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Jüdische Zeitung · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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■Nr. 23 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 '.hat. Herr Feld,mann arbeitet, für die Landentwicklungsgesellschaft. (L. D. G.) In jeder größeren Stadt werden Versammlungen veranstaltet, in welchen unter Hinweis auf die Bedeutung der Umwälzung in der Türkei für den .'Zionismus die Probleme der Palästinakolonisation besprochen werden. Welches Interesse diese Ausführungen bei den jüdischen Massen erwecken, beweisen am besten die zahlreichen Spenden, die in der letzten Zeit für .Palästinazwecke einlaufen. Parteinachrichten. Jüdischer Nationalverein für Oesterreich. In der Vertrauensmännerversammlung vom 28. d. M., der auch der Abg. Dr. G a b e 1 beiwohnte, wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Vertreter des „Jüdischen Nationalvereines“ haben gemeinsam mit dem Jüdischen Klub bei der Regierung vorzusprechen, behufs Einholung authentischer Informationen über den neuen Verfassungsentwurf für Bosnien und zwecks nochmaliger nachdrücklichster Forderung nach einer jüdischen Kurie für die bosnischen Juden. Weiters wurde der Jüdische Klub aufgefordert der Regierung Bienerth gegenüber in strengster Opposition zu verharren. Palästina. Bekanntmachung. :Unsere Palästina-Auswanderer, die ihren Weg .'über Wien nehmen, werden ersucht, sich vor dem »Antreten der Reise mit dem Informationsbureau für Palästina, Wien, IX., Türken-;straße 9, in Verbindung zu setzen. Das Bureau erteilt Auskünfte über die Palästinensischen Verhältnisse und gewährt unseren Gg. folgende Ermäßi- .gungen: 50% f. d. III. Kl. des Personenzuges Wien- Triest. (Preis d. halben Karte K 12.—). 30°/o für die IV., III., und II. Kl. der Schiffe des Oesterr. Lloyd. Die Preise der ermäßigten >Karten Triest-Jaffa betragen: Für Schnelldampfer: (Reisedauer 4'/* Tage) IV. Kl. (ohne Bett und Verpfl.) K 61.80» III. Kl. (bis Alexandrien d. i. 3’/i Tage mit Bett u* Verpfl.) K 94.50. Für gewöhnliche Dampfer (Syrische Linie, Reisedauer 10 Tage): III. Kl. (ohne Bett und Verpflegung) K 51.60, II. KI. (mit Bett u. Verpfl.) K 169.-. Die Schnelldampfer gehen jeden Donnerstag, die gewöhnlichen jeden Samstag von Triest ab. Der Emigrant muß sich zur Besorgung der Karten und Visierung des Passes wenigstens drei Tage zuvor in Wien einfinden und in unserem Bureau melden. Zum Schlüße machen wir noch die Emigranten und auch unsere Organisationen und Vertrauensmänner besonders darauf aufmerksam, daß alle philantropischen Institutionen in Wien unseren Auswanderern die Unterstützung verweigern, weshalb sie unbedingt über die Reisespesen verfügen müssen, da sie sonst Gefahr laufen, die Reise nicht antreten zu können. Informationsbureau für Palästina und die Türkei Wien, IX., Türkenstraße 9. * * * Arbeiterwohlfahrts-Gesellschaft in Palästina. Jaffa. Hier ist eine unparteiische Gesellschaft ins Leben gerufen worden, welche die Gründung von kooperativen Vereinen und Institutionen für die jüdischen Arbeiter in Palästina erstrebt. Die Gesellschaft hat sich zur Aufgabe gestellt, die Existenzbedingungen der kooperativen Verbände in allen Ländern zu erforschen, die diesbezüglichen Kenntnisse unter den jüdischen Arbeitern in Palästina zu verbreiten und solchen Vereinen hierzulande den nötigen Kredit zu verschaffen. Die Gründer richten an das jüdische Publikum die Bitte um Zusendung von entsprechenden Werken und Satzungen kooperativer Vereine, Spar- und Leihkassen, Krankenunterstützungskassen, Konsumgenossenschaften usw. Die Adresse ist: Hapoelzair, Jaffa (Palästina), für Hachewra Hamerkasit.: * V*,\ *;'■ .. Palästinensische Hausindustrie. Königsberg i. Pr. Eine Ausstellung palästinensischer