Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 40 (1.10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.. 40 IÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 erzählt, daß die Resolution Löwensteins, betreffend die Einsetzung der Enquete deshalb angenommen werden mußte, weil tags vorher ein Antrag Skotyszewski bezüglich Ergriindung der Ursachen der Verarmung des christlichen Handwerkerstandes in den Städten vom Landtag angenommen wurde. „Augenscheinlich ging der Landtag von der Erwägung aus, daß er mit der Annahme dieser Resolution den loyalen Beweis erbracht habe, daß er für alle Bürger sorge und gleichzeitig bemühte er sich durch dieses übermäßig erzloyale Vorgehen, sich den Boden für die herannahenden Wahlen vorzubereiten“. Na also: Das ist einmal aufrichtig 1 Die Veranstaltung der Enquete ist ein Wahlmanöver. Das bestätigt ein polnisches Blatt selbst. Daß die jüdische Bevölkerung aber nicht auf den Leim gehen wird, dafür sorgt schon die jüdischnationale Aufklärungsarbeit. * * * Lueger am Grabe Goldschmidts. Lueger kennt seine Wiener Juden. Hat das Erscheinen des Vicebürgermeisters beim Bebgräbnis Sonnentals den ehrenwerten Baurat Stiaßny zu Freudenausbrüchen verleitet, wie mußte erst sein eigenes Auftreten wirken! Es ist gewiß ehrend für ihn, wenn er der Pflicht nachkam, einem alten Gemeinderatskollegen einen Nachruf zu widmen. Daß er aber damit parteipolitische Zwecke verfolgt, beweist seine vor einiger Zeit erfolgte Enunziation an die Wiener Juden, denen er mit Progroms drohte, wenn sie Sozialdemokraten wählen. Lueger will die jüdischen Stimmen haben und wir wissen genau, daß es genug Juden gibt, die, verführt durch Luegers persönliche Liebenwürdigkeit, den ärgsten Feinden und Bedrückern unseres Volkes ihre Stimmen geben. Lueger wird auch mit seinem diesmaligen Auftreten Erfolg haben, berichten doch Augenzeugen, daß man ihm bei seiner Abfahrt vom jüdischen Friedhof die Hand küssen wollte, was er energisch abwehrte. Lueger am Grabe Goldschmidts ist übrigens auch photographisch aufgenommen worden und wir sind überzeugt, daß der nächste Jahresbericht der Kultusgemeinde mit diesem Bilde geschmückt werden wird An den Pranger! Vierzig Jahre assimilatorischer Politik haben die Judenschaft Oesterreichs zur vollkommenen Bedeutungslosigkeit im gesammten Staatsleben und zur furchtbaren Verarmung in Galizien und in der Bukowina gebracht und zum Prügelknaben der streitenden Nationen werden lassen. Ganze Volksschichten wurden entwurzelt, die Taufseuche und die Felonie breiteten sich in erschreckender Weise aus. Die besten und bedeutendsten jüdischen Familien verloren jeden Zusammenhang mit ihrem Volke, die Intelligenz und die studierende Jugend lösten sich vom alten Stamme los. Eine alle Schichten und Klassen der Judenheit Füße sind von Wolken umhüllt, doch das Haupt ragt in den Sonnenkreis. Die Berge ringsum öffnen sich und umschmeicheln seinen Leib mit Weihrauchdüften. Die Sterne drängen sich um seine Schläfen. Eiserne Arme umklammern die Gesetzestafeln. Auf der Stirne aber dunkeln die Schatten einsam verwundener Kämpfe . . . Die gleiche Auffassung und Darstellung sehniger Mannhaftigkeit zeichnet noch manche andere Gestalt aus. Der Erzvater Abraham wird von Jehowah in die Nacht hinausgeführt: „Schau doch den Himmel an und zähle die Sterne, ob du sie zählen kannst!