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Jüdische Zeitung · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 .QÖDI3GREI ZEFPUND. Nh M Freude, seine Freude sei, sowie all derer, die sich beim Siege einer gerechten Sache’ freuen. Dr,. W_a.ldm.ann rief eine Pereat all den inneren Feinden und Gegnern der jüdischnationälen Bewegung zu. Dr. Ringel widmete sein Glas den Brodyer Zionisten, den fleißigen ernsten Arbeitern. Zum Schlüsse sei das taktlose Benehmen des hiesigen Kultusvorstandes festgenagelt. ' Der hochlöbliche Kultusvorstand, der beijeder fremdnationalen Feier mithält, sei es, um die Gründung eines Veteranenheims zu begründen, öder den polnischen Sokolisten ein kräftiges „Czolem“ aus dem Munde seines mährischen Kultuspräsidenten vor den Pforten der heiligen Synagoge zuzurufen, derselbe Kultusvorstand fand es unter seiner Würde, der an ihn seitens des Baukomitees des jüdischen Volkshauses ergangenen Separateinladung, zu folgen, oder wenigstens diese zu erwidern! . . . Allerdings, was hat ein — israelitischer Kultusvorstand in einem jüdischen Volksheim zu suchen? Zum Bau des jüdischen Volkskauses haben alle israelitischen Vorsteher und Kahalniks nichts beigetragen. Das jüdische Volkshaus wird hoffentlich dafür sorgen, daß sie in nicht allzuferner Zeit aus der Gemeindestube hinausspazieren! P. B. Bukowmer Kultusgemeindetag. Sonntag, am 10. d., fand im „Jüdischen Hause“ ein von sämtlichen Bukowina- Kultusgemeinden beschickter Kultusgemeindetag statt. Den Vorsitz führte der Präses der Czernowitzer Kultusgemeinde, Herr Abg. Dr. Straucher, welcher im Namen des jüdischen Nationalvereines und der Judengemeinde der Stadt Czernowitz die zahlreich erschienenen Delegierten begrüßte. In einer einstündigen, sachlich gehaltenen Rede erörterte Abg. Dr. Straucher die gegenwärtige Lage der Juden in der Bukowina und beleuchtete eingehend die Stellungnahme der Juden zum Wahlreformentwurfe. Der Redner unterzog das verräterische Vorgehen der Abgeordneten Dr. Löwenstein und Dr. Kuranda einer überaus scharfen Kritik und teilte der Versammlung das Ergebnis der letzten Sitzungen des Permanenzausschusses mit. Abg. Dr. Stracher teilte fernerden Inhalt eines an den Minister des Innern Baron Härdtl gerichteten Telegramir.es mit, in welchem der Minister angefragt wurde, ob die Regierung ihre Zustimmung zur Aenderung der Bezeichnung -deutsch-jüdische Wahlbezirke“ statt „deutsche Wahlbezirke“ wie es jetzt im Landtagswohlreformentwurfe heißt, geben würde. Die Antwort des Ministers lautete da hin, daß jede Bezeichnung „jüdisch“ oder „deutschjüdisch“ unzulässig sei. Auch bezüglich der Verminderung der Handelskammermandate erklärte der Minister, daß bei der Beibehaltung der Interessenvertretung ernstliche Bedenken gegen eine Verminderung der Handelskammermandate ob walten. Es spsach hierauf Dr. Mendel Kinsbrunner, der nach einer längeren, mit großem Beifall aufgenommenen Begründung die Entsendung einer aus der Mitte des Kultusgemeindetages zu wählenden Deputation an den Minister Haerdtl beantragte. Dr. Berl Kinsbrunner bezeichnete den Entwurf in der jetzigen Form als für die Juden unannehmbar und schloß sich dem Anträge auf Entsendung einer Deputation an. Dr. Kassner beantragte die Annahme einer Resolution, : in welcher die wiederholt freundliche Stellungnahme einzelner Organe der BukowinaerLökalpressefür die Interessen des jüdischen Volkes in der Bukowina anerkannt und die dringende Forderung nach Schaffung eines eigenen jüdischen Zeitungsorganes ausgesprochen wird. Dr. Chaim Kinnsbrunner beantragte eine Resolution, in welcher erklärt wird, daß der einzige jüdische Reichsratsabgeordnete des Landes Dr. Straucher, sämtliche jüdische Landtagsabgeordneten' und jüdische Organisationen des Landes die selbständige jüdische Wahlkürie: als ein Lebensinteresse der Juden in der Bukowina zum Schutze ihrer durch