Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr- 53 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 9 mächtiges Kulturelement bildet hierbei die jüdische Studentenschaft, die schon seit vielen Jahren bahn- 1 brechend auf dem nationalen Gebiete arbeitet. Auch die südslavischen Provinzen, Kroatien und Slavonien arbeiten in ihren Grenzen sehr tüchtig mit Hilfe eines eigenen Preßorganes und tragen sehr viel dazu bei, jüdisches Leben zu fördern. Sie schaffen dort auch schätzenswerte Verbindungen mit den Sephardim Bosniens. Der zweite (organisatorisch-administrative) Teil konstatiert zunächst, daß die : innere Entwicklung der Organisation gesund war. „Nach den Wirrnissen und Stürmen der vorhergehenden Jahre, die die Organisation an' manchen Stellen nicht unbeträchtlich geschwächt hatten, ist eine Periode der Sammlung eingetreten, die allenthalben dazu benutzt wurde, die Organisation auszubauen, zu vergrößern und zu vertiefen.“ Nach einem gesonderten Berichte über einzelne Institutionen (zionistisches Zentralbureau, Berliner Bureau, Palästina Amt, die „Welt“, „Ha’ Olam“, „Jüdischer Verlag“, Jüdischer Nationalfonds, die Banken), folgt eine Darstellung der zionistischen Arbeit innerhalb der einzelnen Landesorganisationen und Förderationen. Ueber Westösterreich und Galizien wird nachstehendes berichtet: Westösterreich. Die zionistische Bewegung in Oesterreich bietet ein besonderes eigentümliches Bild dadurch, daß sie speziell im Distrikt Innerösterreich mit der Hauptstadt Wien sich nicht auf die rein zionistische ' Tätigkeit beschränkt, sondern auch die allgemeine nationale Betätigung der Juden in den Kreis ihres ' Interesses einbezieht. In diesen Bereich fällt auch der wackere Kampf um Anerkennung der jüdischen Nationalität, den die zionistischen Studenten an den Hochschulen geführt haben. Es war ihnen der Erfolg beschieden, daß die Rektoren der Hochschulen in Wien und Czernowitz ihre Zustimmung dazu gegeben haben, daß die jüdischen Studenten ihr Nationale mit „Jüdisch“ ausfüllen durften. Die zionistischen Organisationen nehmen auch maßgebenden Anteil an den Bestrebungen zur : Schaffung eines Bundes der jüdischen Kultusgemeinden in Oesterreich. Das Werk ist allerdings im letzten Augenblick infolge der Separationsgelüste gewisser jüdischer Kreise Galiziens und sonstiger reaktionärer Tendenzen gescheitet, die Frage ist aber aufgeworfen und wird nicht mehr von der Bildfläche verschwinden. Das Anwachsen der zionistischen Bewegung zeigt sich auch in der gesteigerten Teilnahme der ■ Oeffentlichkeit bei allen zionistischen Veranstaltungen. Neben den Veranstaltungen in Wien zeigen insbesondere die in Prag stets einen starken Besuch. Auch das öOsemestrige Stiftungsfest der „Kadimah“ hat Anlaß zu imposanten Kundgebungen für den Zionismus gegeben. Einige Wochen hindurch ist in Wien mit Erfolg der Versuch der Einrichtung einer „Jüdischen Bühne“ gemacht worden, über den die Tagespresse sich lobend geäußert hat. Besonders erwähnenswert sind auch die vom zionistischen Studentenverein „Theodor Herzl“ unter Zuziehung hervorragender Kräfte veranstalteten Palästinakurse. Das Zionistische Zentralbureau für Westösterreich hat ein Palästina - Informationsbureau für jüdische Auswanderer nach Palästina eingerichtet, deren Zahl beständig zunimmt. Das Bureau entfaltet eine segensreiche Tätigkeit. Es ist ihm gelungen, von den Bahn- und Schiffahrtsgesellschaften Ermäßigungen zu erlangen; auch hat sich das Bureau bei den Schiffahrtsgesellschaften mit Erfolg bemüht, eine