Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 JÜDISCHE ZEITUNG. sonen gerichtet ist, die sich ihres eigenen Volkes schämen und sich einem andern anbiedern wollen. Parteinachrichten. Makkabäer-Feier der zionistischen Korporationen Wiens. Die Vorbereitungen für die Makkabäer- Feier, welche eine der glänzendsten Veranstaltungen im gesellschaftlichen Leben der Wiener Judenschaft zu werden verspricht, sind bereits vollendet. In allen Kreisen gibt sich das lebhafteste luteresse für den Abend kund. Mit Rücksicht darauf, daß das Reinerträgnis der Feier dem jüdischen Nationalfond und dem jüdischen Studentenheim in Wien gewidmet ist, ist zu erwarten, daß kein Jude, der Herz und Sinn für sein Volk und die Zukunft der jüdischen Jugend hat, an diesem Abend fehlen wird. Wie bereits mitgeteilt wurde, hält Herr Reichsratsabgeordneter Dozent Dr. Arthur Mahler die Festrede, für die Akademie haben Fräulein Helene Oberländer (Wiener Volksoper), Herr Georg Reimers (Hofburgtheater) und Herr Josef Schwarz (Hofoper) ihre Mitwirkung zugesagt. Außerdem wird ein jüdischer Männerchor einige Chöre zu Gehör bringen. Die Zentrale des Kartenverkaufes befindet sich im Zionistischen Bureau, IX., Türkenstraße 9,Telephon- Nr. 14199; außerdem sind Karten erhältlich im Cafe Gartenbau, I., Parkring, Cafe Louvre, I., Wipplingerstraße, Cafe Marienbrücke, I., Rotenturmstraße, Cafe Mariahilf, VII., Mariahilferstraße, Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse, sowie nach Maßgabe des Vorrates an der Abendkassa der Sofiensäle. Die verehrten Komiteedamen und Gg., welche Karten zum Verkauf iiberommen haben, werden höflichstersucht,dieselben bis längstens 27. November im zionistischen Bureau zu verrechnen. Mitteilung des Bureaus des IX. Zionistenkongresses. Wir bitten alle Landmannschaften, Fraktionen und Institutionen, die am Sonnabend den 25. Dezember Sitzungen abzuhalten gedenken, uns davon umgehend unter Angabe der ungefähren Teilnehmerzahl Mitteilung zu machen, damit für Sie ein entsprechender Raum reserviert werden kann. Wir ersuchen die Delegierten und Gäste nochmals dringend, möglichst umgehend ihre Wohnungsbestellungen unter Benützung der wiederholt veröffentlichten Formulare an uns gelangen zu lassen. In den Tagen vor dem Kongreß werden wir einen ständigen Bahnhofsdienst auf dem Hauptbahnhof Hamburg einrichten, worüber noch nähere Mitteilungen erfolgen. Da aber wegen der Weihnachtstage ein sehr starker Reiseverkehr zu erwarten ist, so liegt es im Interesse jedes Ankommenden, auf jeden Fall schon vorher sich ein Zimmer zu sichern und über die Lage seines Hotels orientiert zu sein. Der Vortrag von Max Nordau über „Die Juden im XIX. und XX. Jahrhundert“ wird am Mittwoch den 29. Dezember abends 9 Uhr im großen Saal des Conventgartens stattfinden. Am Sonntag den 26. Dezember, pünktlich abends 8 Uhr, findet das Schauturnen des Verbandes jüdischer Turnvereine in der Ernst-Merckhalle des Zoologischen Gartens (Eingang Tiergartenstraße) statt. Die Delegierteu des Zionisten-Kongresses als Ehrengäste haben auf Grund ihrer Delegiertenkarte ohne weiteres Zutritt. Außerdem werden unentgeltlich Eintrittskarten in größerer Menge abgegeben. Bestellungen auf Karten wolle man rechtzeitig an das Kongreß-Bureau unter Angabe von Namen undAresse richten. Vom 20./12. ab können Karten an den Schaltern des Kongresses, Eckernförderstraße 42, entgegengenommen werden. Nach dem Schauturnen findet für die Turner, deren Angehörgie und einige Gäste ein gemütlicher Kommers in einem Saal des „Zoologischen-Gartens“ statt. Kongreßwahlen. Stanislau (Orig.