Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 43 Abiturientenkommers in Teplitz-Schönau. Am 18. d. M. fand in Teplitz-Schönau der zweite jüdische Abiturientenkommers statt. Das Komitee war bemüht, weite jüdische Kreise für die Feier zu interessieren. Das Ehrenprotektorat für diese Veranstaltung übernahm Frau E. Perutz. Schon am Tage vor dem Kommers trafen zahlreiche akademische Gäste hier ein, deren Zahl sich am folgenden Tage bedeutend vermehrte. Um halb 11 Uhr vormittags versammelten sich die Studenten zu einem Frühschoppen im Theatercafe, von wo aus sie in geschlossenem Bummel in den Schloßgarten zogen und dort dem Mittagskonzert beiwohnten. Lange vor Eröffnung des Kommerses waren die Lindenhofsäle bis aufs letzte Plätzchen gefüllt und um 9 Uhr eröffnete Herr med. Franz Eckstein den Festkommers. Hierauf folgte die Festrede des Herrn techn. Walter Urbach. Er führte aus, wie schwer der Stand der jüdischnationalen Studenten in Prag sei und begründete die Notwendigkeit der „Jüdischen Halle“ in Prag und die Gründung eines Unterstützungsfondes für jüdische Studenten. Er wies auf die Feierlichkeit des Augenblickes hin und vergaß nicht, den Abiturienten die Pflichten, die sie gegenüber ihrem Volke haben, klarzulegen. Mit einem warmen Appell, der schweren Pflichten des jüdischen Studenten in Prag nie zu vergessen, schloß der Redner. Hierauf sprachen die Herren: Rabb. Dr. A. Kurrein und E. Bechert (Teplitzer Volksver. Zion.), ferner JUC. M. Birnbaum (Jüd. Lese- und Redehalle), phil. O. Stein (Bar-Kochba), jur.O. Stern (Barissia), JUC. H. Pick (Kadimah für die Wiener Studenten), JUC. E. Seligmann (Jüd.-akad. Klub), jur. H. Kohn (Pilsener Hochschüler). Der Vorsitzende schloß hierauf den Kommers und lud die Anwesenden zu einem Tanzkränzchen ein, das dieselben bis in die Morgenstunden bei bester Laune zusammenhielt. Auch der materielle Erfolg des durchaus gelungenen Abends ließ nichts zu wünschen übrig. Der Reinertrag betrug 400 K, die zur Hälfte dem Unterstützungsfonds jüdischer Hochschüler Prags, zur Hälfte dem mikrobiologischen Institut zufielen. * * * Czernowitz. (Jüd.-akad. Verein „Emunah“). Die Chargenwahl für das laufende Wintersemester ergab folgendes Resultat: cand. jur. Israel Taubes;< (Präses), cand. jur. Naftali Nußbaum /X (Vicepräses), cand jur. Karl Langer XXX (Schriftführer). Mitteilung des Bureaus des IX. Zionisten-Kongresses. Für die Ausgabe von Tribünenkarten für Gäste ist die Bestimmung getroffen worden, daß ein Teil der verfügbaren Plätze als numerierte Sitze für Voranmeldungen reserviert wird. — Solche Anmeldungen sind unter Beifügung einer Vormerkungsgebühr von M 1.— (auch in Briefmarken aller Länder) pro Platz an das Kongreß-Bureau zu richten. Bei der zu erwartenden großen Nachfrage empfiehlt es sich, die Vormerkung möglichst bald erfolgen zu lassen. Bureau des IX. Zionisten-Kongresses Hamburg, Große Bleichen 65 I Telegramm-Adr.: Orghip. Wegen Raummangel mußte ein großer Teil der Vereinsnachrichten sowie die Rubrik „Aus dem jüdischen Leben“ und die „Bücher- §und Zeitschriften-Rundschau“ Zurückbleiben. Personalnachricht. Unser Gg. Dr. Michael Ringel, Vizepräsident des zionistischen Zentralkomitees in Galizien, hat sich mit unserer Ge^innungsgenossin, Fräulein ldai Safier aus Krakau verlobt. 3t*. Itttdjttcl Jlingd, giu* fu'fllutu rmpfcljlcu Ml nie llcrlolrtc. 3«t (Oktober 190!). Albert Baum-Stiftung für Techniker. Anzahl der Plätze: Zwölf im Betrage von je K 200.