Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 •den zweifellos die Zeichnungen auch schnell zunehmen; es ist dies besonders wichtig, weil erst, wenn mindestens weitere 5000 Aktien voll eingeizahlt sein werden, die Hauptaufgabe, der Ankauf von weiteren Gütern sowie deren Ameliorierung und Parzellierung an Pächter und Siedler in Angriff genommen werden kann. Auf diesenMoment'warten nicht nur die schon ausgebildeten Arbeiter des Gutes, sondern auch zahlreiche Familien in Rußland, Rumänien und Oesterreich-Ungaru, zum Teil gelernte Ackerbauer. Möge jeder sein Scherflein beitragen, damit diese Leute nicht enttäuscht und des langen Wartens überdrüssig auszuwandern, gezwungen sind. Die Sammlung für die P. L. D. C. betrachten wir als eine der wichtigsten Gegenwartsarbeiten für Palästina. (Lebhafter Beifall.) (Schluß in der nächsten Nummer.) Siegtnund Bergmann | Unser lieber Prager Gesinnungsgenosse, der in den weitesten Kreisen geschätzte Herr Sigmund Bergmann, ist der grauenvollen Eisenbahnkatastrophe von Uhersko zum Opfer gefallen. Alle Sympatien wenden sich seiner ausgezeichneten Gattin, Frau Joh. Bergmann zu, die seit Jahren dem Vorstande des Prager jüdischen Frauenvereines angehört, sowie den beiden Söhnen Dr .Artur und Dr. Hugo Bergmann. Siegmund Bergmann war einer der Gründer des Prager jüdischen Volksverein es, dessen Ausschuß er angehörte. Die Teilnahme an dem schrecklichen Unglücksfalle kam in der Trauersitzung des jüdischen Volksvereines zum Ausdruck. Der Obmann, Herr Dr. M. Kuh, widmete dem toten Kameraden einen tiefempfundenen Nachruf, den die Plenarversammlung stehend anhörte. Es wurde einstimmig beschlossen, seinen Namen durch Eintragung in das goldene Buch des Nationalfonds zu ehren. Auch wurde eine Anzahl von Oelbäumen im Herzlwald auf seinen Namen gestiftet. Die Beerdigung fand unter großer Teilnahme der Prager Zionisten statt. Mögen seine schwer betroffenen Angehörigen, die zu unseren Besten und Treuesten gehören, in der großen Teilnahme der Gesinnungsbrüder Trost finden! Die Konferenz für die hebräische Sprache und Kultur in Berlin. Ein würdiges Kongreßpräludium bildete die 'Konferenz für die hebräische Sprache und Kultur die vom 19. bis 21. d. M. in Berlin tagte und zu welcher etwa 150 Teilnehmer erschienen waren. Am 19. Dezember, 12 Uhr mittags, fand eine Volksversammlung statt, auf der Nahum S o k o 1 o w sein "Referat über die hebräische Sprache und Literatur für das Judentum hielt. Der Vortragende schilderte in großen Zügen die Wichtigkeit, die nationalen, sittlichen und erziehlichen Wirkungen der Kenntnis ■der hebräischen Sprache und ihre Ausbreitung im jüdischen Volke. Der erste Teil seines Vortrages behandelte die Eigenschaften und die Stellung, die das Hebräische früher im Judentum einnahm, im ■Gegensatz zu der untergeordneten Stellung, zu der es jetzt herabgedrückt wird. Er wies auf die Schädigung des historischen Judentums hin, die durch die Vernachlässigung und systematische Ausschaltung der Nationalsprache herbeigeführt wird. Der Redner behandelte sodann das Sprachproblem als solches und unterzog einer strengen kritischen Prüfung die Frage der Verlebendigung des Hebräischen. Er gelangte zu dem Resultat, daß diese Verlebendigung nicht nur im Interesse des Judentums überhaupt erwünscht, sondern auch sachlich und wissenschaftlich möglich sei. Der Vortrag klang in einer Reihe von positiven Vorschlägen aus, die den Weg zeigen, wie dieses hohe Ziel durch