Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite « JÜDISCHE 'ZEITUNG. Versammlungen der Jüngtürkeh. Jaffa. Die. jungtürkischen Komitees in Jaffa and Jerusalem, denen nun alle höheren Beamten and Offiziere angehören, veranstalteter) in letzter Zeit mehrere Versammlungen, in denen sie die neue Lage besprachen. Gelegentlich einer dieser Versammlungen, bei der der Pascha von Jerusalem in Jaffa -gegenwärtig war, wurde ein festliches Bankett im Hotel du Parc veranstaltet. * * * Die Regenerierung Palästinas. Albert M. Hyamson erörtert in der „Interna- ' tional Review“ die Möglichkeiten der Regenerierung Palästinas, über die er sich, gestützt auf die Berichte des „Ica“ und des britischen Konsuls in Je-; Tusalem, sehr hoffnungsvoll ausspricht. Den ökono- ■ mischen Fortschritt in den letzten Jahren bezeichnet i «r als phänomenal. So zum Beispiel nahmen von 1898 bis 1907, in zehn Jahren, Export und Import von Jaffa um mehr als 100 °/o zu, der Wert der von i Jaffa exportierten Orangen wuchs von 1900 bis 1907 um 150 °/o. Von den letzten erfolgreichen Versuchen mit verschiedenen neuen Kulturen sind jene mit Baumwolle, Tabak, Geraninen (zur Oelgewinnung), Kartoffeln, Encalyptus, Bohnen, Erbsen, Hafer hervorzuheben, ferner Versuche mitStraußenzucht. Die jüdischen Kolonien, so schreibt Hyamson, sind sehr aufstrebend und erhalten sich selbst. In diesen wird aber nicht bloß Ackerbau getrieben, sondern Tn jüngster Zeit auch Industrie: Wollwäscherei und Weberei in Rosch Pinah, Seidenspinnerei in Rosch Pinah etc. In änderen palästinensischen Orten blühen zahlreiche Industrien auf. Eine Berichtigung. Als Antwort auf den Artikel „Gehetzte Juden“ in der Nr. 21 unseres Blattes erhalten wir von Herrn Dr. Schwarz-Hiller nachstehendes Schreiben. Obzwar dasselbe den gesetzlichen Bedingungen einer „Berichtigung“ nicht entspricht, nehmen wir, getreu dem Grundsätze, auch den Gegner zu Worte kommen zu lassen, keinen Anstand, die Zuschrift im Wortlaute zu veröffentlichen: An die Redaktion der „Jüdischen Zeitung“ Wien, IX., Liechtensteinstraße 11. Im Grunde des § 19, Ges. 17. XII. 1862, Nr. 6 RGB. für 1863, verlange ich die Aufnahme dieser Berichtigung von nachfolgendem, in Nr. 21 Ihrer Zeitung vom 21. Mai 1909 in einem anonymen, „Gehetzte Juden“ überschriebenen Artikel mitgeteilten und mich betreffenden Tatsachen, und verweise bezüglich des Ortes der Einreihung als auch bezüglich der Schrift der Berichtigung auf die in der obzitierten Gesetzesstelle enthaltenen Vorschriften. 1. Es ist vollkommen unwahr, daß ich in den Hausiererversammlungen als ein auf Stimmenfang spekulierender Politiker,. der nicht Hilfe schaffen will, das Wort führe, währ ist vielmehr, daß ich seit langer Zeit sowohl für den Recbtsschutzverein der Hausierer als. solchen, als auch für einzelne Hausierer zahllose Eingaben, Rekurse, Petitionen, Gesuche uni Erwerbung des öStertäichiscbe'n Staatsbüxgefre'chfes und sonstige Schriftstücke äusgearbeitet, vor Behörden Vertretungen durchgeführt und fast an allen Aktionen, die für die Verbesserung, der Lage der Hausierer eingeleitet wurden, teilgenommen habe, ohne selbstverständlich hiefür eine Entlohnung, welcher Art aUCft immer,- je begehrt odeir empfangen zu haben. 