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Jüdische Zeitung · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. - Das „läßt sichnicht bejahen und nicht verneinen. Da hilft bloß der Glaube. Und dieser Glaube sagt: Es wird anders werden 1 Denn schon die Tatsache, daß wjr darüber nachdenken und uns über upsere Furcht ärgern, ist ein Beweis, daß etwas in uns rege wird, weiches uns befreien wird nicht nur nur von der Ghettoangst allein sondern von allen Schlacken, die zweitausendjährige Wanderung unserem Volkscharakter beigemengt hat. M. W. Dienstag, 14. Dezember: Chanukkafeier. Unsere nächsten Veranstaltungen: Dienstag, 7. Dezember: Generalversammlung des Zionist.schen Zentralvereines. — Vortrag Dr. J. Meisl. Samstag, 11. Dezember: Schauturnen des Wr. Jüdischen Turnvereines in den Sophiensälen. Näheres im Vereinsanzeiger. ACHTUNG1 Die Makkabäerfeier der Wiener zionistischen Korporationen. Die am Mittwoch in den Sofiensälen stattgefundene Makkabäerfeier . der Wiener Zionisten war eine der imposantesten Wiener zionistischen Veranstaltungen während der letzten Jahre. Der massenhafte Besuch und der glänzende Verlauf erfüllten vollkommen die . von den Veranstaltern . gehegten Hoffnungen. Zur angesetzten Stunde eröffnete der Obmann des innerösterreichischen D. K. Herr Dr. Karl'Po llak mit einer schwungvollen Ansprache, in.-welcher er inprägnanter Weise die Grundprinzipien des Zionismus darlegte und die erschienenen Gäste'begrüßte, die Feier, worauf der zionistische Männerchör unter Leitung des Herrn Isidor L e w i t den stimmungsvollen Psalm -„Ein Hauch weht durch die Lande“; in vorzüglicher und exakter Weise zum Vortrage brachte.. Den Höhepunkt der Feier bildete die Rede unseres Gg. Reichsratsabgeordneten Herrn Dr. Arthur;Mah 1 er : ein formvollendetes Essay. Dr. Malier führte im wesentlichen folgendes-• aus: Es gibt1 dreierlei Arten von Vergangenheit, die tote Vergangenheit, zum Beispiel die Schlacht im Teutoburger/Walde;- die Zukunftsvergangenheit, die erst in.der. Zukunft, lebendig wird, wie jene Episode in der .tschechischen Geschichte, die mit dem Namen Johännes'Huß gekennzeichnet ist und ergt in den letzten- Jahrzentem auf lebte. Die dritte Gattung der Vergangenheit aber ist die lebendige Wirklichkeitsvergangenheit,-die ewig fruchtbar bleibt. Eine solche Vergangenheit ist die Epoche der Makkabäer. Die Fortwirkung des Befreiungskampfes der Makkabäer inder Geschichte beleuchtete Abg. Dr. Mahler ungemein fesselnd,' um - steh dann mit den Gegnern der jüdischen Moderne auseinanderzusetzen. Die Assimilanten, die uns mit Hohngelächter einen. Don Quichote nennen, der mit drei Vierteln der Vergangenheit und mit einem Viertel der Zukunft angehören will, dürfen wir füglich entgegnen: „Besser ein Don Quichote .der—Weltgeschichte als ein Sancho Pansa der — deutschliberalen Partei.“ Solange wir nicht unser Territorium haben und unsere' geistige Freiheit sind' und bleiben wir Findelkinder, die alle Welt als solche ' behandelt. Mit einem warmen Appell, die Bestrebungen der Zionisten zu fördern, schloß er seine bedeutungsvolle Rede. Die folgenden Darbietungen der Opernsängerin Frl. Helene Oberländer entfesselten beim Publikum Stürme der Begeisterung, die sich während der nachfolgenden Rezitationen der Hofburgschauspielerin Frl. Lia Rosen, die in ergreifender Weise Gedichte jüdischer Dichter und einen