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Jüdische Zeitung · 1909-12-10 · 50 (10.12.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Wie die Oesterreichisch-Israelitische Union Mitglieder wirbt. Wir erhalten folgende Zuschrift: Vor einiger Zeit erhielt ich ein Zirkular der Union, worin mir unter Aufzählung ihrer großen “Verdienste mitgeteilt wurde, daß sich ihr Inkassant das Vergnügen machen werde, mir in einigen Tagen ihre Mitgliedskarte zu präsentieren, wobei höflich um deren Honorierung gebeten wird. Nachdem ich das Zirkular gelesen hatte, trennte ich das Respektblatt ab und warf die bedruckte Seite weg, denn nichts lag mir ferner, als Mitglied der Oesterreichisch-Israelitischen Union zu werden, einer Institution, die nach meiner Ansicht mit dem teuer erworbenen Gelde guter Provinzjuden direkt Allotria treibt und deren Leistungen in gar keinem Verhältnis zu ihren Einkünften steht. Montag den 30. November, natürlich zu einer Zeit, wo der Mann im Bureau ist, erschien der Inkassant. Zudringlich wie eine Klette, erzählte er meiner Frau, ich sei schon viele Jahre Mitglied, ebenso wie mein Vater, und hätten wir in früheren Jahren per Erlagschein ‘gezahlt, heuer aber sende der Verein aus Ersparnisrücksichten einen Inkassanten. So lange wurde meiner Frau zugesetzt: „er könne nicht warten und auch nicht wiederkommen etc. etc.“, bis sie bezahlte. Vor Gericht würde man das „Herauslocken von Geldern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen“ nennen, denn weder ich noch mein Vater waren je Mitglieder der Union, noch hatten wir die Absicht — wie schon erwähnt — es zu werden. Auf diese Weise treiben die Wiener Platzvertreter dieser vornehmsten jüdischen Organisation den Mitgliederfang; wie ihr Provinzreisender Herr Sekretär Fleischer aquiriert, ist ja sattsam bekannt. Der ist in manchem kleinen mährischen Städtel radikaler Nationaljude, wenn keines seiner sonstigen Mittelchen verfangen will, und während seine Brotigeber hier petitionieren, antichambrieren und protestieren, tritt er keck für die jüdische Kurie in der Bukowina ein, aber — in Berlin. So lese ich in deutschen Blättern. Ich habe selbstverständlich die sofortige Herausgabe des entlockten Geldes verlangt und nehme an, daß meinem Verlangen anstandslos entsprochen werden wird, möchte aber dennoch um die Veröffentlichung dieser Zeilen bitten, damit einerseits nicht andere Gesinnungsgenossen durch die Unerfahrenheit ihrer Frauen ebenfalls gezwungen werden, mit der Union zu korrespondieren und anderseits damit die Oeffentlichkeit erfährt, wie die Union Mitglieder wirbt. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruß Samuel Strauß . XVIII. Theresiengasse 10, Schriftführer des Zionistischen Zentralvereines. * * * Eine jüdische Volksbibliothek. Brody. Schon seitjahrhn machte sichinßrody ■das Fehlen einer jüdischen Bibliothek bemerkbar. Wohl haben wir eine an Büchern reiche Bibliothek der i s ra e 1 it i s c e n Schule hier, doch trägt diese Bibliothek das Zeichenn des Geistes, der diese Schule erfüllt. Die modernen Werke der Weltliteratur fehlen dort wohl nicht, die moderne hebräische und jüdische Literatur scheint jedoch aus dieser Institution verbannt zu sein. Diesem Uebel soll die im „Jüdischen Volkshause“ ins Leben gerufene Volksbibliothek abhelfen. Die Schöpfungen jüdischen Geistes in hebräischer, jüdischer und deutscher Sprache sollen hier vertreten sein; diese Bibliothek soll das geistige Zentrum alles jüdischen werden, .gleichwie das eröffnete „Beth-Haani“, welches diese