Organisation und Pädagogik zu erreichen sei. Der Vortrag wurde enthusiastisch aufgenommen. Am Nachmittag wurde die zahlreich besuchte und won verschiedenen Vereinen Rußlands, Oesterreichs, Deutschlands beschickte Konferenz von Herrn Dozenten Dr. Banneth eröffnet. Der gelehrte Hebraist entwarf in tiefempfundener Weise ein Bild des Aufschwunges der hebräischen Sprache in der Diaspora und in Palästina, wobei er auf die Wege und Mittel hinwies, die geeignet wären, eine Wiederbelebung des alten Hebräischen herbeizuführen. Im Namen des vorbereitenden Komitees berichtete der bekannte Orientalist, Professor Dr. Mittwoch, über die bisherigen Arbeiten desselben. Ein ausführlicheres Referat über die Bestrebungen und Aufgaben des vorbereitenden Komitees wie auch über das hebräische Kulturproblem im allgemeinen hielt Herr Dr. Martin Buber, der in gefühlvoller und formvollendeter Weise die Richtlinien der Tätigkeit vorzeichnete. Sodann schritt die Versammlung zur Wahl des Präsidiums. Ins Präsidium wurden gewählt: Nahum Sokolow als Vorsitzender, M. Ussischkin und Leo Motzkin. Zu Beisitzern wurden gewählt: Dr. Joseph Klausner und Dr. Mossensohn. Die Wahl erfolgte per Akklamation. Allgemeine Aufmerksamkeit lenkte auf sich der gefeierte hebräische Schriftsteller Achad-Haam, der sich in der ihm eigenen meisterhaften Weise an der Diskussion beteiligte. Nach der Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden erstattete Herr Leo Motzkin einen genauen Bericht, in dem er die früheren Berichte des vorbereitenden Komitees ergänzte. Den Hauptgegenstand der Konferenz bildete die Frage der Einberufuug eines Hebräischen Kongresses. Charakter, Zweck, Ort und Zeit dieser beabsichtigten Veranstaltung gaben zu gründlichen Erörterungen Anlaß, die sich nicht nur auf dieses eigentliche Thema beschränkten, sondern auch mehrere Fragen kultureller und pädagogischer Natur, wie auch literarische Probleme, welche die Gemüter der hebräischen Schriftsteller und der Freunde der nationalen Literatur jetzt bewegen, beleuchteten. Mit wenigen Ausnahmen wurde die Diskussion im Hebräischen (zumeist in sephardischer Aussprache) geführt. An der Diskussion beteiligten sich Achad- Haam, Dr. Klausner, Ussischkin, Ben-Awigdor, Motzkin, Professor Mittwoch, Dr. S. Bernfeld, S. P. Rabinowitsch, Dr. Tartakower, Dr. Kahen, Joseph Lin, Sch. Pinski, Dr. Scheinkin, Sch. Tschernowitz, M. Kleinmann und viele andere. Einen besonderen Eindruck machten die wohlklingenden Ansprachen des Herrn Dr. Mossensohn aus Jaffa. Unter den Konferenzmitgliedern befand sich auch der bekannte hebräische Schriftsteller Herr David Frischmann aus Warschau. Es befanden sich auch die Redakteure Herr David Florentin und Herr Aardidi aus Saloniki daselbst, die für ihre spaniolischen Zeitungen fleißig Notizen machten. Ueberhaupt war die Presse sehr stark vertreten. In der Montagssitzung wurde die Einberufung eines Kongresses beschlossen, der voraussichtlich in Palästina stattfinden wird. Zeitschriften und Bücherschau. Frankfurter Zeitung. Das imposante Bild des Hamburger Zionistenkongresses, der viel tausendköpfige Beratungssaal mit seinen russischen, polnischen, rumänischen und türkischen Juden, die gemeinsam mit Westjuden über das Schicksal unseres Volkes berieten, hat auf die Assimilanien wie ein rotes Tuch auf einen wildgemachten Stier gewirkt — wenn dieser Vergleich mit Rücksicht auf die Impotenz des lendenlahmen Assimilantentums gestattet ist . . . Die Frankfurter