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Jüdische Zeitung · 1909-11-19 · 47 (19.11.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 JÜDISCHE ZEITUNG. Nisselowitsch hat getreu seiner Ueberzeugung gehandelt und hat sich von seinem Wege nicht abbringen lassen, trotzdem er es dank seiner in russischen Staatsdiensten wiederholt erprobten und belobten Fähigkeiten als Assimilant gewiß weit bringen könnte in Ehren und Würden und trotzdem erden größten Widerstand gerade bei den anderen jüdischen Abgeordneten in der Duma gefunden hat. Seine richtige Politik hat Nisselowitsch manchen Erfolg gebracht. Durch seine ruhige, sachliche und kaltblütige Art, die Judenfrage zu behandeln, hat er die widerstrebende Duma gezwungen, seine Ausführungen anzuhören und mehrmals in jüdischen Fingen vorurteilslos zu entscheiden. Es ist selbstverständlich, daß der einzelne Mann in der kurzen Zeit der bisherigen Dumatagungen keine Wunder wirken konnte. Immerhin ist sein Auftreten ein bahnbrechendes für die jüdische Politik Rußlands zu nennen. Gerade weil er sich nicht als Jüdischnationaler bekennt, ist seine Haltung in der Judenfrage so aufsehenerregend und damit wirkungsvoll. Nissclowitschs klare politische Logik ist zwingend. Er denkt seine Gedanken zu Ende und verlangt am Schlüsse seines Berichtes eine politische Organisation derjuden, darin allein liegt die Rettung, „nicht etwa in der Auflösung unserer spezifischen Interessen in irgend einer nicht üblichen Organisation, wäre es auch eine ganzfortschrittlich e“. Den Zionisten Rußlands sagt Nisselowitsch nichts Neues. Aber daß es ein Nichtzionist und praktischer Politiker sagt, darin liegt die Bedeutung. Möge der Optimismus Nisselowitschs in der dritten Duma etwas für die Juden erreichen zu können, berechtigt sein oder nicht, sein Bericht wird jedenfalls nach innen, auf die Judenschaft Rußlands selbst, mächtig einwirken und ihre politische Organisierung fördern. Wir wünschen, daß auch in Oesterreich der Bericht des Abg. Nisselowitsch von unseren assimilatorischen Politikern recht fleißig gelesen würde. Herders Konversations-Lexikon. Der Besitz eines zuverlässigen Nachschlagewerkes ist nachgerade für jeden Gebildeten und nach Bildung strebenden unerläßlich geworden. Es war indes in weiteren Kreisen längst als dringendes Bedürfnis empfunden worden, ein Lexikon zu erhalten, das den Anspruch auf Vollständigkeit machen kann, ohne in die Schwerfälligkeit von bändereichen Enzyklopädien zu verfallen, andererseits die Lückenhaftigkeit der „kleinen“ Lexika zu vermeiden, die begreiflicherweise häufig versagen. Dem neuen „Herder“ ist das schwierige Problem in ganz vortrefflicher Weise gelungen,, indem er Veraltetes ausgeschieden und die Darstellung in die knappste, doch leichtverständliche Form gegossen hat. So hat „Herder“ von allen Seiten volle Anerkennung gefunden und viele Tausende schöpfen bereits aus ihm Rat und Fortbildung. Die Ausstattung ist höchst lobenswert: sehr viele Textbilder, schöne Tafeln, ausgezeichnete Karten. Aus dem jüdischen Leben. Ein jüdischer Antisemit. Aus B ö b r k a wird uns geschrieben: In unserem Städtchen lebt ein gewisser Holländer, der es den nationalen Juden nicht vergessen kann, daß sie bei der letzten Ergänzungswahl zum Reichsrate für unseren Kandidaten Gg. Dr. Z i p p e r gestimmt haben. Holländer glaubt ein galizischer Starosta zu sein und verfolgt unsere wackeren Anhänger mit einer Wut und Gehässigkeit, die einem Antisemiten Ehre machen könnte. In ihrer Bedrängnis wandten sich die Verfolgten an das Z.