Volksbibliothek beherbergen soll, das Symbol der Zusammengehörigkeit der hiesigen Judenheit darstellt Wir wenden uns nun an alle Gg. und ganz besonders an die überall zerstreuten Kinder unserer Stadt, mit der Bitte: das von uns geschaffene neue Werk, unsere Jüuische Volksbibliotkek, durch Geldspenden oder durch Beschenkungen von Büchern zu fördern, damit wir unserer jüdischen Bevölkerung geistige Nahrung aus dem jungjüdischen Borne reichen können, sie mit den Werken unserer schaffensfreudigen jüdischen Meister vertraut machen, aus denen sie Treue und anhängliche Liebe zum jüdischen Volke schöpfe. Jede Spende ist willkommen. Geld und Büchersendungen sind an den Präsidenten der Volksbibliothek, Herrn Alexander Friedmann in Brody, zu richten. Zeitschriften und Bücherschau. „Tygodnik“, Nr. 48, Krakau, befaßt sich im Leitartikel mit der von der polnischen Gesellschaft gegen Juden und Ruthenen geübten Intoleranz. Besonders scharf wird das Verhalten des Lemberger Gemeinderates in Angelegenheit der dem jüdischen Rigorosantenvereine zu bewilligenden Subvention in der lächerlichen Höhe von 100 K getadelt. Leider gibt der Leitartikler in verhüllter Weise der Meinung Ausdruck, daß man dem Verein nur darum subventionieren müsse, weil er humanitär sei und daß eine Nichtsubventionierung von Zionisten berechtigt erscheint. Dagegen muß man sich jedoch auf das schärfste wenden, denn dem Lemberger Gemeinderate steht kein Recht zu, auf die politische Ueberzeugung der Stadtbewohner Einfluß zu nehmen und Repressalien auszuüben. Derartiges Verhalten ist nichts anderes als rücksichtsloser Mißbrauch der Gemeinderatsgewalt, die von allen Bürgern ohne Unterschied ihrer Parteistellung verliehen wird. — In einem Artikel „Ueber die jüdische Sprache“ wendet sich Herr Ignaz Korngut gegen das in Angelegenheit der von Dr. Diamant eingebrachten Beschwerde vom Reichsgericht gefällte Urteil. In einer Nachschrift der Redaktion wird jedoch ausgeführt, daß ein „tatsächliches Bedürfnis“ nach Gleichberechtigung der jüdischen Sprache und des jüdischen Volkes nicht vorhanden ist. So wird man beiden Parteien gerecht: den Assimilan en und den Nationaljuden! Man druckt Artikel „für und gegen“ ab. Echtes, unverfälschtes „unabhängiges Judentum“ nach der Schablone Dr. Groß und Dr. Landau! L’ Aurore Nr. 23, Konstantinopel. Im Leitartikel wird die vom Gründer der Alliance, Adolf Cremienx im Jahre 1869, anläßlich der Begründung der Schule „Mikweh Israel“ bei Jaffa gehaltene Rede wiedergegeben. Cremienx führte damals aus: „.Jawohl, in der Nähe von Jaffa, wo der Boden unbearbeitet aber fruchtbar ist, wird der, welcher ihn bebauen wird, reiche Ernte einheimsen; dort im gelobten Lande wird unsere Schule erstehen und die Juden werden den Eifer wieder erlangen, der ihre Ahnen zum Ackerbau trieb.Noch einige Jahre und die jüdische Bevölkerung wird das heilige Land bewohnen. Die Entfernung von Jaffa nach Jerusalem ist gering. Ja, ein neues Jerusalem wird erstehen! Es wird vorerst nur ein bescheidenes Heiligtum sein, aber man wird aufhören am Freitag auf den Trümmern des Salomonischen Tempels zu weinen und zu seufzen: man wird sich wieder hoffnungsvoll zum Himmel wenden! .... An diese Rede knüpft die „Aurore“ Betrachtungen über den Verfall der Alliance und ihre assimilatorische, volksfremde Tätigkeit. Wirkönnen diesen Ausführungen nur zustimmen; denn es ist nicht erst seit heute bekannt, daß die Alliance in ihrer heutigen Verfassung jede Daseinsberechtigung verloren hat. Raßwjet Nr. 46, St. Petersburg. In einem mit „Neuer