Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Frage einer Abänderung des Baseler Programms. Aus dem gründlichen Meinungsaustausch, der sich an diesen Gegenstand knüpfte, ergab sich die Ueberzeugung, daß die Ziele des Zionismus die absoluteste Uebereinstimmung mit-den Gesetzen und den Interessen einer einheitlichen und fortschrittlichen Türkei dermaßen voraussetzen, daß es als unangebracht erscheinen müßte, zu diesem Zwecke Textänderungen vorzunehmen. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit einer Reihe interner Fragen, welche die Ausgestaltung und den Inhalt des bevorstehenden Neunten Kongresses betreffen. Die Debatte, an der sich viele Mitglieder des A. C. beteiligten, führte zu einer Reihe von Entscheidungen grundlegender Natur. Zuletzt wurde die Frage des Agrarkredits gründlich erörtert. Die Diskussion beleuchtete verschiedene. Punkte dieses Problems und brachte die allgemeine Ueberzeugung zum Ausdruck, daß die vorbereitenden Schritte unverzüglich gemacht werden sollen. Der Präsident berichtete dann weiter über die Tätigkeit des zionistischen Zentralbureaus, das mit dem Hauptbureau des jüdischen Nationalfonds eng verbunden wurde. Das für die Vorbereitung des Kongresses in Hamburg eingerichtete Bure u hat seine Tätigkeit aufgenommen und arbeitet in überaus zufriedenstellender Weise. Die Schekelsammlung ergab bisher befriedigende Ziffern. Aller Voraussicht nach wird das Endergebnis das des vorigen Kongreßjahres nicht unerheblich übersteigen. Prof. W a r b u r g, berichtet zunächst über das mikrobiologische Institut und teilt mit, daß das Komitee sich einstimmig gegen den Namen „Mikrobiologisches Institut“ ausgesprochen und ihn beauftragt habe, dafür den Namen „Hygienisches institut“ in Vorschlag zu bringen. Der B e z a 1 e 1 entwickle sich sehr günstig. Es sei endlich ein Reservefonds von zirka 20.000 Frs. vorhanden. Dann bespricht der Referent die National- Bibliothek: Die Verhandlungen sind soweit gediehen, daß die Bibliothek von einer Kommission gemeinsam verwaltet wird urid zwar sollen wir das alte Haus erhalten]) gegen die Verpflichtung, den Anbau in absehbarer Zeit fertigzustellen. Es würde dann so sein, daß der Nationaifonds den Anbau herstellt, daß die Miete vom A. C. getragen würde, die beiden andern Gruppen, Loge und Hilfsverein, je 2000 Mark jährlich vergüten und das Geld, das sie für das Haus vom N. F. erhalten, als Fond der Bibliothekverwaltung zufällt. Das ganze Gebäude würde wohl die Bibliothek dauernd sicherstellen. Hebräisches Wörterbuch. Wir haben dieses Werk subventioniert. Der erste Band ist erschienen. Es ist in Aussicht genommen, daß der zweite Band in Lieferung erscheinen soll. Bisher ist wegen Zeitmangels der Beteiligten allerdings noch keine Lieferung erschienen. Gymnasium. Bei der Gründung ist man an uns wegen Subvention herangetreten, lediglich zum Zwecke der moralischen Unterstützung, die nach der jetzigen Sachlage anscheinend aber nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat. Jetzt bittet man wiederum um eine Subvention seitens des A. C. Ich meine aber, daß wir uns nicht auf Unterstützung von Erziehungsinstituten einlassen sollen, da damit ein Kampf der verschiedenen Anschauungen in unserer Bewegung provoziert wird, der unsere Bestrebungen in hohem Maße schädigen kann. Dagegen wäre es sehr gut, wenn inoffiziell in Westeuropa für das Gymnasium etc. private Sammlungen veranstaltet würden. Kiriath Sefer. Das Unternehmen hat nicht aufrecht erhalten werden können und der Vertrag mit den N. F. ist infolge dessen hinfällig. Das Land — 1600 Dunam — steht wieder den N. F. zur Verfügung. Das Haus ist gewissermaßen herrenlos, jedoch ist der Zustand durchaus nicht so, daß es ohne Formalitäten dem N. F. zufiele. Doch ist Herr Beikind bereit, auf das Haus zu verzichten, wenn vom N. F. die Schulden der Schule bezahlt werden. Ferner haben wir wegen der Verwendung des Hauses Vorbesprechug gehabt mit Herrn