Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 1 stellte, so hat sie sich jetzt als ein vorzügliches Mittel herausgestellt, um Gelder für Palästinazwecke flüssig zu machen. (Beifall.) Während auf dem letzten Kongreß erst die Hoffnung ausgesprochen wurde, bis Ende 1907 die 10.000 Bäume für den Herzlwald vollzählig zu machen, besitzt der Verein jetzt schon den Fonds für fast die dreifache Zahl von Bäumen. Nicht nur sind zwei große Baumschulen für Oliven jetzt angelegt, eine bei Beth Arlf nahe Lydda, eine zweite bei Hulda an der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem, sondern es sind schon die Vorarbeiten vollendet, um Anfang 1910 auf dem Nationalfondsland in Hulda 3000 Oelbäume auf 300 Dunam, in Beth Arif 5000 Oelbäume auf 500 Dunam anzupflanzen. Bei Hulda wird in den nächsten Jahren der Herzlwald entstehen, 15.000 Oelbäume umfassend und mehrere Tausend andere Fruchtbäume. (Beifall.) Das schöne im orientalischen Stil gehaltene Wirtschaftsgebäude ist von der Eisenbahn aus weithin sichtbar. Auch soll die Anhöhe gärtnerischen Schmuck und parkartige Ausstattung erhalten, und das ganze Terrain soll von breiten Alleen durchschnitten werden. Es sind dies an sich zwar unwirtschaftliche Ausgaben, die der Verein aber den Manen des großen Mannes, dessen Name der Wald und die Anlage trägt, schuldig zu sein glaubt Hoffentlich findet sich ein Verehrer Herzls, resp. ein Verein oder Klub, der die Ausgestaltung des Herzlhauses und Herzlparks, sowie die Pflege des letzteren auf sich nimmt. Der Herzlwald wird in einzelne Haine von je 1000 Bäumen, die Haine wieder in Gärten von je 100 Bäumen geteilt werden. Ein Buch, in welchem die einzelnen Haine, Gärten und Baumreihen verzeichnet sind, wird die Namen der Spender von Oelbäumen in der Weise angeben, daß jeder Spender den mit seiner Gabe gepflanzten Baum auffinden kann. Der zweite Wald bei Beth Arif soll gleichfalls innerhalb dreier Jahre mit 15.000 Oelbäumen bepflanzt werden. Der schon vor einigen Jahren gepflanzte, 1100 Bäume umfassende Goldberghain bei Chedera (110 Dunam), macht gute Fortschritte, und auch für einen zukünftigen dritten Wald in Galiläa, dessen genaue Lage noch unbestimmt ist, sind schon nicht unbedeutende Geldmittel beisammen. Die Palestine Land Development Company legt hier für Rechnung der Oelbaumspende schon eine Baumschule an, während der Nationalfonds sich nach einem passenden hierfür zu kaufenden Land umsieht. Hoffentlich wird es möglich sein, auch dort schon bis zum Jahre 1912 12.000—15.000 Oelbäume anzupflanzen, so daß der Verein dann bereits über ca. 50.000 Olivenbäume und 10.000 bis 20.000 andere Fruchtbäume verfügen wird. Auch die Organisation der Oelbaumspende hat große Fortschritte gemacht. Das Große Aktionskomitee hat während seiner Sitzung am 6. Jänner 1908 die Gründung eines eingetragenen Vereines mit dem Sitze in Berlin beschlossen, und seitdem ist die langwierige Arbeit, seine bis zum 1. Dezember 1909 gesammelten Bäume in die Bücher einzutragen und für die seit Gründung des Vereines gesammelten Bäume auch Quittungskarten, resp. Diplome zu verschicken, zum Abschluß gebracht. Alle diese Erfolge sind erzielt mit äußerst geringen Kosten und ohne Agitation, die sieb übrigens auch schon aus dem Grunde verbietet, weil der Verein ja doch die Verpflichtung übernimmt, für jede Mk. 6.—, abzüglich der 5®/» Provision der Sammelstellen, einen Baum zu pflanzen und bis zum Ertrag zu unterhalten, was nur bei äußerster Sparsamkeit möglich ist. Die gesamten Ausgaben des Vereines Oelbaumspende für die Pflanzungen in Palästina betrugen bis zum 30. September 1909: für Chedera. Frcs. 4534'96 „ Beth Arif (einschl. 