Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 42 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, M ■JßüiaeHElZBFTONp. Seite S S t a n'd und zpg elfte Paralelle zwischen unserem Volksvertreter und dem Volksverräter Löwen-: stein. Hierauf ergriff, von jubelndem, minutenlangen Applaus begrüßt, der Abg. Stand das Wort, Zunächst legte er die Tätigkeit des jüd. Klubs in den allgemeinen, das Judentum berührenden Fragen, auseinander, besonders den Kampf gegen dje Resolution Schmid, gegen Uriel und die Hintertreibung der Agitatipnsreise Geßmanns in die Bu^ kowina u. v, a. Hierauf besprach der Abgeordnete die von ihm im Interesse unseres Städtchens eingeleiteten Aktionen, unter denen besonders die Kreierung des Bezirksgerichtes jn Podkamien hervorgehoben zu werden verdient. Die Ausführungen des Abg. Stand wurden begeistert aufgenommen. Einstimmig wurde die Resolution Jonas Reiser angenommen, die dem Abg. Stand das vollste Vertrauen sowie der Dank für seine parlamentarische Tätigkeit ausdrückte. Um 2 Uhr nachmittags fand im Gemeinderatssaale eine allgemeine Wählerversammlung statt, bei welcher der Ortsgeistliche Wawryk präsidierte. In einer sachlichen, inhaltsreichen Rede, die auf die Zuhörer einen tiefen, faszinierenden Eindruck machte, schilderte Abg. Stand die Schwierigkeiten der parlamentarischen Situation und die wichtigsten sozialen Fragen, die der Reichsrat bis nun gelöst hat und legte an der Hand beweiskräftige Argumente dar, daß er bei jeder Gelegenheit als Verfechter des demokratischen Gedankens nur dem Volksinteresse das Wort gesprochen habe. Die Versammlung votierte dem Abg. Stand einstimmig ihr vollstes unbeschränktes Vertrauen. Der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Nationalität wurde zum ersten Male seit Einführung der Konstitution die Möglichkeit geboten, persönlich und direkt ihrem Vertreter ihre brennendsten Postulate vorzulegen. * * * Jüdischer Abituriententag in Lemberg. Lemberg. Die jüd.-akad. Verbindung „Hasmonnea“ in Lemberg beruft auf den 24. d. M. in das jüdische Studentenheim (Theresiagasse) einen ■allgemeinen jüdischen Abitüriententag (Hörer des I. Jahrganges) mit folgendem Programm ein : 1. Eröffnungsrede — Senior der „Hasmonea“, 2. Begrüßung im Namen des Z.-K.; 3. Begrüßung im Namen der P. Z. P.; 4. Die Lage der jüd. Jugend undihre Aufgaben für die Zukunft — Dr. Josef Löwenberg; 5. Die Lage im Zionismus und die akad.Jugend — Josef Oerstmann.o.Das moderne Judentum — Salamon Schiller; 7. Schlußrede — Abgeordneter Adolf Stand. lin Interesse des Gelingens dieser Versammlung ergeht an alle Gesinnungsgenossen der warme Apell, für dieselbe eine intensive Agitation zu entfalten. * * * Jüdischer Studententag. Aus Czernowitz schreibt man uns: Die jüdischnationale Studentenschaft beruft für den 13. und 14. November 1. J. einen Studententag der Bukowinaer Hochschüler nach Czernowitz zur Besprechung der Lage und Aufgaben der Studenten ein. Vorschläge und Anregungen für Tages- und Geschäftsordnung können von allen interessierten jüdischen Studenten bis zum 1. November an die Adresse: jur. SiegmundTerner, Radautz, Kirchengasse, eingesendet werden. Die definitive Tagesordnung wird nach dem 1. November bekanntgegeben werden. Einberufer sind: cand. jur. Siegmund Terner, cand. jur. Saul Soka 1, „Chermonia“, „Emunah“, „H a s m o n ä a“, „H e b r o n i a“, „T i k w a h“ und „Z e p h i r a“. Die Wählerversammlung im Wahlkreis Kuranda. Montag den 11. d. fand in den Souterrain- Ipkalitäten des Cafe Concordia eine von vielen jüdisch - nationalen Wählern des I. Bezirkes einberufene, zahlreich besuchte Wählerversammlung statt, in welcher die politische Lage des österreichischen Juden, die Frage des jüdischen Katasters in der Bukowina und die Tätigkeit des Abgeordneten Kuranda besprochen wurde. Der Referent Gg. Dr. Jakob Kohn schilderte in großen Zügen die Entwicklung der jüdischen Politik in Oesterreich bis zur Gründung <1?? Jüdischen Klubs“, dessen Abgeordnete zum ersten Male im österreichischen Parlamente, hauptsächlich ajs Vertreter jüdischer