2; Es ist vollkommen' unwahr, daß ich durch mein Auftreten in Hausiererversammlungen auf billige Weise für mich Stimmung machen will, währ ist vielmehr,- daß’ ich mich1 in der letzten ebenso in allen früheren HäusTererversammlurigeri befleißigt habe, lediglich über . rein wirtschaftliche Fragen zu sprechen, daß ich weiters niemals die Hausierer für eine bestimmte Pärieindiiiing zu gewinnen suchte und daß ich während der Laridtagswahl nur gezwungen; da Herr Baron Hock abgesagt hatte, in einer Hausiererversammlung eine kurze politische Wahlrede gehalten habe, da man mir versicherte; daß eine Absage meinerseits die bereits in einem Lokale versammelten Hausierer beleidigen würde. 3. Es ist vollkommen unwahr, däß; ich in der vön Ihnen erwähnten Hausiererversammlung die Worte „engherzige Protzen“ bezüglich des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde oder bezüglich einer anderen Korporation oder bezüglich anderer Einzelpersonen gebraucht habe.- 4. - Es ist vollkommen unwahr, daß ich’ in der von Ihnen erwähnten Hausiererversammlung von dem allgemeinen gleichen Wahlrecht für die Kultusgemeinde .gesprochen häbe, währ ist vielmehr; daß idi' die'Wählrtchtsfräge auch" nicht mit einem Worte berührt habe. 5. Es ist vollkommen unwahr, daß ich vor ein paar Monaten die Wahlaufrufe des offiziellen Kultuswählkdmitees Unterschrieben habe; ‘Wahr ist viel-] mehr, daß ich der BeiSätzuhg 'meines'Nämens zu dem Aufrufe des' offiziellen Kultuswahlkomitees v o 11 k o m me n.tf ern.es.t.a n d, beziehungsweise von dieser Nänierisb'eisetzüng *ä:6% oTti t "nichts wußte, sondern, daß.;die Beisetz.ung:;mei,nes Namens, wie ich nächträgiich.nach Rückkehr von einer niehrwöcheritlicheh Auslandsreise ertiihr, infolge eines Versehens und Mißverständnisses erfolgte,; än welchem, wie ich loyalerweise. gestehen muß, : das offizielle Kultuswahlkomitee kein wie immer . geartetes Verschulden trug. 6. Es ist vollkommen unwahr, daß ich und meine Leute während der letzten. KultuswäHl I wütend gegen irgend eine Partei agitiert haben, j Wahr ist vielmehr, ' daß ich mich , während der . Zeit! der letzten Kultuswahlen wochenlang beruflich im j Auslände, in London, Paris, Mühlhausen im Elsaß ’ und Karlsruhe befunden habe, erst nach beendeter | .Wahl näch Wien zurückkehrte und mich an dieser! Wahl in keiner wie immer gearteten und welchen; Namen auch immer habenden Weise beteiligt hape 1 und insbesondere auch weder als Parteileiter, noch! als Privatperson irgend welche Direktiven an drifte; Personen wegen Anteilnahme än der Wahl oder wegen Führung einer Agitation weder unmittelbar noch mittelbar habe ergehen lassen.? .... 7. .Es ist vollkommen ünwä'br, däß fcn auf das Elend Tausender so hart a'rbeifeäder Menschen spekuliere, wahr ist vielmehr,.daß ich,,so. oft mir aus dem Hausiererstande eine Bitte um Hilfeleistung zugeht,. und dies ist , sehr häufig der Fäll, nach meinen Kräften alles fite,, um soweit als möglich das Gewollte erreichbar zu machen. Achtend Rudolf Schwarz-Hiller Hof- und Gerichfeädvokät *: Wien, I., Dominikänerbastei 6. Aus der „Berichtigung“ spricht nur eines sehr deutlich: D'r. Schwarz-Hiller will es sich mit der Kahalpärtei nicht verderben. Er, der Demokrat und Freiheitlichsöziale, .beteuert nachdrücklich, nicht für das allgemeine Wahlrecht in der Rultusgemeihde gesprochen zu haben. Wir wollen ihm gerne den Gefallen tun, das festzunägelii. Für eine Demonstration vor der Kultusgemeinde hat er gesprochen, diesbezüglich berichtigt er nicht. Bezüglich der von ihm hiebei gebrauchten Ausdrücke mag unserem Berichterstatter wohl ein Irrtum unterlaufen sein. Dr. Schwarz-Hiller berichtigt ferner, daß sein Name ohne sein Wissen und Wollen und ohne Ermächtigung von der Kultuspartei auf Aufrufe gesetzt wurde, auf