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Jüdische Zeitung · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 . JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 . Gelegenheit, an der armen Frau Erpressungen zu verüben, denen sie, mit Rücksicht auf ihre geringen Mittel oft gar nicht nachgeben kann. * * * ' Ein lehrreicher Prozeß. In amerikanischen juristischen Kreisen wird gegenwärtig ein Prozeß sehr lebhaft besprochen, der demnächst zur Verhandlung gelangen und über die prinzipielle Frage entscheiden'soll, ob es einem Hotelbesitzer gestattet ist, Juden aus seinem Hotel auszuschließen. Dem Prozeß liegt folgender Tatbestand zugrunde: Ein sehr reicher jüdischer Fabrikant, Mr. Jakob Brasch aus Boston, kam geschäftlich nach Hüll und wollte in einem erstklassigen Hotel absteigen. Der Manager, bei dem Mr. Jakob Brasch das Zimmer bestellte, musterte erst einige Minuten den Gast und meinte dann lächelnd: „Wollen Sie gefälligst einen Blick auf die Wand gegenüber werfen!“ Mr. Brasch lenkte seine Blicke in die bezeichnete Richtung, wo er eine in großen Lettern gedruckte Mitteilung las, die kurz besagte: „Juden sind hier unerwünscht!“ Mr. Brasch machte rasch Kehrt, fuhr geradeaus zu einem Advokaten, durch den er den Hotelbesitzer auf 5000 Dollar Schadenersatz klagen ließ. „Ich betrachte das Vorgehen des Hoteliers als eine schändliche Beleidigung des ganzen jüdischen Volkes und als ein Verbrechen begangen an der amerikanischen Konstitution“, sagte Mr. Brasch, „und bin daher entschlossen, die Sache durch alle Instanzen zu verfolgen.“ Bezeichnend für die Fortschritte, welche der Antisemitismus ■ in Amerika macht, ist, wie sich der Hotelbesitzer zu rechtfertigen sucht. Er behauptet, daß seine Gäste, die sich hauptsächlich aus nichtjüdischen Millionären rekrutieren, rundweg die Freundschaft gekündigt haben, weil er auch reiche Juden in sein Hotel aufnehme. Seine Gäste verlangten deshalb die Anbringung des odiosen Plakates. * * * Galizische Schänkerkonferenz in Lemberg. Am 21. d. fand in Lemberg eine Schänkerkonferenz statt, an welcher viele Abgeordnete darunter Gg. R.-R.-Abg. Stand teilnahmen. Das Hauptreferat über „die Erteilung der Schänkerkonzessionen nach dem Jahre 1910“ hielt Gg. Frostig. Seine Ausführungen gipfelten, in folgenden einstimmig angenommenen Resolutionen: 1). Die galizischen Abgeordneten werden aufgefordert, dahin zu wirken, daß die Unparteilichkeit bei Erteilung von Konzessionen gewahrt bleibe. 2). Konzessionen mögen nur solchen Personen erteilt werden, welche ' den Schänkerberuf schon im Jahre 1908 ausgeübt haben. 3). Die Versammlung protestiert gegen die Erteilung von Konzessionen an Gemeinden, Brauereien und Handelsgesellschaften. 4). Die Konferenz ver- . -langt, daß der Termin für Erteilung von Konzessionen bereits am 1. Jänner 1910 beginne. Unter ■Führung aller anwesenden Abgeordneten begab sich hierauf eine Deputation zum Statthalter, um ihm ■die Wünsche der Konferenz bekanntzugeben. Nach ■ einer Ansprache des Abg. Löwenstein, ergriff •Abg. Stand das Wort und legte dem Statthalter nahe, auf die Wünsche von 30.000 jüdischen Familien, die vom Schankgewerbe leben, Rücksicht zu nehmen. Statthalter Bobrzynski versprach, die weitgehendste Berücksichtigung der von der Konferenz gestellten Forderungen. Zeitschriften und Bücherschau. Die „Jüdische Rundschau“, Berlin Nr. 37/38, bringt einen polemischen Artikel von Dr. G . Wit- 'kowsky „Zur neuesten Krisis im Zionismus“. Der Autor geht von der merkwürdigen Ansicht aus, daß es im gegenwärtigen Zeitpunkte der Türkei gegen- über am klügsten sei „die Taktik des Schweigens bis zur Virtuosität auszuüben“ (!) Leider ist es unmöglich, dem verwirrten Gedankengang des Artikels, den wir, wie alle Kongreßartikel, unseren Lesern . gerne vermittelt hätten, zu folgen. Insbesondere aus der an den Schluß gesetzten „Zusammenfassung“ wird kein Mensch klug. — Davis T r i e t s c h setzt seine lehrreichen Ausführungen über „Probleme“ der jüdischen Emigration und Kolonisation fort. Das „Frankfurter israelitische Familien- " blatt“ bringt in