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Jüdische Zeitung · 1909-11-05 · 45 (5.11.1909) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEiTUNG. In der Praxis sind heute mit Ausnahme der östlichen Landsmannschaften, übrigens ohnehin schon alle anderen im wesentlichen' auf Vereine basiert. Aber auch der Vereinsverband stellt noch keine ideale Organisation dar. Alliance, Hilfsverein etc., bringen ihre großen Mittel nur durch Zentralisation auf. Bei uns dagegen hat die Zersplitterung in Einzelvereine zur Folge, daß wir, trotz unserer numerischen Stärke, nie Mittel haben. Wären z. B. die 5000 Schekelzahler Westösterreichs in einem Zentralverein zusammengefaßt, so hätte dieser auf Grund der jetzigen Vereinsbeiträge eine Einnahme von K 20.000, womit er ein Sekretariat, Propagandaschriften etc. bezahlen könnte. Die Lokalagitation würde dadurch nicht nur nicht lahmgelegt, sondern durch die Tätigkeit von Sekretär und Lokalkomitees erst systematisch und damit erfolgreich gestaltet werden können. Die Notwendigkeit der Zentralisation der zionistischen Lokalvereine hat Vorjahren Gg. Natan Groß in unseren Kreisen wiederholt betont. Sie wird gewiß mit der Zeit von allen begriffen und sodann durchgeführt werden. Der Gefahr einer Diktatur seitens der leitenden Funktionäre kann durch organisatorische Bestimmungen und Wahl von Personen, welche das Vertrauen aller verschiedenen Richtungen besitzen, leicht begegnet werden. Die Lokalkomitees, von lästigen und zeitraubenden Administrationsarbeiten befreit, könnten sich dann mehr als heute < ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden. In summa bin ich also der Ansicht, daß der neunte Kongreß, mit Ausnahme der Abschaffung der interterritorialen Föderationen, keine wesentlichen Aenderungen des Organisationsstatutes vornehmen soll, weil die vorgeschlagenen teils zwecklos, teils noch nicht spruchreif sind. Pollak von Parnegg. Die jungen Sprossen dieses uralten Adelsgeschlechtes, lassen sich alle sukzessive taufen. Tief bewegt und schwer betroffen Steht der Dichter wie noch nie: Alle sind davongeloffen Aus der großen Dynastie! Einem tiefgefühlten Triebe Folgte diesmal die Natur, Einem Trieb der Nächstenliebe Und der guten Konjunktur! Großpapa war Mukemgeher, Und Papa macht’ in Detail, Doch er stieg elastisch höher Durch ein seßhaft Hinterteil; Erst ein Loch, ein kleiner Laden, Dann Fabriken hors concours — Schließlich Edelmann von Gnaden Einer guten Konjunktur! Frau Mama ward rasch historisch Durch ihr ge i stiges Ni veäu, Und ihr Gatte ist notorisch Dominus in grem i o; Im Automobilklub — ach! — hatt* Söhnchen ein Malheurchen nur, Aber sonst steht die Mischpachat Noch in guter Konjunktur! Doch — beim tiefem Meditieren —, Edler Gönner Weihbischof, Kann ich Euch nicht gratulieren; (Neu-katholisch: masel-tow 1) Au contraire! Bei'diesen Leuten Sind die Taufen eine Kur Für uns Juden und bedeuten Eine gute Konjunktur! Beda. Parteinachrichten. Makkabäerfeier derWiener Zionisten. Das i.