-K. in Lemberg um Hilfe. Daraufhin begab sich der Vizepräsident des Z.-K., Gg. Dr. Michael Ringel, nach Böbrka, wo er am 13. d. in einer Volksversammlung sprach. Es wurde beschlossen, die nötigen Maßregeln zu ergreifen, um dem Holländer das Handwerk zu legen. Außerdem wurde das Z.-K. ersucht, ein Rechtsschutzbureau ins Leben zu rufen. m. n. * * * a. k. Lemberger Kahal und 15 Kultussteuerzahler. Aus Lemberg, 16. d., wird uns berichtet: Eine galizische Kultusgemeinde ist es nicht gewöhnt, daß man sich freiwillig als Steuerzahler meldet. Sie kann nicht begreifen, daß es pflichtbewußte Juden in der Kultusgemeinde geben kann, die nicht warten, bis man sie zum Eintritt auffordert, sondern die freiwillig das Ersuchen stellen, in den Kultusgemeindeverband aufgenommen zu werden. Deshalb war der Vorstand der Lemberger Kultusgemeinde ganz überrascht, als er 15 Gesuche von Lemberger Zionisten erhielt, welche um Aufnahme in die Liste der Steuerzahler ersuchten. Der Kultuspräsident lehnte das Ansuchen der 15 Pflichtbewußten ab. Er tat das im Hinblicke auf die bevorstehenden Kultuswahlen. 15 Malkontenten, Zionisten, 5CIIC i Oppositionelle — das könnte gefährlich werden, das vermindert die Siegeschancen. Aber es gibt in Oesterreich noch einen Instanzenweg, der zwar nicht immer zum Ziele führt, namentlich wenn gegen die Entscheidung einer Behörde Beschwerde ergriffen wird, in der „Hausjuden“ die Macht haben, aber von dem wenigstens in diesem Falle Gerechtigkeit zu erwarten ist. Und den Instanzenweg werden die Fünfzehn betreten, um selbst gegen einen galizischen Kahal ihr gutes Recht zu erkämpfen. * * * Eine gebührende Zurechtweisung. Aus Graz, 8. d. wird uns geschrieben: In der am vorletzten Samstag abgehaltenen Sitzung des gemeinderätlichen Theaterausschusscs der Stadt Graz kam es zu einem heftigen Auftritt zwischen dem sozialdemokratischen Gemeinderat Dr. Schacherl (einem konfessionslosen Juden) und dem Theater-Direktor Hagin. In der Debatte rief Direktor Hagin erregt, er habe geglaubt, es mit einer anständigen Gemeindevertretung zu tun zu haben und sagte unter anderem, wenn er mit einem jüdischen Hausherrn einen Vertrag abschließe, so müsse er wissen, wie er sich und daß er sich vorzusehen habe. Eine gleiche Vorsicht sei aber doch bei einer Gemeinde nicht nötig. Das Bekanntwerden dieses Vorfalles hatte großes Aufsehen im Gefolge und wurde von sämtlichen Tagesblättern auf das eifrigste diskutiert. Es bemächtigte sich der Grazer Juden eine große Erregung, doch konnte sich die israelitische Kultusgemeinde zu einem Vorgehen in dieser Angelegenheit nicht aufschwingen, sondern erkannte richtig, daß die berufenen Verteidiger jüdischer Ehre unter den Zionisten zu finden sind. Eine Abordnung, bestehend aus den Vertretern der jüd.