Spitzen fand in den Räumen des Vereines jüdischer Studenten statt. Sie ist geeignet, das Interesse aller zu. erregen, die Freude und Verständnis für weibliehe Handarbeiten haben. Wir lernen dabei eine in Deutschland noch völlig unbekannte Industrie kennen, die eigentlich arabischen Ursprungs nach Palästina übertragen ist und heute dort jüdischen Frauen einen Broterwerb gibt. Die Spitzen, die teils an die früher viel gefertigten „Frivolitäten“, teils an ganz feine Häkelarbeiten, die durch die herrschende Mode wieder seh»- beliebt geworden sind, erinnern, werden nur mit Nadel und Faden hergestellt, was bei den feinen und formschönen Mustern mit Erstaunen erfüllen muß. Die Verwendungsmöglichkeit dieser Spitzen ist unendlich groß; sie sind zu Kleidergarnituren äußerst geeignet, wenn sie in Seide oder in Zwirn hergestellf, zu größeren oder kleineren Kragen verarbeitet sind. Sehr schön sind auch die verschiedenen ausgestellten Decken, Läufer, Einsätze u.- dergl-, die zu Leib¬ und Tischwäsche einen passenden Schmuck bilden. Dabei ist die Industrie, die wegen ihrer Jugend noch wenig entwickelt ist, keineswegs an den Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit angelängt. — Die Ausstellung, mit der ein Verkauf verbunden ist, die in nächster Woche im Kunstsalon von Risemann und Lintaler fortgesetzt wird, ist bestimmt, wie die „Kgbgr. Hartungsche Zeitung“ schreibt, von hier in andere Städte zu gehen, um in ganz Deutschland diese Art der Arbeit populär zu machen und den jüdischen Frauen in Palästina neue Erwerbsmöglichkeiten zu eröffnen. Betreffs Arrangements ähnlicher Ausstellungen in anderen Städten ist Herr D. Trietsch (Groß- Lichterfelde-West bei Berlin) gern bereit, Auskünfte zu erteilen. * * *! Organisierung der palästinensischen Judenheit. . Jaffa. Der Palästinarat..erließ bereits vor mehreren Wochen eine Einladung an sämtliche jüdische Kolonien und Städte in Palästina, Delegierte zu einer gemeinsamen Versammlung zu entsenden, auf der die Reorganisation und Erweiterung des von ganz Palästina zu berufenden Palästinarates erfolgen sollte. Die Juden der Städte, denen es in Palästina faßt an jeder Organisarion mangelt, reagierten auf diesen Aufruf nur sehr wenig, dagegen erklärten sich fast alle Kolonien bereit, diese Versammlung zu beschicken. Die judäischen Kolonien haben sich inzwischen bereits vereinigt und einen Ausschuß eingesetzt, der zunächst die gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Interessen dieser Kolonieu wahrzunehmen hat. * * * Die Eröffnung der Mädchenschule des . Odessaer Komitees. Jaffa. Jüngst fand eine interne, aber nichtsdestoweniger feierliche Eröffnung des neuen Gebäudes der neuen Mädchenschule in Jaffa statt. Der Vertreter des Odessaer Komitees, Herr Dr. Chissin leitete den Akt der Eröffung ein und der Direktor der Schule Dr. Turow hielt eine längere Ansprache, in der er insbesondere dem Herrn Feinsberg in Irkutsk, der den größten Teil der Baukosten der Schule dem Odessaer Komitee zur Verfügung gestellt hat, mit großem Danke gedachte. Es folgten Produktionen der Schulkinder (Deklamation, Gesang u. dgl.) und die Besichtigung aller Schulräume. Der Unterricht im neuen Gebäude erfolgte in den nächsten Tagen. Die letzten Arbeiten, wie Anlage eines Gartens, Instandsetzung der Erfrischungshalle, Einrichtung einer Szene, werden in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. « * * Weibliche Berufe in Palästina. Kindergärtnerinnen werden für die in letzter Zeit an Zahl und Bedeutung immer mehr zunehmenden Kindergärten in erheblicher Anzahl verlangt, doch wird der größte Teil der Steilungen durch Mädchen aus der palästinensischen Bevölkerung selbst besetzt. Die größte Zahl der palästinensischen Kindergärten wird vom Hilfsverein der Deutschen Juden in Berlin, Steglitzerstrafie 