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Jüdische Zeitung · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr “42 ySDlSCßE^ZElTUNG. Seite 7 tio'nszweckön-iri'1 Palästina ‘ beiiötzt" werden;:''geschehen:' Will man ,;däs ererbte Palästina haben so muß män-'es erwerben, um es zu besitzen“. Mit dem Appel, sich für die Annahme der vorgeschlagenen Pläneauf dem nächsten Kongresse einzusetzen, schloß der Referent seine interessanten Ausführungen. Nach dem Vortrage fand zu Ehren des Vortragenden ein Kommers statt, der einen äußerst animierten Verlauf nahm. . Eröffnung desjüdisch-akademischen Studentenheims in Lemberg. (Originalbericht der „Jüdischen Zeitung“.) a.k. Lemberg (Orig.-Korr.). Sonntag den 10. d. um 9 Uhr vormittags, fand die Eröffnungsfeier des ersten jüdisch-akademischen Studentenheims in Lemberg statt. Sie begann mit einem Festgottesdienste im israelitischen Tempel, wobei Rabb. Dr. Samuel Guttinann die Festpredigt hielt. Um 11 Uhr vormittags versammelte sich im großen, festlich dekorierten Saale des neuerbauten akademischen Hauses ein distinguiertes, festlich gekleidetes Publikum. Unter den Anwesenden bemerkte man: den Vertreter des Landesausschusses H. K i w e 1 u k, die Abgeordneten Adolf Stand, Dr. Heinrich Gabel, Breiter, Dr. K o 1 i s c h e r, Dr. Rittei und Sa re, eine Delegation der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg mit deren Präsidenten Dr. Simon Schaff an der Spitze, den Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer Samuel Edler von Horowitz und den Vizesekretär Dr. Abraham K o r k i s, ferner viele Gemeinderäte und Delegierte des kaufmännischen Vereines. Der Ehrenpräsident des Festkomitees, der Vizepräsident der Stadt Lemberg, Dr. Tobias Aschkenase, eröffnete mit einer längeren Ansprache die Festversammlung. Seine Rede wareine Entschuldigung an die Adresse der polnischen Zeitungen, welche ihm den Vorwurf gemacht hatten, daß er an der Spitze eines Komitees stehe, welches eine zionistische „Burg“ im Herzen der polnischen Stadt Lemberg errichtet hat. Dr. Aschkenase wand sich förmlich, um die Echtheit'seiner polnischen Gesinnung darzutun. Er entschuldigte seine Mitwirkung am Institute mit dem Hinweis auf den humanitären Zweck des Studentenheims und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Studentenheim „ein Glied in der Kette bilden werde, welches die mosaische Jugend mit dieser Nation (der polnischen!), deren Wohl wir alle erstreben, zusammenschmieden werde“. Hierauf ergriff der derzeitige Obmann des Rigorosantenvereines,Gg.Dr.EmilS o ramerstein, ■das Wort und führte unter anderem aus, daß das neuerbaute jüdische Studentenheim ein Produkt der Selbsthilfe und der Philantropie darstelle. Hierauf schilderte er den Werdegang des Unternehmens und dankte dem unterstützenden Mitgliede kaiserlichen Rat Jakob Stro h für die Schenkung eines Baugrundes, den Architekten und den Ingenieuren für ihre Unterstützung bei der Ausführung ■des Baues, ferner dankte er allen, welche durch ihre Opferwilligkeit die Vollendung des Baues ermöglichten. Schließlich gab er die Erklärung ab, daß däs 'rieüerbäüte-'JüdTsetie^Stüdentenlifcim allen Jfidfa sehen Akadehrilbrü'Xolme ÜntersclrTetl ihrer politischen Gesinnung offen stehen werde'. Hierauf wurden die bis zur Stunde eingelaufenen Glückwunschbriefe und Telegramme verlesen. Darunter von der Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I., von Landmarschall Grafen B a d e n i, vom Oberlandesgerichtspräsidenten T c h ö r z n i c k i, welcher dem Hause wünschte, es möge bestehen zum Heile der'jüdischen Nation, vom Reichsratsabgeordneten Dr. St raue her, als dem Präsidenten der Czernowitzer Kultusgemeinde, dessen Brief in den Wunsch; ausklang, das jüdische Studentenheim möge gedeihen, „zum Heile und Ruhme unserer stets geistig aufstrebenden Nation“. (Die beiden Glückwunschschreiben wurden mit dem größten Beifalle aufgenommen.) Es gratulierten noch der Direktor der galizischen Eisenbahnen Herr Stanislaus Rybicki und Abg. Dr. Adolf Groß aus Krakau. Hierauf folgten noch die Ansprachen des Vertreters der Lemberger Kultusgemeinde Dr. Schaff und des