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Jüdische Zeitung · 1909-06-11 · 24 (11.6.1909) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 Die bosnischen Serben haben nachfolgenden | Protest an den gemeinsamen Finanzminister Se. Exzellenz Baron Burian gerichtet: „Nach eingeholten Informationen wird der Landtag aus 72 Gewählten und 19 Virilisten bestehen. Die Gewählten sind »ach Konfessionen derart verteilt, daß die Serben 31, die Muslimanen 24, die Katholiken 16 und die Juden 1 (?) Mandat haben werden. Es ist das Gleichnis 2:3:4 genommen worden, was der Stärke der einzelnen Konfessionen entspricht. Was die Virilisten betrifft, müssen wir erklären, daß wir der Einführung der Virilisten nicht zustimmen. Sollten jedoch durch das zukünftige Gesetz die Virilisten in den Landtag einziehen, dann müssen wir hervorheben, daß auch bei den Virilisten die Proportion in Bezug auf die Konfession wie bei den Gewählten in Anwendung zu kommen hat. Es ist wahr, daß für drei Virilisten noch nichts gesagt wurde, welcher Konfession sie angehören werden. Diese Mitglieder sind die Präsidenten des Obergerichts- . hofes, der Advokaten- und der Handelskammer, während für die Uebrigen genau gesagt wurde, welcher Konfession sie angehören werden. Die 16 Virilisten verteilen sich wie folgt: Serben 5, Muslimanen 5, Katholiken 5, Juden 1. Wird diese Verteilung Gesetz werden, so ist nicht gefehlt, falls man sagt, daß dies eine Favorisierung einer Konfession zu Ungunsten der anderen ist; wir bitten daher mit vollem Rechte, daß auch dieVirilstimmen imGleichnisse2:3:4 verteilt werden. Wir sind in erster Reihe für eine Reduktion der Virilisten im Gleichnisse der angeführten Ziffern 2:3:4; sollte man jedoch von einer Reduktion nichts wissen wollen, dann bitten wir Serben, daß in den Landtag vier Vizepräsidenten der serbisch-orthodoxen Eparchien (Metropolien) und ein Mitglied, welches die Geistlichkeit unter den vier Eparchial-Kirchengerichten zu wählen hätte, einziehen sollen. Zu unserer lebhaften Ueberraschung erfahren wir, daß der sephardische Oberrabbi eine Virilistenstimme und die Sepharden ihrenGewählten haben werden. Dagegen müssen wir Stellung nehmen. Die übrigen KonfessionsvirMisten sind Repräsentanten einer größeren Konfessionsorganisation. Die Juden hingegen haben keine solche Organisation. Bei ihnen bestehen bloß einfache Aemter, weshalb sie mit den anderen Konfessionen nicht verglichen werden können. Die Anzahl der Juden in Bosnien und Herzegowina ist so klein, daß wir mit Rücksicht auf die anderen Konfessionen diese eine Stimme nicht gewähren können. Zum Schlüsse muß noch hervorgehoben werden, daß sich die Juden niemals mit den öffentlichen Angelegenheiten unseres Vaterlandes befaßt haben. Ihre Tätigkeit war stets auf die kaufmännische Spekulation gerichtet, welcher Umstand dafür spricht, daß ihnen keine Privilegien gegeben werden können. Ihnen steht es frei, durch Abgabe ihrer Stimme die Wahl zu beeinflussen, respektive auf das Programm der Delegierten einzuwirken und dies reicht ja vollkommen für die kleine Anzahl aus. Wir verlangen nicht, daß ihre Rechte gekürzt werden, können es aber nicht gestatten, daß ihnen auf unsere Kosten Privilegien gegeben werden, und dies geschieht, wenn man den Uebrigen auf je 25.000 Seelen eine Stimme gewährt, während die Juden auf 10.000 eine Stimme und einen Virilisten haben werden. Aufrichtig gesprochen wissen wir, daß die Statistik für die Wahlgeometrie eine ungenaue und mangelhafte war und es kann auf Grund dieser Statistik vorausgesetzt werden, daß zirka 5000 Serben ohne Delegierten bleiben werden. versität“. Auch einige Ruinen gibt es hier, Brückenreste und einst bewohnte Hütten. Vielleicht können wir an dieser kleinen Kolonie das Pionierwerk so recht an dem Kontraste erfassen: fremdes, einsames Land und mitten darin wie eine kleine freundliche Oase die jüdische Kolonie. Wer aber auch eine kurze Zeit hier verweilt hat, wird sich gewiß gerne des freundlichen Judendorfes und seiner gastlichen Bewohner erinnern. Dr. Ernst