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Jüdische Zeitung · 1909-08-13 · 33 (13.8.1909) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 hethitischen Judenvolkes hineinschliefen, ohne sich womöglich zu erkennen zu geben? Freilich entlarvt sei der eigenartige Nationaltypus der schon auf den ägyptischen Pyramiden verewigten Hethiter. Und dem Aeußeren entspricht ein eigenartiges nationales Innere. Der praktisch sich betätigende jüdische Mensch ist mit allem seinen Fühlen und Empfinden, seinen Anstands-, Moral- und Rechtsbegriffen ein anderer als der Arier, wenn der Jude es auch theoretisch nicht zugestehen will. Die Praxis ist eben stärker als die Theorie. Darum muß sich der sozialdemokratisch jüdische Mensch (die „Jüdischheit“) vor allem separat organisieren zu einer jüdischen Arbeiterpartei, nicht aber sich in andere nationale Parteien hineinschmuggeln. Das ist von ihm ein ganz und gar unwürdiges, national ehrloses Treiben, umsomehr, als der Jude der nationalste Mensch ist, denesgibt, und der den internationalen Standpunkt nur als Schafspelz umhängt. Wenn die jüdischen Sozialdemokraten nicht den Weg der offenen nationalen Organisation betreten werden, wird eines schönen Tages auch in der Sozialdemokratie der Ruf ertönen: Juden, hinaus! Die Knechtschaft muß ein Ende haben. Denn ein freies Leben ist wohl ein paar knechtischer Stunden, nicht aber einer Verknechtung auf Ewigkeit wert! Möge dies ein Warnungsruf für die Juden sein! Mir liegt jede Gehässigkeit fern, da ich die großen Verdienste ein- . zelner Juden um die Entwicklung des Sozialismus zur'und in der heutigen Phase wohl zu erkennen und zu schätzen weiß. Peinlich, Herr Austerlitz, nicht wahr? Was ist zu tun? Sehr einfach: Da man absolut nicht auf das Meritum der Sache eingehen kann, wirft man Dr. Schalk, der bei den letzten Reichsratswahlen Kandidat der Partei war, also ihr eminentester Vertrauensmann, aus der Partei hinaus und erklärt die ganze Sache als „Blödsinn“. Damit hat man wieder auf acht Tage vor der unangenehmen Judenfrage Ruh! Dr. Schalk trat aus der Partei aus, was er selbst als großes persönliches Opfer bezeichnet und meint nur ganz naiv, das die Sache damit „gegenstandslos“ wird! . . . Die Judenfrage in der Sozialdemokratie wird erst dann „gegenstandslos“ werden, bis alle Juden aus der Partei ausgetreten oder hinausgeworfen sein .werden und sich selbständig organisieren. Die Juden in der Sozialdemokratie wollen ebensowenig sehen und hören, wie jene in den bürglichen Parteien, so sehr man ihnen sowohl von jüdischen (zionistischen) als von arischer Seite die Wahrheit in die Ohren schreit. Und so werden sie den Weg aller Kurandas gehen. Die jüdischnationale Partei aber wird über diese politischen Leichen durch die innere Wahrheit ihrer Idee von Sieg zu Sieg schreiten. Zionistische Wochenschau. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) versendet seine Semestralbilanz per30. Juni 1909. Es geht daraus hervor, daß die Halbjahrseinnahmen 8590/10/8 Pfund Sterling, die Ausgaben 4003/6/6 betrugen. Sollte das zweite Halbjahr ein zusammen ist die Gesundheit eines Volkes. — Ein Volk muß Kinder haben-Vielleicht ist es kein Zufall, daß Israel Beseht hier seine Seele vollsog, um ins vertrocknete Geäder des jüdischen Volkes einen frischen Blutstrom zu jagen. Ich hörte den Bauer noch sprechen. Seine Gestalt hatte sich in der Dunkelheit aufgelöst. Die Sonne war längst untergegangen. Der Prut rauschte ein kräftiges Abendlied. Eine wehmütige Weise trug in weichen Stößen Sehnsucht und Liebe durch die Luft. Hie und da ein schriller Pfiff. Sonst war es still im Gebirge. Allerlei. Ein Streit um Noah. Eine eigenartige Erörterung hat sich jetzt in der Gesellschaft der Schiffbauarchitekten und Marineingenieure von Detroit abgespielt; hart platzten die Meinungen aufeinander über die wichtige Frage, ob Noah wohl eine zum Ehrenmitglied der Gesellschaft geeignete Persönlichkeit sei. Prof. H. S. Sadler von der Universität Michigan bentragte, Noah zum Ehrenmitglied