4463 Frcs. Arbeitslohn für Tiefpflügen im Herbst 1909) „ 13.93841 „ Hulda (darunter Frcs. 12.389-28 für Gebäude, „ 167845 „ Inventar, „ 2515-- , Tiefpflügen . „ 17.416'93 Frcs. 35.890-30 Zahlreiche jüdische Arbeiter finden schon jetzt ihr Brot bei der Anpflanzung der Oelbaumwälder, auch ihre Pflege sowie die Ernte werden dauernd eine Menge Hände beschäftigen und dazu beitragen, einen gesunden und kräftigen jüdischen Bauernstand in Palästina zu schaffen. Was die Ergebnisse der Sammlung betrifft, so ist die Zunahme jm wesentlichen darauf zurückzuführen, daß außer Deutschland jetz auch andere Länder sich mit größeren Summen an der Sammlung beteiligt haben, besonders Oesterreich sowie einige kleine Länder, speziell Belgien und Rumänien. Neuerdings kann man auch für Rußland, Nordamerika und Südafrika eine wesentliche Zunahme der Eingänge konstatieren, in geringerem Maße für England, Holland, Argentinien und Kanada. Besonders viel darf man sich wohl für die Zukunft von Amerika versprechen, da sich dort gewiß sehr leicht ein jüdischer „Tree planting day“ wird einführen und populär machen lassen. Jedenfalls ist schon jetzt erkennbar, daß die Oelbaumspende prädestiniert ist, eine unserer wichtigsten zionistischen Institutionen zu werden, bestimmt, um uns mit der Zeit in reichem Maße die' Mittel zur Förderung von Kulturaufgaben in Palästina zuzuführen. Schon von den bis jetzt gesammelten 30.000 Bäumen versprechen wir uns für später eine Jahreseinnahme, die uns befähigt, erhebliches zu leisten, und dabei hat die überwiegende Mehrheit aller Zionisten bisher noch nicht einmal einen einzigen Baum hierfür beigetragen. Wenn jeder Zionist jährlich nur einen Baum beisteuert, so werden wir schon in wenigen Jahren ganz gewaltige, aus Millionen von Bäumen bestehende Oelbaumwälder in Palästina besitzen, die uns, ertragsfähig geworden, befähigen werden, nicht nur an die Gründung einer Hochschule heranzutreten, sondern auch sonst den verschiedensten Kulturaufgaben gerecht zu werden. (Lebhafter Beifall.) * * * Kulturfonds. Der vom Großen A.-C. im vorigen Jahre begründete Kulturfonds soll während der langen Periode, bis die von der Oelbaumspende gepflanzten Bäume ertragsfähig werden, in Palästina kulturellen Aufgaben dienen. Leider ist dieser Fonds bisher noch nicht populär geworden, er betrug am 1. Juli erst ca. 5000 Mk., von denen über 1000 Mk. dem eisernen Fonds angehören, von dem nur die Zinsen verwendet werden dürfen. Der geringe^-Erfolg der Werbung findet seine Ursache großenteils darin, daß gleichzeitig eine Sammlung für den Parteifonds vorgenommen wurde. Eine wirksame Agitation für den Kulturfonds zu entfalten, ist aber auch aus dem Grunde schwer, weil alle brauchbaren Agitationsmittel schon für den Nationatfonds vorweggenommen sind. Das Palästinaressort hat, da die ersten Sammlungen nicht recht vom Flecke kamen, die Agitation den in Breslau ansässigen, als sehr rührigen Agitatoren bekannten Gesinnungsgenossen Dr. Sandler und Hugo Schachtel übertragen, jedoch kann eine erneute Werbung erst nach dem Kongreß in Angriff genommen werden. Hoffentlich werden dann die Erfolge bessere sein. In Ermanglung eines besonderen Fonds und bei den geringen Mitteln, welche dem Aktionskomitee durch die Schekelgelder zur Verfügung stehen, mußten in .der Berichtsperiode fast alle, zum Teil sogar sehr dringenden Anträge, auf Bewilligungen aus Palästina zurückgewiesen werden. Nur für die Weiterführung des großen Hebräischen Wörterbuches von Ben Jehuda, sowie für die Anschaffung von Turninstrumenten für das Gymnasium, wurden kleine Subventionen bewilligt, die aber nicht vom Kulturfonds, da derselbe noch nicht existierte, sondern von den Schekeleingängen des Aktionskomitees bestritten werden mußten. Es ist ein unserer Ansicht nach unhaltbarer Zustand, der natürlich auch von unseren Feinden in reichem Maße ausgebeutet wird, daß wir nicht imstande sind, irgend welche in Betracht kommenden Geldmittel den vielen kulturellen Aufgaben in Palästina widmen zu können. Außer der Sorge für die Schulen, die im allgemeinen wohl besser anderen Organisationen überlassen bleibt, gibt es in Palästina noch viele andere kulturelle Erfordernisse, wie Förderung der hebräischen Sprache, Bibliotheken, Museen, Zeitschriften, Lesehallen, Fortbildungsanstalten, Toynbeehallen, Wanderlehrer, technische und wissenschaftliche Institute, Vereinigungen wissenschaftlicher und gewerblicher Natur und deren Publikationen, sowie alle die Bestrebungen, welche die Regeneration und Vervollkommung der Rasse in körperlicher und geistiger Beziehung bezwecken wie Sport- und Turnvereine. Auch das große Gebiet hygienischer Einrichtungen: gesunde Wohnungen, Volksküchen, Säuglingspflege, Seuchenbekämpfung, Beschaffung guten Trinkwassers, gehört in das kulturelle Gebiet. Die Unterstützung dieser Bestrebungen ist eine Forderung, der wir Zionisten uns gar nicht länger verschließen dürfen, falls wir unsere Position in Palästina verbessern wollen. Es geht nicht länger an, daß wir stets bedauernd darauf hinweisen müssen, daß wir keine Fonds hiefür besitzen, während doch jedermann weiß, daß wir jährlich Hunderttausende für den Nationalfonds aufzubringen imstande sind. Es war zweifellos ein Fehler, daß wir der Verwendung der Gelder des Nationalfonds statutarisch so enge Grenzen gezogen und sie ausschließlich für agrarische Bestrebungen festgelegt haben. (Zustimmung.) Da das aber einmal geschehen ist, so ist es unsere Pflicht, wenigstens einzelne der Agitationsmittel des Nationalfonds aufzugeben und sie dem Kulturfonds zu überweisen. Vielleicht eignen sich hiefür besonders gut die Marken, Telegrammformulare und Ansichtspostkarten. Wenn hiedurch die Eingänge des Nationalfonds auch um einige Prozent verringert werden sollten, so wird diese Mindereinnahme des Nationalfonds durch die eminenten moralischen Erfolge, welche wir infolge der kulturellen Arbeit in Palästina erzielen, doppelt und dreifach aufgewogen. Es wird Sache des Kongresses sein, diese für uns sehr wichtige Frage zu beraten oder eventuell seinen Vertretern im Direktorium des Nationalfonds die nötigen Instruktionen zu erteilen. (Beifall.) * * * Palestine Land Development Company Ltd. Die wichtigste Arbeit, welche das Palästinaressort in der Berichtsperiode geleistet hat, ist die Gründung der Palestine Land Development Company Ltd., die bezweckt, unsere Parzellierungs- und Ansiedlungsinstitution zu werden. (Lebhafter Beifall.) Ihr ist, wie ja auch in den ersten Zeiten der Oelbaumspende, das Schicksal nicht erspart geblieben, scharf kritisiert und angegriffen zu werden, und es hat ziemlich lange gedauert, bis die Bedeutung dieser Gesellschaft richtig erkannt wurde. Während die Prinzipien der Gründung dieser Gesellschaft schon im Jahre 1908 die Billigung, des Großen A.-C. gefunden haben und auch schon damals die Beteiligung des Nationalfonds beschlossen wurde, so dauerte es doch noch fast l'/s Jahre, bis das von den englischen Gesetzen verlangte Minimaikapital beisammen war und alle die Formalitäten ihrer Eintragung in London erfüllt werden konnte. Das Nominalkapital der Gesellschaft beträgt 50.000 Pfd. St., eingeteilt in Gründeraktien ä 50 Pfd. St. und gewöhnliche Aktien ä 1 Pfd. St., voll eingezahlt aber sind erst ca. 3500 Pfd. St., während die Aktien für weitere 2500 Pfd. St. erst teilweise bezahlt sind. Der Nationalfonds hat für die 98jährige Verpachtung seines 6500 Dunam umfassenden Gutes Kinereth, am Südende des Tiberiassee, 40 Gründeraktien im Gesamtbeträge von 2000 Pfd. St. und gewöhnliche Aktien in der Höhe von 2500 Pf. St., zusammen also 4500 Pfd. St. von der PLDC. erhalten. Das Gut Kinereth ist schon Anfang 1908 in Bewirtschaftung genommen worden und zeichnet sich durch vorzüglichen Boden aus. Es dient dazu, jüdische Arbeiter, speziell solche, die für spätere Ansiedlung als Pächter, resp. Siedler in Betracht kommen, auszubilden und anzulernen. Etwa 30 jüdische Arbeiter waren schon in diesem Jahre auf dem Gute beschäftigt, obgleich noch nicht die Hälfte desselben unter Kultur war. Im jetzt beginnenden neuen Jahre wird auch das jenseits desjordans gelegene Land des Gutes bebaut werden, zu welchem Zwecke der Nationalfonds einen durch die von der Gesellschaft auf dem Gute errichteten Baulichkeiten gedeckten Kredit von 1000 Pfd. St. bewilligt hat, der aber hoffentlich durch die Neuzeichnungen, sowie die Eingänge der Restzahlung der alten Aktien bald überflüssig werden wird. Leider hat sich an diesem Unternehmen bisher Rußland nur wenig beteiligt, während die englisch sprechenden Länder so gut wie ganz versagt haben, so daß auch hier wieder Deutschland und Oesterreich an der Spitze stehen, denen sich dann namentlich Rumänien, Belgien und Holland anschließen. Wenn erst die Bedeutung der Arbeit dieser Gesellschaft bekannt geworden sein wird, so wer-