-ö. Distriktskomitee veranstaltet im Namen und rpit tätiger Mitwirkung der zionistischen Korporationen Wiens, am 1.Dezember d. J. im großen Sophiensaale eine Makkabäerfeier. Diese Veranstaltung ist umso mehr zu begrüßen, als sie seit 5 Jahren nicht mehr stattgefunden hat, obwohl sie, wie nicht bald eine zweite, geeignet ist, Gesinnungsgenossen' zu erfreuen und Fernerstehende Uns näher zu bringen. Ueber das Programm etc. werden wir nicht ermangeln -rechtzeitig genauere Berichte zu geben. > Donnerstag, LI. d. M., 8 Uhr abends, findet im Saale des Hotel Franz-Josefsbahn, IX., Nordbergstraße Nr. 4 (gegenüber der Auskunftsseite der Franz-Josefsba'nn), ein Komiteeabend mit Tanz statt. Komiteelokal: IX., Türkenstraße 9, Telephon 14199. * * * Mitteilungen des Informationsbureaus für Palästina und die Türkei. Das letzte Jahr hat uns bewiesen, daß die Emigration nach Palästina immer größere Dimensionen annimmt. Wie erfreulich das auch einerseits ist, so müssen wir doch anderseits mit Bedauern hervorheben, daß die Auswanderung noch ganz planlos vor sich geht. Viele Auswanderer kommen ins Land ohne sich vorher über die Verhältnisse und die Erwerbsmöglichkeiten informiert zu haben. Oft kommen sie, trotz der geringen Mittel, mit ihren Familien hin. Was Wunder, daß solche Leute dann ratlos dastehen und manchmal lange Zeit ohne Beschäftigung bleiben. Um dem für die Zukunft vorzubeugen, ersuchen wir alle die sich nach Palästina begeben wollen, eindringiichst zuvor Informationen: bei uns einzuholen. Im Anschluß, daran veröffentlichen wir folgende Mitteilungen die uns das Haiffa’er Informationsbureau, .über die Erwerbsmöglichkeiten in Palästina zukommen läßt. Es muß aber betont; werden, daß diese Angaben nur allgemein gehalten sind und daß man in den speziellen Fällen immer noch anfragen muß. Die Erwerbsmöglichkeiten in manchen Berufen, ändern sich nämlich, infolge der primitiven Verhältnisse im Lande oft schon; in kurzer Zeit. Nachfolgend die erhaltenen Mitteilungen: 1) Kaufleute welche über 25.000 K und mehr verfügen und womöglich die französische und arabische Sprache verstehen, können im Laufe der Zeit, nachdem sie sich mit den Verhältnissen vertraut gemacht haben, ihr Kapital in den verschiedenen Handelszweigen nutzbringend anlegen.t 2) Kapitalskräftige Leute können verschiedene Industrien mit großem Gewinn betreiben. In erster Reihe kommt hier natürlich die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte in Betracht und es könnten sich Oelpressen, Parfüm- und Konserven-Fabriken besonders gut rentieren. 3) Familien,: die über 12—20.000 K verfügen, können eine selbstsständige Wirtschaft begründen. Empfehlenswert ist es, daß mehrere solche Familien sich vereinigen, da größere Landkomplexe leichter und billiger zu kaufen sind. 4) Junge kräftige Leute ohne Familien, die sich der Landwirtschaft widmen wollen und bescheidene Ansprüche stellen, können in den Kolonien Beschäftigung finden. Wenn sie sich als gute Arbeiter bewähren, haben sie Aussicht mit der Zeit von der I. Ci A. oder einer anderen Gesellschaft kolonisiert werden. (Die obigen Angaben haben insbesondere für Galiläa Geltung, wo eine Ent- Nr. 45 Wickelung mit Riesenschritten yor sich geht). 5) Sehr tüchtige Handwerker, wie Schlosser, Schmiede, Schneider, können insbesondere wenn sie über ein gewisses Kapital verfügen, das ihnen ermöglichen würde, sich mit der Zeit selbständig zu machen, Beschäftigung finden. In Jaffa wo die Gesellschaft „Achuzath- Baith“ die Arbeiten bereits begönnen hat, macht sich ein großer, Mangel an jüdischen Maurern bemerkbar. 6) Handelsangestellte, Agenten, Buchhalter können, insbesondere wen sie arabisch und französisch in Wort und Schrift beherrschen, Arbeit bekommen. 