— Bewerbungsberechtigt sind: junge Leute jüdischer Religion, die sich der Technik widmen. Bevorzugt sind: die Söhne des stifterischen Bruders, Herrn Simon Baum (für solche Einschreiter beträgt der Stiftplatz K 600.— Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Studienzeugnisse. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Oktober 1909. Einreichungsstelle: 1., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll.) Näheres in den von der Einreichsstelle unentgeltlich erhältlichen Gesuchsbögen. Wien, 1. Oktober 1909. : Der Vorstand : der isr. Kultusgemeinde. Wien. JÜDISCHER NATIONALFONDS Sammelstelle für Oesterreich Wien IX., Ttirkenstrasse 9. Telephon Nr. 14.199. — Postspark.-Konto 100.208 Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß 1901 gegründet, beträgt er bereits 1*9 Millionen Kronen. Allgemeine Spenden. Jeder Jude soll bei allen Anlässen des J. N. F gedenken. Andrichau WG Slg. Felix: Resterträgnis d. Vortragsabends 12.40, Slg. b. e. zion. Veranstaltung 64.42 76.82 Brody OG NFK Prives: Slg. „Pirchei Zion“ b. e. lOjähr. Jubiläum Achadhaam 4.65 Czernowitz Bu „Emunah“ als Ablösung f. d. übliche Verständigung d. Chargenwahl (jur. Israel Taubes x, jur. Naftali Nußbaum >oc, jur. Karl Langer xxx) a. d. berfr. Couleurs, Hebronia, Lojuz, Tikwah Suczawa, Chermonia Radautz, Bar- Kochba, Giskalah, Stanislau, Emunah, Judäa, Hasmonäa, Makkabäa Lemberg, Emunah Stryj, Makkabäa Drohobycz, Bar-Kochba Tarnopol, Przedswit- Haschachar Krakau, Kadimah, Ivria, Makkabäa, Zephira, Jordania, Jüd. Kultur, Theodor Herzl, Bar- Kochba, Unitas, Redeu. Lesehalle Wien, Bar- Kochba, Barissia Prag, Makkabäa Budapest, J, T. V. C. Z. H. Berlin Eintr. vorbeh. 3.— Czortkow P Karotslg. NFK Brande: Hauptsynagoge d. Schorr 3.20, Wiznitzer Klaus d. Stekel 3.—, Rabb. Schapiras Klaus d. Schor2.50, Crortkower Klaus d. Steiger 1.90, Minjan Kürschner d. Helmann 1.80, Bethamidrasch 1.65 Jod Charuzim d. Schwarz 1.60, Alte Klaus d. Hinders u. Gerstenblüht, B. Zion. d. Wassermann ä 0.82, Schwarz b. Thoraaufruf 0.36 Oppenheimer, M. Norda u 17.65 Debica WG NFK Dintenfaß: Karotslg. in d. neuen Syn. d. Bross, Dintenfaß 19.20, i. d. alten d. Nichthauser, Siedluker 12.20 31.40 Dolna "Tuzla Slg. Guttmann: Ausgediente Soldaten d. Inf.-Reg. Nr. 77 b. Abschiedsfest 3.—, Armin Guttmann 1.— 4.— Drohobycz SG Karotslg. NFK i. V. Meiseis: A. Sadagora Klaus d. Halpern, Gottesmann 38.80, Ose Chescd Syn. Dichter, Josefsberg 21.40, Lauterbachs Klaus d. Lauterbach, Lustig 16.40, Sadagora Klaus d.Ettinger, Groß 16.50, Gartenbergs Tempel d. Rpsenbusch 14.20, Beth. Jehuda Syn. d. Dr. Sußmann 13.—, Kleiners Klaus d. Kreisberg, Ruhrberg 12.—, Löwenkopf Klaus d. Eisenstein 10.50, Lan Bethamidr. 10.22, Grassc Syn. d. Meiseis 10.—, Kadimah Klaus d. Oberländer 8.20, Edelmanns Klaus d. Herschmann 6.—, Komarner Klaus d. Lautner 5.40, Schneiders Klaus d. Seiler Hrusowski 5.40, Horschowskis Klaus d. Schneitscher 5.70, Kreppeis Klaus d. Langermann 4.82, Dorsze Szulom d. Holzmann 4.08, Dorsze Tow d. Speier2.60,-Poale Israel d. Siegelbaum, Diamandstein Klaus d. Lustig, Nuchim Herscii Klaus d. Blam ä 2.—, Thoraspende E. u. A. Spitzmann, J. Kammermann ä 5.—, Gartenberg, Turnschein, Barak, Hauer ä 2.—, Sternbach, Aschkenasy, Dichter, Horowitz, Ruß, Friedmann ä 1.—, Lilien 60.—, Eintr. vorbeh. 179.22 239.22 Grzymalow P NFK Scheer: Seiden 2.—, Slg. Freud 1.80, Nedarim in d. Stadtsyn.: Larnass, Kahane, Franzos, Jaryczoser, N. u. Feldmann, Kornstein, Czoban, Baumöbl, Brennholz ä 1.—, Bernsohn, Weintraub ä 0.50 14.59 Gurahumora Bu Dr, Schärf: Buße eines Christlichsozialen 20.— Jamnitz M Dr. Wertheimer: Tempelspende Dr. Wertheimer 12.