Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 Auch das antiquarische Museum des Bezalel hat sich dank dem Sammlertalent von Professor Schatz in reicher Weise vermehrt, und es wird sich, wie wir hoffen, schon in nächster Zeit eine besondere Organisation bilden, um dieses Gebiet in ganz anderer Weise zu fördern, als es bisher bei den beschränkten Mitteln möglich war. Schließlich ist des Naturhistorischen Museums zu gedenken, das zwar noch klein ist, aber sich besonders in zoologischer Beziehung dank den Bemühungen des Herrn Aharoni schon einen gewissen Ruf erworben hat. Die Leitung des Vereines Bezalel hat Herrn Aharoni jetzt von der Pflicht, hebräischen Unterricht an der Schule zu geben, dispensiert, damit er sich in Zukunft ausschließlich als Custos des Museums dieser Aufgabe widmen kann und auch Zeit findet, um hierfür größere Reisen in Palästina und den Nachbarländern zu machen. Kiriath-Sefer. Die ländliche Schule Kiriath-Sefer bei Beth Arif wurde von uns durch Verpachtung des Nationalfondsgutes Beth Arif bei Lydda und durch Uebeweisung einiger Knaben aus den Mitteln des Pogromfonds unterstützt. Sie hat aber in ihrer bisherigen Form aufgehört zu existieren. Nachdem Herr Beikind aus finanziellen Gründen nicht mehr imstande war, die Schule weiterzuführen, hat er kontraktmäßig das schöne Gebäude dem Nationalfonds übergeben. Es wird in Erwägung zu ziehen sein, ob es sich nicht für uns empfiehlt, dort auf gesicherter Grundlage ein ländliches Erziehungsheim für Knaben zu schaffen, wie sie sich in Europa so sehr bewährt haben, sowohl in England als auch in Deutschland und in der Schweiz. Da die Zinsen unseres schon über M 216000 betragenden Pogromfonds schon jetzt für die Erziehung verwaister oder sonst durch die Pogrome in Not geratenen Kinder benutzt werden, so ist die finanzielle Grundlage für das Erziehungsheim eigentlich schon gegeben. Den noch fehlenden Betrag zu beschafen, dürfte nicht allzu schwer sein. Es würde eventuell schon genügen, wenn sich eine Anzahl von Gemeinden, Vereinen oder Logen bereit erklärten, durch jährliche Zahlungen das Recht zu erlangen, dort einen Zögling unterzubringen. Da aber immerhin geraume Zeit vergehen wird, bis man die Mittel zusammen haben wird, um mit Aussicht auf Erfolg das Erziehungsheim 2u begründen, so wird geplant, das Haus in Beth Arif bis dahin der Oelbaumspende als Wirtschaftsgebäude zu verpachten. Waisenpflege in Palästina. Dem Waisenhaus für Knaben in Jerusalem wurden 4 Knaben zugeführt, die aus dem Pogromfonds unterhalten werden. Das Mädchen-Waisenhaus in Jerusalem wurde von uns dadurch unterstützt, daß demselben 12 Mädchen zugeführt wurden, deren Pension usw. wir aus dem Pogromfonds bezahlten. Da bei der Leitung der Wunsch vorhanden sein soll, dieses Iustitut auf Das junge Mädchen saß in einem Winkel und rührte sich nicht. „Welch eine Nacht!“ flüsterte ich. Und sie klagte: „Das ist ja schlimmer, als — wie — Herzl starb.-“ Da ging ich hinaus. — Die Menschen standen, saßen, lagen regungslos, apathisch, niedergeschlagen — mit geschlossenen Augen. Es war 4 Uhr morgens. Die Galerie überfüllt. Und endlich — endlich kam sie. „Einziger Ausweg — Einigung — alles beim alten. — Provisorische Weiterführung der Geschäfte — Wolffsohn — bringt „das Opfer“.--“ Totenstille.- Mit gezwungener und eigens für das Protokoll und die Presse aufgesetzter Rede schloß Bodenheimer den Kongreß. — Immer noch Totenstille. — Hinten will einer in die Hände klatschen — leises Zischen — dann wieder Totenstille.-Einer beginnt die Hatikwah zu singen, nach wenigen Takten bricht er jäh ab — niemand singt mit.- Und so geht man auseinander. — — — — Gähnend erhob sich hoch oben an der Orgel ein verschlafener Organist. Der saß dort die ganze Nacht hindurch und wartete auf den Moment, wo unter Absingung der Hatikwah feierlich der Kongreß geschlossen würde. Gähnend stieg er die Stufen hinab.