Abschnitt aus der Bibel „Simsons Fall, Elend und letzte Räche“ vorlas, zu einem minutenlangen Tosen und Beifallsklatschen steigerte. , Nach dem kunstvollendeten Vortrage einiger Lieder durch den k. k. Hofopernsänger Herrn Josef Schwarz und der Absingung des Löve’schen „Auf mein Volk“ durch den Männerchor, war der offizielle Teil der Feier zu Ende. Hierauf wurde vom Komitee der Tanz eröffnet, der bis in den frühen Morgen dauerte. An der Veranstaltung der Feier beteiligten sich folgende Korporationen : „Bar-Giora“, Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern, „Bar-Kochba“, Vereinigung jüdischer Hochschüler aus: Galizien, „Einzelverein Zion“ Leopoldstadt, „Einzelverein-Zion“ der westlichen Bezirke Wiens, „Esperanza“, Akademischer Verein der spanischen luden, „Finkenverband“ der jüdisch - nationalen Studenten an-den Wiener Hochschulen,; „Ivria“, jüdische akademische Verbindung, „Jordania“, Vereinigung jüdischer Hochschüler aus der Bukowina, „Judäa“, Vereinigung zionistischer Hochschüler, „jung-Juda“, .Sektion des ersten Wiener jüdischen Turnvereines, „Jüdischer Mädchenklub“, „Kadimah“, akademische Verbindung, „Maccabaea“, jüdische akademische Verbindung, „Theodor Herzl“, Verein zionistischer Hochschüler, „Unitas“, jüdische akademische Verbindung, „Zionistischer Frauen verein“, „Zionistischer Zentralverein“, „Zephyra“, jüdische akademische Verbindung. Das Tanzarrangement lag in den bewährten Händen des Herrn Jacques Löv, der seiner Aufgabe in vollständigzuf riedenstellender Weise gerecht wurde. Zeitschriften und Bücherschau. Unser Berliner Bruderblatt „Jüdische Rundschau“ bespricht in einem trefflichen Artikel „Gespenster“. Die Fehler, von denen die bisherigen Vorarbeiten zum IX. Kongresse begleitet waren und die ihm verhängnisvoll werden könnten. Wir zitieren die markantesten Stellen und konstatieren unsere Uebereinstimmung. „Wenn man sieht, mit welcher — unserer Ansicht nach — leichtherzigen Nonchalance von gewisser Seite alle wirklichen Lebensfragen unserer Bewegung gegenwärtig behandelt werden, so kann man nicht umhin, das vor dem Kongreß noch auf das entschiedenste zu betonen, daß die politischen Fragen, in jedem Verstände, heute an aktueller Bedeutung gegenüber den absolut w e s e n tl i c h e n Fragen der Beweg-ung recht weit zurückstehen. Welche Anschauung verrät die kürzlich gefallene Aeußerung, der Hamburger Kongreß könne doch in der Hauptsache nur demonstrative Zwecke haben, wo heute die,weitesten zionistischen Kreise tief davon durchdrungen sind, daß unsere Kongresse bisher schon viel, zu sehr darunter gelitten haben, daß man sie zu Demonstrationskongressen machte. Vor Jahren schon ist die Forderung erhoben worden, man solle den Kongreß wieder alljährlich abhalten, damit er seines demonstrativen Charakters entkleidet werden und zu einem Arbeitskongreß werden könne. Und nun gar heute 1 Wir haben auf dem Kongreß nicht nur zwei der wichtigsten Organisator ischen Problern e zu lösen, sondern neben allen anderen Palästinafragen noch eine besondere von ungeheuer weittragender Bedeutung in Angriff zu. nehmen, die der Agrarbank“. Der Aufsatz zählt,die, weiteren Kongreßprobleme auf (Reorganisation des engeren Aktienkomitees,1 Finanzfrage, die hochaktuelle Organisationsfrage) und schließt mit den Worten: „Statt dessen versuchten es 'hier und da Gesinnungsgenossen, alte abgetane „politische“ Phantome unter dem Deckmantel einer neuen Einzelfrage langsam wieder zu Leben und Ansehen kommen zu lassen. Daß das nicht auch auf dem Kongreß sich wiederhole, in klarer und gefährlicher Form — davor wollten wir warnen! Auch einer politischen Bewegung können alte Gespenster zum Verhängnis werden.