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Jüdische Zeitung · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 53' wärts. Das Direktorium legte dem Kongreß einen ausgezeichnet gearbeiteten Bericht vor, von dem wir wünschen, daß ihn jeder Jude in die Hand bekäme. Am wichtigsten,natürlich sind die .folgenden Ausführungen des umfassenden Elaborates über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina. Erst sieben Jahre sind vergangen, seit auf dem V. Kongreß der Jüdische Nationalfonds begründetwurde.MancherleiSchwierigkeiten stellten sich ihm entgegen, als er daran ging, seine Arbeit in Palästina zu beginnen. Nichtsdestoweniger kann der Nationalfonds heute schon auf einen gewissen Erfolg seiner Tätigkeit zurückblicken: In Jerusalem hat er vor Jahresfrist die beiden großen und schönen Häuser erworben, deren eines jetzt dazu dient, um die Kunstgewerbeschule Bezalel mit ihren Klassen, ihren Werkstätten und ihrem Museum zu beherbergen. Zur Erhaltung des frischen Lebens, das in dieser Schule pulsiert, war die Schaffung eines geeigneten Schulgebäudes eine dringende Notwendigkeit. In richtiger; Würdigung der großen Aufgabe des Bezalel, die Chalukahgaben, von welchen jetzt die Mehrheit der Juden in Jerusalem lebt, durch Einführung lohnender Arbeit abzulösen, hat der Nationalfonds das Haus dem Bezalel zur Verfügung gestellt. Durch den ständig wachsenden Arbeitskreis des Bezalel, der in seinem Teppichatelier mehr als 70 Mädchen, im Silberatelier 40 jemenitische Juden und in den andern Ateliers auch eine große Zahl von Arbeitern beschäftigt, wird es nötig sein, auch das zweite Haus, das auf 1 Jahr noch anderweitig vermietet ist, dem Bezalel zu überlassen. Durch die beiden Häuser, die im Westen der Stadt aus hoher Lage herabschauen und deren schöne Zimmer weithin sichtbar sind, haben die Juden in Jerusalem, wo es so wenig stattliche jüdische Gebäude gibt, jetzt wenigstens ein Gebäude mehr, auf das sie den Reisenden, der nach Jerusalem kommt und neben den vielen christlichen und mohammedanischen Prachtbauten nach einem jüdischen Bau fragt, mit Stolz hinweisen können. An der Bahnstrecke Jerusalem-Jaffa hat der Jüdische Nationalfonds durch Vermittlung der A. P. C. zwei große Terrains in Hulda und Beth Arif erworben, die dem Verein Oelbaumspende zur Anpflanzung überlassen sind. Das Grundstück in Hulda, 1973 Duman groß, ist dazu bestimmt, den Herzlwald zu tragen. In einer hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft wird hier ein Olivenwald den Reisenden, der mit der Bahn das Land durchfährt, als ein lebendes Denkmal an unsern verewigten großen Führer erinnern, und seine Früchte sollen die Einnahmen beschaffen, aus denen jüdische Kulturinstitute in Palästina ihre Existenz bestreiten können. Das Grundstück in Beth Arif, zirka 2100 Dunam groß, wird ebenfalls der Anpfanzung mit Olivenbäumen und anderen Fruchtbäumen dienen. Auch ein Grundstück von 110 Dunam in Chedera, das dem Nationalfonds von Herrn Boris Goldberg in Wilna geschenkt wurde, ist dem Verein Oelbaumspende verpachtet und bereits mit Oelbäumen bepflanzt. Am Tiberiassee, gerade an der Stelle, wo der Jordan den See verläßt, besitzt der Nationalfonds ein großes Terrain von zirka 6000 Dunam, Kinnereth, das zu den fruchtbarsten Ländereien Palästinas zu rechnen ist. Die P. L. D. C. hat das Land in Pacht genommen und auf einer Anhöhe ein großes Wirtschaftsgebäude errichtet, von dem aus der Blick weithin schweift über die wundervolle blaue Fläche des Tiberiassee bis zu dem schneebedeckten Hermon und den Bergen des Ostjordanlandes. Es gibt wenige Punkte in Palästina, die landschaftlich so schön gelegen sind, wie dieser Ort. Für die jüdische Arbeit in Palästina hat der Ort noch die besondere Bedeutung, daß hier der Anfang gemacht ist, eine