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Jüdische Zeitung · 1909-11-05 · 45 (5.11.1909) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45?_.. __ri-.-.iiohA_. ■^n»ii .»■— .’■*■ 1 ■■■■■■ ■■» 1 —r nt*» fr; M;.:Vibr?wi .? - * Morris'RosenfeldTAbend, und eine große Agitations- Versammlung sowie die Vorträge Saltens, Bubers und Trietschs des Vereins Bar Kochba erwähnt. Ueberall herrscht Arbeitsfreude, Zuversicht und Begeisterung.' Das D. K. bittet um das Absoliitorium. Herr M. Löwy erstattete den Kassa- und Nationalfondsbericht. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich die Herren Steiner, Lebenhard, Dr. 1r e u n d, G o 1 d s t e i n und Dr. Singer. Zum Präsidenten der zionistischen Organisation in Böhmen wird einstimmig, unter lebhafter Beifallskundgebung der Versammlung, Herr Dr. Emil M a r g u 1 i e s, Advokat in Prag, gewählt. In das D. K. werden die Herren Anton Glaser, Fabrikant, Dr. Kohn, Zahnarzt, M. Löwy, Kaufmann, Dr. L. Singer, Advokat, Hugo S1 o n i t z, Ingenieur, Emil Wehle, Kaufmann, entsendet. Dem westösterreichischen Parteitag werden in das westösterr. Zentralkomitee vorgeschlagen : Ernst Bechert, Dr. Gustav Kuh, Dr. L. Singer, Dr. R a p p a p o r t, Ludw. Steiner. ln das Ä. C. wird für B ö h m e n der österr. Landsmannschaft vom Distriktstag Herr Dr. Emil M a r g u 1 i e s vorgeschlagen, dabei aber auch der Wunsch ausgesprochen, die Delegierten Böhmens mögen sich für die Entsendung des nicht mehr in Böhmen domilizierenden Herrn Reichsrats-Abg. Gg. Dr. Mahler ins A. C. auf den Kongres bemühen. Herr Dr. Emil Margulies' entwickelt hierauf sein Programm. Es sei vor allem die organisatorische Zusammenfassung und Kräftigung der böhmischen Zionisten anzustreben. Jeder einzelne, jeder Verein müsse sich als lebendiges Glied des Ganzen fühlen. Denn der Zionismus sei keine Vereinssache,-sondern eine Weltanschauung. Der Zionismus brauche eine starke Organisation, die nach außen immer ein geschlossener Körper sein müsse. Darum müßten alle Einzelglieder die Autorität der Leitung stützen und anerkennen. „Was das Verhältnis zu den Nichtzionisten betrifft, so kennen wir allerdings im „Zionismus“ kein Kompromiß. In Bezug auf die Taktik wollen wir aber nicht mit Knüppeln dreinschlagen, sondern mit Aufrechthaltung unseres großen Programms auf dem gemeinsamen jüdischen Boden mit allen zusammen arbeiten, denen ihr Judentum etwas Lebendes bedeutet.“ In aktuellen Problemen übergehend, betont Dr. Margulies, daß am Basler Programm festgehalten werden müsse (Beifall). Unsere Arbeit in Palästina sei auf die Schaffung jüdischer Majoritäten gerichtet, als Grundlage der nationalen Autonomie mit territorialer Begrenzung innerhalb des türkischen Staates und Rechtes. Redner dankt für die auf ihn gefallene Wahl, dankt aber auch in seinem und im Namen des D. T. dem bisherigen bewährten Obmanne Dr. Kuh und den ausscheidenden D. K. Mitgliedern Prof. Wertheimer und Dr. Ernst Gütig. Hierauf wurde die Tagung geschlossen. Das D. K. konstituierte sich unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Emil Margulies wie folgt: 1. Obmann-Stellvertreter: Dr. Ludwig Singer, 2. Obmann-Stellvertreter: Anton Glaser, Kassier: Emil Wehle, N. F.-Komm. Mor. Löwy, Schriftführer: Ing. Hugo S1 o n i t z, Beisitzer: Dr. M. K o h n. * * * Konferenz der zionistischen Vertrauensmänner Galiziens. (Originalbericht unseres Korrespondenten.) ak. Lemberg. Samstag den 30. Oktober d. J., nachmittags, fand in den Lokalitäten des „Tagblattes“ die vom Z.-K. einberufene Konferenz der zionistischen Vertrauensmänner Galiziens unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten des Z.