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Jüdische Zeitung · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG, Nn 53 Er .sei Botaniker, aber ein systematischer \ Botaniker, und als solcher suche er die Lücken, j welche auszufüllen sind. Warburg berichtet über die Entwicklung der dem Palästinaressort unterstellten Institutionen. Der Verein „Oeibaumspende“ besitzt bereits den Fonds für 3 0.0 0 0 O e 1 b ä u m e (180.000 Mark). Zahlreiche jüdische Arbeiter finden schon jetzt ihr Brot bei derAnpflanzungder Oelbaumwälder. Bezüglich der Siedlungsgenossenschaft wurde beschlossen, im nächsten Jahre einen Miniaturversuch zu machen. An die Gründung des Agrarinstitutes kann erst geschritten werden, wenn eine Aenderung des türkischen Rechtes erfolgen wird, welches bislang keine juristische Person kennt -Die Palestine Land Development Company Ltd., die bezweckt, unsere Parzellierüngs- -und Ansiedlungsinstitution zu werden, beginnt im Jahre 1910 auch das jenseits des Jordans gelegene Land ihres Gutes Kinereth in Kultur zu nehmen und wird so zahlreiche weitere jüdische Bauern erziehen. (Lebhafte Ovationen fSr Warburg.) (Auf diesen Bericht werden wir noch ausführlich zurückkommen.) Präsident Nordau stellt den Antrag, die Debatten über die Berichte zusammenzufassen. Dr. Tschlenow spricht über die Frage des Agrarkredits. Die türkische Regierung ist schon um die Erteilung von Konzessionen für ähnliche Zwecke angegangen worden. Vier Millionen Francs wurden für die Agrarbank bereits subskribiert Dr. Nordau teilt mit, daß zum Andenken an. die verstorbene Philozionistin Frau Pastor Fromm 8Q0 Mark gestiftet wurden. (400 Mk. für den Herzlwald, 400 Mk. für.die Stiftung der Hamburger Zionisten. Die Prager Zionisten spenden J50K für den Kulturfonds. Ein Antrag der Poale Zion wird verlesen, wonach dieselben die Einsetzung einer Kommission verlangen, welcher die Leitung einen Bericht über die politischen Aktionen zu erstatten hat. Es wird beschlossen, den Antrag am nächsten Tage zur Abstimmung zu bringen. Jacobus Kann (Haag) erstattet ein Referat über Handel und Industrie in Palästina. Dr. Nordau meldet folgende Spenden: 300 Rubel von S. Barbasch (Odessa), zwei Lebensversicherangspölizzen (ä 500 K) für den NF. von der kroatischen NF.-Kommission. Dr. Bodenheimer (Köln) Direktor des Nationalfonds (N.F.) erstattet den Bericht über den N.F. (Wir sprechen über den Bericht an anderer Stelle). Im Jahre 1909 wurden für denji N.F. 400.000 Mark gespendet. Das Vermögen des N.F. beträgt 2 Millionen Mark. Er hebt u. a. hervor, daß der N.F. die Gründung von Siedlungsgenossenschaften fördern werde. (Stürmischer Beifall). Nordau teilt mit, daß die Synagogengemeinde Lodz den 9. Kongreß in das Goldene Buch des N.F. eintragen läßt. Die Poale Zion haben beschlossen einen Fonds von 10.000 Frcs zu sammeln, um eine kleine Siedlungsgenossenschaft zu bilden. Dr. Syrkin (Poale Zion) kündigt den Eintritt der territorialistischen Arbeiter in die zion. Organisation an: Für eine Siedlungsgenossenschaft zeichneten noch Johann Kremenezky (Wien) 5000 Kronen, Präsident Wolffsohn 1000 Mark. In der Nachmittagsitzung werden die eingelaufenen Begrüßungsschreiben und Telegramme verlesen, deren Zahl mehrere Hundert