Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 glücklichen Gelegenheit den Präsidenten der Alliance | sein tiefes Kompliment macht. . - Zu dieser zurückhaltenden Bescheidenheit im öffentlichen Leben wurdeer einfach gezwungen, seitdem die Zionisten der Judenschaft seines Wesens tiefinnernsten Kern entdeckt haben. Was Wunder, wenn er auf die bösen Zionisten wütend ist? In Versammlungen darf er sich nicht mehr zeigen, er muß also erdichtete und zusammengelogene Berichte bringen. Dem Zionismus selbst kann er nicht zuleibe, er muß also — zumal er doch Rabbiner und ein gottestürchtiger Mann ist — einzelne Personen, die ihm entweder einmal persönlich die die Wahrheit gesagt haben, oder die dieser glaubensstarke Mann in ihrer Stellung zu treffen wähnt, nach sorgfältiger Auswahl heraussuchen, um an ihnen sein Mütchen zu kühlen. Wir erklären kurz: die von Bloch unserem altbewährten Gesinnungsgenossen Herrn M. Hammer zugedachte Aeußerung, die er in der Kuranda- Versammlung getan haben soll, ist erlogen. Die Gründe, die Bloch bewogen haben, gerade diesen Mann, der unter der Wiener Judenschaft großen Anhang hat, lügenhaft anzugreifen, werden an anderer Stelle aufgedeckt. Ganz unqualifizierbar ist es aber, wenn man aus Parteihaß den Gegner durch erlogene und erstunkene Behauptungen um sein Brot zu bringen sucht. Dies trifft bei dem zweiten von Bloch angefallenen Mann, einem ausgezeichneten, aufopferungsvollen Zionisten, zu. \ Solche Gemeinheiten sind uns natürlich nur willkommen. Sie bestätigen, wie recht die Zionisten daran taten, diesen Mann kalt zu stellen. * * * Gebrandmarkter Wahlschwindel. Mittwoch den 20. d. fand vor dem Obersten Verwaltungsgerichtshofe in Wien die Verhandlung der von Gg. Dr. Israel W a 1 d m a n n und Genossen in Tarnopol gegen eine Entscheidung der Statthalterei in Lemberg in Angelegenheit der vor •drei Jahren stattgefundenen Gemeinderatswahlen eingebrachten Beschwerde statt. Der Beschwerdevertreter Gg. R.-R.-Abg. Dr. Heinrich Gabel führte folgendes aus: Während des Wahlaktes versahen entgegen den Bestimmungen der Gemeindewahlordnung zwei Magistratsbeamte das Schriftführeramt. Außerdem wurde für das annulierte Ersatzmandat des Dr. Demant nur eine Neuwahl für dieses Mandat und nicht, wie es gesetzlich bestimmt ist, für den ganzen Wahlkörper ausgeschrieben Auf Grund dieser Ungesetzlichkeiten wurde gegen die Gültigkeit der Gemeinderatswahlen bei der Lemberger Statthalterei Protest erhoben. Der galizische Statthalter entschied jedoch mit ausdrücklicher Verletzung des Gesetzes, daß die Wahlen gültig seien. Die Beschwerde verlangt nun die Annullierung der Entscheidung des Statthalters und die Anberaumung von Neuwahlen. Der Verwaltungsgerichtshof schloß sich nach längerer Beratung der Forderung des ■Beschwerdevertreters an und verfügte die Annulierung der Statthaltereientscheidung. Infolgedessen wird der Gemeinderat in Tarnopol aufgelöst und in kur- I zer Zeit müssen Neuwahlen ausgeschrieben werden. I Dieser Erfolg der zionistischen Partei in Tarnopol ist auf das lebhafteste zu begrüßen. * ■* * Wahl eines jüdischen Dumadeputierten. Aus Odessa wird geschrieben: In der Ersatzwahl für das durch den Tod des Deputierten Pergament erledigte Odessaer Mandat wurde der jüdische Kandidat Arkadius Efrimowicz B r o d s k i mit 75S gegen 508 Stimmen gewählt. A. E. Brodski ist im Jahre 1863 geboren, absolvierte die Noworossijskier Universität, war dann Mitarbeiter des „Odeßki Wjestnik“ und Advokatursgehilfe des berühmten Verteidigers Mentschikoff. A. E. Brodski ist gegenwärtig einer der bekanntesten Advokaten Rußlands und zeichnete sich mehrfach in großen politischen Prozessen aus. Seiner Parteistellung nach