Reichsratsabgeordneten Gg. Adolf Stand. Lebhaft applaudiert begann Gg. Stand seine ausgezeichnete Rede mit folgenden Worten: „Dieses Haus bedeutet einen Triumph für die Idee der Selbsthilfe. Aber nicht nur der Idee der Humanität soll dieses Haus dienen, wie es Dr. Aschkenase ausgeführt hat, sondern auch der großen Idee der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Dieses erste jüdische Studentenheim möge der Sitz des produktiven jüdischen Geistes werden und von ihm sollen die Strahlen der Aufklärung in die weitesten Winkeichen Galiziens, wo Juden wohnen, dringen; in diesem Hause wird ein neuer Typus des galizischen Juden entstehen: der Typus eines guten Bürgers des Landes und eines noch besseren Juden.“ Es sprach noch namens des Vereines der polnischen fortschrittlichen Jugend „Zycie“, Dr. O r 1 ow i c z, welcher gegen den Antisemitismus der „Czytelnia akademicka“ protestierte und die jüdischen Kollegen der vollsten Sympathien seines Vereines in ihren nationalen Bestrebungen versicherte. Hierauf wurde die Festversammlung geschlossen und die Festgäste besichtigten das Heim. Die Einrichtung des Studentenheims entspricht den modernen Anforderungen der Hygiene und der Bequemlichkeit. Es wird 90 armen Akademikern Obdach gewähren, 10 werden unentgeltlich, zirka 30 um halben Mietzins von 7 K und die restlichen 40 um den monatlichen Mietzins von 13 K angenommen werden. Eine vom humanitären Studentenverein „Ognisko“ im Souterrain des Hauses erhaltene Küche wird den Insassen des Studentenheim billige und gesunde Mittagskost gewähren. Außerdem steht den Studenten eine Bibliothek, ein Spielzimmer, eine Turnhalle etc. zur Verfügung. Zeitschriften und Bücherschau. Unser Zentralorgan „Die Welt“ Nr. 41, bringt einen bemerkenswerten Artikel von Dr. A. Ruppin (Jaffa) „Zur Frage des Agrarkredits“. Der Autor führt aus, daß ein Agrarkreditinstitut, dessen Zustand'ekommenter lebhaft wünscht, für die gegen-r wArtig^eh Kolonisten Palästinas nur zum geringsten Teile-wirken; könnte, weil nur ein minimaler Prozentsatz derselben über hypotekarisch be-r teihbares Eigentum an Grund und Boden verfüge Die durch philanthropische Kolonisation Angesiedelten haben ja nur ein Nutznießungsrecht an ihrem Grunde, das sie hypothekarisch nicht belasten können. Aber auch die unabhängigen Kolonisten können rechtskräftig keine Hypothek begründenweil das Land nicht auf ihren Namen, sondern auf den des Vertrauensmannes eingetragen ist. Es bleibt also nur der kleine Kreis von Eigentümern, die im staatlichen Grundbuche eingetragen sind und einen Besitztitel (Kuschan) haben. Groß aber ist der Nutzen für neue Besiedlungen. „Die Gewährung von Hypothekendarlehen kann eine sehr große Rolle spielen, wenn eine große Parzellierungs- und Besiedlungstätigkeit vorangegangen ist. Das Agrarkreditinstitut muß sich die Kunden für den Hypothekenkredit durch eine große angelegte Parzellierungs- und Besiedlungstätigkeit erst schaffen; er muß den kleinen Kapitalisten, die sich in Palästina ansiedel’n wollen, die Ansiedlung technisch nach Möglichkeit erleichtern und kann ihnen dann zur Ergänzung ihrer etwa nicht zureichenden Mittel im Wege des Hypothekenkredits verhelfen.“ Dr. Ruppin schildert nun klar die Wirksamkeit des gedachten Agrarkreditinstitutes als Parzellierungs institut, um dann seinen Zweck als Hypothekenbank darzulegen. Die Ausführungen schließen, wie folgt: „Es wäre zweifellos ein großer Fortschritt, wenn es gelänge, das Institut zu begründen und so die Tätigkeit der Gesellschaften, welche nnter den jetzigen ungünstigen Gesetzen, und mit kleinen Mitteln für dasselbe Ziel arbeiten, bei einer mit großen Mitteln ausgestatteten Gesellschaft zu konzentrieren. Warnen möchte ich aber davor, das Agrarkreditinstitut zum Idol zu machen und in seiner Anbetung und Erwartung die in Palästina bereits begonnenen Arbeiten, wie z. B. die beschränkte Gewährung von landwirtschaftlichem Kredit durch die Anglo-Palestine-Company, die Ameliorations- und Parzellierungstätigkeit der P. L. D. C., einfach liegen zu lassen. Sie müssen unter allen Umständen energisch fortgeführt werden, damit uns nicht, falls das Agrarkreditinstitut aus irgendwelchen Gründen seine Tätigkeit doch noch nicht sobald aufnehmen kann, mehrere kostbare Jahre für unsere Arbeit ungenutzt verloren gehen.