Zeitung, die übrigens objektive und ausführliche Berichte von den Kongreßverhandlungen brachte, veröffentlicht zwei Episteln von Antizionisten. Es lacht einem das Herz, wenn man wieder einmal diese blödsinnigen und böswilligen Argumente hört, die uns noch nie geschadet haben. Die Arier sind zu gut über uns unterrichtet und wenden sich mit Ekel von dieser Sorte ab und die Juden glauben längst nicht mehr an das, was da hervorgesprudelt wird. So schädigen sich die Großjuden mit ihrem Gewäsch nur selbst. Ein Herr Dr. Strauch aus Mannheim, der ebenso wie die Wiener Großjuden hoffte, daß der Zionismus mitHerzI für immer begraben worden sei, schwatzt folgendes über die „zionistische Gefahr“: „Zum ersten Male tagt in Deutschland ein Zionistenkongreß. Die Berichte über diesen gehen durch die Tagespresse und sind geeeignet, den Glauben zu erwecken, daß hinter den Zionisten die deutschen Juden stehen. Dem ist jedoch nicht so. Der größte Teil der deutschen Juden kennt die Tendenzen des Zionismus nicht und 9teht ihm interesse- und verständnislos gegenüber. Solange die Hoffnung bestand, daß die zionistische Bewegung den Tod ihres Fühiers Herz! nicht lange überdauern würde, war diese Indiffetenz verzeihlich. Da der Zionismus aber keine Abschwächnng erfahren hat — ob er vielmehr in den letzten labren an Boden gewonnen hat, bleibe dahingestellt — scheint es anlätflicti der Tagung in Hamburg notwendig, gegen ihn Stellung zu nehmen. Cs muß einmal öffentlich ausgesprochen werden, daß die Masse der deutschen Juden mit dieser Bewegung nichts zu tun hat. Das passive Verba ten wird sich in Gegnerschaft verwandeln, wenn die Ziele der Zionisten klargelegt werden. Das einigende Band unter den Zionisten aller Länder und Schattierungen ist die nationaljüdische Idee: ,Wir Juden aller Länder sind Angehörige der jüdischen Nation. Wir wollen keine Assimilation, unser Endziel ist, »n Palästina, im Lande unserer Väter, national zu leben und uns national auszuleben/ Wäre diese* die Ansicht der deutschen Juden in ihrer Totalität, so hätten die Rassenantisemiten recht, die sagen: ,Die luden sind ein Fremdkörper im st «ate. Ein Fremdkörper, der vom Organismus nicht assimiliert werden kann, muß, da er schädlich wirkt, eliminiert werden/ Doch wir deutschen Juden sind Deutsche und wollen es bleiben. Wir sind deutsche Staatsbürger jüdischer Konfession. Unser Ziel ist völlige Gleichstellung und Assimilation als Juden, nicht aber unter Aufgabe des Judentums Dieses hat sich durch die jüdische Religion und durch den Druck von außen während zwei Jahrtausende erhalten. Mit dem Falle der GheUomauern, der isolierenden und konsetvierenden Schutzschicht, sind auch' die Satzungen, Sitten und Gebräuche der Juden dem erodiei enden Einfluß der fließenden Zeit ausgeseizt worden. Seit dem Beginn der Emanzipation, im Laufe eines Jahrhunderts, sind die jüdischen Sitten und Gebräuche in Wegfall gekommen Bleiben noch die Satzungen. Die jüdische Orthodoxie glaubt an die Werbekraft des jüdischen Glaubens und sieht in der Rückkehr zum Glauben der Väter das Mittel zur Erhaltung des Judentums. Wem trotzdem bei der fortschreitenden Aufklärung in religiösen Dingen auch die jüdische Glaubenslehre in Agonie veriällt, so wird auch die utopistische nationaljüdische Idee nicht lebensrettend für das Judentum wirken. Jedenfalls wollen wir deutschen Juden nichts von einem Phantom wissen, das uns unserem Vaterlande entfremden will und geeignet ist, die Gleichberechtigung