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Jüdische Zeitung · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 43 Distriktes im Lokale der zionistischen Frauenorganisation (Skarbkowskagasse 3), um über die Organisation einer groß- und planmäßig angelegten Arbeit für den kommenden Winter zu beraten. Der Obmann des Lemberger D.-K., Gg. Dr. David Schreiber, begrüßte die erschienenen Delegierten und erklärte den Zweck, und die Notwendigkeit der heutigen vertraulichen Beratung. Er •führte unter anderem aus: Nach genauer Erwägung und eingehender Beobachtung der Organisationsverhältnisse gelangte das Lemberger D.-K. zur Ueberzeugung, daß der jetzige Moment der geeignetste zur Einleitung einer groß angelegten Aktion im ganzen Lande, vornehmlich in der Richtung der ökonomischen Hebung der jüdischen Volksmassen sei. Zu dem Zwecke eigne sich am besten die Gründung von Volksvorschußkassen in den kleineren und Erwerbsgenossenschaften in den größeren Städten. Im weiteren wolle das Lemberger D.-K. zur Dezentralisierung seines Kreises, zwecks Erleichterung und Erweiterung seiner Arbeit schreiten und in seinem Kreise, im Einklänge mit dem Palästinaausschuß, eine planmäßige Tätigkeit für Palästina inaugurieren. Der Redner berührte noch die Kulturarbeit und den Kampf um die Kultusgemeinden und forderte die Delegierten zur regen Anteilnahme an den Beratungen auf. Nach der Wahl eines Präsidiums ergriff Dr. Loewenherz das Wort zu seinem Referate über „Die Organisierung der Arbeit im Lemberger D.-K.“ Redner erörtert die eingehend skizzierten Aufgaben der zionistischen Vereine Galiziens und begründete in einer längeren Rede die vom D.-K. vorgeschlagenen diesbezüglichen Anträge. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich fast alle Delegierten aus der Provinz, darunter die Gg.: Paßweg (Przemyslany), Tartakower (Brody), Schönbach (Sanok), Grüß undFendrich (Kulikow), Dr. Aschkenasy (Przemysl), Katz (Gliniany), Dr. Koch (Winniki)und Sof ermann (Sambor). Die Mehrheit der Redner erklärten sich mit den Ausführungen und Vorschlägen des Referenten und des D.-K. einverstanden und verlangte Aufklärung, wie man die Vorschläge in Tat umsetzenkönne. Dr. Pordes und Dr. Hausmann, der Obmann des Landes-Palästinaausschusses, kamen diesem Wunsche nach. Dr. Hausmann teilte mit, daß unter seiner Leitung ein Auskunftsbureau für Palästinaangelegenheiten eingerichtet worden sei. Zum Schlüsse sprach noch der Referent, worauf folgende Anträge und Resolutionen angenommen wurden: I. Die am 17. d. M. tagende Vertrauensmännerkonferenz des Lemberger D.-K. erachtet es für notwendig, nach Möglichkeit mit der Gründung von jüdischen Volksvorschußkassen und Erwerbsgenossenschaften in kleineren Städten zu beginnen (einstimmig); II. Die Vertrauensmännerkonferenz beschließt, im Rahmen des Lemberger D.-K. folgende neun Kreiskomitees zu gründen: Brody, Gliniany, Jaroslau, Przemysl, Roh atyn, Samb or, Sanok, Skole und Z1 oczow (einstimmig). .111. Antrag Sofermann: a) Die Vertrauensmännerkonferenz fordert alle Nationalfondskommissäre des Lemberger D.-K. auf, in Sachen des NF. sich an das D.-K. zu wenden und alle NF.-Gelder nach Lemberg zu senden (mit allen gegen zwei Stimmen angenommen); b) Die neu geschaffenen Kreiskomitees werden aufgefordert, den hebräischen Schulverein aufs kräftigste zu unterstützen. Zum Schlüsse wurde noch folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heute tagende Vertrauensmännerkonferenz des Lemberger D.-K. .drückt dem Abg. Dr. Benno S t r a u c h e r die höchste Anerkennug für seine bisherige unermüdliche Tätigkeit zum Wohle des Judentums in der Bukowina aus und gibt die feierliche Versicherung ab, daß das galizische Judentum ihn auch fernerhin in seiner Arbeit unterstützen werde.“ Kredit-Union, Lemberg. Das Institut, welches am 1. Juli 1909 seine Geschäftstätigkeit begonnen hat und gegenwärtig 515 Mitglieder zählt, zeigt bereits eine erfreuliche Entwicklung wie aus dem nachstehenden Ausweis vom 30. September 1909 hervorgeht: praktisch-zionistischen Politik, welcher.im Zeichen der Solidarität der österreichischen Judenschaft gemacht wurde, in. absehbarer Zeit zu einem maßgebenden, wirtschaftlichen Faktor des Landes sich entwickeln werde. Es war keine so leichte Aufgabe; denn , an Anfeindungen von seiten der assimilatorischen Kreise, welche leider gerade im Finanzwesen sehr einflußreich sind, hat es nicht gefehlt. Aber die Sache marschiert doch vorwärts und übertrifft sogar alle Erwartungen. Es sind in jüngster Zeit von seiten bekannter übelbeleumundeter Individuen in gewissen jüdischen Schmutzblättern verlogene und verleumderische Verdächtigungen über die Geschäftstätigkeit der Anstalt verbreitet worden. Dieselben sind natürlich nichts als böswillige Entstellungen, welche nur den niedrigsten Absichten entspringen und die einer Erwiderung von Seiten anständiger Leute nicht wert sind. Es wäre zu wünschen, daß die Londoner Kolonialbank eine ebenso tüchtige und geschäftskundige Leitung hätte. Sie l würde der zionistischen Sache noch ganz Gebarungs-Ausweis. Tag 30., Monat September 1909. K h K h K h K h Kassa.;2,092.051 98 2,087.823 24 4.228 74 _ Wechsel. 