beträgt. Außerdem wird ein Telegramm des Dumadeputierten Niselowicz verlesen, welcher zugleich 300 Mark als Spende für den N. F. überweist. Eine große Anzahl von Begrüßungstelegrammen traf aus Jerusalem, Bayruth, Jaffa und insbesondere aus den jüdischen Kolonien ein. Auch der Sekretär des türkischen Finanzministeriums Russo sandte eine telegraphische Begrüßung. Blitz (Dessau) macht die Mitteilung, daß die ■Baronin Oppenheimer-Stiftung in Dessau beschlossen habe, einen größeren Betrag für die Ansiedlung in Palästina für die Dauer von 10 Jahren zur Verfügung zu stellen. Die zionistischen Banken. Telegramm der „Jüdischen Zeitung“. H a m b u r g, 28. Dezember. Soeben hat Dr. N. Katzenelensohn sein Referat über die zionistischenBanken gehalten. Die im Jabre 1908 gegründete Anglo Levantine Banking v Co. in Konstantinopel hat sich rapid entwickelt und wirft bereits 6 Prozent Dividende ab. Das Aktienkapital der Anglo Palestine & Co. hat ach um die Hälfte vermehrt, die Depositen stiegen auf das Fünffache. Der Umsatz der Jewish Colonial Trust ist um 30 Prozent gewachsen. An den Bericht knüpft sich eine sehr lebhafte Debatte. Die Haltung und Führung der Kolonialbank wurde stark kritisiert. Es sprachen Dr. Thon (Krakau) und Ing. K a p 1 a n s k i („Poale Zion“ Wien), die palästinensischen Delegierten Eisenstadt undBenzwi. Referat Dr. Oppenheimer. (Telegramm der‘„Jüdischen Zeitung“.) Hamburg, 29. Dezember. Dr. Franz Oppenheimer sprach über die jüdische Siedlungsgenossenschaft und und unterbreitetete folgende vom Kongreß akzeptierte Resolutionen: ,.i 1. Der Zionistenkongreß beharrt auf dem Prinzipe der Siedlungsgenossenschaft; 2. Er gibt der Genossenschaft den erforderlichen Boden in Pacht; 3. Das Betriebskapital ist teils vom Nationalfonds, teils von einem zu gründenden Genossenschaftsf o nd s aufzubringen. Für den! G^enossenschaftsf onds wurden 4 0,000.000 Francs gezeichnet. * Aus der Kabinettskanzlei des deutschen Kaisers traf folgendes Telegramm ein: Herrn David Wolffsohn, Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Hamburg: Seine Majestät der Kaiser und König haben den Huldigungsgruß der dort versammelten Zionisten gerne entgegengenommen und lassen bestens danken.! Auf allerhöchsten Befehl der geheime Kabinetsrat von V a 1 e n t i n i. Der Bericht der Aktions- Komitees. Ueber die Tätigkeit des A. K. in den Jahren 1907—1909 liegt den Kongreßdelegierten ein umfassender Bericht vor, der leider an U e b ej s i c h 11 i c h k e i t, Klarheit und Prägnanz viel zu wünschen übrig läßt. Er gliedert sich in einen kulturell-politischen Teil, einen organisatorisch administrativen Teil und eine Darlegung der Finanzen der Zionistischen Organisation, ihrer Instutitionen und Richtungen. Der erste. Teil will eine Darstellung der kultur-politischen Tätigkeit in den einzelnen Ländern .bieten und verbreitet sich insbesondere übeKdas jetzige geistige Leben unseres Volkes upd die verschiedenen zionistischen Erscheinungen in Rußland: Den Oesterreich behandelnden Abschnitt reproduzieren wir1 nachstehend: Der Jüdische Klub,-Die allgemeine Tätigkeit. — Die Nationalfrage. — Das Gegenwßrts? programm. —* Der Kampf um die jüdische Nationalität. In Oesterreich war der Zionismus außer seiner eigentlichen Arbeit