-akad. Verbindung „Charitas“ und des jüdischen Turnvereines begab sich unter Führung des Obmannes des Zionvereins zum Theaterdirektor Hagin und forderte energische Genugtuung. Direktor Hagin gab eine umfassende Erklärung ab und versprach, diese Erklärung auch in sämtlichen Tagesblättern zu veröffentlichen. %--■ .. . . ACHTUNG! Die nächsten Veranstaltungen u. Vorträge : Samstag, 20. November, 8 Uhr abends, 1L, Stephaniestraße 2: Die Poale-zion. Weltkonferenz (Kohnberger, Poale Zion.) Samstag, 20. November, 7 Uhr abends, II., Stephaniestraße 2: Die gesellschaftlichen Verhältnisse in Palästina (A. B. Rosenstein, Hebräischer Konversationsklub.) Dienstag, 23. November, 8 Uhr abends, IX., Türkenstraße 9: Geschichte d. Kultuswahlbewegung (Dr. Egon Zweig, Zion. Zentralverein.) : Mittwoch, 1. Dezember, Sophiensaal:! Große Makkabäerfeier. Liste der Ueberläufer. (Vom 10. bis 17. November 1909.) Ludwig Hartmann, 18S9, Wien, ledig, Kellner, V. Schönbrunnerstr. 110. Erna Seifert. 1892, Wien, ledig, Private, VIII. Wickenburgg. 24. Eugenie, geb. Fand, Gerbel, 1882, Wien, verh., Privatbeamtensgattin, III. Radetzkystr. 1. Dr. Heinrich Moser. 1879, Freiberg (Mähren), Sekundararzt, XVIII. Semperstr. 48. Hermine Rauch, 1891, Wien, ledig, Studentin, VII. Burgg. 100 a. Hugo Wessely, 1878, Wien, ledig, Photograph, VII. Lerchenfelderstr. 145. Elise, geb. Spitzer, Preuß, 1882, Wien, k. k. Rechnungsoffiziersgattin, VII. Siebensterng. 29. Eduard Lederer, 1883, Kassel, ledig, Ingenieur, I. Singerstr. 3. Deszö Kappel, 1884, Großwardein, ledig, Kaufmann, VIII. Lerchenfelderstr. 32. Emil Löwy, 1865, Wien, ledig, Kaufmann, VI. Stumperg. 47. Antonia Anna, geb. Reiger, Weber, 1875, Teschen, verwitwet, Geschäftsinhaberin, III. Hauptstr. 63. Ilona, geb. Singer, Eisenmann, 1879, Veszprim, verh., Molkereidirektorsgattin, IV. Wiedener Gürtel 8. Emil Moritz Weiß, 1885, Sopron, ledig, Ingenieur, IV. Hauptstr. 39. Hugo Weiß, 1883, Wien, ledig, Hilfsarbeiter, IX. Marktgasse 49. Josefine, geb. Färber, Neumann, 1876, Wien, ger. gesch., Privat, IX. Währingerstr. 52. Dr. Richard Grünblatt, 1876, Wien, ledig, Zahnarzt, 1. Lichtenfelsg. 7. An unsere Leser! Die Landtagsrede unseres Gg. Dr. Benno Straucher, die er anläßlich der Landtagswahlreform im Bukowinaer Landtage gehalten hat, geht dieser Tage unseren Abonnenten per P o s t s e p a r a t zu, da sie aus technischen Gründen dem Blatte nicht beigelegt werden konnte. Wir ersuchen unsere Gg. Gg. diese Rede, welche sich ausgezeichnet zur Agitation eignet, zu verbreiten. _ Vereinsu.Versammlungs- Nachrichten. Wien. Samstag den 27. Nov. 7 Uhr spricht im Vereinslokal der Vereinigung zion. Hochschüler „Judaea“, VIII., Florianigasse 5a HerrDr. Viktor Stern über „Grundlehren des Marxismus (materialistische Geschichtsauffassung, wissenschaftlicher Sozialismus, Kritik der Oekonomie.)