“ (1. Buch, Moses Kap. XV.) Lilien läßt eine hühnenhafte Gestalt durch die Nacht wandeln. Ein herrlicher Greisenkopf hebt sich vom Nachthimmel ab und die Faust, die den Stecken hält, könnte wohl ein mächtiges Schwert schwingen. Als Beispiele seien hier noch sein gestrenger Josua erwähnt und der Hohepriester Aaron der wahrhaft adelig vor dem Hochaltar betet. Von den andern Bildern ist namentlich das Blatt zum Schir Haschirim „Komm Geliebter in meinen Garten“ zu erwähnen. Es lodert förmlich von Liebesglut und die umfassende Zersetzung nahm überhand. Parallel damit wuchs und erstarkte der Antisemitismus, wurde zur Leitidee einer großen Partei, bedrohte die Existenz aller Juden und erschütterte den Wohlstand des ganzen jüdischenVolkesinseinenGrundfesten. Dementsprechend bot sich dem Betrachter dieser Erscheinungen ein düsterer Ausblick in die Zukunft. Wer um das Jahr 1890 die Prognose des Judentums in Oesterreich hätte stellen wollen, wäre unbedingt zum Ausspruche gekommen: „Finis Judaeae“. Da kam der Zionismus und erfaßte mit einem Schlage alles, was noch im jüdischen Volke lebenskräftig, jung, gesund, hoffnungsfreudig und stolz war. In erster Linie wandte sich die Jugend dem neuen Gedankenkreise zu und damit war die Zukunft des gesamten Judentums gerettet. In furchtbaren Kämpfen gegen Verleumdung, Abfall, Hohn, Philistertum und Böswilligkeit breitete sich der Zionismus aus, durchglühte mit dem Feuer seiner Idee die breiten Volksschichten im Osten und brachte sie zum Bewußtsein ihrer traurigen Lage. Der dumpfe Druck, ein Produkt der Kahalssatrapen und der assimilatorischen Führer, welcher auf die Seele der Judenschaft im Osten lastete, begann zu weichen. Wie ein Frühlingsföhn durchbrauste ein Wiedererwachen die verfallenen Hütten, die verstecktesten Winkel der Judengasse. Die schlummernden Volkskräfte wurden geweckt. Eine neue Zeit bereitete sich vor: der scheue gedrückte Jude, welcher vor dem Herrn, dem Kahalnik und dem Beamten gezittert, wurde innerlich frei und brach mit der Vergangenheit, die ihn zum Sklaven der Machtgelüste seinerVerführer und Unterdrücker gemacht hatte. Die jüdische Volksseele wurde frei! Wie ein reinigendes Gewitter schwemmte die Agitation während der Reichsratswahlen im Jahre 1907 alle Assimilationslügen hinweg! Der Jude wollte nicht mehr als Pole und Deutscher gelten; er bekannte sich offen zu seinem Volkstum. Dieser Prozeß vollzog sich in der Bukowina viel rascher und geräuschloser als in Galizien. Dank vieler glücklicher Umstände kamen die Bukowinaer Juden viel früher zur Erkenntnis, daß der verfahrene Karren der jüdischen Politik nur durch vollständige Aenderung des jüdisch-politischen Systems aus dem Sumpfe gezogen werden könne. Sie schlugen daher den Weg bewußter jüdisch-nationaler Politik ein. Ihr politischer Einfluß im Lande wuchs; Freund und Gegner rechneten mit ihnen. Und als in der letzten Zeit eine Kommission die Wahlreform für den Bukowinaer Landtag ausarbeitete, da wurden Gestalt des Mädchens ist von wirklich erlesener Schönheit. Der Psalm 137 (an den Wassern Babels . . .) ist besonders liebevoll behandelt und der „ackernde Jude“ gehört zu den lebendigsten Blättern. Uebrigens hat der Meister dem jüdischen Bauer eine ungemein plastische Radierung gewidmet, die sehr bald in den Stuben hängen wird. Lilien ist Schwarz-weißkünstler. Ist das nicht sinnbildlich? Im Golus sind dem Volke die Farben verblaßt und es blieb ihm nur Licht und Schatten. Aus Licht und Schatten formt sein bewußter Sohn Gestalten. Aber er gibt die Träume seines Stammes hiezu, eine uralte heilige Kultur sitzt neben ihm, wenn er schafft und er selbst setzt seine ganze starke Liebe drein : Da leuchten in diesen schwarz-weißen Zeichnungen die buntesten Farben auf. Ist uns nicht auch die heiße Arbeit, die unendliche Mühe, die aus jedem Werke Liliens spricht, symbolisch und klingen uns nicht aus diesen Schafen Uebergängen von Licht und Schatten, wie ein Wegweiser die Bibelworte entgegen: Deine Rede sei ja, ja — nein nein? Dr. Otto Abeies. die Juden nicht