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Jüdische Zeitung · 1909-12-10 · 50 (10.12.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE -ZEITUNG. Nr. 50 Kronen, Einzelkarten 1: Krone 50 Heller. Anfang: präzise 8 Uhr. * * * Berichte. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX. Othniargasse 46). Unter dem Titel „Jiddisches in Literatur und Musik“ veranstaltete am 25. November 1. J. Herr Kantor Josef Grob einen interessanten Vortragsabend in der Toynbee-Halle. In ernsten Liedern bewies Herr Grob seine schönen Stimmittel, gleich wie verständnisinnige Vortragsweise. Trefflich gelungen sind ihm aber auch die Vorlesungen heiterer Erzählungen von Scholaum-Alechem. Der Vortragende erntete reichen Beifall. Samstag, den 4. Dezember d. J. fand in der Toynbee-Halle ein Konzert statt. Fräulein B r e 11holz, eine Schülerin Robert Fischhofs, zeigte im Vortrage einiger Klavierpiecen reiches Können und viel Talent. Die bekannte Konzertsängerin, Frau Raya Barber-Waldberg entzückte das Auditorium durch die meisterhafte Wiedergabe von Arien und Liedern. Stürmisch akklamiert wurde Herr Beno Wünsch, dessen humorvoller Vortrag der Hawel’schen Satyre „Die kranke Schwalbe“ und der Schönherr’schen Dichtung „Das Henkermahl“ größte Heiterkeit erregte. Ebenso fanden die Vorträge von Chansons durch Herrn Wünsch lebhafter Beifall. Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Freitag, den 10. d. M. Lehrer B. Benedikt: Biebelvortrag. Samstag, den 11. d. M. Konzert, Arrangement Herr Oberkantor Don Fuchs. Sonntag, den 12. d. M. findet um 7*3 Uhr nachm, die erste der diesjährigen vom Obmann- Stellvertreter Herrn Karl Freund arrangierten Kinderjausen, alsChanukah-Festjause statt. An derselben nehmen die Zöglinge des Brigittenauer Knabenhortes und weitere 200 arme Schulkinder dieses Bezirkes teil. Insgesamt werden in derChanukahwoche mehr als 500 arme KindermitwarmerWäsche, Kleidungsstücken, Spielzeug und dergleichen beschenkt. Die Mitglieder und Gönner der Toynbee-Halle werden, zu dieser Festjause höflichst eingeladen. Montag, den 13. d. M. 7*8 Uhr. Dozent Dr. Z a p p e r t: jüdische Mädchenberufe. Dienstag, den 14. d. M. Oberlehrer M. Grünspann: Das Erlafthal in Wort und Bild (Lichtbilder). Mittwoch, den 15. d. M. Prof. Dr. Edmund Jerusalem: Das Zeitalter der Aufklärung (II). Donnerstag, den 16. d. M. Schulrat Prof. Baß: Thema Vorbehalten. Freitag, den 17. d. M. Lehramtskandidat M. Pick: Bibelvortrag. Wien. Die Jüdisch-akademische Verbindung „Makkabäa“ hat das Cafe Gartenbau als Couleurcafe ‘aufgelassen und ihren Sitz ins „Wiener Ringcafe“, I., Stubenring, verlegt, wohin sie sämtliche Zuschriften zu richten bittet. Trautenau. Der hiesige zionistische Volksverein Theodor Herzl veranstaltete am 5. Dezember 1. J. seine diesjährige Makkabäer-Feier, zu welcher sich diesmal außer einem zahlreichen jüdischen Publikum, auch viele Ariereingefunden haben. Es war ein festliches Bild, das der dichtgefüllte Saal bot. Auch die Erwartungen, die man mit Rücksicht auf die zur Mitwirkung gewonnenen fremden Gäste und einheimischen Dilettanten hegte, erfüllten sich aufs Glänzendste. Schon der Prolog „Chanukalichter“, eine Dichtung von Morris Rosenfeld, den Frl. Franzi Schick aus Marschendorf mit warmer Empfindung vortrug, war eine verheißungsvolle Einleitung des ernsten Teiles, der in der Festrede des Herrn Prof. Dr. Alfred Engel aus Prag den Höhepunkt erreichte. In so