“ anschließend Diskussion. Gäste willkommen! — Freitag, den 19. Nov., um halb 1 Uhr findet die Promotion desBb. OttoSchönbrunn zum Doktor der Philosophie statt. Wien. (Verein der Sabbatfreunde „Schomre Schabbos“.) Der Verein der „Sabbatfreunde“ eröffnet seinen diesjährigen Vortrags-Zyklus am Dienstag den 23. November 1909, halb 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel Kontinental (Eingang II., Taborstraße 8) mit einer Vorlesung Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiner Dr. M. G ü d em a n n, der „Ueber den Sabbat“ sprechen wird. Gäste, auch Damen herzlichst willkommen. Wien. Das Lokal des „Jüdisch-akademischen Philosophen Vereines“ befindet sich ab 15. November IX, Hahngasse 15. Teplitz-Schönau. Am Samstag den 20. Nov. findet im „Hotel Europe“ der Kongreßwahlabend statt. Es werden die Kongreßkandidaten sprechen und die Wahlen vollzogen. Die diesjährige Makkabäerfeier wird am 12. Dezember in den „Lindenhof- Sälen“veranstaltet. In unserem Vereine herrscht nach wie vor reges Leben, das Interesse an der zionistischen Arbeit ist in weiten Kreisen lebendig, die Fortschritte, welche die Verbreitung unserer Idee macht, sind deutlich sichtbar. Prag. (Poale Zion). Die Mädchenorganisation veranstaltet am 4. Dezember 1909 im Grand- Restaurant „Heine“ einen Untcrhaltungsabend mit anschließendem Tanze. Damenreklamationen zu richten an Frl. Olga Bondy, Prag I., Langegasse 4, A. Goldschmied t, Prag I., Langegasse 33. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle XX., Othmargasse 46). Samstag den 13. d. M. fand in der Toynbee-Halle ein Konzertabend statt, der den Mitwirkenden wohlverdienten Beifall brachte. Das geschmackvoll gewählte Programm wurde von den Damen: Fr. Heller und Frl. Kirchhofer (Gesang), Frl. Wodniansky (Klavier) und den Herren: Adolphe Wiener (Violine) und M. Ankini (Gesang) bestritten. DasAccompagnement derGesangsvorträge besorgten in dankenswerter Weise Frau Else Freund-Funk und Frl. Ringelheim. Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: S a m s t a g den 20. d. M. Konzert, Arrangement Frau Gesangsmeisterin Else Freund-Funk, Sonntag den 21. Ingenieur Josef Weißmann: „Die Lyrik in der Literatur der ostjüdischen Volkssprache“. Montag den 22. Dr. Heinrich Grün „Medizinisches des Alltagslebens“. Dienstag den 23. Oberl. M. Grünspan, Elternabend. Mittwoch den 24. Prof. Otto Simon. „Zufall und Notwendigkeit“. Don ners tag den 25. Kantor J. Grob. „Jiddisches in Literaratur und Musik“. Freitag den 26. Dr. G. Freudmann. „Bibelvortrag“, Wien. (Verein zion. Hochschiiler „Theodor Herz!“). Der Verein hat seine Seminartäligkeit wieder aufgenommen. In der nächsten Woche finden folgende Vorträge statt: Dienstag, Elias Tisch: Jüdische Propheten (II. Teil). Mittwoch, Jüdischer Abend. Fre'tag, Zionistisches Seminar: (Moses Heß II. Teil). Samstag, Herr A. Loubetzky: Aus jüdischer Literatur. Beginn der Vorträgepräzise V;8 Uhr abends. Gäste herzlichst willkommen. Radautz. Bei der am 7. November 1909 vom Vereine „Dorsche-Zion“ in Radautz abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung wurde der Vereinsausschuß neu gewählt. Bei seiner Konstituierung wurden die Herren: Dr. Leon Luttinger zum Obmann, Chaim Schärf zum Obmann-Stellvertreter, Bert Lehrer zum Kassier, Baruch Schärf und Adolf Schattner zu Schriftführern, Baruch Friedländer zum Haus- und Zeitungsverweser, Josef Margulies zum Bibliothekar, Samuel Hartstein zum Nationaifonds-

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