- Heinr. Margulies-Berlin. das Land zu verlegen; so lie -.: der Gedanke nahe, für den Fall, daß in Beth Arif ein ländliches Erziehungsheim für Knaben an Steile von Kiriath-Sefer gegründet wird, hiermit auch ein solches für Mädchen zu verbinden. (Beifall). Das Hebräische Gymnasium. Dieses Institut, das unter der Obhut des Odessaer Komitees steht, wurde von uns zwar nicht direkt unterstützt, hingegen hat der N. F. den Boden angekauft, auf dem das Gymnasium erbaut werden soll, und unser Gesinnungsgenosse Moser (stürmischer Beifall), der das Geld zum Bau des Schulhauses zur Verfügung gestellt hat, hat letzteres gleichfalls dem Nationalfonds schenkungsweise übertragen. Grundstück und Haus werden dem Gymnasium für die ersten 5 Jahre zinslos überlassen; auch wurde festgesetzt, daß das Gebäude 50 Jahre lang ausschließlich für Schulzwecke verwendet werden muß. Das Palästinaamt hat diel hierzu nötigen Verhandlungen geführt. Zentralbibliothek in Jerusalem. Die Verhandlungen mit dieser von uns bisher mit einem kleinen Betrag unterstützten Bibliothek haben erfreuliche Fortschritte gemacht, und lassen hoffen, daß sich jetzt bald durch eine zeitgemäße Reorganisation zu einer auf solider Basis stehenden großen jüdischen Bibliothek entwickeln wird. Die Unterhandlungen mit maßgebenden Faktoren, um eine gemeinsame Organisation zur Leitung und Unterhandlung der zu vergrößernden Bibliothek zu schaffen, scheinen Erfolg zu versprechen. Hoffentlich wird es jetzt nicht mehr lange dauern, bis sich an Stelle des bisherigen überfüllten Bibliotheksgebäudes ein schöner und würdiger Neubau erheben wird. Pflanzungsverein „Palästina“. Dieser Verein soll denjenigen Juden, die wünschen, eine Scholle Boden im Lande der Väter ihr eigen nennen zu können, ermöglichen, dieses Gebot des Talmuds ohne allzu große pekuniäre Opfer zu erfüllen, dadurch, daß sie für 80 Mark eine Landparzelle von 1/11 ha mit Fruchtbäumen bepflanzt auf Lebenszeit zugeschrieben erhalten, indem die Nutznießung dieses Grundstückes ihnen jährlich als „Palästinagabe“ zugestellt wird. Die erste Pflanzung von 150 Dunam ist von drei jüdischen Kolonisten in der Kolonie Rechoboth angelegt, und die Palästinagabe wird den Besitzern in diesem Jahre zum zweiten Male zugestellt werden, diesmal in Gestalt von Mandeln und Rosinen. Da der Verein keinerlei Mittel für Propagierung seiner Ideen besitzt, noch wird erlangen können, so ist die Zahl der in der Berichtsperiode neu hinzugetretenen Mitglieder auch eine geringfügige gewesen. Die Hoffnung, daß die Misrachi, in deren Sinn doch dieser Verein ganz besonders liegen muß, die Sache als die ihrige betrachten würden, hat sich bisher als irrig erwiesen und dürfte auch in Zukunft sich kaum erfüllen, da diese Föderation ja durch Uebernahme der Mittelschule „Taschkemoni“ in Jaffa, ein Ueternehmen auf sich genommen hat, das ihre Kräfte ziemlich in Anspruch nehmen wird. Aus diesem Grunde hält der Vorstand des Vereines es für das beste, daß sich der Verein der Oelbaumspende angliedert, indem letzterer die Ländereien des Pflanzungsvereines dauernd verwaltet, wofür sie nach dem Tode der einzelnen Besitzer völlig in das Eigentum des Vereines Oelbaumspende übergehen werden. Das Palästinaressort hat sich nur insofern mit diesem großenteils aus nichtzionistischen Mitgliedern bestehenden Verein beschäftigt, als es durch das Palästinaamt die Pflanzungen des Vereins kontrollieren ließ und dem Verein auch seine Räume für Beratungen usw. zur Verfügung gestellt hat. Hygienisches Institut. Die in Aussicht genommene Einrichtung eines mikrobiologischen, resp. hygienischen Instituts hat gute Fortschritte gemacht. Die bis heute für das Institut zusammengebrachte Summe wird wohl ungefähr die Baukosten des Instituts decken. Wenn, wie zu erwarten ist, der Nationalfond den Boden hierzu hergeben wird, so würden also immer noch die Einrichtungs- und die jährlichen Unterhaltungskosten aufzubringen sein. Ein vorläufig kleiner, auf Wunsch des A. C. unter dem Palästinaressort zusammengetretener, aus Aerzten bestehender Arbeitsausschuß hat schon die Vorarbeiten begonnen, und es ist Hoffnung vorhanden, daß bald ein aus sehr guten Namen zusammengesetztes Komitee die intensivere Werbung