“ „Der Israelit“, das Zentralorgan für das orthodoxe judentum, ist über die Einberufung eines a 11gemeinen jüdischen Emigrationskongresses außer sich. In einem spaltenlangen Artikel, „Emigration und Weltkongreß“, zieht er vor allem gegen die zionistischen Blätter los, die — aus einem Verantwortlichkeitsgefühl heraus, das eben dem „Israelit“ fremd ist — der Idee des Emigrationsk'ongresses lebhaft zustimmen, obwohl, oder vielleicht gerade weil der Plan zu diesem Kongresse von nichtzionistischer Seite ausgeht. Der Geist, der diesen Artikel durchweht, ist so kläglich, daß man über die leisetreterische und jesuitische Art der assimilatorischen Orthodoxie, alles untergraben zu wollen, was sich bewußt jüdisch gibt, nur lächeln muß. Wir zitieren zur Illustration folgende Stelle: „Gibt es den eigentlich nur eine jüdische Auswanderung? Stellt nicht jedes Land und jedes Volk ein gehöriges Kontingent zu den Bevölkerungs-Bewegungen und Verschiebungen, wie wir sie heute mehr denn je allenthalben beobachten können?“ Ist das nicht furchtbar frivol? Klingt das nicht wie eine Verhöhnung der Judennot? Aber dem Israelit wäre es freilich sympathischer, wenn sich die bewußten Juden mit der Emigration der Chinesen beschäftigen wollten, damit seine meist gutsituierten Leser nicht in ihrer frommen Behaglichkeit gestört werden und man sich, Gott behüte, nicht ihrem Säckel nähert. Daß der besagte Leitartikel aus dem tiefen Kummer für die Ruhe und die Tasche der Leser des „Israelit“ geboren wurde, geht aus seinem Schlüße hervor. Dort wird geraten, die „gewiß nötige soziale Hilfsarbeit“ in aller Stille ohne Kongreßlärm vorzunehmen. Der „Israelit“ wünscht „ein stilles, ruhiges Einvernehmen der verschiedenen Organisationen, deren Vertreter zu diesem Zwecke ohne viel Umstände-in engere Fühlung miteinander treten könnten . . .“ Pfaffe, an diesem salbungsvollen Ton erkennen wir Dich! Aber Du erreichst nichts! Die Juden machen einen großen Bogen um dein Klüngel, wenn sie sich auf einer gemeinsamen Plattform zur Arbeit die Hände reichen wollen. Nr. 49 Arbeit für Chanuka. Die N. F.-Landessanim eistelle Oesterreich versendet folgendes Zirkular an alle N. F.-Kommissäre und Vertrauensmänner. ' ' Werter.Herr Gg.! : Wie vielfältig auch die Arbeitsgebiete für die jüdische Renaissancebewegung sind, so ist es klar, daß unsere zentralste Aufgabe in der Schaffung eines kräftigen jüdischen Bauernstandes d. h. in der Fortführung unserer landwirtschaftlichen Kolonisalion Palästinas besteht. Es gibt kein, gesundes jüdisches Volkstum, keine wurzelfeste jüdische Siedelung, keine jüdische Vollkultur ohne natürliche, auf dem festen Grunde eines Bauernstandes ruhende Gliederung des Volkskörpers. Mit der Landentwicklungs ge Seilschaft (The Palestine'Land Development Cy.) hat die zionistische Partei die Fortführung der jüdischen Kolonisation Palästinas nach modernen und erprobten Methoden unternommen. Sie hat im vorigen Jahre das dem Nationalfond gehörige Land „Kinereth“ am Tiberiassee gepachtet, seither die nötigen Bewässerungsarbeiten durchgeführt, Wirtschaftsgebäude