ist er parteiloser Progressist. Offener Brief an Dr. Bloch. Wir erhalten folgende Zuschrift: Herrn Dr. Bloch, Wien! Sie haben in der letzten Nummer Ihres Blattes bei Besprechung der zionistischen Protestversammlung gegen Kuranda mich zum Objekt gemeiner Angriffe gemacht. Daß die mir von Ihnen zugeschriebene Aeußerung entstellt ist, braucht wohl nicht erst betont zu werden; doch halte ich es für zweckentsprechend, die Gründe Ihres gegen mich gerichteten Hasses, die nur in Ihrer persönlichen Rachsucht zu suchen sind, darzulegen. Sie können es nicht verwinden, daß ich, als Sie das Reichsratsmandat in der Leopoldstadt anstrebten, redlich dazu beitrug, die Judenschaft möglichst rasch von dieser Kandidatur zu befreien. Sie können es nicht verwinden, daß ich nach dem letzten Kultusgemeindetag Ihnen die Maske vom Gesichte gerissen habe, als Sie eine Versammlung arrangierten, um gegen unsere jüdischnationalen Abgeordneten zu hetzen. Mein Verhalten war wohl begründet . . . Als galizischer Jude habe ich es mit brennender Scham mitangesehen, wie Sie beim Kultusgemeindetag mit Dr. Fiala und den anderen Assimilanten, welche die galizischen Juden blutig beschimpft haben, für deren Ausschließung aus der österreichischen Gesamt-Organisation stimmten. Ein erhebender Trost ist es mir freilich zu wissen, daß die galizische Judenschaft Ihnen, gleich mir, Mißachtung entgegenbringt. Deshalb sind Sie, der Sie sich einst als Messias feiern lassen konnten, auch bei der letzten Reichsratswahl im überwiegend jüdischen Wahlkreise Beiz, obgleich Sie als Zionist auftraten, mit Glanz durchgeflogen. Ich bin lange kein solcher „Amhaarez“, um zu verkennen, daß Sie aus Rachsucht gegen uns Zionsten gerne alles zertreten möchten, waswir durch langjährige nationale Arbeit zustande gebracht haben . . . wenn Sie nicht schon (gottlob!) der Niemand wären. Lehnen Sie sich nur fest an Kuranda! Dann wird man Beide um so besser zu würdigen wissen! Moses Hammer, Wien, II. Taborstraße 8. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Wien. (Jüdischer National verein). Mittwoch den 27. Oktober abends 8 Uhr findet im Cafe Jägerhof IX., Porzeliangasse 22 eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1) Die Juden und die österreichische Nationalitätenfrage. (Referenten: Dr. Kadisch und Ob.-Ing. Fried). 2) Diskussion. Wien. (Jüdisch-nationale Handlungsgehilfenorganisation). Samstag den 23. d. findet im Cafe Dohan, II. Untere Augartenstraße 26. 87» Uhr abends, eine § 2 Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1) „Wie und warum sollen sich die jüdischen Handelsangestellten organisieren?“ 2) Diskussion. Zuschriften (Anfragen) und Beitrittserklärungen sind zu richten an Kollegen Leo Rosenfeld Wien, II., Molkereistraße Nr. 10/14. Wien. Der hebräische Konversationsklub „Jvriah“ beehrt sich hiermit seine Mitglieder, sowie überhaupt alle diejenigen, die sich um die Sache interessieren, zu der am Samstag, den 23. Oktober um 7=8 Uhr abends im Cafe Brammer, IX., Licchtensteinstraßel. stattfindenden konstituierenden Versammlung einzuladen. Für die Vereinsleitung Dr. Chaim Tartakower, Wien. Freitag am 22. d. präzise 7 Uhr abends findet im Lokale des Vereines poale-zionistischer Hochschüler „Chejrut“ im Cafe Stefanie, II., Stefaniestrasse 2, ein Vortrag des Gen. Ständiger statt. Thema: „Die Judenfrage als Weltfrage“. Gäste herzlich willkommen. Wien. Die XXXI. ordentliche Plenarversammlung der „Lese- und Redehallc jüd. Hochschüler“ findet Samstag den 23. d. M. um 7=8 Uhr abends im Lokale der Lesehalle statt. