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Jüdische Zeitung · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Einweihung des neuen Heinis der „Einheit“. Wien. Sonntag den 28. v. M. fand die festliche Einweihung des neuen Lokales der vom Vereine „Einheit“ ' unterhaltenen Speiseanstalt statt, die in ihren Lokalitäten auch, einen separaten Raum für eine jüdisch-studentische Mensa eingerichtet hat. Der Obmann des Vereines, Herr Hofbauer, eröffnete um 10 Uhr die Feier mit einer Ansprache, in der er den humanitären Zweck der seit drei Jahren bestehenden Institution beleuchtete. Nach einem vom Oberkantor S c h o r r vorgetragenen Chorliede sprachen in bunter Reihenfolge die Vertreter der erschienenen Korporationen. Erwähnt seien die Ansprachen des Rabbiner Fürst, des Gg. M. Waltuch und des Rabbiners Dr. Schmiedl. Nach Absingung eines Psalmes und des Kaiserliedes besichtigten die zahlreich erschienenen Gäste die Einrichtung der Speiseanstalt. Um halb 12 Uhr wurden die Lokalitäten ihrer Bestimmung übergeben. * * * Zur Vorgeschichte dieser Üebersiedlung der ‘ Speiseanstalt aus der Floßgasse in das neue Heim in der Malzgasse erhalten wirvon einer Seite, die mit den Verhältnissen vertraut ist, folgende Mitteilungen: Das seit dem Jahre 1906 von Herrn Meyer Kamm, II., Floßgasse 9, geführte rituelle Speisehaus für minderbemittelte Juden wurde bis zum Juni dieses: Jahres von dem Verein „Einheit“ unterhalten. Von polnischen Juden gegründet, schlossen sich ihm baid auch ungarische an, von denen einige in den Vorstand eintraten. Anfangs dieses Jahres setzte es der Obmann des Vereines, Herr B. Hofbauer, durch, daß seine Nichte, eine Frau St., sich mit der Wittschaftsleiterin, Frau Kamm, in der Führung der Küche, selbstverständlich gegen Entgelt teile. Motiviert wurde diese Maßnahme mit der angeblich notwendig gewordenen Entlastung der Frau Kamm, Während der wiikliche Zweck derselben, der alsbald öffenbar wurde, die Entfernung der Eheleute Kamm von der Leitung und Ersatz derselben durch die oben genannte Hilfskraft war. Als die Familie Hofbäüer, die im Vorstande des Vereines „Einheit“ inzwischen auf fünf Köpfe angewachsen war, sah, daß sie aufdiesem Wege nicht zu dem beabsichtigten Ziele . gelange, wurde, mit sonderbaren Mitteln vorgegangen. Durch ein Generalversammlungsmanöver wurden die Polen an die allerdings frische Luft gesetzt, die Eheleute Kamm, die man aus ihrem Speisehaus natürlich nicht wegjagen konnte, da sie die Konzession hierzu haben, ließ der so magyarisierte Verein „Einheit“ mit ihrer Küche im Stich und eröffnete, Lobeshymnen auf das gute Wiener (!) jüdische Herz anstimmend, ein neues Speisehaus. Diese empörenden Vorgänge veranlaßten eine Anzahl von Herren, sich des verwaisten Unternehmens, das drei Jahre so segensreich gewirkt hat, anzunehmen und zur Erhaltung und zum Ausbau desselben einen neuen Verein „A c h w a h“, der sich inzwischen konstituiert hat, zu gründen. Das Speisehaus verabreicht an Minderbemittelte eine gute, kräftige, rituelle Kost und wird hoffentlich auch in der Zukunft in der Lage sein, seinem Zwecke voll zu entsprechen, und dies um so mehr, als die Nichte des Herrn Hofbauer nunmehr versorgt erscheint. Liste IX., K 5; Oberlandesgerichtsrat Dr. Barber, K 10; Philip Gomperz, K 40; Ign. Barany, K 5; Michaeil Stieber, I., K 2; J. Feitier, I., K 30; Ignatz Deutsch, K 2; K. k. Kommerzialrat Josef Hatschek. K 10; Alfred Heinsheimer, K 20; Heinrich Mandl, I., K 60; Julius & I. Heirmin, K 10; Rudolf Kahler, K 5; Baiersdorf & Biach,- K 20; G. Bettelheim, K 5; Hirsch Mendel Glas K 4; Brüder Alina K 5. Summe 994 Kronen. Weitere Spenden nimmt die Oesterr'eicbische Volksbank, IX., Liechtensteinstraße II, Post-Sparklassen-Klearing-Konto 46.576, entgegen. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Die Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“, Gesellsch. m. b. H. der für die durch Brandschaden betroffene jüdische Gemeinde Monasterzyska eingelangten Spenden: Schwarz und Steiner, I., Kärntnerstr. 