vollendeter Form, tief ins Innere dringend, sind wohl selten die Bestrebungen und Ziele der zionistischen Bewegnng dargelegt worden, wie dies durch Herrn Dr. Engel geschah. Nicht durch rhetorische Kunsstücke sucht er die Zuhörer fortzureißen, sein reines, überzeugtes Emsfinden offenbart er in den Bann seiner Ueberzeugung. Rauschender Beifall belohnte ihn. Ernsten Charakters waren auch die Lieder, die der zweite Prager Gast, Herr Opernsänger Egon Fuchs, bot Ein Bassist, dessen klangvolles Organ packt und der im Vortrag alles Schöne ausschöpft, was in den prächtigen Liedern Rubinsteins, Brahms und Griegs liegt. Beim Klavier saß unsere heimische Künstlerin Fräulein Johanna Laner. Reizende Lieder sang auch Fräulein Martha Fischer aus Hohenelbe. Außer Programm las Herr stud. phil. Oskar Stein „Bar Kochba“, Prag, eine Szene aus Beer Hoffmanns Schauspiel „Der Graf von Charoleis“, die sich ebenfalls dem Charakter des Abends würdig einfügte. Zum Schlüsse wurde der lustige Schwank „Eigensinnige Frauen“, in dem sich die Damen Frl. Hanna Schwarz, Frl. Eugenie Nowak, Frau Rosa Nowak und die Herren Ing. Hermann Pollacsek, Paul Sommernitz und Hermann Klein als talentvolle Schauspieler betätigten. Auch das Zusammenspiel war ein vorzügliches, die Inszenierung des Herrn Nadscheradetz würdig. Die Namen der Arrangeure des gelungenen Abends nennt weder Einladung noch Programm. Sie mögen sich mit dem Gesamtlob begnügen, daß sie ihre Sache sehr gut gemacht haben. Sereth. (Jüd.-nat. Frauen- und Mädchenverein „Ruth*, jfid. Schülerheim, Makkabäerfeier der jüd.- nat akäd. Verbindung „Zephirah“). Am 20. v. M. veranstaltete der jüd.-nat. Frauen- und Mädchenverein „Ruth* einen literarischen Abend. Fr. Rosenkranz begrüßte die zahlreich Erschienenen, worauf Frl. L a k n e r den angekündigten Vortrag über Gabriel R i e ß e r hielt. In sachlicher Weise gab die Vortragende zuerst eine Uebersicht über die damaligen Zustände, die in Deutschland herrschten, worauf sie über diese „Persönlichkeit edelster Gesinnung“ — wie Grätz G. Rießer bezeichnet — sprach. Einige Mitglieder des Vereines trugen noch Gedichte Jung-jüdischer Schriftsteller vor, worauf der Abend von der Präsidentin geschlossen wurde. Am 27. v. M. veranstaltete der Verein „Jüdisches Schülerheim“ eine Dilettantentheatervorstellung mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Die Leistungen der Darsteller übertrafen bei weitem die Anforderungen, die man an Dilettantenstellt. Frl. Regina Korn und Herr Jur. Bernfeld spielten trefflich. Außerdem wirkten mit: Frl. G1 ä s e 1 Frl. Adler, Herr Jnr. Pariser, und Herr Jur. Sonnenreich. Hierauf wurde flott getanzt. Bei dieser Gelegenheit will ich — ohne der Leitung des jüd. Schülerheims einen Vorwurf zu machen — auf einen meines Erachtens sehr wichtigen Umstand aufmerksam machen. Könnte nicht das Schülerheim Abende veranstalten, bei denen jüdisches tücke aufgeführt werden oder wenigstens Stücke mit jüdischer Tendenz? Könnten unsere Dilettanten nicht beispielsweise ebenso gut Gordon interpretieren wie — Kotzebue? Das jüd. Schülerheim ist als die erste jüd. nat. Korporation der Stadt dazu berufen, modernen jüdischen Geist und jüd. Leben in die Bevölkerung hineinzutragen. Ich wünsche also, daß das Schülerheim in Zukunft jüdische Abende veranstalte. Die jüdische Bevölkerung wird gewiß mehr Interesse einem Gordon- oder Perez-Abend entgegenbringen als einem — Kotzebue-Abend. T. Generalversammlung