-Korr.). Unser Distrikt zählt zirka 2000 wahlberechtigte Schekelzahler. Die Wahlen der Kongreßdelegierten sind bereits überall vorgenommen worden. Die bisher gemeldeten Wahlergebnisse: Stanislau I: Dr. Samuel Schurr (Delegierter), Meier Henisch (Ersatzmann); Stanislau II: Dr. Anselm H a i p e r n (Delegierter); Stryj-Kalusz: Dr. David S p i n d e 1-Kalusz (Delegierter), Dr. Rubin Jonas- Stanislau (Ersatzmann); Kossöw - Horodenka: Hermann Tropp (Delegierter), Dr. Hille! Sußmann- Stanislau (Ersatzmann); Drohohycz: Dr. Moritz Pachtmann. Drohobycz (Delegierter); Nadwörna-Gwozdziec-Solotwina: Dr. Alexander Rittermann - Stanislau (Delegierter), Jakob Lauf er-Stanislau (Ersatzmann). Die Beteiligung an den Wahlen war eine sehr starke und lebhafte und betrug durchschnittlich 75°/» der Wahlberechtigten. m. n. * * * Budapest. Der bevorstehende IX. Kongreß hat in den gesinnungsgenösslschen Kreisen begreifliches Interesse hervorgerufen. Die Delegiertenwahlen für den Kongreß ergaben folgendes Resultat: Rabb. Dr. Hermann Abrahamsohn (Siebenbürgen), Direktor Wilhem Klein (Nordostungarn), Prof. Armin B o k o r (Südostungarn), Ing. Moses Bisseliches (Budapest I), Dr. Bela Oesterreicher (Budapest II), Dr. Ludwig Dömeny (Westungarn), Redakteur Leopold Lebowitsch (Nyitra), Dr. Ludwig Grün (Kassa). — Im Wahlbezirke Eperjes hat eine Stichwahl zwischen den Kandidaten Dr. Ferbstein und Bärkänv zu erfolgen. Außerdem steht noch das Ergebnis des Poszonyer Wahlbezirkes aus, doch dürfte die Wahl des Gg. Samuel Bettelheim als gesichert erscheinen. * ❖ * Von den Poale-Zionisten wurden zu Delegierten gewählt: In Lemberg Dr. Max Rosenfeld, in Stanislau Alexander Bar sch ach, in Drohobycz Eleazar Rosenblatt, in Czernowitz. Leib Steinmetz und in Przemysl erhält ein Parteigenosse aus Palästina das Mandat. Dr. Glücker, Lemberg, erhält ein Mandat in Amerika. * « * Informationsbureau für Palästina in Amerika. Die Federation of American Zionists ersucht uns bekanntzugeben, daß sie ein I nformationsbureau für Palästina eröffnet hat. Das Bureau ist eine Abteilung der Federation of American Zionists. Adresse: Federation of American Zionists 200 E. Broadway, New York America for Information Bureau. Das russische Zentralkomitee und die zionistischen Fragen. Das Zentralkomitee der Zionisten Rußlands versendet ein Zirkular über die aktuellen Fragen im Zionismus, das wir nachstend auszugsweise wiedergeben. 1. Charakter der Bewegung. Der Beginn der konstitutionellen Aera in der Türkei rief in zahlreichen zionistischen Kreisen einen nie dagewesenen Aufschwung hervor und jene begeisterte Stimmung, welche gewöhnlich mit großen ergreifenden Ereignissen und Handlungen Hand in Hand gehen. Es schien, als ob eine Grundreform der ganzen Verfassung des türkischen Lebens stattfinden würde, als ob grundlegende Reformen der agrarischen und ökonomischen Gesetzgebung eingeführt werden, und als ob die Vervollkommung der alten Mittel der ökonomischen und kulturellen Eroberung des Landes unserer Bestrebungen sowie die Schaffung neuer mächtiger Mittel ermöglicht worden seien. Ein Jahr ist in dieser Erwartung und in Vorbereitungsarbeiten verflossen, aber die Hoffnungen gingen nicht in Erfüllung, die erwarteten, günstigen Bedingungen einer weiten Seite 3 Tätigkeit würden nicht geschaffen. Mehr