Interessen, auftraten: Hierauf besprach er die politische Haltung der Polenklubsisraeliten und beleuchtete dann, immer mit sachlichen Gründen operierend, die Tätigkeit der jüdisch - liberalen Abgeordneten Ofner und Kuranda. Während Ofner, dessen Politik man vom jüdischen Standpunkte durchaus verwerfen müsse, wenigstens eine Persönlichkeit sei, habe Kuranda keine einzige Eigenscnaft, die ihn befähigt Politiker und obendrein jüdischer Politiker zu sein. Sein Verhalten im Parlament zeige zur Genüge, daß seine Wahl ein arger Mißgriff, seine Politik verfehlt und er selbst ein Schädling des jüdischen Volkes sei. Besonders verdammenswürdig sei seine Aktion in Angelegenheit des jüdischen Katasters. Hierauf verlas Herr Dr. Kohn einen Brief Kurandas, der zur Versammlung eingeladen wurde, in welchem Hofrat Kuranda erklärt, nach dem Präludium im Parteiblatte nicht bei der Wählerversammlung erscheinen zu können. Die Antwort beweist unwiderleglich, daß Herr Kuranda nicht den Mut hat, Rede und Antwort zu stehen und vor seinen Wählern zu erscheinen. Schließlich schlug Dr. Kohn der Versammlung die Annahme folgender Resolution vor: „Die Lage des jüd. Volkes in Oesterreich wird täglich schwieriger. Angesichts der Lauheit seiner Freunde kann es dem Ansturm der Feinde nur widerstehen durch eigene Kraft und Zähigkeit, erwiesen und gestählt in seinem Jahrtausende alten Kampf um die Existenz. ln diesem Kampfe kann das jüd. Volk nur Vertreter und Führer brauchen, die ganze Männer und selbstbewußte Juden sind. Da das bisherige politische Aufreten des Abg. Kuranda den gänzlichen Mangel dieser Eigenschaften bei demselben klar aufgezeigt hat, fordert die am 11. Oktober im Saale des Cafe Concordia zahlreich versammelte jüd. Wählerschaft des I. Bez. den Herrn Hofrat Küranda auf, sein Abgeordnetenmandat zurückzulegen. In der Debatte ergriff als erster Gg. Herr Brunner das Wort, der Abg. Kuranda als den entsprechenden Vertreter des verfaulenden Liberalismus bezeichnete, daran erinnerte, in welch zudringlicher Weise sich Kuranda an die Deutschen, die ihn nicht aufnehmen wollten, und an die Christlichsozialen, auf deren Ball er als einziger Jude erschienen sei, anbiedere und schließlich die tschechenfeindliche Haltung Kurandas, der doch als Vertreter der Juden von der nationalen Verhetzung sich fernhalten sollte, erwähnte. Herr Obering. Fried wandte sich hauptsächlich gegen das System, welches Kuranda verkörpere und forderte zur unnachsichtigen Bekämpfung der inneren Feinde auf. Dr. S. R. Landau stellt den Antrag, man möge Dr. St rauch er aufiordern, auch weiterhin für den nationalen Kataster einzutreten, da er (Dr. S. R. Landau) glaube, Dr. Straucher habe auf dieses Postulat verzichtet. Diese durck nichts begründete Meinung des Dr. Landau wurde von den Gg. Waldmann, Freundlich und Dr. Abe 1 es gründlich widerlegt. Letzterer wies auf die sonderbare Wandlung hin. die Dr. S. R. Landau seit einigen Tagen durchgemacht hat. In der letzten Nummer der „National Zeitung“ richtete er an seinen „Freund und Kollegen“ einen pathetischen Liebesbrief und nun trete er als Gegner auf. Das sei ein durchsichtiges Spiel und Stelle den Versuch dar, einen Keil in die Partei zu treiben. Er beantragt eine Resolution, in welcher dem Abg. Dr. Straucher volles Vertrauen ausgesprochen und der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wird, daß er auch weiterhin auf der Forderung der jüdischen Kurie beharren werde. Während dieser Ausführungen ereignete sich der bedauerliche Zwischenfall, daß ein Versammlungsteilnehmer — allerdings durch einen Zwischenruf Dr. Landau’s provoziert, diesem sehr unziemliche Worte zurief. Trotzdem der Vorsitzende diese Aeußerunden sofort scharf rügte, benützte Dr. Landau die Gelegenheit, um sich aus der Affaire zu ziehen und verließ den Saal. Nach einem zusammenfassenden Schlußworte des Herrn Dr. Kohn wurden die beantragten Resolutionen einstimmig angenommen. Eine starke Gruppe der Versammlungsteinehmer zog nach der Versammlung zur Wohnung Kurandas und zur „Neuen Freien Presse“, wo sie