949.876 74 29.361 94 920.514 80 — _ Zinsen.. . 7.789 29 18.366 04 — — 10.576 75 Spareinlagen .... 52.482 41 154.705 94 — — 102.223 53 Reeskont. 101.308 07 613.507 60 — — 512.199 53 Kontokorrent .... 928.155 94 964.059 41 — — 35.903 47 Anteile. 1.600 — 174.460 — — — 172.860 — Reservefonds .... 90 — 9.825 — — — 9.735 — Administrationskosten 5.291 33 699 14 4.592 10 — — Mobilien. 3.877 11 — <- 3.877 11 21 73 Valuten. 30.783 93 30.805 66 — — — — Tratten. — — 95.261 25 — — 95.261 25 Gründungskosten . . 3.688 97 __ — 3.688 97 — — .Druckslorten-Konto. . .1.879 45 — —r 1.879 45 -. — 4,178.875 22 4,178.875 22 938.781 17 938.781 26 Hieraus ist zu ersehen, daß schon im ersten Quartal die reinen Zinseneinnahmen von K 1057675, die Gründungskosten von K 3688.97 und die Geschäftskosten von K 4592.10 decken, so daß schon ein Ueberschuß von K 2295'68 nach Abschreibung der Gründungskosten vorhanden ist. Dieses Resultat ist umso erfreulicher, als das Institut seinen Kunden wesentlich billigere Bedingungen macht als die in Galizien landesüblichen. Dies ist nur möglich infolge des ausgezeichneten Kredites, welchen die Anstalt im In- und Auslande genießt. Es ist also berechtigte Hoffnung vorhanden, daß dieser erste Versuch der andere Dienste leisten können, als es ihr jetzt möglich ist. Von der Woche. Bloch. Jeder weiß, daß Dr. Bloch, der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift“, eine abgetane Größe ist. Wie so viele andere Schädlinge, hat auch ihn die jüdische Moderne einfach weggefegt. Was von ihm übrig blieb, ist, daß er seit Jahren Schlußreden hält, in denen er, „im Sinne der Anwesenden“, Herrn Dr. Stern für die „musterhafte Leitung“ dankt, bei Chewra-Kadischa-' Mahlen mit gerührter Stimme „die edlen Taten der Glaubensgenossen“ preist oder bei irgend eine Westjuden. (Novelle von B e n D a v i d). (2. Fortsetzung.) Wien. 23. Oktober 1906. Lieber Karl! Jch halte es für angezeigt, Dir abermals eine Dosis Moralin zu Gemüte zu führen, selbst auf die Gefahr hin, von Dir in das Land der Philister verdammt zu werden. Deine Bemerkung über „unsem Heine“ halte ich nämlich für geschmacklos und trivial. Ich finde gar nichts Widersinniges und daher Satyre - provozierendes in der Verehrung der Juden für Heinrich Heine. Der Sänger des Romancero, der von dem deutschen Volke, dem er seine herzbewegenden, goldenen Lieder gab, verstoßen und vergessen wird, hat in seinen Stammesbrüdern eine liebevolle Gemeinde gefunden, in den Stammesbrüdern, die er selbst mit blutigem Hohn geschlagen und deren Zugehörigkeit er erst in der Matratzengruft unter dem steinernen Blick des Todes anerkannt hat Die Tiefe des jüdischen Gemütes, die aus den Heine’schen Gesängen wie ein umträntes, dunkles Frauenauge Dich anschaut, verträumt und zärtlich zugleich, mußte gerade in den jüdischen Herzen Widerhall und Nachklang erwecken. Sind es denn nicht dieselben leuchtenden Farben, dieselbe überschwängliche Leidenschaft, mit denen der Psalmist seine Sehnsüchte, seine Wonnen und sein Weh besingt, mit denen Salomo das Lied der Lieder erfüllt? Und selbst der zersetzende Spott, die juckende Geißel des Gequälten, Unglücklichen, Kranken — ist das nicht das Gift, das aus den brennenden Wunden des jüdischen Volkes fließt? Und kennst Du die Worte mit denen Heine seinen „Rabbi von Bacharach“ einleiten wollte: Und alle die Tränen, sie fließen Nach Süden im stillen Verein, Sie fließen und ergießen Sich all in den Jordan hinein.- Da schluchzt das Jahrtausende alte Sehnen nach einer Heimat, nach Ruhe von der schier endlosen Wanderschaft aus der Brust des Dichters, daß man fast vergißt, daß er ein deutscher Dichter ist; vor uns ringt die Hände der alte, gehetzte, ewige Jude.- Und gerade aus diesem Grunde, weil Heine ein Jude im Gesicht ist, däucht mir jedes billige Spottwort über die jüdische Heine-Abgötterei ein Schlag ins eigene Gesicht zu sein. Und gerade jetzt, wo ich auf Schritt und Tritt die unschöne Selbstverachtung bei unsern Stammesgenossen finde, hat es mich gekränkt, auch bei Dir diese faule Frucht des Golusbaumes zu finden. Wer soll uns achten, wenn wir uns selbst verachten, Karl? Oder glaubst Du, es sei uns geholfen, wenn jeder sich als Ausnahme fühlt, jeder? Verstehst Du die lächerliche, blöde Eitelkeit?! Hör’ zu! Mein Wunsch war es immer, in die deutschakademische Rede- und Lesehalle einzutreten, um dort meine Bedürfnisse nach geistiger und wissenschaftlicher Unterhaltung

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