noch, es trat in der Türkei eine starke zentralistische Stimmung zu Tage, eine argwöhnische Verdächtigung aller Nationatitätsbestrebungen, eine Furcht vor allem, was selbst in weitester Beziehung an Autonomie oder an das Erstreben zu nationaler Selbstbestrebung erinnert. Diese Stimmung mußte natürlich ihren Schatten auf das türkische Judentum werfen, welches zu Anfang mit solchem Enthusiasmus den Zionismus begrüßte. Dabei wirkte auch die langjährige Assimilationsarbeit der Alliance mit und die Folge davon war, daß nur ganz wenige jüdische Kreise der Türkei offen in unsere Reihen eintraten. Deshalb muß vor allem nochmals und in schärfster Weise betont und unterstrichen werden, daß der Zionismus durchaus nicht als Unternehmen dieser oder jener jüdischen Gruppe, sondern als eine Bewegung, als ein historischer Prozeß aufgefaßt werden muß. Der Zionismus stützt sich auf die Selbsttätigkeit des jüdischen Volkes, derselbe ist*durch die Bedingungen des jüdischen Lebens, die Evolution des jüdischen Gedankens hervorgerufen, und die äußeren politischen Konjunkturen können seine Verwirklichungen nur verlangsamen oder beschleunigen. Der IX. Kongreß hat also vor allem die Aufgabe, am klarsten diese Grundidee unserer Bewegung hervorzuheben. Gleichzeitig mit der Ausarbeitung neuer Formen unserer Tätigkeit, welche mehr den neuen Bedingungen entsprechen, sowie mit dem Aufsuchen von besseren Mitteln und Metoden zur Ausnützung des gegenwärtigen Momentes und aller in Palästina sich bietenden Möglichkeiten, wird der Kongreß von neuem die Unabhängigkeit der Grundbestrebungen unserer Bewegung von äußeren politischen Bedingungen oder äußeren Konjunkturen zu betonen haben. Und das wird die Antwort sein auf alle in letzter Zeit aufgetretenen Befürchtigungen, denn unüberwindlich ist die Kraft derjenigen Bewegung, welche ihr Ziel mit einer unbeugsamen Beharrlichkeit und unabänderlichem Bewußtsein verfolgt. 2. Die Veränderung des Programms. Infolge der türkischen Umwälzung trat die ebenso scharfe als delikate Frage der Revision und eventuelle Abänderung des Basel’schen Programms hervor. Von vielen Seiten wird die energische Forderung der Abänderung einiger Punkte unseres Programmes laut, aber die Plenarsitzung des Zentralkomitees und nachträglich auch die letzte Sitzung des großen AK sprach sich entschieden für die Unabänderlichkeit des Programms, die ein Heiligtum der Bewegung geworden ist, aus. Unserer Meinung nach mag selbst auf die radikalste Weise unsere Taktik verändert werden, es kann auch zu dieser oder jener Veränderung in den Formen unserer Institute kommen, aber nur mit äusserster Vorsicht soll man an eine Abänderung unseres Programms schreiten. Das Programm ist und bleibt die Formulierung der Bestrebungen und des Zieles der Bewegung und kann an nichts angepaßt werden, außer an das evolutionierende Verständnis und Bewußtsein der Bewegung. 3. Das politische Moment. Sollte der IX. Kongreß sich mit der Frage der Abänderung des Programms beschäftigen, so wird er höchstwahrscheinlich sich auf diesen negativen Standpunkt stellen. Aber das Aufstellen dieser Hauptfrage an und für sich und abhängig von den resultierenden Beschlüssen ist von großer Tragweite. Es ist über jeden Zweifel erhaben, daß die Formulierung des Zieles und des Programmes der Bewegung nur mit vollstem Bewußtsein der ungeheuren Verantwortung vorgenommen werden kann. Auf Grund dessen hat auch die letzte Plenar-