zu erheben: „Seine Arche war ausgezeichnet konstruiert und hatte im Verhältnis zu ihrer Größe eine außerordentliche Ladefähigkeit“, so führte der Verteidiger Noahs voll Begeisterung aus. „Noah war der Vater unseres Berufes und der größte Ingenieur von uns allen. Zudem hat sein Schiff der Menschheit den ähnliches Resultat ergeben, so wäre ein Gewinn von 9000 Pfund zu erwarten (gegen 6500 Pfund im Jahre 1908). Dies würde die Verteilung einer 3 */* prozentigen Dividende ermöglichen. Es ist zu hoffen, daß mindestens dieses Resultat erreicht werden wird. Die Zahlung einer Dividende von 3 '/» bis 4 Prozent würde die Aktien des JCT. zu einem guten Anlagepapier machen und deren Absatz, zwecks Erhöhung des arbeitenden Kapitals der Bank wesentlich fördern. * * * Eine der wichtigsten Aufgaben des Zionismus ist es, eine Tageszeitung in Konstantinopel zu schaffen um die öffentliche Meinung in der Türkei über die Ziele des Zionismus aufzuklären. Knapp nach den Juliereignissen wurde äuch schon in Rußland ein Betrag für das zu gründende Blatt gesammelt, der allerdings noch nicht ausreichend ist. Wie verlautet, sind gegenwärtig Präsident Wolffsohn und Ussischkinj in; Konstantinopel, um die Schaffung eines Tagblattes zu betreiben. So sehr wir diese Tatsache begrüßen, können wir doch nicht einsehen, warum' sich unser Zentralorgan erst aus Konstantinopel melden lassen muß, daß Präsident Wolffsohn dort ist, nachdem schon alle anderen Blätter dies längst mitgeteilt haben. Es wäre doch geschickter und würdiger gewesen im Momente, wo es geschah, in eiper offiziellen Notiz mitzuteilen, daß unser Präsident» sich nach Konstantinopel begibt. * * * * Der Nationalfondsausweis, per Juli, der soeben vom Hauptbureau veröffentlicht wird, zeigt, daß die Sammlungen auch weiter steigen. Im Juli gingen insgesamt M. 57.000 ein. Zieht man davon die größere Spende der Frau Klur ‘ per M. 30.000 ab, so bleiben noch immer M. 27,000 gegen M. 14.000 im Juli des Vorjahres. Speziell besterreich weist im Juli 1909 gegen Juli 1908 eine Steigerung von M. 1600 auf M. 6400 auf und ist damit Rußland, das, abgesehen von jener größeren Spende M. 6700 aufweist, fast an den Fersen. Mit einer kleinen Anstrengung in diesem edlen Wettkampf könnte Oesterreich die erste Stelle bei den Nationalfondssammlungen der ganzen Welt erreichen. Alliance israelite. Sie kam mir wie ein Löwe vor In meinen Jugendtagen, - Ihr Ruhm klang golden an mein Ohr In wunderreichen Sagen — Der giftig-schwarze Pfaffenhund, Er bellte sich die Lefzen Wund An ihrem Postamente. Ein Leuchten ging vom Namen aus Ins dunkelste des Herzen, Ins dumpfste Hirn, ins kleinste Haus, Wie von Menorah-Kerzen — Von Nord nach Süd, von West nach Ost Erklang’s wie Sieg und Seelentrost: Kol isroel chawerim! größten Dienst erwiesen, selbst Deweys Fiotte vor Manila nicht ausgenommen.“ Aber die Schar der Gegner ließ sich nicht umstimmen. Man wies darauf hin, daß Noah nach vierzigtägiger Fahrt sein Schiff habe auflaufen lassen und daß seine Söhne allen Seeleuten ein übles Beispiel gegeben hätten, als sie nach der Landung grob und ungezogen wurden. Und Frank Feffrey meinte: „Wenn wir Noah zum Ehrenmitglied ernennen, so müssen wir auch Jonas aufnehmen, denn er war der erste, der ein Unterseebot mit Erfolg lenkte.“ Nach hitziger Debatte kam die „Gesellschaft der Schiffsbauarchitekten und Marineingenieure“ zu dem Schlüsse, daß Noah der Ehrenmitgliedschaft ihrer Gesellschaft nicht würdig sei und der Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Ein Denkmal für jüdische Märtyrer soll in Ancona errichtet werden. Ein aus angesehenen Bürgern der Stadt bestehendes Komitee hat einen Aufruf erlassen, in welchem um Geldbeiträge zur Errichtung eines Denkmals für jene 24 Juden gebeten wird, welche im Jahre 1556 auf Befehl des Papstes Paul IV. in Ancona den öffentlichen Flammentod erlitten. Wie bekannt, hat ein Teil der im Jahre 1492 aus Spanien und vier Jahre später aus Portugal vertriebenen Juden in Italien eine Zufluchtsstätte