Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Sitz und Stimme haben, deren V e rein e für a 11 e M i t g li e d e r P a rt ei Steuer entrichtet haben. Je 25 Mitglieder entsenden einen Delegierten. Die Parteisteuer ist bis spätestens 14. d. M. abends an das Zionistische Bureau abzuführen. Bericht des Palästinaressorts erstattet auf dem IX. Zionistenkongreß von Professor Dr. Otto War bürg. Das Palästina-Ressort, das auf dem Haager Kongreß am 20. August 1907 eingesetzt wurde, hat im wesentlichen die Aufgabe, die Palästinaarbeit zu organisieren und zu leiten. Zu diesem Zwecke wurde ihm ein aus einem oder mehreren besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt. Zu seiner Unterhaltung sollen 25*/» aller Einnahmen des A. C., sofern sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollen ihm die für seine besonderen Zwecke gesammelten und gespendeten Beiträge zufließen. Als besondere Aufgaben wurden dem Palästinaressort, noch aufgetragen: 1. die Frage der Siedlungsgenossenschaft zu studieren; 2. den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksameit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fonds zu schaffen. Das Palästinaamt, das bald nach dem Kongreß in Jaffa geschaffen wurde, hat sich vortrefflich bewährt, und die ganze Zeit hindurch hat das Ressort stets mit dem Palästinaamt in bestem Einvernehmen gearbeitet. Das Aktionskomitee verfügt hierdurch über ein Organ in Palästina, das stets imstande ist, ihm die zuverlässigsten Informationen zu erteilen die Wünsche desselben in kürzester Frist auszuführen und die von unserer Organisation geschaffenen oder mit ihr in Zusammenhang stehenden Institutionen dauernd zu inspizieren, resp. zu leiten. Während die Vorgängerin des Palästinaressorts, die Palästinakommission, stets Schwierigkeiten hatte, ihre Pläne in Palästina zur Ausführung zu bringen, so ist das Palästinaressort in dieser Beziehung in einer sehr viel angenehmem Lage. Naturgemäß und nicht zum Schaden unserer Bewegung verlegt sich das Zentrum unserer Palästinaarbeit hierdurch immer mehr nach Palästina selbst. Immerhin wird ein Ressort außerhalb Palästinas so lange noch nötig sein, als die Zentrale unserer Bewegung noch in Europa liegen wird. Auch wird es noch lange dauern, bis es möglich sein wird, von Palästina aus unsere Stammesgenossen in gleicher Weise zu bearbeiten, wie es von einer der großen Zentren Europas aus geschehen kann. Naturgemäß verursacht das Palästinaamt bedeutende Kosten, wenngleich über die Hälfte seines Jahresbudgets von Mk. 20.000 durch andere Institutionen, für welche das Palästinaamt arbeitet, getragen wird. Das Bureau des Palästinaressorts in Berlin hatte infolge der Einrichtung des Palästinaamtes nur eine geringere Bedeutung. Es bestand außer dem ehrenamtlich fungierenden Chef lediglich aus einem Beamten und einer Schreibkraft, wozu dann in diesem Jahre noch eine Hilfskraft für die Buchführung hinzukam. So war es denn möglich, mit den vom Kongreß bewilligten Einnahmen nicht nur die Ausgaben zu decken, sondern auch die von der Palästinakommission übernommenen Schulden in Höhe von Mk. 9134-21 zu tilgen. Freilich mußte das Palästinaressort die äußerste Sparsamkeit walten lassen und sich jeder pekuniären Unterstützung palästinensischer Institutionen sowie jeder größeren, nicht durch andere Geldmittel bestrittenen Propaganda für Palästinazwecke enthalten. Vor allem mußte zu unserm Leidwesen die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift als Fortsetzung der von des Palästinakommission herausgegebenen drei Bände „Altneuland“ 1904—1906 und des einen Bandes „Palästina“ 1907 aufgegeben werden. Wenn auch gewissermaßen als Fortsetzung dieser Zeitschrift von privater Seite mit einer kleinen Unterstützung des Ressorts eine