gut deutsch: Die Kultuspartei hat seine Unterschrift gefälscht! Er beeilt sich aber, diesen Umstand als „kein wie immer geartetes Verschulden“ der Kultuspartei zu kennzeichnen. Merkwürdige Rechtsbegriffe, Herr Doktor! Um die Behauptung, daß die Leute des Herrn Dr. Schwarz-Hiller, das heißt seine Parteifreunde, während der letzten Kultuswahlen nicht gegen die Zionisten und für die Offiziellen agitiert haben, zu beleuchten, wollen wir nur erwähnen, daß sich ein enger Parteifreund des Herrn Doktor, nämlich Bezirksrat Neustadt 1, in der Agitation riesig hervorgetan hat Auf den Vorhalt, daß sich doch die Deutschdemokraten anläßlich der Reichsratswahlen ehrenwörtlich verpflichtet haben, die Zionisten in ihren Külfusaktionen zu unterstützen, erwiderte dieser, liebe Herr: „Inder Politik gibt es kein Ehrenwort!“ Wir sind jederzeit bereit, diese Behauptung durch Zeugen bestätigen zu lassen. Wenn es Herr Dn Schwarz-Hiller ferner für gut findet, im fraglichen Artikel ganz allgemein angeführte Begriffe auf sich zu beziehen und mit Hilfe des § 19 konstatiert, kein spekulativer Politiker. etc. zu sein, so wollen wir ihn dieses primitiven Vergnügens nicht berauben. tÜlochscÜe Stämpigiienküftur. Das „N. W. T.“ vom 25. Mai 1909 brachte nachstehende Notiz über Herrn Prof. Dr. Kellner: „Der Kaiser hä,t den a. o. Professor Dr. Leon Kellner zürn orcf. Professor für englische Sprache an der Universität ln’ Czembwitz ernannt. Prof. Dr. Kellner, der aus zahlreichen politischen und'literarischen Beiträgen auch den Lesern unseres Blattes wohlbekannt ist, erfreut sich, wie man weiß, in den' wissenschaftlichen Kreisen' seit jeher eines hervorragenden Rufes.“ Die Blochsche Redaktionsschere hat diese Notiz des „N. W. T.“ ganz sachte und ohne sie im geringsten zu verletzen, in die Nr. 22 der „Gestern Wochenschrift“ . versetzt und so ward- Prof. Dr. Kellner zum wohlbekannten Mitarbeiter Dr, Blochs gestempelt. Prof. Kellner wird sich bedanken. Nr. 23 th eigener Sache, inNr.22(ier„Welt“erschiendieUebersetzungeines Artikels des Hörrn Dr. Tschlenoff (erschienen in Nr. 96 des -^Hed-Hasmäh“), der hauptsächlich, gegen mich gerichtet ist. Da,die „Welt“ unkorrekter Weise den Artikel Tschlenoffs bringt, ohne den Lesern gleichzeitig auch .den ineinigen' VÖrzülegen,. gegen den Tschlenoff polemisiert, was zu Mißverständnissen führen müß, So sehe ich mich gezwungen,, hier folgende Erklärungen abzugeben. 1. Herr Tschlenoff giebt eine laftge Erklärung,, warum er in Köln die Wahl des Herrn Ussischkin in die Agrarko.mm.issipn nicht befürworten konnte.. Sehr gut.. Ich frage nun, warum er. jefit es für gut befunden hat, die Kooptation des Herrn Ussischkin in die Agrarkommission vÖrzuschlagen? Durch diese Tatsache allein hat er alle , seine, läijgen Erklärungen vernichtet, depn, Herr. Ussischkin hat sich während, dieser Zeit keineswegs geändert. 2, Ich gehpre,,riicjit zu.den .Anbeterp UssischTicinS, denn ich bete überhaupt niemanden än, . Als- Hetfr Ussischkin sich erlaubte, gegen die'Land-Dever ldppment-Company zu,,Agitieren,, so,zögerte ich; nicht, gegen dieses Verfahren scharf zu protestieren,, wie, sich die Leser dieses. Bfatte^ yvphl,.erinnern.. Aber die Nich'twähl Ussischkins in die Ägiärkommissio'n hätte für mich eine prinzipielle Bedeutung, wie. es aüch Herr .Tschlenoff, .zugibt: man . wollte damjt gegen den. Versuch jLJssischkins,, .sofort Gelder für.dep Agrarfopd zu. sammeln,, pro festeren. Ich bin aber in diesem Punkte mit Ussischkin einverstanden, denh ... 