auch mit der nationalen jüdischen Frage beschäftigt. Der nationale Kampf ist in den österreichischen Verhältnissen tief begründet; er ist dort ein treibendes Ferment der allgemeinen Gestaltung und zieht auch unsere Volksgenossen mit aller Gewalt in seinen Kreis. Die jüdische Nationalität in Oesterreich, wenigstens ihr bewußter Teil, ist bestrebt, sich einen ebenbürtigen Anteil unter den verschiedenen Nationalitäten ^u erkämpfen. Aber dort sind Mächte und Triebfedern vorhanden, die uns die Entfaltung hemmen, den Platz an der Sonne bestreiten, die nationale Parität verweigern und uns in ein neues Ghetto drücken möchten. Der Kampf um die eigene Nationalität (nicht zu verwechseln mit der „innerpolititischen Betätigung“, die ein ganz anderes Problem darstellt), hat dort einen gewissen jZpg und Schwung, durchdringt unsere Partei mit. einer Kraft der Stimmung und verleiht ihr eine anziehende und fesselnde Gewalt. Diese Tätigkeit kam zu gewissen Zeiten auch in anderen Ländern: vor und wurde von uns seit jeher als Gegenwartsarbeit bezeichnet. Der Jüdische Klub verrichtete. mit großem sittlichen Ernst seine schwere Arbeit. Für allgemeinen Zionismus und für die nationale Frage war die zionistische Presse sehr tätig. Auch gute Broschüren wurden herausgegeben und fanden eine große Verbreitung. Die Gegenwartsarbeit ist ,ein Gebiet, dessen Umkreis beständig gezogen wird, niemals aber gezogen ist, so lange die Partei sich entwickelt. Es werden immer neue Beziehungen gegeben, und sie liegen mehr an den äußeren Verhältnissen als iu der Partei selbst. Wir gehen auf das Einzelne dieser Entwicklung nicht ein, da es uns zu weit von unserem Wege abführen würde und heben nur den Hauptpunkt hervor. Wenn die Partei' in sich selbst '-geschlossen; bei allem Wechsel der Inhalte Und trotz des Auseinanderliegens der'verschiedenen Tätigkeitsformen; immer als dieselbe gefühlt wird, als dieselbe gegen alle andern Parteien1 sieh äbgreflzf, ’sö' ’besteht "der Beweis für diese Identität“ für dies Beharren im Wechsel und für den Zusärnmenhäng der zerstrCuten Tätigkeitsmomente : im lpalästinensischen Zionismus. Dadurch zeigen sich1 alle.Einzelakte .auf -denselben Mittelpunkt bezogen,.von weichem.,- sie.-•ansgingen»' Die GegenwarfSarbeit muß nur als eine Fortsetzung des eigentlichen Zionismus -gelten. Sie'ist unvermeidlich und^zu: gewissen ZCiten voh 1 ungeheurem Werte. Bei’Uer flüssigen Nätür, der Feinheit des Stoffes, welche'sich irii'Gedankenkotnplex;des Zionismus befindet;‘' sind^freilich'' schärfe" Grenzen schwer zu ziehen.1 Der Ziöhisfoiuä hät -nicht ’-imd Will nicht haben die 'Sthäffei^eiher-'-'.-matHentatischeri Formel. Er darf nicht' gbpreßt''ün'd-verengt;,werdeni er darf aber. auch1 nicht;:ift§ rUfeflöse "ausgedehnt werden. Die Frage rder' Gegeriwärtsärbeif muß -von Fall zu Fall entschieden'11 weräettb-Wetin mächtige Interessen der jüdischeri VolksbiäsSe iris’Bewußtseih treten, kann der ZifoniSmus nicht abseits Stehen.; f So war der Kampf un;. die,'jüdische Kurie, in der Bukowina ein pptwepcliger. .Unsere Geginnungsf genossen, die ihr Wollen und Wünschen, ihre Kraft und Arbeit in ,]den ' DiehSt ^dieser " guten ' Sache stellten, können ‘ darauf1 stolz1 sein;* daß sie ihre Pflicht getan, und daß ,es