Direktor Cohn. Der meint, as wäre wünschenswert, wenn dorthin das Mädchenerziehungsheim verlegt werde, an dem wir erheblich beteiligt sind. Diese Frage *st jedoch noch nicht spruchreif. Eine andere Frage ist aber, was tun wir mit dem Lande. Natürlich werden wir Zusehen, es zu verpachten, soweit wir es nicht benötigen. An Arbeiter es zu verpachten ist aber nicht ratsam. Entweder soll es die Oelbaumverwaltung erwerben, oder wir führen den Plan aus, es an eine Produzentengenossenschaft zu übertragen, die zu diesem Zwecke zu gründen wäre. Bisherige Verhandlungen in dieser Sache haben sich zerschlagen. Es könnte hier auch eine Pächtergenossenschaft geschaffen werden, mit Rücksicht darauf, daß das Haus schon vorhanden ist. Diese Frage ist noch offen, es könnte aber eine Direktive hier gut gegeben werden. Die Oelbaumspende entwickelt sich ganz erfreulich. Als Verein wurde die Oelbaumspende erst im vorigen Jahre eingetragen. Nach dem Rechnungsabschluß pro 31. Dezember 1908 betrug das Vermögen der Oelbaumspende im vorigen Jahre 106.000 Mark. Seitdem hat die Oelbaumspende bedeutend zugenommen und dürfte in diesem Jahre ein Vermögen von 170.000 bis 180.000 Mark besitzen. Die Ausgaben in Palästina betrugen bisher 7037 Mark. Man wird jetzt an das Auspflanzen der Bäume gehen. Die Frage ist, ob man nicht schon jetzt eine dritte Baumschule in Galiläa einrichten solle. Eine Verbindung zwischen der PLDC. und der Oelbaumspende wäre hierfür notwendig, damit die erste Arbeit gemacht werden kann. Bezüglich des Agrarkredits wurde, wie Sie wissen, eine Kommission eingesetzt, deren Vorsitzender ich geworden bin. Die Kommission hat verschiedene Sitzungen abgehalten und die Vorarbeiten durchgeführt. Zum Schluß fordert Prof. Warburg ein energischet Bemühen zur Erlangung industrieller Konzessionen in Palästina. Nach einem Berichte Doktor Ruppins über die Tätigkeit des Palästinaamtes wird die Diskussion eröffnet. Herr Podlischewski (Warschau) ist dafür, daß überhaupt vorläufig kein Land mehr für den NF. in Palästina zu Besiedlungszwecken gekauft werde. Dr. Isidor Margulies (Wien) bringt das Bedauern der österreichischen Organisation darüber zum Ausdruck, daß die Sitzungen des AC. immer nach Köln einberufen werden. Es sei nötig, daß bei der Anberaumung der Sitzungsorte die einzelnen Länder gleichmäßig berücksichtigt würden, damit den Vertretern der einzelnen Länder auch die Teilnahme ermöglicht würde. „Ich glaube, es ist nicht nur für die AC.-Mitglieder ungemein wertvoll, bei dieser Gelegenheit miteinander in Fühlung zu treten, sondern auch im Interesse des AC. gelegen, daß es selbst Fühlung nimmt mit den verschiedenen Organisationen, was bisher nicht in wünschenswertem Maße geschehen ist, namentlich nicht in bezug auf Oesterreich. In Oesterreich ist der Zionismus im Wachsen begriffen. Ich muß sagen, daß wir in Oesterreich zu Pessimismus absolut keine Veranlassung haben. Auch die Schekelsammlung ist, obwohl sie durchaus nicht den einzigen Maßstab mehr für die Kraft der zionistischen Bewegung bildet, wieder im Steigen begriffen und beträgt dieses Jahr in Westösterreich allein 5—6000 K. Der Anteil Oesterreichs an den Natonalfondssammlungen ist bekannt. Vor allem ist aber die Grundstimmung eine solche lebendignational-jüdische und sind die äußeren Bedingungen der Ausbreitung des Zionismus so günstige, daß man Oesterreich geradezu als das Zukunfts-, und noch mehr, als das Gegenwartsland des Zionismns bezeichnen kann. Naturgemäß ist nicht überall eine gleichmäßige Entwicklung. Es flammt einmal hier höher und flackert dort etwas ab. Da muß eben die Leitung dort kräftig einsetzen, wo im gegebenen Augenblick für die zionistische Bewegung am meisten zu erreichen ist. Ich will nun gar nicht mit Rekriminationen kommen und nicht untersuchen, ob und was die Leitung in dieser Richtung versäumt hat. Es gab Momente in der letzten Zeit, wo die Tatsache, daß die Zentralleitung mit uns Hand in Hand