3. ich bin auch, nach den Erklärungen, Tschlenoffs der Meinung, daß die in Köln gewählte Agrarkömmissioh nichts wesentliches schaffen wird. Wer sich an die „Arbeit“ der seligen Nationalfondskommission erinnert, wird sehr skeptisch zu allen. Kommissionen sich verhalten, die aus Leuten zusammengesetzt ist, die in verschiedenen Ländernwohnen. Daran würde auch die Wahl Ussischkins. nichts ändern, aber,mit ihm käme in die Kommission ein Repräsentant jener Zionisten herein —- zu denen auch ich gehöre —.die überzeugt sind, daß man sofort mit der Geldsämnilung zugunsten eines- Agrarfonds beginnen muß. Wir brauchen jetzt Geld und nicht gelehrte Projekte. Uebrigens würde man damit die Traditionen Herzls befolgen, der mit der Geldsammlung für die Bank und für.den Nationalfond vor der Ausarbeitung von Projekten und Statuten begonnnen hat. 4. Herr Tschlenoff beschuldigt mich, ich predige »Abfall und Scheidung“, d. i. die Desorganisation unserer Bewegung. Ist Herr Tschlenoff so naiv geworden? Wer mit meiner zehnjährigen Tätigkeit im Zionismus bekannt ist, weiß, daß die Einheit unserer Organisation die Richtschnur meiner riiüridiithen und schriftlichen Propaganda war. Der Zweck meines letzten Artikels im „Hed Hasman“ war nicht die Schwächung, sondern die Stärkung unsrer Organisation. Der Sinn des Artikels, ist folgender: die energischen Zinoisten müssen noch vor dem 9. Kongreß den Grund zum Agrarfond legen, indem sie bis dahn 1—2 Millionen Franken, sammeln: dann würde der Kongreß schon die konkrete Form des Agrarfonds .schaffen können,, damit man sofort zur praktischen Kolonisation in Palästina schreiten könnte. Ich bin aber der Ueberzeugung, daß nur die praktische Arbeit in Palästina die zionistische.. Organisation stärken und vertiefen kann. Da ich mit der Stimmung innerhalb der russischen Juden lang rechnete, so wendete ich mich vor allem än die russischen Zionisten. Und ich glaube, daß, wer den Ernst des gegenwärtigen Moments^voll, begreift,„mir zugeben wird, .daß man das Eisen schmieden muß, solange es heiß ist.,Und Herr Tschlenoff kann, sicher sein, , daß1, „die . Herrn Päsmahiks“ denselben Ruf aiich von der Höhe der Kongreßtribüne wiederholen werden. Und dieser Ruf wird läuten i alle energischen Zionisten müssen sich um die- Schöpfer lebendiger Arbeit sammeln, .um sofort.die praktische-Kolonisation in.Palästina: einzuleiten,... um.,.der| Zionismus aus einer Tätigkeit, für,Juden jn eine , jüdische Tätigkeit zu vefwändhln.“ Und ich’ bin überzeugtj daß nur die energielosen Elemente darin „ein‘e„Aufforderung. zum. AbfalLund zur .Scheidung erb,üpk.e&“ werden. Die gesunden ..Elemente ( im Zionismus werden darin eine Aufforderung zur schöpferischen jüdischen Arbeit erblicken. Dagegen kann Herr Tschlenoff ap.ch sicher. sein,.. daß, ,dier,,lj.errgn aus unserer LÖifung Uns vom derselben Rongreßtribüneerklären werden müssen; wäfüm sie sich den neueingetretenen Umständen so wenig gewachsen zeigten. Und,..nun. .noch ein,Wort, übej^.Gejneinheit“. Iih deutscli'e'n Artikel' Ts’Cjd'enöffs.wird .mein’ „Auftreten“ . gegen' dfe Agrärkömmissiö'n als* die;ge- ■meinste" Artvon Heulen.,und Jammern'vor Zorn“ charakterisiert..Im hebräispljen Text..ste.l)t an, dieser Stelle:,,,„ist .es nicht, die . scläjminstg; $ft. Es’ gehört, also zür freien Uebefsefzungsweise des Redakteurs' d‘er;Welt“, der doch1 bis" jetzt’ als guter Häbraist bekannt war. Das gehört aber ins Gebiet, einer persönlichen Abrechnung. Genf, den 28. Mai 1909. D; Dl; Pasmani k.