Nr. 36 an leitender Stelle den ersten Teil einer Arbeit „Unsere Jahresbilanz“ von P e 1 i, die einen guten allgemeinen Ueberblick über . die Lage am Jahresschluß bietet. Der Artikel schließt: Ex Oriente lux. Das einzige Land'mit größerer 1 jüdischen Bevölkerung, das seinen jüdischen Bür- ..gern Gerechtigkeit widerfahren läßt, ist und bleibt die Türkei. Die offizielle Einladung des Präsidenten der Deputiertenkammer, Achmed-Riza, an die osteuropäischen Juden, nach der Türkei einzuwandern und der jüngste Erlaß des Sultans, auf den Namen des Chacham-Baschi der „der jüdischen Nation“ weitgehende autonome Rechte, gewährt, sind erfreuliche Anzeichen glänzender Entwicklungsmöglichkeiten für das jüdische Volk in der Türkei, die uns den Beginn einer neuen Aera unserer Geschichte ahnen lassen. Der zweite Teil dieses Artikels (Nr. 37 der genannten Zeitschrift) bespricht die nationalpolitischen und kulturellen . Strömungen -innerhalb des Judentums und führt bezüglich der Betätigung in Oesterreich folgendes aus: Von frischem, gesundem Geiste und von modernen, real-politischen Prinzipien war die nationalpolitische Betätigung unserer Brüder in Oesterreich im abgelaufenen Jahre getragen. Der rüstige Kämpf der national-jüdischen Kreise, die im „Nationalverein“ organisiert sind, gegen die assimilatorische, volksfeindliche Politik der jüdischen Polenknechte in Galizien und gegen jüdische Deutschtümelei in Böhmen, 1 das unermüdliche, energische Eintreten der Mitgliej •der des jüdischen Klubs im Reichsrate für die verletzten Interessen ihres Volkes, das zwar selten einen unmittelbaren praktischen Erfolg hatte, dafür aber immer von enormer erzieherischer Bedeutung für die jüdischen Volksmassen war, sind Ruhmesblätter in der Geschichte des' öffentlichen Lebens der österreichischen Judenheit: Ein glänzender Erfolg dieser zielbewußten national-politischen Tätigkeit ist die offizielle Anerkennung der jüdischen Nation in der Bukowina und die Ausscheidung der Juden in eine selbständige Wahikurie für den Landtag mit eigener Vertretung im Landesausschuß. — Dieser Akt ist die erste wichtige Siegesetappe der österreichischen Judenheit in ihrem Kampfe um die Nationalität und dürfte mit der Zeit auch für unseren nationalen Kampf in außerösterreichischen Ländern prinzipielle Bedeutung erlangen. Die „Welt“, Köln a. Rh. Nr. 37/39. Dr. O- Thon eifert zur Schekelsammlung an und sagt daß sich ein „Auchzionistentum“ ausbildet. Ein Ideal von der Größe, Weite und Schwere des Zionismus müsse aber die Seele nicht blos an der Peripherie, sondern bis in den Mittelpunkt hinein binden und beherrschen. 7 Im Czernowitzer Tagblatt vom 25. September, schreibt Dr. Meier-Ebner, in einem Artikel „Zur Landtagswahlreform“: Kaum hatte sich der Ministerpräsident Bienerth nach Anhörung des Permanenzausschusses fn sein Bureau züzückgezogen, um über den Wähireformentwurf nachzudenken, als ihm drei Herren gemeldet' würden, die ihn — da Gefahr im Verzüge — dringend zu sprechen wünschen. Es' seien dies der Herr Ho'frat Kuranda,' der Herr Abg. Dr. Löwenstein und der dritte -- das sei irgend ein Herr von der Zeitung. Ministertüren sind zwar doppelt gepolstert, aber die eingeweihten wissen zu berichten, Herr Hofrat Kuranda hat mit fliegendem Atem Se. Exzellenz gebeten, den jüdischen Kataster um Gotteswillen nicht zuzulassen, er habe große Angst, daß die Anerke..nung der jüdischen Nationalität dem ohnehin vor der slavischen Flut zurückweichenden Deutschtum den Todesstoß gebe, und im Interesse des deutschen Volkes sei es. . . Exzellenz Bienerth unterbrach den Redefluß des Herrn Kuranda: „Sie sind doch meines Wissens Jude. . .“, „Jawohl Exzellenz,.ich bin Deutscher mosaischen Glaubens, die Juden sind Deutsche, eine jüdische Nation gibt es nicht“. Exzellenz machte irgend eine Notiz mit dem Bleistift. Hofrat Kuranda war entlassen. Herr Dr. Löwenstein hielt einen kleinen Vortrag über die Bedeutung einer höheren Kultur, die in Galizien von den Polen repräsentiert wird, die Juden seien Säulen dieser Hochkultur und sie, die Juden, als Nation anerkennen, hieße die Polen dem Ansturm ukrainischer Barbaren preisgeben und es sei im Interesse des polnischen Volkes. . . Exzellenz Bienerth unterbrach den Redefluß des Herrn Löwenstein: „Sie sind doch meines Wissens Jude und. . .