-K. des Gg. Dr. Michael Ringel statt. An derselben nahmen sämtliche Mitglieder des Zentralkomitees, einige eminente Führer des galizischen Zionismus, Vertreter der vier Distriktskomitees, wie auch Kandidaten, welche sich um Mandate zum IX. Kongreß zu bewerben beabsichtigen, teil. Als Gast war außerdem Gg. Dr. Nemirower aus Jassy (Rumänien), anwesend, welcher auf der Heimreise in Lemberg Aufenthalt genommen hatte. Der Vorsitzende präzisierte in seiner Eröffnungsansprache die der Konferenz vorgelegten Fragen, von welchen sich die wichtigste mit der Stellung der galizischen Delegation zu den Hauptpunkten der Tagesordnung des IX. Kongresses befaßt. JÖ[)l$gH£ ZEITUNG.;V ‘ Die Gg. Dr. Thon (Krakau) als Referent und Dr. Hausmann (Lemberg) als Korreferent beleuchten in ausführlichen und eingehenden Reden alle die zionistische Partei vor dem IX. Kongreß bewegenden'Fragen, wie Revision des Baseler Programms, Aenderung des Organisationsstatuts, Aenderung der Leitung, die politische Lage in der Türkei, Agrarkredit, Siedlungsgenossenschaft nach dem Projekte des Prof. Dr. Oppenheimer u. z. m. und legten ihre diesbezüglichen Thesen vor. Im großen und ganzen sprachen sich die Referenten wie auch die Diskutanten Dr. Memirower (Jassy), Dr. Fe 1 d, Dr. Korkis und J. S. Philip p für einen Status quo ante aus. Das fand auch die Zustimmung aller Konferenzteilnehmer. ■ Das Ergebnis der Vertrauensmännerkonferenz läßt sich ungefähr folgendermaßen zusammenfassen: Die Konferenz sprach sich gegen jedwede Aenderung des Baseler Programms aus. Wohl aber soll auf dem Kongreß mit Nachdruck betont werden, daß die zionistische Bewegung keinerlei gegen die Einheitlichkeit des türkischen Staates gerichteten Bestrebungen verfolge und die Realisierung des zionistischen Endzieles nur im Einklänge mit den türkischen Staatsinteressen folgendermassen erstrebe. Die Konferenz sprach sich weiters gegen den Entwurf des Bodenheimerschen Organisationsstatutes aus, insbesondere gegen den Passus, welcher die Partei auf einzelnen Vereinen, als den Urzeiten unseres Gesamtorganismüs aufbauen möchte, aus. Die Konferenz ist der Meinung, daß die Partei die Schekelzahler als Organisationsbasis beibehalte. Die Konferenz erachtet es als eine vitale Frage des Zionismus, die öffentliche Meinung in der Türkei im Sinne der faktisch vorhandenen Interessengemeinschaft zwischen der Türkei und den Bestrebungen der zionistischen Partei aufzuklären. Die Konferenz gab ihrer Bereitwilligkeit Ausdruck, ein Kolonisationsexperiment nach den Vorschlägen des Gg. Dr. Franz Oppenheimer (Siedlungsgenossenschaft) in Palästina zu unterstützen, betrachtet die Frage einer Agrarkreditbank für derzeit kaum durchführbar, weil die diesbezügliche Gesetzgebung in der Türkei noch keine Sicherheit gewährt, erklärte sich für die Schaffung eines Agrarfonds zur Förderung der Kolonisation und verlangte den weiteren Ausbau der bereits existierenden Finanzinstitution und die Erstrebung von wirtschaftlichen Konzessionen in Palästina. Das galizische Z.-K. wird aufgefordert, die galizische Delegation am IX. Kongreß als eine besondere Landsmannschaft zu organisieren und für die galizische Partei größere Berücksichtigung in der Leitung und der Parteiinstitution zu erwirken. Für die unbemittelten Delegierten aus Galizien solle ein Reisefonds geschaffen werden, um ihnen auf diese Weise die Anteilnahme am Kongreß zu ermöglichen. Jedes D.-K. solle wenigstens für die Reise und Erhaltungsspesen eines Delegierten aufkommen. Ueberdies werde das galizische Z.-K. dafür sorgen, daß alle galizischen Delegierten knapp vor dem Kongresse zu einer Vorberatung in Krakau oder Hamburg Zusammentreffen. * * * Der zionistische Studententag. ak. Lemberg. (Orig.-Korr.) Die Tagesordnung und die näheren Bestimmungen des zionistischen Studententages sind bereits festgesetzt worden. Derselbe fand am 1. November d. J. im Lokale des Vereines „Fad Charuzim“ mit folgender Tagesordnung statt: 1. Begrüßung; 2. Organisation und Presse, Referent Dr. Isidor Schneider; 3. Die Steilung der zionistischen Jugend zu den anderen Nationen, Referent Koll. Adolf Rottfeld; 4. Unsere kulturelle Aufgaben, Referent Koll. Nathan Czaczkes; 5. Die Jugend und die gegenwärtige Lage im Zionismus, Referent Koll. Josef G e r s tm a n n; 6. Die ökonomischen Aufgaben der Jugend, Referent Koll. Moses Frostig. Außerdem wurden tagsvorher anläßlich des Studententages folgende öffentliche, allgemein zugängliche Vorträge gehalten. Gg. Salomon Schiller: „Die jüdische Schuljugend“ und Koll. Isidor Lindenbaum: „Ueber die jüdische Kunst.