“ Unser Prager Bruderblatt „Selbstwehr“, veröffentlicht an leitender Stelle einen Artikel des zionistischen Reichsratsabg. Dr. Arthur Mahler, der sich mit der Frage des jüdischen Katasters in der Bukowina beschäftigt, und in folgendem gipfelt. Nun sehen wir, daß die Regierung des Baron Bienerth das erstemal, da alle Nationen eines Landes einmütig, jedoch im eigenen Interesse den Juden ihr Recht zugestehen wollten, ihr quod non! entgegenstellt. Den Juden in der Bukowina darf nicht ihr Recht werden, weil es den geheiligten Traditionen widerspricht, daß den Juden nicht Unrecht geschieht. Und gleichzeitig sehen wir, wie in derselben Bukowina der Antisemitismus künstlich genährt und gezüchtet wird, wie eine bureaukratisch herzlose Amtsführung seit langen Jahren ansässige Judenfamilien ausweist. Damit aber ja und sicher dieser Antisemitismus nicht aussterbe, damit er speziell unter den Deutschen zu Kräften komme, werden die Juden mit den Deutschen in eine Kurie zusammengespannt. Ist es den patentierten Rettern des Deutschtums auch nur eingefallen, auch die Deutschen zu fragen, ob sie mit dieser Zwangsgemeinschaft zufrieden sind? Haben die Deutschen in der Bukowina nicht eigentlich, streng genommen, über die Zugehörigkeit zu ihrer Kurie ein Wörttein zu sprechen? Es ist wahrhaftig schwer, hierüber keine Satire zu schreiben. Die herannahende Session, die dadurch ausgezeichnet ist, daß man von der Wiener Herrengasse aus die Volksvertreter durch Entziehung der Diäten Westjuden. (Novelle von Ben David). (1. Fortsetzung.) Wien, 29. September 1906. Lieber Karl! Es wäre angezeigt nach meiner unmaßgebenden Meinung, "wenn Du nicht Deine Einnahmen nach Deinen Ausgaben, son- •dern Deine Ausgaben nach Deinen Einnahmen einrichtetest. ■Diese Menschenfreunde von 10% aufwärts hast Du allzu früh gefunden. Im übrigen bin ich nur um sieben Wochen älter als Du und überlasse die Moral Deiner höchstpersönlichen Ver- . arbeitung. Meine Kollegien sind bezahlt und ich gedenke ihren Genuß bald zu beginnen. Insbesondere ist es die praktische Philo-; <sophie des freisinnigen Geistlichen Laurenz Müllner, welcher ich;;mit angenehmer Spannung entgegensehe. Allerdings liest der i berühmte Gelehrte und Freund der Delle Grazie von 7—8 Uhr morgens, was für Dich wahrscheinlich eine conditio impossi- . bilis wäre 1; Die vollends freien Tage, welche ich bis jetzt verlebte, benützte ich zur Besichtigung der freundlichen Riesenstadt, bei 'welcher meine ungemein liebe Cousine weiteren Grades — ich habe sie unter der Marke „Lilly“ in meinem ersten Brief erwähnt — die Ciceronendienste geleistet hat. Die beiden Hofmuseen, besonders die Bildergalerie des kunsthistorischen, waren mir eine profunde Quelle geistiger und seelischer Erhöhung. Hast Du schon Porträts von Tintoretto gesehen? Diese ernsten, tiefernsten Gesichter, welche einen ansehen, wie Seelen verhallter Zeiten? Die ganze geheime Kraft, die aus dem menschlichen Auge in die umgebende Welt strömt, ist von des Künstlers Gnade in unvergänglichen Werken erhalten. Ich hatte bei vielen Bildern das Gefühl, als ob der edlere Teil dieser längst verfaulten Lebewesen von einer überirdischen Fähigkeit der Ewigkeit geschenkt worden sei-Und Rembrandt! Da ist Dir ein Judenbild, aus dem die ganze tausendjährige Geschichte unseres Volkes — wenn wir es auch nicht sind, wir waren ein Volk! — in ernsten Worten spricht. Ich bin vor dem Bild in stummer Wehmut gestanden und in mir regte sich etwas wie Heimweh nach einer längst vergangenen Zeit. Fräulein Lilly klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Nicht wahr, Herr Fritz, das ist die große Macht des Künstlers: Was im Leben schmutzig und häßlich ist, wird schön und erhaben in seinen Werken! Ich wußte, worauf sie anspielte. Ich hatte schon viel mit ihr darüber gesprochen. Sie ist Christin und nichts kränkt sie mehr als ihre jüdische Abstammung; alles was jüdisch ist, erscheint ihr niedrig,

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