12, unterhalten. Es empfiehlt sich für Bewerber, zunächst bei diesem Verein anzufragen, ob offene Stellen vorhanden sind. Die ausschließliche Sprache in den Kindergärten ist das Hebräische, dessen gründliche Kenntnis für die Kindergärten unentbehrlich ist. Krankenpflegerinnen. Es gibt in Jerusalem zwei und in Jaffa, Saffed und in den jüdischen Kolonien Rischon le Zion und Sichron Jaeob je ein jüdisches Hospital. Ein Hospital in Jerusalem und ein Hospital in Jaffa haben bereits in Europa ausgebildete Krankenschwestern, die übrigen Hospitäler noch nicht. Bei dem einen oder dem anderen Hospital werden einige kräftige, gesunde Krankenpflegerinnen bei bescheidenen Ansprüchen voraussichtlich noch eine Stellung finden können. Außer freier Wohnung dürfte eine monatliche Vergütung von zirka 50' Frcs. gewährt werden. Als Sprache ist die jüdische oder deutsche ausreichend, doch ist die Kenntnis der hebräischen, französischen und arabischen Sprache wünschenswert. Lehrerinnen. Europäisch gebildete Lehrerinnen sind an folgenden palästinensichen Schulen angestellt: 1. an der Mädchenschule der Alliance lsraelite Universelle in Jerusalem; Unterrichtssprache: Französisch. 2. an der Evelyn of Rothschild School for girl in Jerusalem; Unterrichtssprache: Englisch 3. an der Mädchenschule des Odessaer Komitees in Jaffa; Unterrichtssprache: Hebräisch. 4. an der Mädchenschule des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem; Unterrichtssprache: Deutsch und Hebräisch. Auch an einigen Knabenschulen oder gemischten Schulen, wie z. B. dem Hebräischen Gymnasium in Jaffa, sind Lehrerinnen für Elementarfächer oder für fremde Sprachen (Französisch, Deutsch) tätig. Die Schulen der Alliance stellen fast ausschließlich solche Lehrerinnen an, die in dem Lehrerseminar der Alliance in Paris ausgebildet oder selbst aus einer Allianceschule hervorgegangen sind. Die Evelyn of Rothschild School verlangt von ihren Lehrerinnen die Beherrschung des Englischen und Religiosität im Sinne des traditionellen Judentums. Bewerbungen sind zu richten an die Leiterin Miß Annie Landau in Jerusalem. Die Mädchenschule des Odessaer Komitees ist in jüdischnationalem Sinne geleitet. Die Beherrschung des Hebräischen als Umgangssprache ist für die Lehrerin durchaus erforderlich. Bewerbungen sind zu richten an den Leiter Turow in Jaffa. Die Mädchenschule des Hilfsvereins nimmt ihre Lehrerinnen vorwiegend aus Deutschland (und Deutschösterreich). Bewerbungen an den Hilfsverein der Deutschen Juden in Berlin, Steglitzerstraße 12. Alle obengenannten Schulen sind sechs- bis achtklassig, außer der Unterrichtssprache werden gewöhnlich noch ein bis zwei andere Sprachen gelehrt. Die wöchentliche Stundenzahl einer Lehrerin beträgt zirka 30, das monatliche Gehalt zwischen 100 bis 200 Frcs. Wohnung und Verköstigung in einer bürgerlichen Familie oder in einem mittleren Hotel kostet bis zirka 100 Frcs. monatlich. Ein Mangel an Lehrerinnen besteht augenblicklich nicht, doch werden von Zeit zu Zeit durch Fortgang der jetzigen Lehrerinnen oder Vermehrung der Klassen Stellungen jrei. Es empfiehlt sich in jedem einzelnen Falle, wegen einer Vakanz bei den oben bezeichneten Schulleitern vorher anzufragen. Für weibliches Hauspersonal (Köchin, Hausmädchen) gibt es zahlreiche Stellen. Der Lohn schwankt zwischen 15 bis 30 Frcs. monatlich. Ein geschultes Hauspersonal würde vielen Familien, in denen insbesondere die Frau einen Beruf außerhalb des Hauses (z. B. als Lehrerin) auszuüben hat, den Aufenthalt hier bedeutend erleichtern. Vielen jungen Mädchen aber, denen das Vorurteil, daß häusliche Arbeiten etwas Herabwürdigendes ist, nicht zu eigen ist, würde dieser Beruf die Möglichkeit bieten, in Palästina zu leben. * * *

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