humanere Behandlung der Auswanderer durchzusetzen. Die vom Zionistischen Zentralbureau herausgegebene und vom Mitglied des Aktionskomitees, Herrn A. Bohm verfaßte Broschüre „Palästina- Arbeit“ leistet in der Agitation vortreffliche Dienste und wurde jüngst vom Niederländischen Zionistenbund ins Holländische übersetzt. Die eigenartigen Verhältnisse Oesterreichs .haben es nie möglich gemacht, eine starke einheitliche Landesorganisation für ganz Oesterreich auf- - zubauen, wenn auch der Zusammenhang von Ost- und Westjuden stets betont würde. Diese organisatorischen Schwierigkeiten haben im Jahre 1908 zur Bildung zweier Zentralbüreaus für Westösterreich und Galizien geführt. Die Frage der gesamtösterreichischen Organisation ist noch nicht gelöst; voraussichtlich werden in der nächsten Zeit wieder Versuche gemacht werden, um einen Zusammenschluß der Organisationen herbeizuführen. Die westösterreichische Organisation ist in drei Distrikte gegliedert: Böhmen, Mähren-Schlesien und Innerösterreich, Die Zahl der Vereine beträgt insgesamt 71, davon in Böhmen 25, worunter 4 im letzten Jahre gegründet wurden, in Innerösterreich 25, in Mähren- Schlesien 12 und 9 Ferialverbindungen. Die Zahl der gesammelten Schekel beträgt im laufenden Jahre insgesamt 5400. Einen geradezu glänzenden Aufschwung nahm die Nationalfonds-Sammlung, die in den letzten beiden Jahren M 115.000 erbrachte. Besonders erwähnenswert ist noch die von Zionisten gegründete Volksvorschußkasse in Prag und jetzt ein von dem Gründer dieses segensreichen Unternehmens ins Leben gerufenes Internat Zweifellos sind die Bedingungen für eine ausgezeichnete Entwicklung der zionistischen Bewegung in Oesterreich geben. Unleugbar hat die Idee des Zionismus in der psychischen Entwicklung der Nichtzionisten außerordentlich viel Terrain gewonnen, wenn dies auch schwer zahlenmäßig zu konstatieren. ist. Galizien. Die in vier Distriktskomitees gegliederte zionistische Organisation in Galizien umfaßt rund 200 Vereine. Im November 1907 und im April 1909 fanden Landeskonferenzen statt, an denen sich je 200 Delegierte beteiligten. . In den letzten Monaten ist es auch gelungen, eine Organisation sämtlicher zionistischer Studentenvereine und -Verbindungen Galiziens ins Leben zu rufen und augenblicklich arbeitet man eifrig an der Vereinigung der in Galizien bestehenden Frauen- und Mädchenvereine zu einer Gesamtorganisation, die dem jüdischen Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina angegliedert werden soll. Die Mittelschüler sind gleichfalls in einem Verbände vereinigt, dem etwa, 40 studentische Zirkel angehören. Die mündliche Agitation wurde in der Berichtszeit sehr lebhaft betrieben. Eines der wichtigsten Agitationsinstrumente ist natürlich die Presse. In Galizien erscheinen drei zionistische Zeitungen, das weitverbreitete „Lemberger Tagblatt“ in jüdischer Sprache und die beiden polnischen Wochenschriften „Wschod“ und „Slowo zydowskie“. Außerdem stehen noch die beiden Zeitschriften „Rzeszower Volkszeitung“ und „Sancer Zeitung“ der zionistischen Organisation nahe. Der Verbreitung der zionistischen Idee unter der Schuljugend dient die Monatsschrift „Moriah“ und die Halbmonatsschrift „Haschacbar“. Das Interesse für Palästina ist auch unter Nichtzionisten sehr rege. Die Sammlungen erbringen durchwegs Beträge, die im Verhältnis zu der allgemeinen ökonomischen Lage der galizischen Judenheit als sehr hoch bezeichnet werden müssen. Im letzten Jahre wurde besonders lebhaft die Agitation für die Palestine