neue und hoffentlich erfolgreiche Art der Kolonisation von Juden ,in Palästina Jn die Wege zu leiten. In der Nähe des Tiberiassee, in gesunder, reizvoller Lage, besitzt der Nationalfonds noch ein anderes Grundstück, Hattin, dessen Verwendung noch nicht feststeht Der Verkäufer des Landes ist seiner Verpflichtung, das aus vielen kleinen Parzellen bestehende Land in einige große Parzellen' zusammenzulegen, bisher nicht nachgekommen, und es ist ihm dafür, eine Nachfrist bis zum 30. September 1910 gewährt worden. Bei Nichteinhaltung der Nachfrist steht dem Nationalfonds der Anspruch auf eine hohe Vertragsstrafe zu, die durch Verpfändung von Land gesichert ist. Vielleicht nichts berührt den jüdischen Reisenden, der nach Palästina kommt, unangenehmer, als die Unsauberkeit und Enge, in welcher die jüdische Bevölkerung in den palästinensischen Städten wohnt. Wenn man die deutschen Kolonien in Jaffa und Haifa mit ihren schönen Häusern, breiten, reinlichen Straßen, ihrem üppigen Baumschmuck betrachtet, so sieht, man, welche herrlichen Stadtviertel in Palästina geschaffen werden können. Als sich in Jaffa ein Verein von Juden bildete, der sich die Errichtung eines jüdischen Stadtviertels zum Zwecke setzte, hat der Jüdische Nationalfonds sofort begriffen, daß es sich hier um ein Unternehmen handelt, dessen erfolgreiche Durchführung eine Erhöhung des jüdischen Ansehens in Palästina und einen Ansporn zur Nacheiferung für die Juden in anderen Städten bedeuten werde. Deshalb hat sich der Nationalfonds bereit erklärt, das Unternehmen durch ein Darlehen von 250.000 Frs., das von der Anglo Palestine Company Ltd. garantiert wird, finanziell zu fördern. Mit dem Bau des Stadtviertels ist im Sommer 1909 begonnen worden. Es sind jetzt bereits 50 Häuser vollendet und es scheint sicher, daß im nächsten Jahre ein modernes jüdisches Stadtviertel in Jaffa bestehen und den Beweis erbringen wird, daß auch die Juden es verstehen, die Errungenschaften der modernen Hygiene bei der Anlage von Wohnungen sich zunutze zu machen. In ähnlicher Weise wie in Jaffa hat der N. F. auch einer jüdischen Häuserbaugesellschaft in Haifa ein Darlehen von 50.000 Frs. gewährt. In Fedsche, wo das Odessaer Komitee eine Arbeiterkolonie begründet hat, hat der Nationalfonds durch Gewährung eines Darlehens von 20.000 Frs. die Begründung erleichtert, in der richtigen Erkenntnis, daß die Seßhaftmachung und Förderung von jüdischen Landarbeitern in Palästina eines der wesentlichsten Erfordernisse ist, um neue jüdische Arbeiter ins Land zu ziehen und der jüdischen Landwirtschaft wie dem gesamten jüdischen Leben neues frisches Blut zuzuführen. In neuester Zeit hat sich der Grundbesitz des Nationalfonds dadurch vermehrt, daß das Odessaer Komitee dem Nationalfonds den Gan Schmuei in Chedera, eine bereits fruchttragende Orangenpflanzung von ca. 50 Dunam, geschenkweise überlassen hat. Die Pflanzung ist auf mehrere Jahre der Gesellschaft „Izhar“ verpachtet. Ferner wird das Hebräische Gymnasium in Jaffa, das jetzt mit einem Kostenaufwande von ca. 100.000 Frs. in dem neuen jüdischen Stadtviertel gebaut wird, Eigentum des jüdischen Nationalfonds sein, der seinerzeit zu den Kosten des Grunderwerbs für das Haus 30.000 Frs. beigesteuert hat. ln gleicher Weise hat sich der Nationalfonds an den Kosten des Grunderwerbs für das in Haifa zu errichtende Technikum beteiligt, indem er der Verwaltung desselben 100.000 Frs. leihweise zur Verfügung stellt. Im Sommer 1909 hat der Nationalfonds". 