gefunden, weil Italien damals in kleine Staaten zersplittert war, die miteinander in steter Rivalität lebten. Den Ankömmlingen, die zur Entwicklung des Handels wesentlich beitrugen, wurde daher die Ansiedlung gestattet, ohne nach ihrer Her- Ach! Wie so manches Ideal Bist nun auch Du gesunken! Der Glanz ward matt, die Farbe fahl, Das Licht versprüht in Funken — Der große Löwe wurde alt Und ähnelt langsam an Gestalt Dem fetten, faulen Geldsack. Wo ist die alte Wucht und Wehr, Das männlich-schöne Trotzen — Almosen hin, Almosen her, Hie Schnorrer und hie Protzen — Ein kleiner Kopf mit großem Schrei Voll säuerlicher Zänkerei Und kleinen Eitelkeiten! „Wir Juden sollen Brüder sein!“ War das nicht die Devise? Jetzt packt Ihr Euem Wahlspruch ein Und anders weht die Brise — Zum Gaudium von Feind und Christ Säet ihr den bittern Bruderzwist In unsre dünnen Reihen! Warum, Ihr HerFn? Was ist der Zweck? Sind wir nicht Weg-Gefährten?- Da feixt ein reicher alter Geck Umblökt von Soldgelehrten Ach, die I d e e, der Perle gleich, Man warf sie vor die Füße Euch Und Ihr — habt sie gefressen! Beda. Aus dem jüdischen Leben. Antisemitische Ausschreitungen in Szczawnica. Ueber Ausschreitungen gegen jüdische Kurgästen in einem der bedeutendsten galizischen Kurorte Szczawnica berichtet das „Lemberger Tagblatt“ und der „Wschod“ folgendes: Seit vielen Jahren herrscht in Szczawnica, wie in allen anderen galizischen Kurorten, welche von Juden aufgesucht werden, rüder Antisemitismus ärgster Sorte. Die jüdischen Kurgäste haben nicht nur unter dem gesellschaftlichen Antisemitismus zu leiden, sondern sie sind auch den Schikanen der Kurverwaltungen ausgesetzt. So hat sich die Verwaltung vom Szczawnica zum Prinzipe gemacht, keinen Juden und mag er bettelarm sein, von der Kurtaxe zu befreien. Wer mit der Entrichtung der Taxe zögert, wird durch die Ortspolizei vor die Ortsbehörde zitiert. Vorigen Mittwoch arretierte ein Polizist einen armen jüdischen Kurgast im Kurparke, traktierte ihm mit Püffen und schleifte ihn förmlich zum Gemeindeamt. Die Zeugen dieser brutalen Szene waren empört und auf ihr Betreiben zogen einige hundert jüdische Kurgäste vor das Amt, um gegen das Vorgehen des Polizisten zu protestieren. Die christlichen Ortsbewohner und Beamten setzten sich mittlerweile mit den „Goralen“, welche ihre Produkte in der Stadt feilbieten, in Verbindung und diese überfielen die ahnungslose jüdische Menge und fuhren kunft zu fragen. Um die Mitte des XVI. Jahrhunderts jedoch entstand, hauptsächlich infolge jesuitischen Einflusses, ein reaktionäres Regime, unter dem die Juden viel zu leiden hatten. Im Jahre 1553 wurden sämtliche rabbinische Werke zur Verbrennung verurteilt und zwei Jahre darauf erschien jene Bulle Pauls IV. „cum nimis“, durch welche das Ghetto als legale Institution aller christlichen Länder deklariert worden ist. Unter dem Einfluß dieser Politik wurden die Marannen, die sich in die unter päpstlicher Herrschaft stehenden Länder geflüchtet hatten, den härtesten Verfolgungen ausgesetzt, obgleich sie erklärten, daß sie niemals die Taufe genommen hätten. Vierundzwanzig dieser Unglücklichen wurden iui Sommer 1556 öffentlich verbrannt. Die Garibaldigesellschaft der Stadt Ancona ist nun mit dem Vorschläge hervorgetreten, diesen Märtyrern ein Denkmal zu errichten. Der größte Teil der italienischen Juden steht dieser Anregung sehr kühl oder ablehnend gegenüber, weil sie nicht wünschen, daß die Leidensgeschichte der Juden zu einer antikatholischen Demonstration verwendet werde. Es gibt aber auch zahlreiche Juden, die die Aktion der Garibaidigesellschaft fördern, und es bleibt abzuwarten, welchen Erfolg die Sammlung haben wird. Von dem jüdischen Friedhof in Venedig entwirft Otto Kahn ' in der „Frankfurter Ztg.“ folgende Schilderung: „Der Friedhof, auf dem Shylock und Tubal begraben sind, ist teilweise noch erhalten. Er liegt auf dem Lido, der langgestreckten Düneninsel zwischen der Lagune und der Adria, die

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