Monatsschrift „Palästina“ in München herausgegeben wurde, so läßt sich dieselbe doch weder nach Inhalt noch nach Form mit der erwähnten Zeitschrift der Palästinakonimission vergleichen. Unser Strebeu muß darauf gerichtet sein, möglichst bald in Palästina selbst ein unseren wirtschaftlichen kulturellen Zielen dienendes Organ zu schaffen. Die vom Palästinaamt herausgegebene, monatlich, in der letzten Zeit alle 14 Tage erscheinende Palästina-Korrespondenz kann sich naturgemäß nur mit wenigen aktuellen Fragen befassen. Auch auf wissenschaftliche Forschungsarbeiten mußten wir aus dem gleichen Grunde verzichten. Wir hoffen aber, daß sich auch hiefür bald eine gesunde, wenn auch nicht gerade zionistische Basis finden lassen wird, ohne daß wir genötigt sind, die unserer Bewegung zur Verfügung stehenden Fonds hiefür zu verwenden. Hingegen war das Palästinaressort bemüht, die Verbreitung der Palästinakenntnis in anderer Weise zu fördern. Einerseits führte es eine sehr ausgedehnte Korrespondenz über Palästina und sandte Tausende von Informationen und Aufklärungen überall dorthin, wo sie verlangt wurden; andererseits veranlaßte es den Druck sowie die Verbreitung kleiner Flugblätter über verschiedene wichtige Themen: Weshalb ist es Pflicht eines jeden Juden, die Kolonisation Palästina zu fördern? Was ist die Oelbaumspende? Oelbaumspende und Zionismus. Anlage von Pflanzungen in Palästina. Der Bodenerwerb in Palästina. Ferner wurde das von Ben Jehuda herausgegebene große hebräische Wörterbuch, dessen erster Band jetzt vollständig vorliegt, unterstützt. Auch wurden die Vorarbeiten für die Herausgabe einer hebräischen Wandkarte für die Schulen mit Hilfe palästinensischen Lehrerverbandes so gut wie vollendet. Sodann veranlaßte das Ressort, daß in der von Dr. P. Thomsen herausgegebenen Palästina-Bibliographie die zionistische Palästinaliteratur die ihr zukommende Berücksichtigung gefunden hat. Schließlich veranlaßte das Ressort Herrn Trietsch, ein Bilderwerk Palästina in Wort und Bild zu verfassen, das sich augenblicklich noch im Druck befindet. Endlich brachte es durch die „Welt“ und die „Jüdische Korrespondenz“ manche wichtige Notiz über Palästina in die Oeffentlichkeit. Weit umfangreicher sind die Organisations¬ und Agitationsarbeiten des Ressorts, die geleistet wurden im Interesse zionistischer und halbzionistischer Institutionen in Palästina, sowie solcher nichtzionistischer gemeinnütziger oder gewerblicher Unternehmungen, die in Beziehung zu unserer Bewegung stehen. Als zionistische Palästina-Institutionen sind anzusehen : die Anglo Palestine Company Ltd., der Nationalfonds, die Oelbaumspende, der Kulturfonds, die Palestine Land Development Company Ltd. Nichtzionistisch, aber in der einen oder andern Weise von unserer Organisation unterstützt, sind mehrere gemeinnützige Institutionen, wie: die Kunstgewerbeschule „Bezalel“ in Jerusalem, die ländliche Schule Kiriath-Sefer, das Mädchen-Waisenheim in Jerusalem, das Knaben-Waisenhaus in Jerusalem, das hebräische Gymnasium in Jaffa, die Zentral-Bibliothek in Jerusalem, sowie der Pflanzungsverein Palästina, der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Auch das in der Gründung begriffene Hygienische oder Mikrobiologische Institut ist hierzu zu rechnen. Private Unternehmungen in Palästina, denen das Palästinaressort seine Unterstützung hat angedeihen lassen, sind vor allem das Palästina-Industriesyndikat, Plantagengesellschaft in Galiläa, Immobiliengesellschaft Palästina, Achuzath Baith. Auch einige Kolonien und eine städtische Häuserbaugesellschaft wurden durch zionistische Institutionen mittels Darlehen, Landkäufe usw. unterstützt. Um die Bedeutung und Fortschritte der ein» zelnen angeführten Institutionen ermessen zu können, seien sie hier