Müller, Jaffa. Allerlei. Statistisches zur Einwanderung in Amerika. Das soeben erschienene März-Bulletin des Einwanderungs- und Naturalisationsbureaus des amerikanischen Ministeriums für Handel und Arbeit enthält eine Fülle interessanter Zahlen über die Einwanderung nach Amerika der letzten Jahre, denen wir folgende, für uns besonders wertvolle entnehmen: Die Zahl der jüdischen Einwanderer in Amerika betrug im Jahre 1899 : 37.415, 1900: 60.764, 1901: 58.09S, 1902: 57.688, 1903: 76.203, 1904: 106.236, 1905: 129.910, 1906: 153.748,1907: 149.182, 1908: 103.387. Von Juli 1908 bis Ende März 1909 wanderten 40.971 Juden in Amerika ein. Die Gesamtzahl der Einwanderer in denselben Jahren be- Wir bleiben bei solch’ einer Anzahl ohne j Delegierten und die Juden sollen auf unsere Kosten Privilegien erhalten.“ Das sind wirklich grandiose Forderungen. Aus dieser Illustration können wir genau und deutlich entnehmen, was unsere lieben Serben am liebsten haben möchten. Ungeachtet dessen, daß dieser Eingabe kein Gehör geschenkt werden wird, kann ich es nicht unterlassen, diesem Protest einen kleinen Kommentar hinzuzufügen. Die Serben sagen: Virilisten wollen wir nicht, und sollten dennoch 9 Virilisten 'gesetzmäßig in den Landtag einziehen, so muß das Gleichnis 2:3:4 aufgestellt werden, das heißt 2 Katholiken, 3 Muslimanen und 4 Serben; wir wollen, daß dies im Gesetze ausgedrückt oder besser gasagt, den Juden für alle Zeiten die Virilistenstimme abgesprochen werde. Die Begründung ist wahrlich kernig; die Juden haben doch keine Organisation! Nein, wir haben erst seit kurzem eine Organisation, denn früher waren wir mit der Industrie, mit dem Handel und Gewerbe beschäftigt, folglich konnten wir beim besten Willen keine Organisation schaffen .... Schafft denn die Organisation eine Nation, oder die Nation eine Organisation? Die kleine Anzahl. Zur Zeit der ottomanischen Herrschaft waren die Juden durch zwei Abgeordnete und die Serben ebenfalls durch zwei Abgeordnete im türkischen Parlament vertreten. Die Bemerkung, daß die Serben für dieses Land Blut vergossen haben, ist richtig, jedoch muß hiezu bemerkt werden, daß sie als Insurgenten gekämpft haben. Wäre die ottomanische Armee aus verschiedenen Nationen zusammengestellt worden, so hätten sicherlich auch die Juden nicht gefehlt. Zu unserer ganz besonderen Freude nnd Genugtuung wurden bei der letzten Assentierung der Einheimischen bei gleicher Zahl der Bewohner Sarajevos 16 Juden gegen 5 Serben assentiert. Der umgekehrte Fall hätte der serbischen Presse gutes Material geliefert. In Sarajevo tragen die Juden 197», die Serben 15 57® der Steuerlast. Die Statistik ist mangelhaft, vermuten die Serben, und zirka 5000 Serben werden ohne Abgeordneten bleiben. Bei 31 gewählten Abgeordneten ist das wahrlich ungerecht, hingegen wäre es entschieden gerecht, daß 12.000 Juden ohne Gewählten und ohne Virilisten bleiben, denn der Umstand, daß sie die Stimmen abgeben können, sei ja faktisch vollkommen ausreichend .... Die Juden haben stets gewußt, an welcher Seite sie Stellung nehmen und für wen sie Partei ergreifen sollen; auch die letzten Gemeindewahlen, haben die Sarajevoer Juden nicht in Verlegenheit gebracht. S a r a j e v o, 6. Juni 1909. Alexander Merkler. trug 311.715, 448.572, 487.918, 648.743, 857.046, 812.870, 1,026.499, 1,100.735, 1,285.349, 782.870, 441.723. Der Anteil der Juden an der Einwanderung, in Prozenten ausgedrückt, stellt sich für die Jahre 1899 bis 1908 demgemäß wie folgt dar: 12 7», 13-5 7„, 11-9 7», 8-9 70, 8-97., 13 7", 126«/®, 13-9 7®, 11-67», 13°/o und für die Zeit vom Juli 1908 bis Ende März 1909: 9 7»- Interessant sind auch noch folgende Zahlen: Im Jahre 1820 betrug die Gesamteinwanderung nach Amerika 8385 Personen, 1830: 23.322, 1840: 84.066, 1850: 31.004. Diese Zahl blieb ungefähr konstant bis 1880, wo 457.257 Personen einwanderten. Aber erst seit 1900 ist ein stetiges Wachsen bis zu der Rekordziffer des Jahres 1907 zu verzeichnen, während 1908 infolge der Wirtschaftskrise einen scharfen Rückgang bringt. Zurückgewiesen