Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 45 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. .45 Delegierter: Dr. Egon Zweig; Ersatzmann: Dr. Ernst Müller. VI. Wahlkreis: (Zionist. Frauenverein, Misrachi, NessZionah, Verein für die westlichen Bezirke', die meisten Provinzstädte von Nieder-und Oberösterreich). Delegierter: Dr. Leopold Meisei. Ersatzmann: Dr. Hermann Kadisch. VII. Wahlkreis: (Die übrige Provinz). Delegierte: Frau Herma Feuerstein (Graz). Ersatzmann: Karl Schwarz (Graz). DasD.K.fordert säm 11 i ch eSch ek'elzahler, die noch nicht im Besitze des Stimmzettels sein sollten, auf, denselben zu reklamieren. Das Skrutinium findet Samstag, den 6. d. M., um 8 Uhr abeds in den Räumen des D. K. (IX., Türke n s t r a ß e 9) s t a 11. Gesinnungsgenossen ist der Zutritt gestattet. Selbstverständlich können nur diejenigen Stimmzeltel berücksichtigt werden, welche zu Beginn des Skrupfiniums beim D. K. eingelangt sind. » * ■ * Wegen Raummangels mußte der Schluß des Berichtes über die Aktionskomitee-Sitzung Zurückbleiben. Von der Woche. Der jüdische Kataster in der Bukowina. Wir haben im Leitartikel derNr.43 unseres Blattes die Stellung der' führenden Landtagsabgeordneten Dr. Wo 1 czyn ski,Sk e d 1 und Wa ss i 1 k o beleuchtet, die erklärte Anhänger der jüdischen Kurie in der Bukowina sind. Der Vollsiändigkeit wegen sei auch die Ansicht des Führers der Rumänen, Abg. Dr. O n c i u 1 wiedergegeben. Abg. Dr. Onciul, der bekanntlich kein Freund der Juden ist, haf sich einem Wiener Publizisten gegenüber folgendermaßen geäußert: „ich bin ein entschiedener Anhänger des jüdischen Katasters, da ich die Juden als eine selbstständige Nation anerkenne und daher auch den Standpunkt vertrete, daß den Juden, wenn Kataster eingeführt werden, ein eigener jüdischer Kataster gebührt Aber nicht nur unter dem Gesichtspunkte der Juden sondern auch der übrigen Völkerhalte ich den jüdischen Kataster für wünschenswert, da die Juden von den anderen Völkern als Fremdkörper gefühlt werden und somit alle Assimilationsbestrebungen nur den Antisemitismus züchten. Nur die nationale Abgrenzung, sowie die nationale Autonomie, verbunden mit der Aufhebung des Dualismus kann den Frieden in der Habsburgerjnonarchie herbeiführen. Die Beschlüsse des Bukowinaer Landtages, die Wahlreform betreffend, atmeten diesen Geist und waren daher sehr erfreulich. Bedauernswert ist nur die Haltung der Regierung, die .unter dem Drucke der „Neuen Freien Presse“ die Anerkennung der Juden als Nation und den jüdischen Kataster ablebnte.“ * * *. Vortrag Dr. Heinrich Löwe. Das große Interesse, das man dem angekündigten Vortrage des königlichen Biblothekars, Herrn Dr. Heinrich Löwe, über „Das Land Israel“ entgegengebracht hatte und das sich in einem Massenbesuch bekundete, war wohl begründet. Das.Wiener zionistische Auditorium hat wohl selten soviel Anregung und Erhebung geschöpft, wie an diesem Abende. Dr. Löwe führte uns zunächst an der Hand von trefflichen Lichtbildern durch das klassische Land unserer unvergänglichen Altertümer, um dann seine Hörer in das köstliche Gebiet des neuaufsprießenden jüdischen Lebens, in die Gefielde von Sichron Jakob und der anderen jüdischen Kolonien zu geleiten. Dieser ausgezeichnete Mann führt mit starker Hand und der Gleichgültigste muß ihm folgen. Aus seiner Rede wiederhallt die lauterste Liebe zum Zionismus und zum heiligen Lande. Beifall beleidigt ihn und er sucht alles so zu sagen, wie es in ihm lebt Darum ist auch die Wirkung so stark und unmittelbar. Der „zionistische Zentralverein“ hat sich mit dieser Veranstaltung ein großes Verdienst