200.000 Frs. dazu bestimmt, um durch Vermittlung der A.P.C. Kredit auf 1 bis 10 Jahrean landwirtschaftliche kooperative Genossenschaften in Palästina zu gewähren. Die erste-’ Rate von 100.000 Frs. ist vor kurzem an die: A. P. C. überwiesen worden. Schließlich gewährt der jüdische Nationalfonds einer Pächtergenossenschaft, die sich aus dem .Kreise landwirtschaftlicher jüdischer Arbeiter in Palästina gebildet hat,, ein Darlehen von 12.000 Frs. zum Zwecke .der Ansiedelung in Kinnereth oder Beth-Arif.. Des weiteren entnehmen wir dem Berichtedie Tabelle über das Vermögen des Jüdischen Nationalfonds am 30. November 1909. Kassa und Bankguthaben . ... M Effekten.B Div. Debitoren . ..„ Grundbesitz in Palästina* **)) ... „ Anglo-Palästine Co. . (für Achuzath- Brith, Agrarkredit usw.) . . . „ Palestine-Land-Development- Comp. „ Kolonie im Fedsche. (Garantie des Odessaer Komitees) „ Sammelmaterial, Mobilar usw. . . (Pfd. St.!)♦*).„ 91 242.48 813249.74 11439.38 329848.36. 350082.27' 204C0 — 16242.05- 20.40 Ml 632 524.68 Vermögen der Oelbaumspende ca. „ 180 000.— Gesamtvermögen.Ml 812 524.68 * * * Die Tätigkeitsberichte der einzelnen Landessammelstellen geben ein erfreuliches Bild von der Popularität des J. N. F. Oesterreich figuriert mit dem diesjährigen! Spendenausweise von M 114 818.33 an zweiter Stelle unter den Leistungen der einzelnen Länder. An der Spitze der Landessammelstelle steht der hochverdiente, unermüdliche Gg. Advokat Dr. Egon Zweig. Seinen Speziaibericht über die Tätigkeit des J. N. F. in Oesterreich werden wir in einet der nächsten Nummer nachtragen. Vereins-u. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Hebräischer Konversationsklub „Ivriah“).. Samstag am 1. Jänner 1910, findet im Cafe Stefanieeine Versammlung statt. Referent Gg- Rosenstein, über das Thema: „Die geschäftlichen Verhäitnissein den Kolonien und Jaffa„. Anfang präzise 7 Uhr abends. Gäste herziiehst willkommen. Wien. Der Islaelitischer Humanitärer Unterstützungsverein der Kolomear und Umgebund in Wien, veranstaltet am Donnerstag, den 6. Jänner 1910 präzise 8 Uhr abends im Cafe „Foliy“ I., Gonzagagasse 11, einen Gesellschaftsaben verbunden mit Vorträgen, Tanz und Kegeischeiben. Wien. (Tempelverein des VIII. Bez. der Stadt Wien). Im Josefstädter Tempel VIII., Neudeggergasse 12, werden vom 31. Dezember d. J. angnfan— gen, stets Freitag abends und Sonntag vormittags zum jeweiligen Gottesdienste ProbeAorträne von Kantoren abgehalten. Wien. (Akad. Verein „Cheiruth“). Donnerstag, den 6. Jänner 1910, 7'Ji Uhr abends, findet im Zentralverein IX. Türkenstraße 9, ein Vortrag des Gen. Abner (Ben Zinon) aus Palästina statt. Thema: „Die nationale Frage in der Türkei“. Regiebeitrag 50 h. Wien. („Nes Zionah“) Dienstag den 4. Jänner 1910, wird im neuen Kludlokal „Cafe Mocca“ L, Schottenring Nr. 12, um 8 Uhr abends, der Delegierte unseres Wahlkreises Gg. Herr Dr. M e i s e I über den IX. Zionistenkongreß in Hamburg, Bericht erstatten. Die Gg. werden ersucht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen. Wegen des Kongreßberichtes mußten sämtliche Vereinsnachrichten und Korrespondenzen für die nächste Nummer zurückgesteilt werden. *) In dieser Aufstellung ist der Schätzungswert des Grundbesitzes in Palästina beibehalten, welcher bei Legalisierung des Nationalfonds im labre 1E07 fixiert und aus Zweckmäßigkeitsgründen niedrig bemessen wurde (wie schon bei der Veröffentlichung der froheren Bilanzon bemerkt worden ist). Außerdem sind die dem N.-F. gemachten Schenkungen, wie das Gebäude des hebr. Gymnasiums, der Gan Schmuei und das Grundstück von Herrn B. Goldberg in Chedera; in obigem Posten nicht enthalten. Nach neueren zuverlässigen Schätzungen unserer palästinesischen Besitzungen dürfte sich das Gesamtvermögen des 1. N.-F. am Schlüsse dieses Jahres auf ca. zwei Millionen Mark belaufen. **) Das Sammelmaterial, Mobilar und andere derartige Anschaffungen, wie z. B. das Goldene Buch, sind in dieser Vermögensaufstellung nur pro memoria mit M 20.40 (Pfd. St. i) angeführt.

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