Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 33 (13.8.1909)
- Date
- 1909-08-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite! 2 * . . —■-:-1---i-:--, " 7 ' f "? jüdische Großindustrielle— die keine Juden anstellen! 1 Die Witkouh'tzer Eisen- und Kohlenbarone Rothschild undGutmann stellen schon seit z eh n Jahre n keine jüdischen Beamten in ihren -Werken an. Wer nur eine ■ blasse Ahnung: von dem Elend der jüdischen Akademiker hat, [ die! weder rin Land' und Gemeinde, noch auch beim Staate Unterkommen und sich nach Absolvierung ihrer Studien als Diurnisten oder Zeichner herumdrücken, bis sie irgendwo durch einen glücklichen Zufall ein Bettelbrot erlangen, wird die unerhörte Grausamkeit dieses Vorgehens ermessen können. Herr Gutmann, der Präsident der israelitischen Allianz in Wien, und der Vertreter Rothschilds,Herr Horner, Kultus Vorstand von Wien, weisen jüdischen Technikern die Türe und füllen ihre Bureaux mit waschechten Antisemiten, brüsten sich noch damit, daß ihre Beamtenschaft judenfeindlich gesinnt sei und sollen diesen Umstand direkt als Ursache hingestellt haben, warum weiterhin keinejuden mehr in ihrenWerken a n ge s t e 111 w e r d e n.. Sie scheinen stolz darauf zu sein, daß ihr Generaldirektor, Herr Friedrich S c h u s t e r, christlichsozialer Landtagskandidat ist Allen Vätern zu Nutz und Frommen, die ihren Söhnen unter den bittersten Entbehrungen das Studium der Technik ermöglichen und die vielleicht darauf gehofft haben, sie -dereinst bei dieser jüdischen Weltfirma unterbringen zu können, bringen wir tieferstehend eine Statistik über den gegenwärtigen Prozentsatz der Juden unter den Witkowitzer Beamten. Beamten stand des Witkowitzer Eisenwerkes. Betriebsabteilung Direktion .... . . . . Administration. . . ' . . .. . Afbeiteraufnahme. . . . . . Quartierämt. . . , . . . . Buchhaltung . ... . . . Revisionsamt ... . . . Werkskässa. . . . ., . Kommerzielles Bureau.. ..V. . Hochofenbetrieb ... . . . . „ (Sophienhütte) Kupferexträktiorisanstalt . Chemisches Laboratorium 1 .' -Konstfuktionsbureau (Hochofen) Stahlwerk . . . . . . . . Walzwerk . ’. , . . . . . Röhrenwalzwerk ..... . MäscHihenfäMk . . .. . . 'Gießerei . . ." ..' .. . . . , 5 — . 33 2 . 4 —; . 5 1 .16 3 . 15 1 . 6 — .26 1 : . 16 2 . 7 — ... 2 .1 .' 10 1 . 5 — . 45 2 . 61 2 . 22 1 . 50 '4' . 13 — ‘ jüdische zeitung; Nr. 33 "■ j, .. V j'.“- \ Betriebsabteilung" |JTc 13 o e>- •. 2.1 ' , ’a-7 Brückenbauanstalt . ... . L 37 i Kesselfabrik . ... . ... 10 . 1 Chamottefabrik .- . . . .. .'. 7 1 Gasanstalt . . . . . . . . 11 Baubureau ....... . . 14 1 Elektrizitätswerk'. . . . . . : 9 -i- Werksbahn . . . . . . . . . 17 — .Materialverwaltung . . . . . . 17 — Bruderlade.. . . 12 1 )*» 465 26 Also.eine jpdische Großunternehmung, die unter 465 Angestellten bloß 26 Juden zählt und seit . 10 Jahren Jüdensperre eingeführt hat!; Vielleicht werden diese nackten Zahlen den Tausenden, jüdischer Bürger, die vor unseren Reichen im Staube liegen und rasch den Frack anlegen, wenn sie den Namen „Rothschild “auch nur durchsTelephon hören, doch endlich die Augen öffnen. ■ '•.?- .. . r ■ k hochdeutsch j reden, „was ihm nichtunbeträchtliche Schwierigkeiten' bereitete*“ u. s. f. Sonntag darauf galt es wieder, sich gegqn. den- VorwfurL'des „DeutsGhen VolkSblattes“ zu verteidigen, daß die „A.-Z.“ die Bankettre.de Lloyd George’s gegen Lord Rothschild nicht aus der „Welt“ abgedruckt hatie.;Die' Entschuldigung-lautet, daß die -Redaktion diese Rede in keiner Tageszeitung gefunden habe. Zu ergänzen ist natürlich;fwedh wir sie gefunden hätten, dann hätten wir. sie mit -großem Vergnügen -abgedruckt. Die unangenehmste Sache hat aber ein „Genosse“ der Partei und der „A.-Z.