Land Development Company und den Bezalel betrieben. Für den Januar 1910 ist eine große Bezalel-Ausstellung in Lemberg in Aussicht genommen. Die Nationalfondssammlung wies eine ganz bedeutende Steigerung auf. Die Resultate erscheinen in den Ausweisen unter Oesterreich, da die Sammlungen von der Sammelstelle in Wien aus geleitet werden. Die Sammlung für den Nationalfonds gewinnt immer weitere Kreise, auch unter den Nichtzionisten ist sie sehr populär. Die Schekelsammlung weist im laufenden Jahre eine beträchtliche Zunahme auf. Dem Zwecke der wirtschaftlichen Hebung der galizischen Judenheit dient in erster Linie die von den Zionisten geschaffene Bank „Credit-Union“, die seit einigen Monaten arbeitet und sich bereits gut entwickelt hat. Außer der Zentrale in Lemberg hat sie in den letzten Monaten in Tamopol, Brzezany und Brody Filialen eröffnet. Die Bank ist zweifellos berufen, ein überaus wichtiger Faktor im wirtschaftlichen Leben der galizischen Judenheit zu werden. Aus dem dritten Teile entnehmen wir folgende Aufstellung über die im letzten Jahre gesammelten Scheckei. Schekel, pro 1908/9 (5669)- Gezahlt M | Pf. Subvention M | Pf. Insgesamt gesammelt M [Pf. Rußland. 16334 20 11222 70 27556 90 Ver. Staaten von Nordamerika 13552 65 3042 35 16595 — England. 3277 05 2136 10 Order of Ancient 8483 35 Maccabeans . . 3070 20 — — Südafrika .... 4782 10 1539 70 6375 80 Deutschland . . 6239 — — — 6239 — Galizien. 3472 15 2316 95 5789 10 Rumänien .... 4500 22 1216 50 5716 72 Oesterreich . . . 4128 91 1257 85 5386 76 Misrachi. 3324 72 1090 38 4415 10 Order Knights of Zion, Chicago . 3148 — - — 3148 — Poale Zion .... 1827 50 1218 35 3045 85 Kanada . 2300 70 — — 2300 70 Ungarn. 839 89 611 95 145t 84 Türkei. 1176 60 — — 1176 60 Schweiz. 1011 80 — -r 1011 80 Holland*) .... 937 SO — — 937 80 Bukowina .... 625 60 255 ■ — 880 60 Kroatien-Slavonien 609 95 204 — 813 95 . Bulgarien . . . 674 — . —• — 674 — Argentinien . . . 638 35 — — 638 35 Belgien .... 635 — — — 635 Italien. 583 45 — — 583 45 Australien .... 550 80 — — 550 80 Frankreich .... 374 85 65 40 440 25 Aegypten .... 395 50 — — 395 50 Serbien. 364 35 — — 364 35 Palästina .... 279 70 57 336 70 Singapore .... 128 55 — — 128 55 Korfu. 73 80 — — 73 80 Marokko. 38 76 — — 38 76 Skandinnvien . . 33 60 — — 33 60 Brasilien. 6 i 30 — — 6 30 79 936i 05126 288| 23 106224| 28 * * * Allgemeine Vermögensaufstellung der zionistischen Weltorganisation pro 30. Juni 1909. Aktions-Komitee . . . . M 33920.10 Jüdischer Nationalfonds und Verein Oelbaumspende . „ 1622833.84 Kulturfonds.. 5475.56 Jewish Colonial Trust . . „ 5584124.13 Anglo-Palestine Company . „ 1544392.96 Anglo-Levantine Banking Co „ 532100.43 Palestine Land Development Co.. 51 67320 Unterstützungsfonds für die Opfer der Judenverfolgungen in Rußland . . . „ 215808.25 Dr. Herzl-Stiftung . . . „ 26839.30 Kleinere Herzl-Stiftungen . „ 4183.02 David- und Fanny Wolffsohn-Stiftung . „ 2202.27 Kleine Stiftungen f. russische u. rumänische Emigranten „ 668.02 Jüdischer Verlag .... „ 20000.— M 9644221.08 Anzüglich Afctieim gegenscitigeiiBesilz ler verschiedenen Institationen: Bell AMonsKomitee M 3487.26 Beil Jüdischen Mionalfonds .. .. „ 25173.60 Beil Jewish Colonial Tust.„ 1715476.80 Bei der Anglo Palestine Company . . . . „ 382398.- „ 2126535.66 M 751-7685.42 DerjüdischeNationalfonds. Unsere stolzeste und hoffnungsreichste Institution, der jüdische Nationalfonds, dieses kostbare Moisaik, zusammengesetzt aus den Groschen unserer Aermsten, schreitet mit Riesenschritten vor-