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Jüdische Zeitung · 1909-06-11 · 24 (11.6.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 mal jährlich an dessen Todestage, einen Baum gespendet, wie es ein jeder Sohn am Jahrzeitstage seines Vaters tun soll, so hätten wir längst diese sinnige Gabe dem Boden Palästinas zum weiteren Wachstum anvertrauen können. Und nicht nur der Ehrung Herzls gilt das geringe Geldopfer, das wir von euch fordern, sondern es ist zugleich ein Beitrag zu einem Kolonisationswerke, dessen Bedeutung auch unter den Zionisten noch immer nicht genügend gewürdigt wird. Die Oelbaumspende setzt unsinstand, aus unserem Bodenbesitz in Palästina sicheren und hohen Gewinn zu erzielen, weil wir gerade die Oelbaumkultur mit geringeren Kosten, in schnellerem Tempo, auf .schlechterem Boden, mit weniger geschulten Arbeitskräften und geringerem Risiko betreiben, als dies bei den sonst üblichen und notwendigen Methoden landwirtschaftlicher Kolonisation möglich und statthaft ist. In wenigen Jahren schon wird ■der aus 100.000 Bäumen bestehende Herzlwald, für Jahrhunderte hinaus, einen jährlichen Ueberschuß von ungefähr 350.000 Kronen abwerfen. Also wird •der Herzlwald nicht nur eine mächtige Förderung, und Beschleunigung unseres Ansiedlungswerkes und •der Wiederaufforstung Palästinas bedeuten, sondern uns auch die Mittel schaffen, um auf die k u 11 u- •relle Entwicklung des Landes Einfluß zu gewinnen und so ein vom Zionismus bisher gar zu sehr vernachlässigtes Gebiet in Pflege zu nehmen. Wir richten daher an euch die Mahnung: Veranstaltet an Herzls Todestage nicht nur Gedenk- .feiern, in denen ihr euch selbst und eure Freunde ■an dem hohen Beispiele erheben, aufrichten und stärken möget, sondern sammelt auch unablässig tfür den Herzlwald, auf daß er - ein fast unvergängliches Denkmal für den toten Führer auf heimatlicher Erde — recht bald in Erez Israel erblühe und mit seinen lebendigen Kräften unser Ideal verwirklichen helfe. Entziehe sich keiner dieser Pflicht! Seid ein- .gedenk eurer Schuld an Theodor Herzl, eurer Schuld an das jüdische Volk! Dawid Wolffsohn, Präsident der Partei. Dr. M. Bodenheimer, Direktor des J. N. F. Prof. Dr. O. W a r b u r g, Vorsitzender des Vereines „Oelbaumspende“. :R.-Abg. Adolf Stand, Präsident des galizischen Z. K. .Dr. Isidor Margulies, Präsident d. westösterr. Z. K. Wir empfehlen diesen Aufruf, den wir in .großer Auflage als Flugblatt verbreiten, aufs wärmste. Alle Spenden sind unverzüglich an uns abzuliefern. Um festzulegen, wer seine Pflicht erfüllt und wer sie verletzt hat, wird der Ausweis betreffs des Herzlwaldes in den Nummern 25 und 26 der „Jüdischen Zeitung“ sistiert und in den folgenden drei Nummern unter Anführung aller Orte, in denen Nationalfondskommissäre wirken verlautbart. Bisher brachte Oesterreich zirka 2500 Oelbäume auf; jetzt gilt es, unseren Anteil und so unseren Ruhm nach Kräften zu mehren. Die Sammelstelle des jüdischen Nationalfonds für ■Oesterreich, Wien IX., Türkenstraße 9, Postsparkassenkonto 100.208. Dr. Egon Zweig dz. Leiter. Die VII. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten. (Originalbericht unseres Korrespondenten.) II. Verhan d 1 ungstag. Der öffentlichen Konferenzsitzung ist am .zweiten Verhandlungstag eine Besprechung der misrachistischen Delegierten vorangegangen, in welcher interne Fragen und das Verhalten derMisrachi in der bekannten Angelegenheit des Jaffaer •Gymnasiums zur Verhandlung kamen. Es folgten die Referate der größeren Provinzrgruppen, und zwar S e b ö k (Talpolcsäny), Blank (Märmarosszigeth), Ponger (Bad Pöstyen) und Schwarz (Maros-Väsärhely). Besondere Erfolge hatten die zwei Temesvärer Delegierten, Ernest Vermes und Dr. A. Sch i mer 1 ing zu verzeichnen. Die zwei Temesvärer Vereine wurden ■ erst vor einem Monat gegründet und zählen bereits insgesamt 420 Mitglieder. Nach dem Referate des Delegierten Roth über den Budapester Distrikt wird die Debatte über den Bericht des L.