“ „Jawohl Exzellenz, ich bin Pole, mosaischen Glaubens, eine jüdische Nation gibt es nicht.“ Exzellenz machte irgend eine Notiz mit dem Bleistift. Dr. Löwenstein war entlassen. Der Herr von der Zeitung sprach einen Leitartikel: „Exzellenz atomisieren Sie nicht unser armes Oesterreich, machen Sie keine Katasterkatastrophen und namentlich warne ich Sie vor dem Katasterghetto. . .“ Exzellenz Bienerth unterbrach auch diesen Redefluß: „Sie sind doch — wie mir gemeldet wurde — von der Zeitung“. „Jawohl Exzellenz, ich bin Jude, sogar Zionist, aber die Juden sind nur eine zur Nation aufgedonnerte Konfession, die jüdische Nation ist tot, es lebt nur das jüdische Volk“. Exzellenz warf einen Blick voll tiefen Mitleids auf dem Besucher, malte irgend ein großes Fragezeichen und unter tiefen Bücklingen entfernte sich der Herr von der Zeitung. Nachdem der Minister diese drei Spielarten des modernen Judentums kennen gelernt hatte, entschloß er sich, den Kataster dieses chamäleonartigen Volkes zu streichen und die Juden der Bukowina als Deutschsprecher.de dem deutschen Kataster einzuverleiben. ... ew7iai(3R!?iauaf5aa An unsere Abonnenten! Mit dieser Nummer beginnt ein neues Quartal. Der heutigen Postauflage legen wir Erlagscheine bei, welche die rückständigen Abonnenten zur Erneuerung des Abonnements benützen mögen, damit in der Zusendung der Zeitung keine Unterbrechung eintrete. Wir richten an unsere Gesinnungsgenossen die Bitte, den Quartalsbeginn mit allerEnergie zurVerbreitung unseres Organs zu benützen. Die Stärkung unserer Presse ist und bleibt für unsere Bewegung eine der wichtigsten propagandistischen Aufgaben. Gerade jetzt, wo unsere Feinde wiederum an der Arbeit sind, muß es jeder Gesinnungsgenosse als vornehmste Parteipflicht betrachten, die Verbreitung der Jüdischen Zeitung“ mit aller Macht zu fördern. Hier bietet sich Gelegenheit zu einer Arbeit, bei der jedem der Erfolg seiner Arbeit sofort sichtbar wird. Jeder werbe einen neuen Abonnenten! Agitationsnummern stellen wir gern zur Verfügung. jüdische Zeitung G. m. b. H. gLxvIS ünZms SliglSipiSglS! cn^rgillGiiTKng DÜSjTUfl 5l?El3 SKvlS Gii.Avng SlSglS 51-^lP Jüdische Kommilitonen! Nach schweren Kämpfen hat das Exekutivkomitee zur Anerkennung der jüdischen Nationalität bei den akademischen Behörden durchgesetzt, daß die jüdische Studentenschaft in der offiziellen Statistik in einer eigenen nationalen Rubrik geführt werde. An Euch liegt es nun, durch die entsprechende Ausfüllung der Inskriptionsnationale (Muttersprache — —, Zusatz: jüdischer Nationalität) dafür zu sorgen, daß die Oeffentlichkeit erfahre, wie hoch der Prozentsatz der jüdischen Studierenden an jenen Hochschulen ist, die uns als einen „geringfügigen Bruchteil, als geduldete Gäste“ behandelte und uns die Gleichberechtigung absprechen. Es ist Ehrenpflicht jedes aufrechten, jüdischen akademischen Bürgers, sich nicht feig und unwürdig als Angehöriger irgend einer fremden Nationalität zu bezeichnen, die den Juden als minderwertig erklärt und behandelt. Jeder jüdische Student bekenne sich offen und stolz zu seinem Volke, das durch seine tausendjährige Kultur der Welt mehr gegeben hat, als jedes andere! Jüdische Hochschüler! Erfüllet Eure Ehrenpflicht! Nur der wird geachtet, der sich selbst achtet! Das Exekutiv-Komitee. Turnschule des jüdischen Turnvereines. Der Erste Wiener Jüdische Turnverein, IX., Liechtenstein Straße 20, erlangte von dem k. n. k. Landesschulrate in Wlett, die Bewilligung zur Errichtung einer Privatturnschule für Kinder im schulpflichtigen Alter. Es werden Mädchen- und Knabenriegen abgesondert unter Leitung eines staatlich geprüften Turnlehrers, Turnunterricht erhalten. Die Turnanstalt wird am 2. Oktober um 3 Uhr in der Turnhalle IX., Liechtensteinstraße 20 eröffnet werden. Auskünfte werden am Turnplatz erteilt.

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