—, Karl Fleischer 10.—, Emil Mayer 7.—, Ludwig Mayer 6.—, M. Mayer 4.—, K. Mayer 2.—, A. Fleischer 1.— 42.— Jezierzany P Braunstein: Slg. Frl. Bolchower, Gottlieb a. e. Hochz. Pohoryles 1.30- Kojetein M Rabb. Dr. Kupfer: Simchas-Thora 1.—, anl. d. Geburt e. Sohnes d. H. Tartakower Wien 0.60 1.69 Kossow SG NFK Gärtner: Karotslg. Selasch d. Rappaport u. Stein 3.14, Semar d. Gärtner 3.54, Wiznitzer d. Morgenstern 2.70, Fieber d. Fieber 2.42, Talmiczer d. Vogel 1.20, Slg. Frl. Kreisel a. Hochz. Mühlbauer-Biller in Zabic 6.—, Steiner, Fröhlich ä 1.— 21.— Krakau WG * Dr. Mannheimer u. Sig. Leuchter Dr. Margulies 3.—, Benj. Broß 1.—, Karotslg. M. Intralter 2.40 6.40 Großvater einen Brief, der mit den Worten beginnt. „Anläßlich des Neuen Jahres — * und glaube hiemit meine Pflicht gegen Tradition und Familie vollinhaltlich erfüllt zu haben. Daher, Bar-Kochba redivivus, verzapfe Deine Empfindsamkeiten an einem günstigeren Standplatz. Satis de hoc. Im übrigen habe ich Dir, wie der Kardinal-Diakon auf dem Balkon des Laterans zur Zeit der Papstwahl, große Freude zu künden. Zwei Ereignisse sind in mein akademisch Leben mit großen Füßen eingetreten und dürften die Fagon meines jugendlichen Daseins gründlich beeinflussen. Ad 1. Durch einen ehrenhaften Fuchsen der Cimbria erhielt ich einen Hofmeisterposten bei dem Herrn kaiserlichen Rat Schmelkes — findest du nicht, daß der Namen nach Gansleber schmeckt und riecht? — und besorge dort die Erziehung des Jünglings Egon, den ich in die Herrlichkeiten des Kornelius Nepos und des Alpha, Beta, Gama, Delta einweihe, wofür ich ein profundes Diner, eine fleischige Jause und ein solides Abendessen nebst Wohnung und Kronen hundert erhalte. Ich bewohne ein Zimmer mit eingelegten Ebenholzmöbeln und Smyrna-Teppichen. In allen Ecken stehn kostbare Nippes — man weiß gar nicht, wo man hinspucken, soll. Mein Diszipulus ist ein perfekter Idiot und daher folg- und strebsam. Die Gouvernante — Minister des Aeußern — macht auf mich französische Augen. Ich liege nur auf persischen Geweben und rauche Zianakles, Aber das ist alles Spinngewebe gegen die Dame des Hauses. — Ich schwöre Dir, Du Ausbund aller Tugend, daß Du für einen lächelnden Blick dieser Frau ein Krankenhaus anzündest! Diese Atmosphäre, mit > der sich das Weib zu umgeben weiß! Alle Nerven beginnen zu vibrieren, wenn sie durch das Nebenzimmer rauscht. Ihre Stimme benimmt den Atem. Ihr Gang ist ein Lied des Anakreon. Ihr Hemd ist hellgelb.- Ich muß bremsen, sonst kann ich wieder nicht schlafen,, beiße in die Polster und stöhne tausendemal „Julie!“ Wenn Du beim jüdischen Gott Protektion haben solltest, sprich ein gutes Wort für mich. Er soll mich ja nicht von diesem Wahnsinn erlösen! — Ad 2. Ich bin, teils aus Dankbarkeit, teils aus Trunksucht, in die ehrenwerte Burschenschaft Cimbria eingesprungen, trage eine schwarze Sammtkappe und ein dreifarbig Band. Ich frage allsamstäglich melodiös, wo des deutschen Vaterland ist, ob wir nicht zur Herrlichkeit geboren sind und ob ich denn wirklich zum Städtle hinaus muß, absolviere meine obligaten elf Krügelein. Cerevisiae und denke an das liebe Liedei: Wa? schiert mich Krön und Kaiserprunk Mit allen seinen Plagen, Will mir viel besser hier ein Trunk Im Kühlen Wohlbehagen! So sprach der Kaiser Wenzeslaus Und trank den vollen Humpen aus Am Königsstuhl zu Rhemse. Im übrigen entbiete ich Dir in steinharter Freundschaft meine guten Grüße und lasse der blonden Lilly meine besonderen Sympathien zu Höchsdero hoffentlich kleinen Füßen legen. K a r 1 o.