-K. eröffnet. Es entspann sich eine lebhafte Debatte, an der sich insbesondere Delegierter Bettelheim, Präsident Dr. Oesterreicher, Bisseliches und Dr. Kahan beteiligen. Nach Schluß der Debatte werden die Berichte einstimmig zur Kenntnis genommen. Der Präsident teilt der Konferenz mit, daß :seitens des Delegierten Lebowitsch ein Beschlußantrag eingereicht wurde, wonach sich die Landeskonferenz gegen die atheistische Tendenz des -Hebräischen Gymnasiums in Jaffa, welche die Misrachi-Zionisten in ihrer religiösen Ueberzeugung schwer kränkt, aussprechen möge. Nach langer heftiger Debatte — der vorgeschrittenen Mittagstunde halber war fast die Hälfte der stimmberechtigten Delegierten abwesend — wurde der Antrag mit 20 gegen 5 Stimmen in folgender Fassung angenommen : „Während der Tagung des großen A.-C. in Köln vom 15. bis 17. März 1. J. wurde der Protest der Misrachisten gegen die Unterstützung des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa aus zionistischen Parteimitteln und gegen die Ueberlassung eines Bauplatzes aus dem Grundbesitz desN.-F. an diese Anstalt verhandelt und der Beschluß gefaßt, den Protest nicht zu berücksichtigen und obige Zuwendungen an das Hebräische Gymnasium durchzuführen.“ „Die am 30. und 31. Mai in Budapest versammelte ungarländische Zionisten-Landeskonferenz spricht über das Verhalten des Hebräischen Gymnasiums, welches die Gefühle der religiösen Juden verletzen muß, ihre Mißbilligung aus und hegt die Erwartung, daß es dem A.-C. gelingen wird, den Weg zur völligen Neutralität in religiösen Fragen gemäß den Kongreßbeschlüssen zu finden und für die Institutionen, die dieses Gebiet streifen, aus allgemeinen zionistischen Mitteln ihre Subvention in jeder Form zu verweigern. Die Landeskonferenz spricht die Hoffnung aus, daß es dem im Dezember 1. J. stattfindenden Kongreß gelingen wird, die Differenzen zwischen Zionisten und Misrachi-Zionisten beizulegen und den Misrachi-Zionisten solche Zusicherungen zu bieten, die es ihnen ermöglichen wird, in friedlicher Weise gemeinsam mit allen Zionisten an dem großen Werke der Befreiung des jüdischen Volkes mitzuarbeiten, ohne daß sie in ihren religiösen Empfindungen verletzt werden.“ Die Nachmittagssitzung beschäftigt sich hauptsächlich mit zwei Anträgen des L:-K. bezüglich der Umgestaltung der Landesorganisation und der Agitation. Delegierter Dr. Kahan, der den Antrag im Namen des L.-K. zur Vorlage bringt, hebt hervor und beweist auf Grund von Daten, daß sich die Distrikte nicht bewährt haben. Es tut daher Not, unter vorläufiger Aufhebung derselben eine andersartige Organisation zu finden. Dies wäre die Gruppierung der Zionisten nach Komitaten. Von den 63 Komitaten haben wir in 56 Fuß gefaßt und es würde für die Verbreitung der Idee von großem Vorteile sein, wenn sich die Zionisten der einzelnen Komitate behufs wirkungsvoller Agitation in Komitatenverbände zusammenschließen würden. Bereits wirkende Komitatenverbände könnten sich später in Distrikte vereinen. Dieser Antrag wurde nach langer Debatte angenommen. Bezüglich der Agitation wurden ebenfalls auf Antrag des L.-K. folgende Beschlüsse gefaßt: „1. Gesteigerte Aufmerksamkeit ist auf die Gründung von Jugendvereinen für beide Geschlechter zu richten. 2. Das L.-K. erklärt jährlich drei Tage für Agitationstage, bei welcher Gelegenheit sämtliche Vereine, womöglich mit dem vom L.-K. vorgeschlagenen Programm Versammlungen abzuhalten haben. 3. Die Zionisten mögen sich bestreben, am Gemeindeleben teilzunehmen. Demzufolge haben sie vor allem im Innenleben der Gemeinde mitzuwirken. Sollten Zionisten in der Leitung irgend einer Gemeinde bereits Fuß gefaßt haben, mögen sie die Gründung von jüdischen Institutionen, wie jüdischen Bibliotheken, Lesehallen, ins Auge fassen und dahin wirken, daß in den jüdischen Schulen dem Unterrichte der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte besondere Sorgfalt zugewendet werde. 4. Behufs Förderung der Palästinaarbeit wählt das Landes-Komitee einen besonderen Landes- Palästinakommissär. Jedes Komitatskomitee hat ebenfalls einen Palästinakommissär zu wählen. Die Gesamtheit der Palästinakommissäre bildet die Landes-Palästinakommission. 