des zionistischen Zentralvereines. Dienstag den 7. d. M., fand die diesjährige Generalversammlung des zionistischen Zentralvereines statt. Der verdienstvolle Obmann Dr. Jakob K o h n, durfte einen sehr erfreulichen Aufschwung konstatieren und betonen, daß der zionistische Zentralverein ein großes Stück ehrlicher Arbeit geleistet habe. Dem gründlichen Tätigkeitsberichtes des Schriftführers Gg. Samuel Strauß, entnehmen wir folgendes: Unserer Tätigkeit ist es gelungen, dieMitgiiederanzahl auf 228 zu. bringen und unserem Vereine sowohl innerhalb unserer Organisation als auch in den uns ferne stehenden Kreisen erhöhtes Ansehen zu verschaffen. Wir haben großes Gewicht darauf gelegt, keine Angelegenheit innerhalb unseres Parteilebens einerseits oder allgemein jüdischen Charakters andererseits vorübergehen zu lassen, ohne dazu in würdiger Weise Stellung zu nehmen. Hierbei greifen wir heraus, daß namens unseres Vereines, als der Artikel des Hofrates Gomperz in der „Neuen Freien Presse“ erschien, unser Obmann eine sachliche Erwiderung an dieses Blatt richtete, welche auch Veröffentlichung gefunden hat. Von dem Zentralverein wurde auch die Schekelagitation für den Wiener Rayon erfolgreich durchgeführt. Es gelang uns, die Anzahl der Schekel zu verdoppeln. Unser Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, mit uuseren Mitgliedern in rege Fühlung zu treten; zu diesem Zwecke haben wir an jedem Dienstag Abend Diskussionen im Vereinslokale abgehalten, zu denen an alle Mitglieder regelmäßig schriftliche Einladungen ergangen sind. Solche Diskussionsabende fanden 17 statt und wurden an denselben alle aktuellen zionistischen, parteitheoretiscben und organisatorischen Fragen erörtert. Es wurde auch der Lesesaal reaktiviert, in welchem zur Zeit 57 Zeitschriften und Tagblätter im Jargon, hebräischer und deutscher Sprache regelmäßig aufliegen. Für den Lesesaal hat uns die Isr. Kultusgemeinde in Wien eine Subvention von K 200 bewilligt. Der Lesesaal war in der Zeit vom 6. März bis 30. November von zirka 4000 Personen besucht. Es fanden folgende größere Veranstaltungen statt: Die große Versammlung im Cafe Concordia anläßlich der Palästinakurse des Vereines Theodor Her_l und die Vorträge unserer Gg. Gg. Dr. Franz Oppenheimer und Dr. Heinrich Löwe. Diese Abende waren jeder von ungefähr 500 Personen besucht und haben durch ihren würdigen Verlauf bei allen Besuchern den besten Eindruck hinterlassen. Außer diesen Veranstaltungen haben wir auch die Trauerfeierlichkeiten anläßlich der Wiederkehr des Todestages unseres unvergeßlichen Führers durchgeführt. Einen Trauergottesdienst im Stadttempel, die massenhaft besuchte Gedenkfeier im Hotel Stephanie und den Besuch der Wiener Zionisten am Grabe. Speziell diese Veranstaltungen haben durch ihrenimposanten Verlauf überall mächtigen Eindruck, hinterlassen. Für alle unsere Veranstaltungen haben wir das Prinzip des Regiebeitrages festgelegt. Erwähnt sei, daß im Laiife unserer Amtsperiode einem Einlauf von 124 Schriftstücken, ein Auslauf von 5985 Briefen und Schriftstücken gegenübersteht. Es erübrigt uns noch, all den Herren die sich uns als Redner und Vortragende zur Verfügung gestellt haben, zu danken und die pflichteifrige, bewährte Mitarbeitschaft unseres Sekretärs Herrn Teitelbaum rühmend hervorzuheben. Es zeigt sich bei allen Gelegenheiten, daß in unseren Reihen gerade die wichtigste Form der Agitation