“ eingebrockt. Sie beschäftigt sich damit gleichfalls in der letzten Sonntagsnummer. Dr. Karl Schalk, Mödling, hat eine Flugschrift über „Die Judenfrage in der Sozialdemokratie“ geschrieben- undals „vertraulich“ an die Parteiführer gesendet. Di^rch eine Indiskretion erhielt das „Vaterland“ den köstlichen Wisch und übergab ihn der Oeffentlichkeit. Wir wollen das Schriftstück unseren Lesern nicht vorenthalten. Es lautet: Der Judenpunkt in der Sozialdemokratie. Ihre verlogene Haltung in dfer Judenfrage bringt die Sozialdemokratie in immer : peinlichere Situationen. Sie weiß absolut nicht . mehr, wie sie sich in dieser heiklen Sache; benehmen soll. Das heißt, sie wüßte es schon,; wenn nicht die maßgebenden Führer, Adler,; Austerlitz, Diamand, Liebermann usw. Juden ] wären. So nimmt sich Herr Austerlitz in der; „Arbeiter-Zeitung“ einmal der armen jüdi-! ■sehen Proletarier an, die nicht nach Amerika! eingelassen werden, nur um den jüdischen : Arbeitern vorzutäuschen, daß in der Sozial-; demökratie auch'für sie das Heil liegt, das . •anderemäl läßt sie Herrn Scherman (soll auch ein Getaufter sein) im Feuilletonteil *< auf die „Quaijiiden“ los, oder er schimpft! im "redaktionellen Teil: über Juden, Judenj blätter etc. um der durchaus antisemitischen i christlichen Arbeiterschaft klarzu machen, j •daß die Sozialdemokratie ebenso judenfeind-; lieh ist, wie die Kunschaks und Konsorten, i - : Irf-dieser Woche gabs; eine besonders j reiche-^Ausbeute. Es galt,' sich über die! Zionisten lustig zu machen, weiche in Brünn; und Prag gegen die Verhöhnung der Juden { von der Bühne herab Stellung nahmen: Es; handelte sich' dabei bekanntlich um die! Figur' des jüdischen Einjährig-Freiwilligen; „Wallerstein“, in der Operette „Herbstmanöver“. Die Arbeiter-Zeitung, schrieb u. a.: ’ '„Wallerstein war nahe daran, ein Nati o-! nalheld zu werden“. „Es durfte - nicht- ■einmal in dem so diskreten Ton gejüdelt 'werden, den das Landestheaterpublikum zum Teil auszeichnet.“ Der Darsteller rtiußte Eine Judenfrage in der Sozialdemokratie! Die gibt es doch nicht, kann es nicht, darf es nicht geben, unmöglich, werden in sich steigernder sittlicher Entrüstung die Diktaturgewaltigen in der Sozialdemokratie aufschreien! Im Tempel von Markus (der sich genannt hat Marx) und von Lassel (der sich genannt hat Lassalle), im Tempel des Neuesten Testaments eine Judenfrage?- Das wäre schon die höchste arische Frechheit, höre ich die doch die Arier aus tiefster. Seele “Verachtenden rufen," die Frechheit des Geistespöbels, , der im Teutoburgerwajd Eicheln fraß und gut genug ist, sie wiederzukäuen, -undsich' glücklich - schätzen darf, gnädig von den Jüngern Markus' Und - Lasseis aus der Privatkapitalsknechtschaft .befr.eit zu werden! ( .- Aber gemach! Es gibt doch eine Jüdenfrage! Und sie besteht darin; daß die große Opfer . bringende Armee der Sozialdemokratie, (^us , arischen Arbeitern besteht und die Führung, die -Diktatur aus jüdischen Nichtarbeitern: ■ Predigern, Rednern, Agenten mit dem wohl- - klingenden Titel Agitatoren, für die die soziale Frage zunächst-gelöst wurde und fortdauernd , gelöst wird. Ein Widerspruch, den, Graf Oerindpr [ nicht zu erklären braucht; da er dem dümmsten Arierhirn-von selbst äüfdämmert I Darüber hilft : keine Sophistikl Muß . zum' Beispiel in einehi : Orte von 1600 organisierten, vielen gchon in der Arbeit ergrauten Genössen, unter denen.sjchj,ein ganzer, noch sehr arbeitskräftiger Jude “befindet, - gerade dieser; .eine-Jpde von ^seiner ^Berufsarbeit , befreiter Führer sein?, (Gerpeint ist ein, gewisser Schlesinger, Obmann '1 der 'Bezirksorganisa'tion ' Mödling. Anm/d.