7) Aerzte,die nachher in Konstantinopel die ärztliche Prüfung in der Landessprahe bestanden haben, sowie Ingenieure, die türkische Untertanen werden und die Landessprache beherrschen, werden vom Staate angestellt. 8) Die geeigneteste Zeit, nach Palästina auszuwandern, ist von Ende Cheschwan (Oktober-November) bis Sivan (Mai) da in dieser Zeit die Akklimatisierung leichter ist als in den heißen Sommermonaten. * * * . Der Delegiertentag der zionistischen Distrikte Böhmens. Sonntag den 24. Oktober fand im Festsaale des Jüdischen Rathauses der zionistische Distriktstag für Böhmen statt, ah welchem ungefähr 60 Delegierte von fast 30 Vereinen teilnahmen. Der Distriktstag bewies durch eine in allen Fragen zutage tretende Einstimmigkeit, daß die Entwicklung des zionistischen Gedankens in Böhmen in der letzten Zeit durchaus gesund ■ und das Vertrauen in die Arbeitsfähigkeit und den Arbeitswillen der'Leitung als auch der Vereine unerschütterlich ist. Eine besonbere Ehrung war es für den Distriktstag, daß unser Gesinnungsgenosse Herr J. Ahar o n i, der bekannte Schöpfer und Leiter des Naturhistorisichen Museums des Bezalel in Jerusalem, der seit acht Jahren Palästina so genau wie nur ganz wenige noch kennen gelernt hat, der Tagung 'beiwohnte. Auch Herr R.-Abg. Doz. Dr. Mahler und Gg. Dr. Heinrich Löwe aus Berlin wohnten einem Teile der Verhandlungen'bei. Nachstehend der Bericht: Nach der deutsch tind tschechisch gehaltenen Begrüßungsansprache des Gg. Prof. W e r t h e im er wurde Gg. Ernst Bec h ert zum Vorsitzenden gewählt. Er dankt der Prager Kultusgemeinde für ihr Entgegenkommen.' Herr Ing. S1 o n i t z, ■ Schriftführer des D.-K. erstattet den Geschäftsbericht des abtretenden D.-K. Die Arbeit war infolge der verworrenen nationalen Verhältnisse in Böhmen, infolge des wirtschaftlichen Druckes, der mehr denn je heuer auf der böhmischen Judenschaft lastete, oft. schwierig. Und doch war sie erfolgreich; im tschechischen und im deutschen Sprachgebiete. Es wurde eine die tschechische Oeffentlichkeit über das Wesen des Zionismus aufklärende Broschüre herausgegeben. Im ganzen Lande fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. In den meisten Vereinen herrscht reges jüdisches Leben, die zionistische Studentenschaft entwickelt rieh in jeder Beziehung,, die Nationalfonds- und die Schekelsammlung ist gewaltig gewachsen. Die Zahl der Schekelzahler ist auf über 2200, also um mehr als 60 0 gestiegen, für den NF. allein wurden U.864’80 (gegen ca. 5000 K im Vorjahre), für NF.- und Palästinazwecke im allgemeinen ungefähr 18.000 Kronen gesammelt. In der Provinz wurden die Vorarbeiten zu neuen Vereinen unternommen, in Prag sind eine starke Sektion der Freien Zion-Vereinigung für junge Kaufleute und der neue Studentenverein „Theodor Herzl spolek zidovskych akademikü v Praze“ ins Leben getreten, letzterer besonders dazu bestimmt, die wachsende Zahl der zionistischen Akademiker, deren Umgangssprache tschechisch ist, zu zionistischer Arbeit zu schulen. Herzl- und N o r d a u - Feiern fanden in ganz Böhmen statt, in Prag eine Herzl- Feier der vereinigten zionistischen Organisationen. Die Kultusgemeinden folgten teilweise der Bitte um Spenden für den Nat. Fond. In Prag werden als für unsere Sache bedeutsame Veranstaltungen ein

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