10, K 10; Max Hamek,'I., Schottenring 32, K 5; Fischei Landau; VI. , Gumpendorferstr. 14, K 20; Heinr. Birnbach, II., Praterstr. 34, K 2; Josef Ehrenfeld, I. Schellingg. l4, K 2; Dr, Daniel Bachrasch, I., Rosenburgerstr. K 10; J. Brand, I., Hoher Markt 1, K 3; Dr. Alfons Tnorsch, I., Hohenstaufeng, 17,'K 50; Frau Dr. Josiner, XIX., Karl Ludwigplatz 72, K 4: MoritzTiller, VII. , Zollerg, 8, K 5; Leopold Löwi, IV., Schwindg. 2, K 20;'Josef J. Leinkauf, K 20; Friedrich Pollak, VI., Schmalzhofg. K 10; Herzfeld & Fischei, K 5; Leopold Langer, K 50; Jahob Theumann, IX., Türhenstr. 21, K 10; Wilhelm Kuks, Direktor derN.-Oe. Escompte-Ges. K 50; A. Stern & Sohn, I., Kohlmeßg. 5, K 100; Dr. Brunsohn Pollak, K 20; Josef Kowanitz, I., Falkenstr. 6, K 5; Gebrüder Pach, Cafe Central, K 5; Dr. Ignatz Kornfeld, I., Zelinkag. 5, K 5; Kassa von M. & J. Mandl, K ICO; Max Mandel, I., Eßlingg. 2, K 5; Adolf Baer, IX„ K 5; Ing. Brunner, K 2; Leopold Koch, XIX., K 2; Bemh. Pollak, Edler v. Parneg, K 20; Ludwig Herzfeld, I., Bauernmarkt 10, K 10; S. Trebitsch & Sohn, Wien, K 50; Alfred Strasser, III., Strohg. 29, K 40; Em. Beer, XIX., Gattenburgg. 7, K 25, Bernhard Wachtel, K 30; Herman PoIIaks Söhne, K 20; M, Reichenfeld, IX., Meximilianplatz 4, K 5; Jakob Ehrlich, I., K l; Philip Kohn, I., Franz Jos. Kai 7-9, K 5; Arnold Bachwitz, K 10; Leopold Löwenbach, IX., K 10; Em. & Ed. Schweinburg, I., Salzgries 19, K 10; Martin Kohn, Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Vereinsjubiläum.) Der „Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien, II., Obere Donaustraße 81, feiert am 12. Dezember d. J. das Jubiläum seines 25 jührigen Bestandes. Aus diesem Anlasse findet an diesem Tage um 4 Uhr nachmittags ein feierlicher Gottesdienst im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse, samt Festpredigt Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Schmiedl und um 8 Uhr abends unter dem Protektorate des Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. B e n n o Straucher eine Festakademie samt anschließendem Balle im Prachtsaale des Hotel Bayerischer Hof, II., Taborstraße, statt. Ihre Mitwirkung bei der Festakademie haben die Herren Direktor Weisse vom'Deutschen'Volkstheater, Max .Pallenberg vom Theater a. d. Wien und mehrere andere hervorragende Kunstkräfte.zugesagt. Die noch disponiblen Entreekarten zur F'estakademie ä K 2.— und K 3.—, sowie Studentenkarten ä K 1.— sind bei den Komiteemitgliedern, sowie im Vereinslokale 'erhältlich. Alle 'Freande jüdischer Wohltätigkeit sindzur Jubiläumsfeier herzlichst willkommen. Westjuden. (Novelle von Ben David). (7. Fortsetzung.) Buschdorf, 2. April'1809. M e i n g u t e r C a r 1 o 1 . Glaub’ mir, ich fühlte tief drinnen, daß Deine feuchtfröhliche Hüpfigkeit eine glänzende, aber ganz dünne Schichte um Dein gutes, treues Herz war. Es kränkte mich wohl manchmal, daß Du beständig die lachende Maske als Dein echtes Gesicht ausgabst; um so mehr empfand ich Deinen brennenden Durst nach wahren Gütern des Lebens, für die der bunte Firlefanz, das leere Jauchzen, das „Scheinen wollen“ Dich entschädigen sollten. Hilft nichts! Das wahre Gefühl drängt schließlich doch an die Oberfläche, so wie die wahre Idee-In der Sonne flimmert das üppige, verhüllende Laub, der nüchterne Winter entblößt die stummverbogenen Aeste. Ich finde mich im Leid. Die Bürde des Lebens drückt mich nieder, doch ich lerne sie kennen und schleppe sie mit einem stählenden Trotz. Die tierische Kampfgier und die natürliche Haßlust, die in jedem Lebewesen eingekeimt sind. haben ihren Weg gefunden: Das Leiden! Ich hasse das Leiden, ich kämpfe mit dem Leiden — aber ich fürchte es nicht. Und das, Carl, ist die große Erlösung, die der Jude Elias der Menschheit bringen soll: Der Kampf und der Sieg über das Leiden! Die glutäugigen Aerzte mit den wundervoll klaren Händen, die eiskalten