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorweisung der Mitgliedskarte des XXX. Sem. gestattet. Wien. Die Vorbesprechungen für die im Wintersemester 1909/10 im „Jüdisch akademischen Philosophenverein“ (IX., Hörigasse 11) abgehaltenen Kurse finden statt: Sektion f. klassische Philologie und Kurse f. Realschulabsolv. 23. Okt. 6 Uhr ab. Altfranzösisch 23. Okt. 4' -- Uhr n. Neufranzösisch 23. Okt. 11 Uhr v. Altenglisch 23. Okt 3 Uhr n. Neuenglisch 25 Okt. 2 Uhr n. Germanistik (Gotisch) 23. Okt. 5 Uhr n. Germanistik (HistorischeGrammatik) 23. Okt. 4 Uhr n. Sektion f. Geschichte und Wissenschaft des Judentums 23. Okt. 11 Uhr v. Philosophie 21. Okt. 7 Uhr ab. Naturwissenschaften 24. Okt. 107= Uhr vm. Geschichte 23. Okt. 7 Uhr ab. Bielitz. (Jüdisch-akad. Verbindurg „Emunah“). Die diesjährigen Chargenwahlen haben folgendes Resultat ergeben: jur. Leo Rabinowitz;<,med. Rudolf Rosner x X. inS- Leopold Reich x •:X• in dem geräumig-hellen Lesesaal, der reichhaltigen Bibliothek und den bedeutsamen Vortrags- und Diskussionsabenden zu befriedigen. Außerdem habe ich im Verein einige recht angenehme Bekannte und hätte durch meinen Eintritt auch mit diesen einen regeren Kontakt. Einer dieser Freunde — Du wirst Dich vielleicht an den Felix Kohn erinnern, der in Gaya maturiert hat und zeitweilig Gedichte ins „Mode-Journal“ schreibt — ist im Ausschuß der Halle und teilte mir gestern ganz vertraulich mit, daß ich durch seine gütige Fürsprache in den Verein aufgenommen werden dürfte, obwohl der numerus clausus voll sei. „Was für numerus clausus“? fragte ich erstaunt. Und da teilte mir der liebe Herr mit verbindlichem Lächeln mit, daß die Deutsch-akademische Rede- und Lesehalle ein sehr feiner Verein sei und daher nur ein Drittel der Mitglieder Juden sein dürfen-Mir war es, als hätte ich eine ekle Kröte vor mir! Das sagt ein junger Mensch, der geachtet sein will, und zuckt nicht mit der Wimper! Und die brennrote Scham steigt ihm nicht auf die Stirne! Ein Verein, der von Juden gegründet, von Juden erhalten, von Juden geistig genährt wird, entblödet sich nicht, einen numerus clausus für Juden zu dulden! Ja, der Infame fügt hinzu, daß diese niederträchtige Norm hauptsächlich auf Verlangen der jüdischen Mitglieder geschaffen wurde, die sich fürchten, ihre „Halle“ könnte „verjudet“ werden! Karl, ist das nicht eine exzeptionelle Sache? Ist das nicht :grell genug? Du kennst mich zur Genüge; ich brauche Dir wohl nicht mitzuteilen, daß ich die ehrende Protektion des sehr achtbaren Herrn Kohn ablehnte und er staunte- Gerade sehe ich auf meiner freundlichen Wanduhr, daß es gegen 7 Uhr ist; auf der Ringstraße erwartet mich um V*8 Uhr Fräulein Lilly, mit der ich heute zu „Tristan und Isolde“ gehe. Ich bin daher aus künstlerischen und menschlichen Gründen genötigt, meine Epistel zu schließen. Ich grüße Dich Fritz. Prag, 2. November 1906. Euer Ehrwürden! Im Tempel auf den Weinbergen ist die Stelle eines Predigers vakant. Ich empfehle Ihnen, dorthin ein Offert zu senden. Im Ernst, Fritz! Was für Wahn ist in Dich gefahren? Ist der Tropfen Blut, den Du von Deinem rabbinalen Urahn — Gott lasse ihn weich im Schoße Abrahams sitzen — in Dir trägst, plötzlich rebellisch geworden? Oder bist Du in irgend einen zionistischen Zirkel geraten, der Dir alle gesunden Instinkte mit Psalm und Qualm austreibt? Kein Wort über die blühenden Genossen Deiner künstlerischen Expeditionen! Kein Wort über Bett, Essen und Bierqualitäten! Kein Wort über Studium und Mußestunden! Drei wogende Briefseiten mit jüdischen Sachen — ich danke, mein Bester. Ich meinerseits kümmre mich um Thora und Tabernakel einen Teufel und lasse jeden auf seine Marke schwören. Ich gedenke weder in Betlehem meine Advokatur auszuüben, noch im Jordan meine Füße zu baden. Am Neujahrstage der zerstreuten Israeliten übersende ich meinen