einzeln besprochen. ‘ *. ♦ - * ' Die Anglo Palestine Company Ltd. Ueber die Tätigkeit dieser Tochtergesellschaft des Jewish Colonial-Trust wird in der Generalversammlung letzterer Gesellschaft Auskunft erteilt. Das Palästinaamt stand naturgemäß dauernd in regem Verkehr mit der Leitung der Anglo Palestine Company in Jaffa. Diese Bank ist mit einem Kapital von Pfd. St. 100.000 gegründet von denen bisher 70.0C0 Pfd. St. eingezahlt sind, die fast alle noch im Portefeuille der Muttergesellschaft liegen; im letzten Jahre hat sie bereits über 4"/» Dividende gegeben. ln den seit dem letzten Kongreß vergangenen Jahren wurde zu der Zentrale in Jaffa und den Filialen in Jerusalem, Beirut und Hebron eine neue Agentur in Haiffa gegründet. Das Geschäft dehnte sich sowohl in Jaffa als auch in Jerusalem erheblich aus. Außer dem reinen Bankgeschäft mit der damit verbundenen Pflege des Personal- und Wohnungskredits unterstützte die Bank auch den Nationalfonds, sowie andere Gesellschaften und Private bei den Landkäufen durch Vermittlung und Kreditgewährung. Ferner entfaltete sie in sozialer Beziehung eine rege Tätigkeit durch Begründung von Leihgenossenschaften in verschiedenen Städten und Dörfern Palästinas, von landwirtschaftlichen Genossenschaften und Häuserbaugesellschaften. Auch bei der Bezahlung der Oschersteuer war sie den Dörfern behilflich. * * * Der Nationalfonds. Da über die Arbeit und den Stand dieser Institution ein besonderer Bericht erscheint, sei hier nur der Tätigkeit desselben in Palästina in wenigen Worten gedacht. In Palästina arbeiten jetzt zirka zwei Fünftel des Kapitals des Nationalfonds, nämlich 30.000 Pfd. St., von denen etwa die Hälfte unter der Garantie der Anglo Palestine Company oder des Odessaer Komitees als Darlehen für verschiedene gemeinnützige Zwecke Verwendung gefunden hat. Von dem Grundbesitz des Nationalfonds wurde das 6500 Dunam große Gut Kinereth am Südende des Tiberiassees der Palestine Land Development Company auf 98 Jahre, das 1973 Dunam umfassende Gut Hulda bei der Eisenbahnstation Sedjed halbwegs zwischen Jaffa und Jerusalem der Oelbaumspende auf zweimal 99 Jahre verpachtet, während das 2200 Dunam umfassende Gut Beth-Arif bei Lydda, das bisher der Schule Kiriath-Sefer verpachtet worden war, wahrscheinlich jetzt gleichfalls von der Oelbaumspende in Pacht genommen wird. In Chedera ist zu dem von Herrn Goldberg geschenkten Terrain für den Goldberghain noch die Orangenpflanzung Gan Schmuei dem Nationalfonds durch Schenkung überwiesen; freilich ist dieser Garten noch für längere Zeit an eine private Erwerbsgesellschaft verpachtet. Von den beiden dem Nationalfonds gehörenden Häusern in Jerusalem wurde das eine der Kunstgewerbeschule „Bezalel“ verpachtet, während das andere noch von einer amerikanischen Gesellschaft gepachtet ist. Nach Ablauf der Pacht besteht die Absicht, auch dieses Haus für die Bedürfnisse des Bezalel, resp. des damit verbundenen Museums zu reservieren. Auch den Boden für das hebräische Gymnasium in Jaffa hat der Nationalfonds angekauft und wird auch dem Technikum, sowie wahrscheinlich auch dem hygienischen Institut den Boden zur Verfügung stellen. Die Darlehen dienen einerseits zur Beleihung der Häuser des Achuzath Baith, welche Häuserbaugesellschaft in Jaffa und Haiffa neue Stadtviertel errichtet, sowie der Palestine Land Development Company, anderseits als Agrarkredit für kooperative Genossenschaften in den jüdischen Kolonien, besonders für Petach-Tikwah und Rechoboth, während der Rest für die beiden von dem Odessaer Komitee begründeten Kolonien Ain Ganim und Bir. Jakob verwandt wurde. * * * Die Oelbaumspende. Diese Institution hat sich über alle Erwartungen gut entwickelt und wenn man sie noch auf dem letzten Kongreß als etwas Bedeutungsloses hin-