-.Red.); Ein solcher FalF begitiht ' typisch zu werden. Sind denn alle Arier zu Solchen Funktionen zu bröde? Gibtgs etwas Beschämenderes für die Arier? . Die. Sozialdemokratie muß eine internationale Partei sein. Gewiß' nicht in dem Sinne: „Die 'Nationalität ist mirwufst“, ein solcher Standpunkt wäre - geradezu;: ekelerregend, sondern in dem Sinne:- „Weil ich meine eigene - Nationalität hochhalte, achte ich äuch.,die Nationalität eines änderen“. Dämm ist die Sozialdemokratie nach Nationen organisiert und erst’die hationalen Organisationen föderieren sich. Wie kommen nun die verschiedenen arischen .Organisationen dazu, daß bei‘ihnen verschiedene Geschäfte machende, eine gesicherte Existenz ohne die lästige Handarbeit suchende Individuen des .Schwiegervater hatte ihn wegen seiner Einfachheit i und Armut hieher geschickt., Aber die Reichen; haben keine Seele. Sie lieben das Geld. Srulko’ .pflegte zu sagen: „Eine Seele haben mir diejenigen, [ die die Karpaten und den Priit lieben, die die* Sterne schlürfen und die Sonne einsaugen. Diejenigen, i .die jauchzen und singen können. Das Johlen duldete ■ Srulko nicht, noch, weniger das . viele Trinken* Er j hats auch den ßauern gründlich abgewöhnt Nur' Sonntags dürften sie ein oder zwei Gläschen mehr! ‘trinken. Dann "aber setzte er sich zu ihnen und sie! ‘mußten "ein kräftiges Lied von -den Karpaten singen. | „Nur beiter sein; sprach .er, nur singen, Die Stimme! uottes ist Gesang. Er schuf die Welt-durch ein! Lied“, Sie verstanden ihn nicht immer so recht. Aber! jeder wußte, daß Srulko etwas Großes, Schönes! gesagt bat; - “ - - - - Oft konnte Srulko. stundenlang - schweigend! 'and nachdenkend herumgehen: Sein Antlitz warj dabei bald so blaß-traurig wie der Mond, bald so: hell-heiter wie die Sonne, Da verhielt sich jeder; ruhig in seiner Ecke und trank lautlos sein Gläschen.; Schöner war es, wenner betete und seine Seele.' voll Inbrunhst dem. lieben Herrgott äufrollte. - Da; wurde das Echo der Karpateriwach und 'derPrut' .begleitete seine ,Stimme mit fernem ' Brummen „Mein Kind“', sagte mir mein Großvater, „das läßt sich nicht erzählen; das muß man gehört haben. .Wir lauschten andächtig und verstanden erst recht, was der Pfarrer' von dem Chor der Engel und der Allmacht Gottes erzählte.“ Srulko war nicht immer zu Hause. Er liebte die . freie Natur. Er .liebte die Karpaten, die Almen 1 wie ein Huzul. Noch mehr als wir Huzulen. Wir Huzulen haben keinen so großen Verstand, 'wie die -unten in der Stadt. - Aber wir haben einen 'geraden Sinh.; So war auch Srulko. Wie ein Huzul. ja, noch schlichter' als wir Huzulen. - Daher -gingen “sie bef Streitigkeiten ungern in die Stadt. Zu Srulko,. " zu ihrem Srulko! Der wußte gleich, wer Recht und wer Unrecht hatte: Es ist -nicht zum Lachen. Srulko war mehr als wir sündigen'Menschen. Er“sah weiter und bjickte tiefer. „ , Er ist auch später ein größer Rabbi bei -den, Juden geworden: Die-Huzulen wußten es früher als die Juden. Mein Großvater sagte ihm einmal:; „Srulko,-" wär’s nicht schöner,- wenn du Unser Seefeh-j - hirt wärest? Du Verstehst uns doch besser als 'derj : gelehrte Pfaijef.“ Srülko drückte ihm warm die. | Händ und lächelte! 1-. Nach einer kleinen Pause fuhr mein'; ge sprachiger Nachbar fort: „Es war ein Tag vor seinem Tode, da sprach der Großvater zu mir: Der Pfarrer sägte uns oft; daß die Juden verdammt sind. •Srulko ist bestimmt im Paradies: ‘Und ich werde, -nach meinem Tode mit ihm dort' Zusammentreffen. Dort wird auch.-'ein Fluß sein, wie hier' in 'Trojza Und Srulko wird auch dort“ an kalten Wintermörgen ■ ein Bad nehmen wollen. Und-Ich-werde jeden Tag 'Stroh hinlegen, -wie hier in-Trojza, Seine Füße : sollen durchs Anfrieren andie“ Eisdecke sich nicht verbluten —’— Und ich werde' ihm -nichts ’ davon ■ erzählen — — — —-— — - ' Ich'wär in Gedäriken vefsunken. ’-.Hierum Gebirge lebt eine Seele-die nicht-zu starren Lebensformen' gefrören"ist,' sondern“'durch die'- wechsel- 'reiche!FülIe tier -Erscheinungen'unversiegbar -fließt. " Dähfer erscheint ihr alles; :riiCht in! äbtötdnder J^/iederhölung ‘ und- Greisenhaftigkeit; " sondern * sfäunenerregende Neuheit und Jugendlichkeit-.^- : Däs ist Naivität - -Hier -im Gebirge lebt eine r-Seele, in der die ‘unergründliche’ Tiefe des' Alls nach- ■ klingt’urid die in Harmönre ' mit dem ewig‘Wunderbaren schwingt — .Dasist- Mystik— ‘Beide