5. Jeder Schekelzahler ist verpflichtet, das offizielle Organ der Landesorganisation (Magyar orszägi Cionista Szervezet) zu abonnieren.“ Nach Unterbreitung des Budgets für das Jahr 5670 und Annahme desselben, wird zur Wahl des engeren und weiteren L.-K. geschritten, die folgendes Resultat ergab: Präsident: Dr. Bela Oesterreicher. Mitglieder des engeren L.-K.: David Kohn, Dr. Nison Kahan, Leopold Lebowitsch, Ing. Armin B e r e g i. N.-F.-Kommissär für Ungarn: Dr. Ludwig Dörneny. Redakteur des offiziellen Blattes: Dr. Josef Schönfeld. Revisoren: Hugo S c h e y und Frl. Ella K r a u s z. Außerdem wurden ins weitere L.-K. 6 Budapester und 25 Provinzmitglieder gewählt. Nach den Ansprachen der Delegierten Horvath und B e 11 e 1 h e i m, die dem Präsidium und dem L.-K. für ihre Tätigkeit danken, schließt der Präsident die VII. Landeskonferenz, worauf die Anwesenden die Hatikvah anstimmen. Zum IX. Zionistenkongreß. Breslau. In einer Versammlung der „Breslauer Zionistischen Vereinigung“ am Sonntag den 23. Mai sprach Dr. Elias Auerbach über „Zionistische Arbeit in der Türk e i“. Der Redner führte aus, wie die neuen Verhältnisse eine neue Methode der zionistischen Arbeit bedingen. Jetzt handele es sich darum, durch Vermehrung unserer faktischen Machtmittel Boden zu fassen, das Land allmählich zu einem jüdischen Lande zu machen. Politik heisse Anpassung an die jeweilig veränderten Zeitumstände. Festhalten an einmal aufgestellten Richtlinien auch unter veränderten Verhältnissen, wäre sehr unpolitisch. Notwendig wäre unsererseits eine Erklärung unseres Interesses an dem Erstarken der neuen Türkei, in der jede Nation sich als Nation fühle. Zu unseren derzeit wichtigsten Aufgaben gehöre die Nationalisierung der palästinensischen Juden, ihre Stärkung, daß sie ihre Geschicke in eigene Hand nehmen könnten. Außerhalb Palästinas müssen wir neben der Prapagierung unseres Programms jetzt vor allem bemüht sein, jeden Juden, wie er auch zu unserem Programm stehen mag, für unsere palästinische Augenblicksarbeit zu interessieren. Wir können ja auch bereits eine allgemeine Infiltrierung mit unseren Ideen konstatieren. Sehr notwendig sei auch die Stärkung unseres palästinischen Kulturkerns. Wenn es uns gelänge, die 100.000 Juden Palästinas zu einem positiven, volkswirtschaftlichen Wert umzugestalten, wären wir Herren im Lande. Wir müssen aber jetzt auch darauf bedacht sein, mehr jüdische Menschen nach Palästina zu verpflanzen, insbesondere sollte die Einwanderung „erwünschter“ Elemente gefördert werden. Werte schaffender Menschen. Der Arbeitsmöglichkeiten in Palästina gibt es genug. Aber wie überall gilt auch hier der Satz: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Ist erst die Ueberzeugung durchgedrungen, daß es kein Opfer ist, nach Palästina zu gehen, dann haben wir den kritischen Punkt überwunden. Das Neue, das Große, auf das manche noch warten, ist schon eingetreten. An uns liegt es, es zu nützen. — Lebhafter Beifall folgte den klaren, logischen Ausführungen des Redners. In der Diskussion wurde die Frage der V e rsch iebung des Kongresses bis zum Dezember angeschnitten und führte zur Annahme folgender Resolution mit allen gegen eine Stimme. „Die am 25. Mai tagende, zahlreich besuchte Mitgliederversammlung der „Breslauer Zionistischen Vereinigung“ bedauert die Verlegung des IX. Kongressesauf den Dezember und bittet das E. A.-K., diesen Beschluß wieder rückgängig zu machen. Die wesentlichsten Gründe, die hiefür maßgebend sind, sind folgende: I. Die Verlegung des Kongresses wird die geregelte zionistische Arbeit für den kommenden Winter unmöglich machen. II. Die durch die Verlegung verzögerte Stellungnahme der Partei zu den schwebenden politischen Fragen könnte zu falschen Schlüssen führen, die eine moralische Schädigung der Bewegung bedeuten. III. Eine Verlegung auf den Dezember würde eine geringere Beteiligung insbesondere vonseiten der östlichen Gesinnungsgenossen und damit eine einseitige Gestaltung des Kongresses zur Folge haben.“

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