Antisemitismus“ betitelten Aufsatze unterzieht A. Davidsohn den sogenannten „wissenschaftlichen“ Judenhaß, wie er sich besonders bei Chamberlein und Weininger äußert, einer ätzenden Kritik. Er charakterisiert die antisemitische Richtung, besonders der deutschen Literatur und kommt zum Schlüsse, daß man diese Enunziation der „europäischen“ Gesellschaft nicht allzu ernst zu nehmen habe. — Herr L. Gurewicz behandelt das Thema „Die Gesundung der Partei“ nnd meint, daß eine planmäßige Arbeit von unten auf zu leisten sei. Die verschiedenen Versuche, lediglich die Leitung zu reformieren, genügen nicht. Er gibt der Meinung Ausdruck, daß das jüdische Volk sich in einer „dem Zionismus günstigen Verfassung“ befinde und daß man diesem Umstande Rechnung tragen müsse. „The Jewish Chronicle“ 26. November London. Die Leitnotiz der Wochenschau bespricht die Tätigkeit des Londoner Bischofs bezüglich der Judenmission. Die Seelenfängerei der hochwürdigen Eminenz findet entschiedene Verurteilung. Uns wundert es nur, daß die jüdisch-englische Mission trotz ihrer hundertfach konstatierten Mißerfolge ihr Erlösungswerk nicht aufgibt. Oder sind etwa viele Missionäre vorhanden, denen die Judenbehebung Notwendigkeit und — Geschäft ist? Wenn’s sich so verhält, dann mögen sie nur ruhig weiter predigen und bekehren! Uns wird’s nicht weiter verdrießen. — Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Inhalt der Dezembernummer: Die Juden in den Ostmark von Justizrat Wolff, Peter der Große als Schiffszimmermann (mit Illustration) von Karl Schwarz, Cesare Lombroso (mit Faksimile), Chaijm Esra Capitain von Dr. J. Niemirover, Zeichnungen von Regina Mundlak, Felix Salten von Max Schacherl, Schach von Dr. Emanuel Sacker, Ein hebräisches Schachgedicht, Berichte. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes des I. Wiener jüdischen Turnvereines, findet am 11. Dezember 1909, 9 Uhr abends, in den Sofiensälen, Marxergasse. ein großes Schauturnen mit anschließendem Tanzkränzchee statt. Der Verein hat einen Generalbericht über seine Tätigkeit verfaßt, der gelegentlich des Schauturnens an die Besucher zur Verteilung gelangen wird. Der Eintrittspreis beträgt 2 Kronen, Logen für 5 Personen 15 Kronen. Karten sind bei allen Vereinsmitgliedern, ferner im Cafe Mokka, I., Schottenring 13, Cafe Marienbrücke, I., Rotenturmstraße 31, Cafe Pollak, II., Stadtgutgasse 27 und an der Abendkassa erhältlich. Telephonische Bestellungen werden von Herrn Hugo Spitzer unter Nr. 9790 entgegen genommen. Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien, II. Ob. Donaustr. 81). Wie wir bereits berichtet feiert dieser Verein am 12. Dezember d. J. das Jübiläum seines 25jährigen Bestandes. Aus diesem Anlasse findet am 12. d. M. um 4 Uhr nachmittag im großen Tempel (II., Tempelgasse) ein Festgottesdienst unter Mitwirkung Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Dr. A. S c h m i e d 1 und des Herrn Oberkantors Belä Gutimann und um 8 Uhr abends im Saale des Hotel „Bayerischer Hof“ (II. Taborstr.) unter dem Protektorate des Reichsratsabgeordneten Dr. Benno Straucher eine Festakademie mit anschließendem Balle statt, bei welcher Herr Dr. Straucher die Festrede halten wird. Wie nicht anders zu erwarten war, begegnet diese so seltene Feier großem Interesse in allen jüdischen Kreisen und sind bis nun fast alle Karten vergriffen. Die noch restlichen Karten werden an der Abemfkassa ausgegeben werden. Der Eintritt zum Festgottesdienste ist natürlich frei. Itzkany. Heute fand hier die II. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Ahwat Zion“ statt. Es wurden folgende Herren in den Vereinsausschuß gewählt: Kais. Rat Samuel Hellmann, Präsident; jurist Hermann Peretz, Obmann; M. E i s n e r, I. Obmannsteilvertreter; A. Rößler, II. Obmannstellvertreter; I. Peretz. Hausverweser; Wilhelm Friedländer, Schriftführer; Michel Friedländer, Kassier; W. Isser 1 s, Zeitungswart, weiters ohne Funktion folgende Herren: K. Goldstein, M. Schlaffer, G. Schap i ra, H. H e 11 m an n, j. Red 1 i c h, Dr. A. Grünberg; zu Ersatzmännern die Herren: M. Korn, I. Hammerzahn, B. Rein, I. Rosenzweig und als Kassarevisoren die Herren: Sam. Brenner, und Paul Edelstein. Weiters wurden folgende Herren ins Bibliothekskomitee entsendet: abs. jur. H. Peretz, Dr. A. G r ü n b e r g, abs. jur. S. Edelstein, jur. I. G o 1 d s t e i n, jus. N. F r i e d 1 ä nder, A. Rößler, W. Isserls und I. Blum. Wien. (Unterstützungsverein für jüdische Hochschüler aus der Bukowina.) Mittwoch, den 15. Dezember findet im Cafe Marienbrücke (Souterrainlokal) die erste ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Anfang halb 8 Uhr abends. Diejenigen Herren, welche dem Vereine als Mitglieder beitreten wollen, werden ersucht, sich beim Obmann des Proponentenkomitees Herrn cand. ing. Michael Schindler, IV., Phorusgasse 9, Tür 31, vor der Generalversammlung zu melden. Den Interessenten sei mitgeteilt, daß über Intervention des Obmannes und des Schriftführers des Proponentenkomitees, der Herren M. Schindel und Bruno Berol, der Reichsratsabgeordnete und Landesausschuß der Bukowina Herr Dr. Straucher das Protektorat über diesen Verein übernommen und eine weitgehendste Förderung des Vereines zugesagt hat. Wien. B e n e i Zion. Humanitärer Geselligkeitsverein. Sonntag, den 12. d. M., präzise halb 3 Uhr nachmittags, veranstaltet der Verein eine Chanukafeier im Souterrainsaale des Cafe City, IX. Pozellangasse 1, unter Mitwirkung beliebter Kunstkräfte und anschließendem Tanzkränzchen. Regiebeitrag 60 Heller (für Mitglieder 30 Heller). Gäste herzlich willkommen. Wien. Hebräischer Konversationsklub „Ivriah“. Samstag, den II. Dezember 1909, um halb 8 Uhr abends, findet im Cafe Dohan, H., Untere Augartenstraße 26, de Fortsetzung des Referates des Gg. Rosenstein: „Gesellschnftliche Verhältnisse in Palästina“ statt. Gäste herzlich willkommen. In dieser Sitzung wird auch unsere Lokalfrage definitiv entschieden werden. Wien. (Bar Kochba, VIII., Langegasse 5—7). Samstag, den 12. d. M. findet im Vereinslokale ein Vortrag des Gg. Herrn Dr. A. C o r a I n i k über „Ch. N. Bialik“ statt. Anfang präzise '/ - 8 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Sereth. Am 12. Dezember 1. J. veranstaltet hier die jüd. nat. akad. Verbindung „Z e p h i r a h“ (Czernowitz) eine Makkabäerfeier, bei welcher Reichsratsabg. Dr. Mahler die Festrede halten wird. Die gesamte jüd, Bevölkerung sieht mit großem Interesse dieser Veranstaltng entgegen. Pilsen. (Jüdischer Volksverein „Zion“). Samstag, den 11. Dezember 1909 findet die Makkabäer feier unter gefälliger Mitwirkung der Frau Ella Noemi, Mitglied des Stadt-Theaters in Pilsen, des Fräulein Ida Schick aus Pilsen, des Herrn Marcell Alfons Meißner aus Wien und des Herrn Kurt Mikulski, Mitglied des Deutschen Theaters im großen Waldeksal statt. Die Festrede hält Herr JUDr. Fritz Löhner (Dichter Beda) aus Wien. Musik. Nach Beendigung der Vortrags-Ordnung Tanzkränzchen. Eintrittspreise: Große Loge 12 Kronen, kleine Loge 10 Kronen, Familienkarten (3 Personen) 4

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