errichtet und mit zuletzt 50 Arbeitern den Betrieb besorgt. Die erste Ernte ist gut ausgefallen, die Bewirtschaftung hat den Wert des Bodens, der durch viele Jahre brachgelegeri war; bedeutend erhöht, die Arbeiter haben die Landwirtschaft erlernt und sich einiges erspart. Dank dessen hat sich ein Teil zu einer Siedlungsgenossenschaft vereinigt, um ein Nachbargrundstück als Pächter zu bewirtschaften, einige Arbeiter sind von der ICA-mit Land versehen worden, der Rest will vorläufig im Verein mit neueintretenden Genossen noch in Kinereth tätig sein, um sich fortzubilden. Nach bloß einjähriger Arbeit hat so die PLDC bewiesen, daß sie ihrer Aufgabe gewachsen ist: Soll aber das Arbeitsfeld, wie es nottut, stets weiter ausgedehnt werden, dann gilt es frisches Kapital zuzuführen. Hiezu kann und soll jeder auch nur einigermassen begüterte Jude beitragen, denn die PLDC ist eine volkstümliche Gesellschatt, deren Aktien zu einem Pfund d. i. K 24*25 das Stück käuflich sind. Und wo der Einzelne zu, schwach ist, soll er dazu beitragen, daß ein Verein oder eine Gruppe Aktionär wird. Solch ein Kauf bedeutet gewiß keinen Wohltätigkeitsakt, sondern eine Kapitalsanlage. Denn das Land der PLDC steigt ja mit seiner Bewirtschaftung und der allgemeinen Hebung Palästinas beständig im Werte und auch das Inventar wird stets im besten. Zustand erhalten, so daß* nach den ersten Jahren der nötigen Investierung die Aktien reichliche Dividende tragen werden. Die Zionisten Oesterreichs, die ihren Opfersinn für den N.-F. in stetigem Aufwärts so rühmlich Bekunden, blieben bisher mit ihrer Leistung für die PLDC hinteranderen Landsmannschaftenweit zurück. Es fehlte eben die rechte Organisation; nun haben wir uns der Sache angenommen im Bewußtsein, daß der N.-F. zur Bewirtschaftung seihet sonst brachliegenden Ländereien die PLDC dringend braucht, weshalb er ihr ja auch als Großaktionär beitrat. So richten wir denn an Euch, Zionisten Oesterreichs, den dringenden Appell, das Versäumte nachzuholen und Euch ä m »z i o n i s t ischen Kolonisationswerk durch Kauf von PLDC-Aktien rege zu beteiligen. Das nahe Chanukafest gibt' uns Anlaß und Müsse zur Werbearbeit durch Aufklärung von Mann zu Mann und durch Vorbereitung beiliegender Exposes, von dem wir auf Verlangen nachliefern. Als Inkassostellen gelten überall die N.-F.-Kommissäre, die wöchentlich unter genauer Angabe der Adressen der neugewonnenen Aktionäre direkt mit uns verrechnen wollen, damit der Ausweis in der „Jüdischen Zeitung“ und die Ausfertigung der Aktien prompt erfolge. Auf denn zur Arbeit, damit ihre ersten Früchte schon dem Kongreß vorliegen 1 Für die Landessammelstelle Oesterreichs des Jüdischen Nationalfonds Wien, IX., Türkenstraße 9 Postsparkassenkonto 100.208. Liste der Ueberläufer. (Vom 23. bis 30. November 1909.) Viktor Aufricht, 1883, Precsin (Ung.), .ledig, Hochschüler, IV. Favoritenplatz 8. Philipp Weinwurm, 1865, Wien, verh., Bau-Oberkommissär, II. Schüttelstr. 27. Elisabeth, geb. Goldberger de Buda, Schloß,* 1866, Wien, verh., Ingenieursgattin, IX. Alserstr. 20. Emma, geb. Kammer, Schoder, 1886, Wien, Bank- . beamtensgattin, VII. Burgg. 22. Erwin Hugo Stein, 1878, Karolinenthal, Böhmen; ledig, Prokurist, XXL Hauptstr. 91. . Julius Rosenfeld, 1895, Wien, ledig; Lehrling; XXL Kagran, Reichsstr. 99. .

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