Antesimitismus schwer bedrohten politischen Rechtsstellung1 erachten und die Versammlung - der Kültusgemeinden des Landes feierlichst Verwahrung gegen die Behandlung des jüdischen Volkes als einer bloßen religiösen Konfessionsgemeinschaft einlegt. Dr. Zellermayer (Wiznitz) und Kultuspräses Schecht (Zustawna) dankten namens der Judenschaf t ihrer Bezirke dem Abgeordneten Dr. Straucher für seine unermüdliche Arbeit für die Interessen des jüdischen Volkes. Löbel Taubes hält eine längere mit großem Beifall aufgenommene Rede und bespricht die Haltung der anderen mit den Juden verbündeten Parteien zu der Frage des jüdischen Katasters und der Sicherung der jüdischen Mandate. Er befaßte sich ausführlich mit der Erklärung des Ministers Härdtl an die Deputation des jüdischen Nationalvereines in Wien und weist auf die Volkszählung im Jahre 1911 hin, bei welcher die Juden verpflichtet sind, als ihre Umgangssprache „Jüdisch“ anzugeben. Es sprachen noch zu dieser Frage Kammerrat Trichter, Dr, Max Ebner, Dr. Nußbaum, Kammerrat Beral und Max Feuerstein. Hierauf gelangte ein vom Abgeordneten Dr. Straucher vorgetragener Entwurf, betreffend die Organisation der Bukowiner Juden zur Annahme. Zum Schluß wurde die Deputation nach Wien, bestehend aus den Herren Abgeordneten Dr. Straucher, Löbel Taubes und Chaim Kinsbrunner gewählt. Dieser Deputation, werden sich auch die Abgeordneten des jüdischen Klubs Stand und Dr. Gabel anschließen. Aus dem jüdischen Leben. „More indaico“ in Kroatien. Zagreb. Zu den wenigen Ländern, in denen noch Reste des an finsteren Zeiten der Judenverfolgungen erinnernden Judeneides („more indaico“) existieren, zählt auch das Königreich Kroatien-SIavonien. Laut Hofdekret vom Jahre 1846 muß der Jude bei der Eidesleistung eine mystische Formel hersagen und, wenn es gefordert wird, erscheint ein Rabbiner im Ornate, der diese für dasjudentum erniedrigende Zeremonie noch peinlicher gestaltet. Die Unhaltbarkeit dieser mittelalterlichen Eidesformel haben auch die kroatischen Richter eingesehen und in der Praxis wird der Jude fast immer in derselben Weise wie die Nichtjuden vereidigt. Immerhin läuft jeder Jude Gefahr, von einem antisemitischen Richter zum Eide „more indaico“ angehalten zu werden. Daß dieser Judeneid unzeitgemäß und den Gesetzen widersprechend ist, geht aus dem Gesetze und dem Gesetze vom Jahre 1873 uud dem internationalen Gesetze vom Jahre 1906, welche die konfessionelle Gleichberechtigung garantieren, hervor. Trotzdem haben die Behörden noch immer keine Verordnung, die den Judeneid endgültig ver- . wirft, erlassen, wenn das auch von den Kultusgemeinden urgiert wurde. Um aber dieser Angeiegen- : heit wieder Aktualität zu verleihen, veröffentlichte unser Gg. Dr. Lad. Schick in dem Amtsblatte : „Narodne novine“ einen sachlich gehaltenen Artikel,; in welchem er mit Hinweis auf die Gleichberechtigungsgesetze, die Gleichstellung derjuden vor den Gerichten fordert und in diesem Sinne an die Regierung appelliert. — Es; ist zu hoffen, daß die gesamte Judenschaft Kroatiens, ■ aufgemuntert durch diesen vortrefflichen Artikel Dr. : Schicks, eine energische Aktion für die Entfernung : des Judeneides einleiten wird. r—z. : . " * *7; Konferenz der zionistischen akademischen Vereine Galiziens. ak. Lemberg (Orig. Korr.). Im Redaktionslokale des jüdischen „Tagblattes“ fand Sonntag den 10. d. M. nachmittags eine Konferenz der zionistischen akademischen Vereine statt. Fast alle in den galizischen Provinzstädten existierenden Vereine waren durch Delegierte vertreten. Die Konferenz wurde vom Obmann: des gälizischen Z;-K.; : Dr.: Michael Ringel -eröffnet, welcher auf die Wichtigkeit der Schaffung einer einheitlichen Organisation aller zionistischen Vereinigungen Galiziens hinwies und zu einer gemeinsamen Aktion zur Anerkennung der jüdischen Nationalität an' den Krakauer und Lemberger Universitäten und