Rechner mit den leuchtenden Stirnen, aus Judas Schoß geboren, werden zu den Völkern gehen, und das Heil bringen! Aber sie müssen auf eigener Scholle wachsen, um nicht von den Ungewittern der blöden Mißgunst, des tierischen Instinktes und dem entwirrenden, zerfressenden Hauch des Fremdseins verkrüppelt oder gebrochen zu werden! — — ■ — - 0, der tierische Instinkt! Er ist nicht auszurotten durch Phrasen schwachmütiger Hohlköpfe, die antiklerikal salbadern und selbst die ödesten Dogmatiker sind, die „in Kultur machen“.' Diese weißbärtigen, theoriengeschwollenen Aufklerikalen mit ihren weltfremden Gelehrtenrepubliken-Ein leichter Stoß und-der „freisinnigste“-Arier fühlt, wie der Begriff „Saujud“ in seinem Herzen keimt und wenn der Anstand ihm den Mund versperrt, kriecht der Begriff in. die Gallenblase, um katastrophal schmerzhaft den Organismus zu vergiften. Darum sind sie auch die bösesten, die bittersten, die demütigendsten, diese verkarpften, gebilderten Reschoim mit den guten Manieren, feinen Redewendungen und duldsamen Mienen; weit ekler und fürchterlicher, als der breitmäulige Düngerhaufen, der auf den Straßen „Nieder mit den Juden!“ brüllt! Diesem Instinkt ist das Judentutum nie und. n i rgends entgangen und wird es nur auf eigener Scholle entgehen! Das Finzel-Individuum mag durch knechtseiige Selbstentäußerung, äußerlich gleichgiltige,, -innerlich zermalmende Prostitution des „Ich“ an „die anderen“ für ■ die Kindeskinder den Tod der Vergangenheit erkriechen. Ein dummhäßliches Geschäft, .das ein breiweiches, anrüchiges Leben, ein schreckhaftes, gehässiges Sterben und eine frierende Armut der im Weltall gelösten Kraft des Toten einbringt. („Ein Opfer für die Kinder!“ sagen die klebrigen Gesellen, denen eben die Anrüchigkeit des Lebens nicht genug empfindlich ist, die das Sterben in ihrer Feigheit geflissentlich vergessen nnd als „gebildete“ Menschen andie blödeste der blöden Theorien, das „Nichts nach dem Tode“ glauben.) Und nun will ich Dir erzählen, wie die beklagenswerte Schmach in unserem Dorf geschah: Papa hatte die Tochter seines verstorbenen Kutschers als Hilfsmagd ms Haus genommen, mehr aus Mitleid als aus Ueberzeugung. Um die Witwe, eine versoffene, fast blödsinnige Person ein wenig zu. stützen. Das Mädel war 17 Jahre alt, ein Mordsweib, groß, rotbackig und urwüchsig dumm.. . Sie fegte den Staub, aß und sang beständig einschläfernde Melodien. Anders habe ich sie nie gesehn. Im Fasching schleppten sie einige Freundinnen auf irgend eine Dorftanzerei und seit diesem Abend, da sie „in’ Himmel eini’gschaut“, war sie vom Lebenshunger besessen. Sie sang schrill und übermütig, wurde magerer und blaß, jäh, fahrig und weinte zeitweilig ohne jeden Grund. Kaum war 6 Uhr abends stahl sie sich aus dem Haus und flanierte mit Fabriksarbeitern im Wald oder am Kreuzweg herum. Papa schimpfte sie einigemal aus und da begann sie immer jämmerlich zu schreien und bat kniefällig um Vezeihung. Am nächsten Abend kroch sie um 6 wieder längs der Hofmauer wie eine Giftmischerin fort. Anfangs März wurde das Weib unangenehm. Es zeigten sich bereis Merkmale der Schwangerschaft und sie begann bis spät Nachts auszubleiben. Dabei wurde sie furchtbar verstört, bekam Anfälle von Verfolgungswahn und rannte dann immer zu ihrem Stiefbruder, der in der Pfarre Hilfsarbeiter und in der Kirche Ministrant ist. Und fortwährend ging sie beichten. Eines Tages — Montag wars — kam sie in der Nacht nicht nachhaus. Papa ließ zu ihrer Mutter schicken, dann zu dem Ministranten — vergeblich. Es wurde Abend und von dem Mensch keine Spur. Inzwischen hatte sichin den Nest ein Geräune verbreitet, zuerst unter dem Haufen rüstiger Fabriksarbeiter, dann in den Greißlerladen und Fleischhackerständen und die Lausbuben liefen durch die Gassen mit dem Geschrei „Zidy zabili kresfanku!“ Der gute Vater war gar nicht ängstlich, geriet vielmehr in einen redlichen

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