wurden in der Zeit vom Juli 1908 bis Ende März 1909 insgesamt 6387 Personen, darunter alleinreisende Kinder unter 16 Jahren 13. Bei der Mehrzahl erfolgte die Hinderung der Landung aus sozialenGründen: Arme, Bettler,Kontraktarbeiterusw., bei etwa einem Drittel aus sanitären, und nur bei 485 aus Gründen der öffentlichen Sicherheit. Statistisches über die Juden in Indien. Interessante statistische Zahlen über die Juden in Indien finden wir in dem soeben erschienenen 26. Bande der „Imperial Gazetteer of India“. Danach ist in den letzten 20 Jahren die Zahl der Juden in Indien von 12.000 auf 18.000 gewachsen. Dieser Zuwachs kann nicht auf Einwanderung zurückgeführt werden, da Indien mit seiner einge- Der Stolz von Göding. Rechts saß Stransky vonder Pappen Links der Prinz zu Lichtenstein, Die nun als Regierungsknappen Extrafeine Brüderlein — Zwischen ihnen mitten drinn Jossel Redlich aus Hodonin! Und er schwang die deutsche Zunge, Die so manches schon geseh’n, Als Mosaio-Nibelunge Für die deutschen Reichsideen — Lächelnd lauscht der Herr von Wien Josseln Redlich aus Hodonin. Ach, wie freuen sich die Sonim, Wenn ein Haushebräer spricht; Morgen spuckt man ihm ins Ponim. (O, pardon! Ins Angesicht.) Aber was geniert das ihn, Josseln Redlich aus Hodonin? Millionen hat er liegen Und gewässert ist er auch, Ist gewohnt hinauszufliegen Und sein Ehrgeiz ist ein Schlauch: Also stellt er sich halt hin Jossel Redlich aus Hodonin! So erklimmt er flink die Stufen Zum Regierungshinterteil, Und die „Deutschen“ Gödings rufen Dreimal „Sieg!“ und dreimal „Heil!“ Er ist unser — unbeschrien! — Jossel Redlich aus Hodonin! Beda. Zu den Vorgängen im Parlamente. Der kurze Traum von der deutschen Regierungsherrlichkeit ist zu Ende; das Staatsruder ist den vereinigten deutschen Parteien sachte aus den Händen geglitten. Die kurze Herrschaft war durch Korruption sondergleichen erkauft und konnte nicht lange dauern. Was sich die deutschen Parteiführer in den letzten Monaten an Prinzipienverrat und Gesinnungslosigkeit geleistet haben, steht in der parlamentarischen Geschichte Oesterreichs, die doch gewiß in dieser Richtung reichhaltig ist, vielleicht einzig da. Aus „Losvonromschreiern“ wurden über Nacht gehorsame und loyale katholische Kirchendiener, aus „Alldeutschen“ wütende Hurrahpatrioten, Denunzianten und Hochverratsschnüffler christlichsozialer Kouleur, aus alten Bekämpfern der „Judäomagyaren“ Stützen der magyarischen Wucherbank. Ein jämmerliches Gelüste nach Eintagsmacht hat die borenen geschäftsgewandten Bevölkerung und seinen niederen Arbeitslöhnen für den fremden Juden nur wenig Anziehungskraft besitzt. Im Einzelnen ergeben sich folgende Zahlen: In Aden wohnen 3059 Juden, in Bombay 5357 bei einer Gesamtbevölkerung von 750.000. In Kalkutta sind 1886 Juden ansässig, in ganz Zentralindien nur 24. Die Zahl der Juden in Cochin beträgt 1137. In Ernakulam wohnen 412, der Handel dieser Stadt, dem Endpunkte der Cochin Steele Eisenbahn, ist hauptsächlich in den Händen der Konkanis und Juden. In Mettancheri sind 474 Juden ansässig. Der historisch interessanteste Teil dieser Stadt ist die sogenannte Judenstadt, die ausschließlich von weißen und „schwarzen“ Juden bewohnt ist. Hier ließen sie sich nach ihrer Vertreibung aus Cranganur durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert nieder. In den letzten Jahren: haben sie an Zahl und Ansehen abgenommen. Sie besitzen drei alte Synagogen. Im Staate Mysor wohnen 34 Juden, im Bezirke Bombay 609, in Punjab sollen nur 36 wohnen. Im Staate Sind schätzt man ihre Zahl auf 428. Alle diese Zahlen beruhen auf der Volkszählung von 1901. Gewish Chronicle). * * ♦ Die Zahl der Juden in Rußland. Eine interessante Statistik der russischen Juden veröffentlicht D. B. Brutzkus in den Publikationen der Jewish Colonisation Association. Das Buch ist reich an Tabellen und Diagrammen, die einen vollständigen Ueberblick über die Verteilung der Juden in Rußland geben, über ihren Familienstand, ihre kulturelle

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