gegangen wäre und unsere Arbeit ausdrücklich ihre Zustimmung erteilt hätte, einen großen Einfluß ausgeübt und uns ungeheuer genützt hätte. Die ganze zionistische Bewegung hätte davon Nutzen gehabt. Es ist notwendig, daß man in großen Momenten von oben ein Wort hört und eine Kundgebung vernimmt. Und wenn es etwas Falsches wäre! Man will nicht diese Regungslosigkeit. Was das Organisationsstatut anbelangt, so steht man in Oesterreich auf dem Standpunkte, daß ein neues Organisationsstatut nicht erforderlich ist, höchstens einige Aenderungen in bezug auf das A. K. und die Föderationen. Die Hoffnung, durch ein neues Organisationsstatut die Finanzfrage zu regeln, ist nicht begründet. Auf dem Wege der direkten Beisteuer wird es wohl immer schwerer, die Mittel für die Leitung herbeizuschaffen. Warum sollten aber unsere Institutionen nicht die Mittelaufbringen können, insbesondere die Bank? Sie sind durch die zionistische Bewegung geschaffen worden und müssen für sie auch besteuert werden können. Ich fasse meine Bemerkungen dahin zusammen, daß wir von der Zentralleitung erwarten und hoffen, daß die großen Gesichtspunkte in ihren Taten einerseit und in ihren Kundgebungen nach außen hervortreten und das sie anderseits eine Politik betreibe, die das Wichtige vom Unwichtigen sondert und alle Kräfte zum entscheidenden Schlage konzentriert. (Schluß folgt.) * * * Sitzung des westösterreichischen Zentral- Komitees. — Westösterreichischer Parteitag. In der Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich, welche am 10. d. M., unter Vorsitz des Präsidenten Gg. Dr. Isidor Margulies (Wien) in Prag stattfand, wurde beschlossen, den nächsten westösterreichischen Parteitag nach dem Kongresse, im Monat Feber oder März, u. zw. unter gewissen noch festzustellenden Voraussetzungen nach Wien, eventuell nach Olmütz, einzuberufen. Die endgiltige Beschlußfassung hierüber wird noch erfolgen. Es wurde ferner beschlossen, auf die Tagesordnung dieses Parteitages das Verhältnis der zionistischen Organisation zu den Kultusgemeinden und das zio- J nistischeKultusgemeindeprogramm zu setzen. Im übrigen befaßte sich die Sitzung mit der Vorbereitung der Kongreßwahlen und anderen internen Parteiangelegenheiten. Das Z.-K. beschäftigte sich sodann auf Grund eines vom Präsidenten erstatteten Berichtes mit den von der zionistischen Zentralleitung in Köln unternommenen Aktionen und der bevorstehenden Sitzung des großen Aktionskomitees Das Z.-K. sprach sich gegen jede Aenderung des Programmes und dahin aus, daß zur Schaffung eines neuen Organisationsstatutes keine Veranlassung vorliege. Aus dem vom Zentralbureau und von den anwesenden Distriktsvertretern erstatteten Berichten geht ein erfreuliches Anwachsen der zionistischen Bewegung in allen Distrikten hervor, was sich auch namentlich in der höheren Zahl der gesammelten Schekel ausdrückt. * * Mitteilung des I.-ö. Distrikts-Komitees. Da die Frist für Schekelinkassi abgelaufen ist, ergeht nochmals an sämtliche Gesinnungsgenossen, die sich noch im Besitze von einkassierten Schekolim oder auch von Schekelheften — benützter oder unbenutzter — befinden, das dringende Ersuchen um sofortige Ablieferung derselben. Das D.-K. ist gegenwärtig mit der Zusammenstellung der Schekelzahlerlisten und mit der Wahlkreiseinteilung beschäftigt. Es ergibt sich bereits, daß unser Distrikt mehr als 1200 Schekolim aufgebracht hat, daß demgemäß mindest 6 Wahlkreise zu bilden sind. Hievon dürften auf Wien und Umgebung 5 Wahlkreise, 1 Wahlkreis auf die südlichen Gebiete des Distrikts entfallen. Die Anmeldung von Kanditaturen für Delegierten- und Ersatzmännermandate zum Kongreß soll bis 25. d. VI., schriftlich beim D. K., IX., Türkenstraße 9, erfolgen. * . Vertrauensmännerkonferenz des Lemberger D.-K. (Originalbericht der „Jüdischen Zeitung“.) ak. Lemberg. Sonntag den 17. d. M. nachmittags versammelten sich über Einladung des Lemberger D.-K. die Vertreter von 15 Orten dieses