übergangen, sondern als separate nationale Gruppe berücksichtigt Einen besseren Beweis für die Richtigkeit der neuen Judenpolitik, als diese Anerkennung der separaten jüdischen Vertretung durch alle Nationen im Lande, hätte es gar nicht geben können. Wohl sind Stimmen laut geworden, die den nationalen Kataster in der Bukowina verdammten, doch fanden sich unter den fremden Nationen keine, unter den Juden nur sehr wenige, welche sich gegen den jüdischen Kataster erhoben. Aber selbst diese wenigen Stimmen sind nicht gegen die Anerkennung der jüdischen Nationalität, sondern lediglich gegen den Kataster aufgetreten. Sogar die wenigen Assimilanten in der Bukowina, wagten nicht, da sie mit den lokalen Verhältnissen vertraut sind, gegen den jüdischen Kataster Stellung zu nehmen, denn sie wußten, daß die gesamte jüdische Bevölkerung diese Forderung mit Enthusiasmus unterstützt. Vor der Majestät des Volkswillens verstummten sogar die enragiertesten Vertreter des „fremdnationalen“ Israelitentums! Fast schien es, als ob die jüdischen Assimilanten zur Einsicht gekommen wären. Da aber meldete die „Oesterreichische Wochenschrift“, daß der „deutschfreiheitliche“ Abgeordnete des Kaiviertels „Schritte“ unternommen habe, um die Anerkennung „der jüdischen Nationalität“ in der Bukowina zu verhindern. Bei der ersten Lektüre griff man sich an den Kopf! Was? Der aus allen deutschen Parteien hinausgeschmissene, lächerlichste Vertreter des abgekrachten jüdisch-assimilatorischen Liberalismus „unternimmt Schritte“, um den endgültigen Sieg eines von ungeheurer Volkskraft getragenen Prinzips aufzuhalten?! Ist das möglich? Wagte es der Don Quichote des Wiener Kaijudentums, der Clown des Parlamentscouloirs, der abgeblitzte Gratulant, seine dünnen Aermchen in die Speichen eines rollenden Rades zu stecken? Unternahm wirklich das zur Lächerlichkeit, Ohnmacht und zum schmählichen Untergange verdammte Assimilantentum einen perfiden, volksverräterischen Angriff gegen die Forderung von Hunderttausenden? Ist es möglich, daß die häßliche, widerliche Karrikatur des degeneriertem Judentums die „Chuzpe“ aufbrachte in seniltrotziger Greisenhaftigkeit gegen eine Bewegung anzukämpfen, die das Judentum auf neue Grundlagen gestellt hat? Hat das Klüngel des Wiener Kahals, dessen „Exekutive“ Herr Kuranda und Herr Bloch darstellen, noch nicht erkannt, daß ihre Stunden gezählt sind? Fordert es wirklich zu einem Kampfe heraus, der nur mit seiner vollständigen Vernichtung enden kann? Da stand es deutlich zu lesen! Es kann kein Zweifel obwalten, daß Herr Kuranda von Herrn Dr. Stern dirigiert, bereits die Beine gestreckt hat, um zu „schreiten“. Mauschel griff zu einem hinterlistigen Schlage aus! Diese Tatsache steht fest. Mauschel sehnt sich in den Zustand politischer Ohnmacht, nationaler Würdelosigkeit und ehrlosen Prügelknabentums zurück. Mauschel wünscht Zersetzung und Abfall, Sklaverei und Lüge. Sein vollendeter Typus, Herr Kuranda, will weiter Handlanger fremdnationaler Politik, antichambrierender Hausjude fremder Parteien sein. Er will wieder bespuckt und beschimpft werden, will sich weiter in der Lügengosse des Assimilantentums wälzen. Der Schimmer von nationaler Renaissance blendete seine Augen. In frevelhafter Weise bemühte er sich der Politik von 120.000 Juden in der Bukowina den Stempel seiner Lebenslüge aufzudrücken. Unverantwortliche Drahtzieher deren Kinder getauft und deren Enkel Antisemiten sind, trieben ihn zu einem Schritte, dessen Ruchlosigkeit beispiellos dasteht. Diesen frechen Anschlag auf die Forderung der Judenschaft eines ganzen Kronlandes werden wir weder Herrn Kuranda noch Zu Cholhamoed-Sukkoth erfolgt die allgemeine Leerung der NF-Büehsen.