum Wohl der gesamten Organisation, sondern zum eigenen Besten zahlen. Andere Vorschläge sind heute noch nicht reif. Es werden 3 Anträge vorgelegt: 1. Antrag Wolffsohn: „Zehnprozentige Besteuerung aller Institutionen.“ 2. Antrag Melamed: „Freilassung des Nationalfonds und der Oelbaumspende von der Steuer. 3. Ein Antrag des Inhalts, „daß zu Zwecken der zionistischen Organisation Nationalfondsgelder nur aus den Zinsen des N. F. verwendet werden dürfen“. Sämtliche Anträge werden abgelehnt. « * Schlußsitzung. Schon lange vor dem angesetzten Beginn der Schlußsitzung sind die Tribünen, wie während der ganzen Dauer der Verhandlungen des Kongresses, bis auf den letzten Platz besetzt. Als Wolffsohn erscheint, wird er von der Mehrheit der Delegierten lebhaft begrüßt. Dr. Bodenheimer eröffnet die Sitzung um 10 Uhr abends und erteilt zunächst das Wort Dr. Franz Oppenheimer. Dieser macht die Mitteilung, daß für die Siedlungsgenossenschaft bis jetzt 38.000 Kronen gezeichnet seien; eine Reihe von Delegierten habe darauf aufmerksam gemacht, daß ihnen die Liste zur Eintragung noch nicht vorgelegt worden sei. 10 Uhr 20 Minuten erscheint der Permanenzausschuß. Weizmann nimmt als sein Obmann das Wort und unterbreitet im Aufträge des Permanenzausschusses dem Kongreß folgenden Antrag,

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