nur durch .die .Schuld jüdischer Assimilänten nicht . gelängen ist, die Erfüllung dieser gerechten'Förderung diesmal dürchzusetzen. Wir können die ‘ Entwicklung der Dinge ruhig, abwarten,' ‘ 'rjur sta(k. niüssen wir. sein, um jederzeit mit EntSChie'dehbeit unseren Standpunkt zu vertreten. Dann werden sich unserem'Gegenwartsprogramm immerneue' Kreise:änschließen. , Ueber die prganis.atÖfisc.he.Teilung und. provinziale Autonomie (Galizien .und-Westöstprrpich). der zionistischen Tätigkeit wird im administrativen Teil berichtet. Hier soll'nur mit Bezug auf das politische und kulturelle Mönjenf heryorgehoben wefden,.;daß diese Tätigkeit, reich-- an.Problemen,, einerseits' mit dem Rechtskämpf -gegen-.den.'i mächtigen^. Antisemitismus, anderseits niif dem Kampf für diel An- ’ erkenn'ung der.:, jüdischen;,, blätionälität - und den hieraus entstehendem Konflikten mit der Assimilation, die im Wahlkampf in den Gemeindenihren Ausdruck finden, in Westösteffeich,-irr!der Bukowina und 'in Ostgalizien e'ifie'JAlenge',1; y^ti /Gegenwartsfragen heryorrufen, dje in, W;e'%tgaliz.ien,-.weniger- und" in Bphnjen noch .Viel weniger; .zur Geltung, kommen. In Böhmen, wp;öi'ne'ge'regeitgQrgäriisation existiert, gleicht der Zi9nj^üs»,^etii;| äeitijinige,n' D.egt^chr lands; er entbehrt:; aupfi: .ri jehf ge wisset Berührungspunkte und Beehrflüssungen,-' die; überhaupt nicht ausbleiben können 'und'1 die ra'üch!, wife’r gesägt;-:fin Deutschland ypr^pdpn ^igd,<erfBaiaiicii'.eine Presse und nimmt Stelliingr'zJU:;:.dlIen'- fragen, ,:adei,r:eck.ist mehr auf dasb Administrative beschränkt.- .In.Ostgalizien, wo1 inföige. 'der/Dreiteilurig der Nationalitäten (Polen,;^utljene'ü.,,iuti3;Ju.d^,'dn .Spielraum für eine politische.,"Betätigung;-..yorhapden- ■ ist,,,Verzweigt sich die Tätigkeit--'vielmehr.;.'Um . westlichen Galizien hing'^en,'';wö:l äi6'•Juden'-'nur dert' Polen gegenüberstetigti,1 ist/deY '$piplirjjpmj sehr beschränkt. Er gleicht mehr-oder;. vyenigerpen .Verhältnissen 'in Russisch-Polemi—Esi-ist-vauch;nochv ein: Unterschied festzustellen' ‘zwischen' der;Stellung1 ' der polnischen und böhmischep^’.öfferi^ictiöhjMeiriung ^d'em^Ziönismus gegenüber- ,Es'mgß,.jcpnsjätiertrwerden,.,daß die polnischem öffentliche •.•Meinung dem Zionismus sehr ungünstig''gestimmt JfetV''die/böhmische hingegen — ebär.>.duia^iä*;u^V,.i^iR^ronf,gls. feindlich. Der Hauptgrund,iJiegt darin^daß'; die;-jüdischen' assimiIatorischen;Kreise.ün. Polen - der polnische.n Bevölkerung dui^;iljre/’^itiiij^'V^.ruhgljihjffitngitltid Entstellung ,'Öer,'.',zionIslifegheh .I^ee groß.e Vöturfeile beigebracht‘ haben;, auch’ ist,$er’;gQhiisctie!.Patriotismus viel sentimentaler - Als jden praktische böhmische Patriötishiüs: Unsere; Brüder -TteGalizien.; haben also einen schweren' Kamjpf zif-''Bestehen'.' Sie' bgr dienen sich, ,'Jü'efijr,', ihreB',eigehptj!'sehr,;;fjihrigen Presse. ” ‘ ' Im großen1 cündbganzen ist; dercZLonisinus in Oesterreich; mfjFRücfc'sicht auf'die^größen ijüdiSchen Massen, dereri^pijergf^Öiler jTeil^'öin vollständiges Sonderleben führtt^uud;f jm rBiiMck2 auf; .den' /verschieden nationäl-a'utonomistischen -ißhärakter ii-des Gesamtreichs vielgestaltig und zukunftsreiehbbEin

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