Demonstratione» veranstelteten. Eröffnung eines jüdischen Volkshauses in Brody. (Originalbericht der Jüd. Zeitung,“) Der 3. Oktober war für die Brodyer Zionisten ein Freudentag. An diesen^ Tage wurde nämlich das Beth-haam (Volkshaus) eingeweiht, welches seine Existenz lediglich der Opferwilligkeit der breiten Schichten verdankt. An seiner Gründung beteiligte sich weder der Kahal, noch irgend ein Mauschel. Gulden um Gulden wurden zusammengetragen und heute kündet die Aufschrift „Bethhaam“, daß das in einer der schönsten Straßen gelegene Haus dem jüdischen Volke gehört. Schöne lichte Räume, ein großer, elegant ausgestatteter Versammlungssaal, ein schöner Garten; hier soll alles, was jüdisch ist, sein Forum haben. Und nun möge der Kahal Ukase erlassen, daß in keinem Bethause jüdische Ideale gepredigt, in keiner Synagoge Vorträge über Zionismus gehalten, Aufklärung und Belehrung unter die jüdischen Volksmassen getragen werden dürfe! Nun möge der jüdische Bürgermeister Pascha den Gemeinderatssaal den jüdischen Wählern verschließen! Das jüdische Volkshaus steht weitgeöffnet da, für alle, welche jüdische Ideale suchen, nach Aufklärung und Be-: lehrung lechzen, für alle, welche Gerechtigkeit predigen und Unrecht verdammen, Wahrheit künden und Lüge brandmarken wollen! Der jüdischen Oeffentlichkeit ist eine Tribüne errichtet worden, wo all jene Leute entlarvt werden sollen, die jüdische Aemter sich aneignen, zu ihrem Nutz und Frommen, jüdische Repräsentanz spielen, um ihre Knopflöcher zu schmücken, jüdische Gemeinderäte werden, um ihre Taschen zu füllen. Nun haben wir eine Stätte, wo echte jüdische Politik, ohne Rücksicht auf Personen betrieben werden soll. Personenkultus und Erbmandate müssen aufhören, die Bevormundung der hiesigen jüdischen Bevölkerung hat ein Ende und mit all den Parasiten, die am jüdischen Volkskörper saugen und ihr jüdisches Herz nur dann entdecken, wenn es ihr eigener Vorteil erfordert, soll nun aufgeräumt werden. Es ist daher kein Wunder, wenn die jüdische Bevölkerung die Eröffnung dieses Hauses mit Freuden begrüßte und dem feierlichen Akte massenhaft beiwohnte. Als Gäste waren u. a. erschienen: die Abg. Stand, Dr. Gabel und Breiter, der Obmann des gal.-zion. Zentralkomitees Dr. Ringel, der Obmann des podolischen DK Dr. Waldmann Obmann des hebräischen Schulvereiues Schiller, die Direktion der Kreditunion, Frau Rosa Pomeranz-Melzer u. v. a. Nach dem Vortrage eines hebräischen Weiheliedes durch den Synagogenkantor, begrüßte der Obmann des Baukomitees, Herr Paul Brafr, die Festgäste mit einer längeren Ansprache. Der Grund-: stein dieses Hauses, führte er aus, heiße W a h rh e i t und der Schlußstein desselben nenne sich Friede! Wir Zionisten streben einen Frieden an, der die Wahrheit zur Mutter habe, wir suchen eine Wahrheit, die nach den Worten des Psalmisten mit der Gerechtigkeit Küsse tauscht. Nur eine solche Wahrheit erkennen wir an, nur ein solcher Friede ist uns heilig. Abg. Stand hielt die stürmisch akklamierte Festrede, in der er die Bedeutung jüdischer Volkshäuser besonders betonte. Namens der hiesigen Vereine sprachen die Herren Tartakow e r und Oken und Frau P o m e r a n z-M e 1 z e r begrüßte das jüdische Volkshaus namens der organisierten zionistischen Frauen, zugleich ein warmes Mahnwort an alle jüdischen Frauen richtend, der Jugend eine Erziehung im Sinne des wahren Judentums angedeihen zu lassen. Abends vereinigte ein von Dr. Gl asb erg und Dr. Olesker arrangierter Kommers im Festsaale des neuen Hauses, alle Gäste und hiesigen Zionisten. Unter den verschiedenen Toasten verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Abg. Stand, der, an die letzten Vorgänge in der Bukowina anknüpfend, auf die große Bedeutung der jüdischen Organisation, die ausgebaut und ausgestaltet werden müssen, hinwies. Abg, Gabel, der in treffenden Worten die weiteren Aufgaben einer wahren jüdischen Volkspolitik skizzierte. Abg, Breiter, der als Freund aller unterdrückten Völker und Nationen, auch die jüdischnationale Bewegung warm begrüßte. Er sei hergekommen, weil unsere