noch immer vernachlässigt wird: Die Agitation von Mann zu Mann. Der Bericht schloß mit dem dringenden Appell an die Vereinsmitglieder, ihrer vornehmsten Pflicht, werbend aufzutreten, in erhöhten Mäße nachzukommen. Gg. J. H. W a 111 u c h erstattete hierauf den Kassabericht, worauf die Neuwahlen stattfanden. Gg. Dr. Jakob K o h n wurde unter großem B e i f a 11 e der Versammelten wieder zum Obmann gewählt. Damit ist Gewähr geleistet, daß sich unter seiner energischen und zielbewußten Leitung, der Zentralverein und mit ihm die Wiener zionistische Bewegung weiterhin gedeihlich entwickeln wird. Nebst ihm gehören dem neuen Ausschuß noch an: Gg. J. H. W a h 11 u c h, als Obmann-Stellvertreter; die Gg. Samuel Strauß und Ing. R. K o p p e V als Schriftführer und als Beisitzer die Gesinnungsgenossen: Dr. med. Alfred Löwy, Baumeister Kaufmann, Ing. J. Löwenbein, Julian Oschery und Dr. Karl Löw. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Die Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“,: Geseilsch. m. b. H. . II. Ausweis der für die durch Brandschaden betroffene Gemeinde Monasterzyska eingegangenen Spenden. Siegmund Kulka K 5, Dr. Ludwig Mandl K 1,' Theodor Kohn K 10, R. Pick K 3, Albert Kaiser K 5, Alex Deutsch K 3, Emil Federer K 3, S. Salzer K 3, G. Kadisch K 1, Jos. C. Berger K 2, Mor. Selinko K 4, Emanuel Goldschmidt K 5, Arnold Fleischer K 1, Simon Fleischer K 1, Rudolf Schreier K 2,. N. Edelstein Kl, Leop. Schönfeld K 1, Julius Freund K 10, Dr. S. Kralouzky K 2, Jos. Pesel K 1, Dr. Jos. Schwarzmann K 5, Ludwig' Horch K 5,. Arthur Hahn und Max Steinhart K 5, Viktor Schwadron K 10, Leopold Haas K 5, Gustav Horsetzky K 2, Emanuel Granitzer K 1, Georg Halle K 5, Rudolf Pollak K 5, T>'. Horonitz K 5, J. Fenaeisen K 2, Friedrich Lemberger K 5, Wilhelm Kohn K 10, L. Rosental K 2, Mathilde Koref K 10,. Albin Mandelbaum K 10, Bernh. Stern & Hirsch K 1, Heinrich Büchler K 5, Albert Renn K 5, Jonas Ehrenfeld K 3, Adolf Stern K 10, Rudolf Gutmann K 5, Ludwig Geiringer K 1, Karl Rosenmann K 3,. Jakob Schwed K 2, Prof. Jellinek K 4, Bernh. Preßburg K 5, Moriz Hassberg K 3, Emanuel und Siegmund Hayek K 5, Sascha Hendler Kl, S. Landau, kaiserl. Rat, K 10, D. Meleminsky K 3, Ph. Kalmemann K 3, Ign. Pick K 2, Adolf Lunzer K 2, Wilh. Wengraf K 3, Ludw. Neufeld K 5, Friedrich Fischer K 2, J. Kübel K 5, Leop. Steiner K 3, Adolf Freund K 5, Michael Stieber K 2, Max Lehmann K 3, Julius Theumann K 1, Dr. Karl Ullmann K 1, Dr. Bresslauer K 5, S. Schallinger K 3, J. B. Böhm K 4, Jakob Goldstern K 4, Dr. Wilhelm Trentschiner K 2. Weitere Spenden nimmt, die „Oesterreichische Volksbank“, IX., Liechtensteinstraße 11, Postsparkassenkonto Nr. 46.576, entgegen. Kalenderbeilage. Der heutigen Gesamtauflage unseres Blattes liegt der von dem Bankhause Eduard Urban, Brünn, herausgegebene Verlosungskalender pr. 1910 bei und empfehlen wir dieses sehr schön ausgestattete Büchlein der besonderen Aufmerksamkeit unserer verehrten Leser. Dasselbe enthält viele für jedermann wissenswerte Daten über die wichtigsten bankgeschäftlichen Zweige unter besonderer Hervorhebung der für Sparer nützlichen Momente. Das Bankhaus Eduard Urbanbesteht seit 1869 und erfreut sich durch die kulante Bedienung seiner Kunden des besten Rufes, so daß dasselbe dem p. t. Publikum für seine finanziellen. Transaktionen bestens empfohlen werden kann.

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