und organische Fortentwicklung der Assimilation zu gefährden, indem es unseren Feinden in die Hände arbeitet. Es ist nicht der Zweck dieses Artikeln, eine Preßfehde über die Durchführbarkeit oder Undurchlührbarkeit der zionistischen Ziele oder über die Frage, ob ein Nationaljude ein guter Deutscher sein kann oder nicht, zu beginnen. Auch ist hier nicht der Oit, darüber 2U streiten, ob es überhaupt ein Nationaljudentum gibt Festgestellt sollte werden, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden Deutsche und nicht Nationaljuden sind und sein wollen. In der jüdischen akademischen Jugend besteht eine starke antizionistische Bewegung, möge diese auch bei den im bürgerlichen Leben stehenden Glaubensgenossen Einklang finden. Caveant consules.“ Ein zweiter Briefschreiber wendet sich gar gegen die Gründung eines „jüdischen Nationalstaates“ und bedauert, daß Max Nord au — vor dem sie doch alle Respekt haben — seine „Glaubensgenossen“ zugrunde richte. Jüdische Universalbibliothek. Von dieser im Verlage von Richard Brandeis in Prag erscheinenden und bisher 94 Nummern umfassenden Bibliothek i werden demnächst einige neue Bändchen, welche u. a. Rom und Jerusalem von M. Heß, Ausgewählte Geschichten und Skizzen von Perez, Gedichte von Morris Rosenfeld enthalten, ausgegeben. Wie uns gleichzeitig mitgeteilt wird, bereitet die genannte Verlagsfirma für das Jahr 1910 50 neue Bändchen vor. Sport. Wintersportsektion des Sportklubs „Hakoah“. Neuaugenommene Mitglieder: Dr. Eugen Kallmus, Dr. Siegmund Freund, Otto Jellinek. Die beiden Weihnachtsfeiertage vereinigten 8 Mitglieder in Mürzzuschlag zum Uebungslaufen. Die beiden Feiertage (Samstag und Sonntag den 2. Jänner) sahen die Sektion auf dem Uebungsplatze in Kaltenleutgeben. Donnerstag, den 6. Jänner, ist eine Uebungstour nach Mönichkirchen geplant. Das Programm für Sonntag, den 9. d. M., erscheint in der Sportrubrik des N. W. Abendblattes. Freitag, den 7. Jänner, wie gewöhnlich Klubabend im Restaurant „Kleeblatt“. Schwimmen. Montag, den 3. Jänner 1910, fand der erste gemeinsame Klubabend des Sportklubs „Hakoah“ mit dem Wiener Schwimmklub „Austria“ statt. Die rationelle Pflege des Schwimmens, des gesündesten aller Sporte, der empfehlenswertesten aller körperlichen Uebungen, ist somit in unser festes Programm aufgenommen. Das bisherige Klubschwimmen an jedem Sonntag Vormittag wird aufgelassen und sind unsere offiziellen Uebungszeiten von nun ab :eden Montag 7—9 Uhr im Diana-Bad. Die Mitglieder vom „Hakaoh“ sind berechtigt, an allen Uebungen der „Austria“ teilzunehmen, und stehen uns auch ihre Trainer bereitwilligst zur Verfügung. Unseren Schwimmern wird empfohlen, nach Möglichkeit auch die Donnerstag-Abende der „Austria“ zu frequentieren, an welchen ihnen die Benützung des Schwimmbassins gegen Vorweisuug der „Hakoah“-Mitglieds-Karte und Erlag von 60 h freisteht. Beim Klubabend am 3. d. M. ragten unter den Schwimmern besonders Herr Rudolf Löhner und Herr Walter Werner hervor. Auch Herr Karl Schorr zeigte eine tüchtige Leistung. Vielleicht gelingt es ihnen, schon beim nächsten Meeting die ersten Preise für „Hakoah“ zu erringen. Der Monatsbeitrag für einmal wöchentlich Schwimmen wurde einschließlich der Abgabe an unseren Sportklub mit 2 K 20 h festgesetzt. Fußball. Für die kommende Saison werden schon jetzt eifrige Vorbereitungen getroffen. Eine überraschend große Zahl von Anmeldungen sind für die Zeit ab l.März 1910 erfolgt. Auch die Miete