für die Aufbringung der Fonds in die Hand nehmen wird. Leider ist uns eins der rührigsten Mitglieder dieses Ausschusses, Dr. Georg Arndt, kürzlich durch einen jähen Tod entrissen worden. Ein renommierter, für das Technikum in Haiffa hinausgesandter Architekt wird nach den detaillierten Angaben, die er hier erhalten hat, die Kosten des Baues berechnen und sich nach einem geeigneten Platze umsehen. Nach den vorläufigen Schätzungen scheint es, daß das Gebäude und die innere Einrichtung bei weitem nicht solch hohe Kosten machen werden, wie früher angenommen wurde. Neben der Förderung von gemeinnützigen Institutionen hat sich das Palästinaressort auch bemüht, das Interesse des privaten Kapitals für Anlagen in Palästina wachzurufen und zu pflegen. Das Palästina-Industriesyndikat. Das Patästina-Industriesyndikat, eine in Berlin eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von Mk. 100.000, an dem der Jewish Colonial Trust einen Anteil von Mk. 10.000 besitzt, ist seinem Wesen nach ein Studiensyndikat, das sich bestrebt, in Palästina neue Industrien einzuführen. Es ist das naturgemäß keine leichte Aufgabe, da das kleine Ländchen selbst noch sehr wenig aufnahmsfähig ist und sowohl der Mangel guter Häfen als auch die für die Versorgung des ottomanischen Reiches ungünstige Lage Palästinas einen Export der dort hergestellten Industrieartikel in andere Länder und selbst in andere türkische Provinzen erschwert. Dazu kommt noch das Fehlen von Eisen und Kohle, in den meisten Ländern die Grundlage größerer Industrien. So haben sich denn auch die meisten Projekte als undurchführbar erwiesen, und es blieben nur kleine Industrien, die sich an lokale Absatzmöglichkeiten oder an die lokalen Produktionen anschließen. Zu ersteren ist zu rechnen die Herstellung von Ziegeln und Bausteinen, zu letzteren die Mühlen, Oelpressen und Oelraffinerien, Konservenfabriken, Herstellung ätherischen Oeles usw. Bisher hat sich das Syndikat nur an einer Kalksandsteinfabrik mit einem kleinen Betrage beteiligt; es wird aber demnächst auch an einem kleinen Versuchsunternehmen chemischer Natur teilnehmen. Von großem Objekten sind die heißen Bäder von Tiberias zu erwähnen, an deren Pachtung durch einen in Tiberias ansäßigen Kaufmann sich das Syndikat beteiligt hat. Es bleibt noch die Hebung der wenigen in Palästina vorhandenen mineralischen Schätze. Bisher war dieselbe nicht möglich, da sie dem Sultan oder der Hedjasbahn Vorbehalten waren. Jetzt scheint eine Konzession eher denkbar. Für das Palästina- Industriesyndikat sind die Unternehmungen aber viel zu groß, und schon die Vorarbeiten würden den größten Teil des Kapitals des Syndikats verschlingen. Diese großem Konzessionsunternehmungen sollten die Aufgaben unserer Bank bilden und ebenso die wenigen größeren, von Konzessionen abhängigen Transportunternehmungen, die in Palästina noch zu vergeben sind, wie Eisenbahnen, Straßen, Dampferlinien sowie andere öffentliche Arbeiten, wie Häfen, Beleuchtungs-, Wasserversorgungs- und Kanalisationsanlagen und vielleicht sogar elektrische Zentralen. Wenn die nächsten Jahre nach dieser Richtung hin nicht voll ausgenutzt werden, so ist die Gelegenheit hiefür dauernd verpaßt und es ist daher zu verlangen, daß seitens der Bank die für die Voruntersuchungen nötigen Summen bereitgestellt werden. (Beifall.) Plantagengesellschaft in Galiläa. Auch bei der Gründung des ersten auf rein geschäftlicher Basis begründeten Plantagenunternehmens hat das Palästinaressort mitgeholfen, wenngleich keine zionistische Institution hierbei materiell interessiert ist. Diese vollkommen private Gesellschaft, deren Anteile 40.0C0 Frs. betragen, hat mit ihrem vorläufig auf 4CO.OOO Frs. normierten Kapital ein gut gelegenes, zum großen Teil bewässerbares Landgut in Galiläa erworben, um dort landwirtschaftliche Großkulturen, speziell Baumwollbau, zu betreiben. Die Immobiliengesellschaft Palästinas. Um auch kleineren Kapitalisten die Möglichkeit zu zeigen, ohne irgendwelches Risiko ihr Geld in Palästina in gewinnbringender Weise zu investieren,