erworben. Vorträge des Pitof. Dr. Eisler über „Jüdische Kunst“. : Aus Troppau wird uns geschrieben: Vor einem, äußerst zahlreichen, .den besten Kreisen unserer Gemeinde angehörigen Auditorium, fand Sonntag den 24. d. M. der Vortrag, des Herrn Prof. Dr. Eisler au§ Iglau statt. Ein Lokalkomitee, in dem der Kultusvorstand durch seine beiden Vorsteher, die Herren Dr. Sonnenschein und Dr. Wolf vertreten war, hatte den Abend vorbereitet, der einen sehr interessanten Verlauf nahm. Durch' eine Serie, mit Hilfe ein,es Skioptikons sehr scharf wiedergegebener, künstlerisch vollendeter Reproduktionen alter und nejier Meister erläuterte der Vortragende zunächst .das Wesen der Kunst im allgemeinen und fremder Künstler im jüdischen Stoffkreise, um sodann, den Meister der Malerei, den Künstler Israels, zu würdigen, ln formschöner, bilderreicher Sprache legte Dr. Eisler seine eigene, von tiefem Kunstempfinden diktierte Auffassung des in Holland heimischen, aber in seinem ganzen Wesen in unserem jüdischen Volke wurzelnden Malerfürsten dar, um rrjit dem verheißungsvollen Ausblick zu schließen, den die Förderung und Pflege der jüdischen Kunst und Künstler in Zukunft für das ganze Volk zu. bedeuten hat. ';* * * In Wien hielt (Herr Prof. Dr. Max Eisler am 31. v. M. im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines vor-1 einem zahlreichen Auditorium den gleichen Vorträg mit großem Erfolge. Der Abend war von der jüd.-akad. Verbindung „Makkabäa“ veranstaltpt. * * Ein „theoretischer“ Gegner der jüdischen Kurie. Anläßlich der lebhaften Diskussion für und wider eine eigene jüdische Wahlkurie in der Bukowina ergriff auch ein „objektiver“ Beurteiler der Verhältnisse, der Bruder des verstorbenen Reichsratsabgeordneten Byk, der Oberstabsarzt Dr. Oswald Byk, in Blochs Wochenschrift das Wort. Von den vielen angeführten ^Gründen“ des Dr. Byk gegen den Kataster, die allesamt aus der Rumpelkammer verblendeter Assimilationslogik geholt sind und daher nach Moder riechen, sei folgender erwähnt. Dn Byk meint, daß def. Kaiaster für die Juden schädlich sei und führt als Beweis an, daß in Brody der Abg. Stand nur mit Hilfe, der Ruthenen] gewählt wurde und daß Dr. Salz in Stryj gegen den Sozialdemokraten Mora-cz e ws ki unterlegen ist. Zur Widerlegung dieses; haarsträubenden Unsinns führen wir die trefflichen. Bemerkungen an, welche „Die Wahrheit“ vom 22. Oktober d. J. hiezu gemacht hat: „Ja, weiß denn Herr Oberstabsarzt Byk nicht, daß in Galizien der nationale Kataster nicht existiert? Weiß er nicht, daßjjnan dort mit Zustimmung Dr. Emil Byks nur ein paar sogenannte jüdische Wahlbezirke kreierte, aher dafür, weil es der göttliche Polenklub wollte, von vornherein sorgte, sie den Juden bei der erstbesten Gelegenheit entreißen zu können? Ich nehme; an,.daß er es weiß —’ sicherlich aber der Herausgeber der Wochenschrift — und dann begeht er eine bewußte Konfusion. Denn ist ein Volk national katastriert, so können die ihm zugewiesenen Mandate nie. in fremde Hände geraten und nur die sogenannten abgegrenzteh Wahlbezirke, für die der. selige Abgeordnete Doktor Byk mit seiner ganzen Sippe eintrat, konnten Resultate wie Stryj zeitigen. Und wenn Dr. Byk schreibt: „Aus diesen beiden Fällen ist zu ersehen, daß selbst rein jüdische Wahlbezirke den Juden nicht gesichert sind, wenn sie nicht als. solche geschlossen, sondern als Parteigänger verschiedener Richtungen stimmen“, so müßte rein gewöhnlicher Mensch mit normaler Logik den Schluß ziehen: ergo sind die sogenannten territorialen Wahlkreise nur ein Köder, ergo sind sie eigens dazu da, um die Juden für immer zu Heloten zu stempeln, ergo gibt