“ * * * Jüdischer Nationalverein. Gd. Mittwoch den 27. Oktober fand im Cafe Jägerhof eine zahlreich besuchte Agitationsversammlung statt. Der erste Referent, Herr Dr. Kadi sch, beleuchtete zunächst das österreichische Problem. Seite 5 „Wenn Oesterreich wegen seiner vielen Nationalitäten zerfallen müßte, dann müßten auch Rußland und die Türkei zerfallen — aber ein großer Politiker sagte, daß, wenn Oesterreich nicht bestünde, es erst geschaffen werden müßte.“ Er besprach dann die Forderung der jüdischen Kurie in der Bukowina. Durch Einmischen der Assimilanten sei ein Friedenswerk, das fünf Völkerschaften gewünscht haben, zerstört worden. Aber es sei festzuhalten, daß der Minister des Innern anerkannt hat, es gäbe spezielle jüdische Interessen. Er besprach dann den deutschnationalen Rummel in Wien. Der Kampf gegen die Wiener Tschechen sei ein schmutziges Geschäft. Die Christlichsozialen wollen in Deutschböhmea Mandate, deshalb sind sie national geworden. Die „Neue Freie Presse“ hoffte, mit dem Aufrollen der deutschnationalen Frage den Deutschnationalen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine Besserung werde erst eintreten, wenn jede Nationalität das Recht der Eigenverwaltung haben werde, wenn die Landtage und die unsinnigen Delegationen abgeschafft sind und ein richtiges Reichsparlament errichtet ist. Die Juden müssen sich den anderen demokratischen Parteien der anderen Nationen anschließen oder man wird über sie hinweg zu ihrem Schaden die Reichsfrage zu lösen. Oberingenieur Fried besprach zunächst die Wirksamkeit der drei Wiener Abgeordneten, die in jüdischen Wahlkreisen gewählt wurden. Diese Herren sind aus allen deutschen Klubs herausgeworfen worden und jetzt hat jeder sein eigenes Geschäft etabliert. Ofner arbeitet für die Lösung der katholischen Ehe, Hock tür die freie Schule und Kuranda sucht die Bukowinaer Juden zugrunde zu richten. Redner führt aus, daß die Jüdischnationalen für die Versöhnung der Nationen arbeiten und schließt mit einem warmen Appell an die Anwesenden, dem jüdischen Nationalverein beizutreten. Herr Komet spricht für die Solidarität und Organisation der Juden. Er schildert die schauerlichen Zustände beim Kreisgerichte in Suczawa, an welchem Verhältnisse herrschen, die den Dreyfusprozeß in den Schatten stellen. Er fordert den Jüdischen Nationalverein auf, hier einzugreifen. Herr Ing. Löwenbein betont, daß sich die Anzahl unserer zionistischen Abgeordneten vermehren müsse. Ein starker „Jüdischer Klub“ — das sehe man schon an der Wirksamkeit unserer vier Abgeordneten — werde ungemein segensreich wirken. Zum Schlüsse sprach Herr Luzian Brunner. Zunächst richtete er einige Worte an unsere Studentenschaft, die unendlich viel zu lernen und zu wirken habe und mit heiligem Ernst an die Arbeit gehen müsse. Das Vereinsgeckentum dürfe sich nicht weiter verbreiten. Er schildert dann mit bewegten Worten die Vorgänge in Suczawa, die an das dunkelste Mittelalter erinnern. Diese Vorgänge mahnen daran, daß man nicht sorglos in den Tag leben dürfe, daß man unausgesetzt an der Erringung unserer Gleichberechtigung arbeiten müsse. Schließlich beantragt er die Absendung eines Telegrammes an den erkrankten Abg. Breiter, der sich als ein treuer und wohlmeinender Freund der Juden gezeigt habe. Dieser Antrag wurde zum Beschluß erhoben. * * ♦ Kongreßwahlen. Diese Woche finden im innerösterreichischen Distrikt die Kongreßwahlen statt. Es wurden sieben Wahlkreise gebildet und für dieselben auf Grund der erfolgten Anmeldungen nachstehende Kandidaten aufgestellt: I. Wahlkreis: (Zionistischer Zentralverein). Delegierter: Dr. Isidor Margulies. Ersatzmann: Heinrich Lederer. II. Wahlkreis: (Zionistischer Zentralverein). Delegierter: Adolf Böhm. Ersatzmann: Ing. Robert Stricker. III. Wahlkreis: (Kadimah, Makkabäa, Unitas). Delegierter: Dr. Karl Pollak. Ersatzmann: Dr. Viktor Kleinzeller (Triest). IV. Wahlkreis: (Ivria, Judaea, Jung Juda, Nure Jehuda, Zephyra). Delegierter: Dr. Jakob Kohn. Ersatzmann: Dr. Robert Beer. V. Wahlkreis: (AhavathZion,BarGivra,Bar Kochba, Esperanza, Theodor Herzl, Jehuda Halevy).

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