technischen Hochschulen aufforderte. Nach der Wahl des Präsidiums (Pilzer- Krakaii, Hirschsprung und Alexandrowicz-Sambor) referierte Gg. R o t f e 1 d über das Organisations- Statut. Die Delegierten der poale-zionistischen Studentenschaft, welche im Verein „Chejruth“ in Lemberg organisiert sind, verwahrten sich gegen den allgemein zionistischen Charakter der Organisation und stellen einen Antrag, demnach den Poale-zionisten unbeschadet ihrer Ueberzegung, Möglichkeit gegeben werde, der Organisation anzugehören. Da dieser Antrag abgelehnt wurde, verließen sie die Sitzung. Hierauf wurde das Organisationsstatut en bloc angenommen und zur Wahl einer Exekutige geschritten, ln dieselbe wurden gewählt aus Lemberg die Gg.: Dr. Isior Schneider als Obmann, Natan Czaczkes als Stellvertreter, Rotfeld, Gerstmann, Schwarz, Fast, Konstantyn, Kormus und Schorr und je sechs Mitgliedern aus Ost- und Westgalizien. Wegen Zeitmangel ist die Beratung und Durchführung der restlichen Programmpunkte' der Tagesordnung dem Exekutivkomitee überwiesen worden. Vortrag Doz. Dr. Franz Oppenheimer. Durch den Vortrag des Gg. Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin, wurde der Zyklus, der in dieser Saison vom Zionistischen Zentralverein veranstalteten öffentlichen Vorträge, eröffnet. Lange vor Beginn des Vortrages hatten sich im Saale des Hotels „Bayrischer Hof“ zahlreiche Zuhörer eingefunden, um dem Vortrage des Gg. Dr. Oppenheimer, der das aktuelle Thema „Jüdische Agrarpolitik“ gewählt hatte, zu lauseken. Gg. Dr. Oppenheimer legte dann inmehr als einstündiger Rede die Methoden dar, welche er für die einzig berechtigten und erfolgversprechenden hält, um Palästina in raschester und zweckentsprechendster Weise zu kolonisieren. Soviel Gründlichkeit, Präzision des Ausdruckes und logische Schärfe wie bei Dr. Oppenheimer dürfte man kaum bei einem anderen Gelehrten finden. Besonders sympatisch berührte die frische und stolze nationale Note die sich in seinen Ausführungen äußerte. Nachstehend seien in knappen Zügen die Grundideen des Vortrages wiedergegeben, wobei ausdrücklich bemerkt werden muß, daß es einfach unmöglich ist, in wenigen Worten ein annäherndes Bild des stolzen Gedankenbaues Oppenheimer’scher Vorträge wiederzugeben. Uebrigens sei darauf verwiesen, daß der Vortrag in der nächsten Nummer unseres Zentralorganes in extenso erscheinen wird. Grundlage jeder Kolonisation ist die Ansiedlung von Landwirten. Wenn man Städte gründen will, muß man Bauern schaffen. „Ohne jüdischen Bauer kein jüdisches Palästina.“ Nach der Besprechung der verschiedenen Formen des landwirtschaftlichen Eigentums, kam der Referent zum Schlüsse, daß sich für die Kolonisation Palästinas nur zwei Formen eignen. Dies sind Produzentengenossenschaft und der kollektive Großbetrieb der Produktivgenossenschaft. Letztere Form ist indes vorzuziehen, da sie für die ungeheure Mehrzahl der zu Kolonisierenden, die einzig mögliche sei. Die neu ankommenden Arbeiter müssen sowohl physische als auch technische Schulung erhalten. Für die zionistischen Kolonisten eignet sich nur der „gemeinnützige-Großbetrieb mit Gewinnbeteiligung“. Am besten ließe sich das durch Ankauf großer Güter, deren Bewirtschaftung durch genossenschaftliche Arbeiter, bis zu deren Ausbildung, und spätere Ueberlassung der Güter zum Selbstkostenpreis an die Arbeiter durchführen. Die Leitung der Siedlungen muß sich im Geiste eines aufgeklärten Despotismus, der allmählich zur demokratischen Verwaltung übergeht, vollziehen. -Der nächste Kongreßrriüß sich mit dieser Frage beschäftigen und das NF-Geld, welches vorläufig totes Kapital ist, für. eine derartige Kolonisation verwenden. Hauptsache für den Zionismus bleibt die Schafffung einer Kre-‘ ditbaisis und das kann nur durch den Beweis der Rentabilität von Kapitalien, die zu Kolonisa-

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