es kein anderes Mittel, als die exterritoriale Katastrierung. So, sagen wir,. müßte jeder gewöhnliche Sterbliche denken. Aber.nicht ein Oberstabsarzt. Dieser stoppelt nationalen,; Kataster mit Majoritätsbezirken zusammen und sagt: „Was die Schaffung ausschließlich jüdischer Wahlkurien betrifft, so könnte dieselbe natürlich nur in solchen - Wahlbezirken geschehen, in denen die jüdische Wählerschaft sich in der Majorität . befindet“ Nein, Herr Oberstabsarzt! Wenn in einem Lande mit einer- Bevölkerung von JO Millionen fünftausend anderssprachige,-oder andersnationale Menschen; sind und diese Gruppe obendrein > noch :über, dem ganzen Lande zerstreut ist, so kann man für sie-ganz ruhig eine nationale Kurie schaffen, mit;einem Abgeordneten; es , könnten sich noch um dieses Mandat 270. Individuen, die derselben Gruppe angehören müssen, bewerben, aber zuletzt muß doch einer aus dieser Gruppe als Sieger hervorgehen.“ Also! Diese Binsenwahrheiten sieht „Die Wahrheit“, die kein zionistisches Organ ist, ein; Dr. Byk, der den famosen Artikel geschrieben und Dr. Bloch, der ihn bereitwillig veröffentlicht hat, aber sind entweder mit Blindheit geschlagen, oder — sie haben doch „ihre Gründe“. —- .. ~==^=» ACHTUNG! Die nächsten Veranstaltungen u. Vorträge : Samstag, 6. d. M., Hotel Franz- Josefsbahn IX.: Damenkneipe mit Vorträgen und Tanz (Erster Wiener jüdischer Turnverein.) Samstag, 6. d. M.: Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße: Vortrag Sokal „Der Kampf um die jüdische Kurie in der Bukowina,“ („Poale Zion“.) Dienst a g, 9. d. M.. im Saale Türkenstraße 9: Vortrag Dr. Isidor Margulies Präsident des westösterr. Z.-K. „Der nächste Kongreß“. (Zionistischer Zentralverein.) Mittwoch, 10. d. M., Cafe Concordia, I., Concordiaplatz: . Vortrag Dr. Meisel „Bodenreform“ („Ness Zionah“). Samstag, 13. d. M., Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße: Vortrag J. Loubetzky über „Berdiczewsky“ (Hebräischer Konversationsklub). Donnerstag, 11. d. M., Hotel.Franz- . Josefsbahn IX.: Vorveranstaltung zur Makkabäerfeier: Komiteeabend mit Tanz. Mittwoch, 1. Dezember, Sophiensaal: Große Makabäerfeier. Aus dem jüdischen Leben. „Wundertaten“ eines Wunderrabbi. Aus Wiznitz wird uns geschrieben: Der von den Reichsratswahlen sattsam bekannte Wiznitzer Wunderrabbi will jetzt von Wiznitz nach Sniatyn übersiedeln. Zu diesem Zwecke bot ihm der dankbare Reichsratsabgeordhete Moysa freie Wohnung und eine jährliche Rente an. Dies als Lohn des Verrates, den dieser Rabbi zur Zeit der Reichsratswahlen an dem jüdischen Volke begangen hat. Vor seiner Abreise, aber wollte er der Stadt noch einen Denkzettel zurücklassen. Es wurden daher Von seinen Söhnen, den „zukünftigen Wunderrabbis in Israel“ einige bekannte Raufbolde angestiftet, um. unsere Gesinnungsgenossen zu überfallen. Am Samstag den 23. Oktober wurde dieser Plan auch ausgeführt. Dieses Gesindel durchzog angeführt von J. Flescher und Saul Hirsch, zwei bekannten „Persönlichkeiten“ der Wahiklique, die -Stadt und mißhandelten jeden Zionisten. Zwei Gesinnungsgenossen wurden durch Schläge und Püffe derart zugerichtet, daß sie einige Tage das Beit .hüten mußten. Schöne Wundertaten dieses erlauchten „Wunderrabbi“! Die zuständigen Behörden werden auf diese Vorgänge hiemit aufmerksam ge- . macht und gefragt, welche Schritte sie zu unternehmen gedenken, um die Schuldigen gebührend zu bestrafen. * * * Ein jüdischer Premierminister. . Man schreibt dem „Neuen Pester Journal“: Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Italien hatten schon jüdische Minister, aber Dänemark ist das erste Land der Welt,in dem wiede