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Jüdische Zeitung · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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TSlr. 23 JÜDISCHE' ZEITUNG. Seite 5 ‘stimiflung,. ein anderer Teil opponierte. —; Vorigen SorinäÖend; fänd eine letzte diesbezügliche - Zu- *r . VI ‘ f ' / ' ( sämmenkünft inj,-, „Club des Intimes“ statt,;i upd es wurde’ im Prinzip) beschlösseiL -das;Anerbieten; Her Änglp-Levaiitine Bärik zu -akzeptieren^ 'Eine besondere Kommission ist beauftragt worden, ..die Vereinbarungen mit dem genannten Bankinstitut zu fixieren. . . * * -• - v ’ - ■; 1 i » * ' ' . Protest gegen die Verunglimpfung der Juden auf der Bühne. Präg. Am 24. Mai fand eine Sitzung des Ausschusses des Jüdischen politischen_Verein es statt, in welcher beschlossen wurde, die Direktion des Neuen Deutschen Theaters zu erblichen, ..die... in .Vorbereitung befindliche Operette „JJerbstnpanöver“ entweder ganz .aus, dem. Repertoire, zu streichennder die dasjudentum karrikierende Figur, des,.Reservekadetten .Wallerstein. durch eine andere , Possenfigur zu ersetzen. Es Jst zu. hoffen, daß.,..diev. ßirektion,. des Neuen Deutschen Theaters diesem Ansuchen Rechnung tragen wird, zumal Ja Qirektor Angelo Neumanh zugleich, auch. Direktor des königlich .Deutschen Landestheaters, also eines aus öffentlichen Mitteln.; subventionierten Instituts ist.. . Zugleich .beschloß der Ausschuß, sich an die kompetenten. Behörden mit, einer Eingabe zu wenT den, in .welcher, d a s V e r b o.t allerdiejuden beleidigenden, Vorträge,, bieder, Kupp 1. ets usw. für T.he^ter-,und Chantantvorstellungen gefordert wird. * 4c * Nachwelten einer antisemitischen fcriegsgerichtsverhandlüng. Mühlhausen im Elsaß. Wir haben wiederholt über den Prozeß des Rittmeisters von Gersdorff, der durch antisemitische Hetzereien den Einjährigen Bloch in den Tod getrieben hat, berichtet. Bekanntlich hat die Kriegsgerichtsverhandlung, besser gesagt Gerichtskomödie, damit geendet, daß der adelige judenschinder zu 15 Tagen Stubenarrest verurteilt wurde. Nunmehr liegen nachstehende Meldungen reichsdeutscher Blätter vor: In einem Teil der reichsländischen Presse ist die Nachricht verbreitet, die drei israelitischen Konsistorien Elsaß-Lothringens hätten bei dem zuständigen pivisionskommando über den Vertreter der Anklage in der ersten kriegsgerichtlichen Verhandlung, über den Kriegsgerichtsrat Walter wegen Verächtlichmachung der jüdischen Religion Beschwerde erhoben. Der Kriegsgerichtsrat Walter hatte, wie erinnerlich, in .seinem Plaidoyer die unzulässige Aeußerung getan, die jüdische Abstammung sei niemals ein Vorzug gewesen, besonders, bei der Armee, und in diesem Lichte hätte auch Rittmeister Graf von Gersdorff diejenige,des Einjährigen Bloch betrachtet. Eine Stellungnahme der jüdischen staatlichen Konsistorien gegen diesen, amtlichen,Antisemitismus wäre, durchaus berechtigt und läge vollständig im Rahmen ihrer amtlichen Zuständigkeit, Aber von anderer Seite wird die erwähnte Meldung dementiert! Dann ist sie mögiichenyeise ein nicht zu übersehender Anstoß aus beachtenswerten Kreisen, des Reicfjslandes, lim die, Energie der, dortigen jüdischen Konsistorien in dieser Angelegenheit etwas zu beleben.' Vielleicht klärt sich aber der Widerspruch auch dahin auf, daß nach einer anderweitigen Meldung der Vater des verstorbenen Einjährigen Bloch das Einschreiten der Konsistorien angerufen hat. — Unwahrscheinlich .klingt, ferner die Meldung Mühihäusener Blätter,...Rittmeister Graf yon..Gersdorff beabsichtige nach Erledigung des Berufungsverfahrens auch noch Privatklage gegen den Vater Blochs zu erhebe^ weil dieser ihn vor dem Kriegsgericht als Antisemiten bezeichnete, — In direktem Zusammenhang mit den höchst bedauerlichen Mühihäusener Vorgängen . steht auch, ein zweiter Prozeß vor dem Kriegsgericht iji Mühlhausen,vor dem sich der Wachtmeister Köcken von der Schwadron des unglücklichen Einjährigen wegen wissentlichen Meineids zu verantworten haben wird. Der Vater Blochs sägte nämlich vor Gericht als Zeuge aus, Köcken hätte von seinem Sohne Geschenke angenommen. Trotzdem der Vorsitzende den Wachtmeister darauf aufmerksam machte, daß er eventuell eine Aussage verweigern' dürfet erklärte er unter Eid, er habe nie Geschenke vom Einjährigen Bloch angenommen. Der Väter Blochs soll nun aber nachgewiesen haben, daß" Köcken Geldgeschenke gefordert und auch erhalten habe. Daraufhin wurde letzterer ip .seiner : Wohnung .-tyegeip Verdachts des wissentlichen Falschpides verhaftet. Die Untersuchung gegen an-; dere Unteroffiziere der gleichen Schwadron wegen , Annahme von Geschenken ist eingestellt worden, weil, der Vater Blochs diesbezügliche Angaben verweigert. : - ’s , 4 Die Zukunft des amerikanischen Judentums.*) Von Dr. K. Fornberg. . Professor .Eduard S t e i n e r, der. langjährige; Forscher,, auf .dem Gebiete der ärnerikanischen Einwanderung, schreibt über das .t. amerikanische. Judentuin folgender-r rnaßen : ^Es ist zweifellos, das jü.d> scfre yöljc, in. .Amerika siner ernsteren Krisis entgegen geht, als einst jm, babylonischen. Exil«:. .Part,..würde, das .Judentum geschaffen,, hier ..höjft seine Existenz auf. Dort ist die Hoffnung auf die Ankunft des Messias, geboren worden*. hier ist, sie-.zugrunde, gegangen. Das amerikanische JudenT tum .geht einer Katastrophe _ entgegen. Vom Zustande, in, .welchem es sich heute befindet bis zur vollständigen Auflösung ist nicht weit. Der Auflösungsprozeß wird nur durch den Zuzug, von Juden aus Rußland und Polen verzögert. Der Durchschniftsjude hat sich soweit amerikanisiert, daß er bereits vollständig seine Herkunft und Abstammung vergessen hat.“ . Ferner meint Prof. Steiner, daß das in Amerika geborene Judengeschlecht nicht nur amerikanisiert, sondern ganz assimiliert ist. „Amerikanisierung und Assimilation“, sagte er, „sind mir zwei Seiten derselben Medaille, sind ein einheitlicher Prozeß.“ Dieses vernichtende Urteil des Prof. Steiner ist nicht ganz begründet. Man überblicke die Vergangenheit des amerikanischen Judentums, untersuche hernach seine Gegenwart. Man vergleiche die Resultate der Untersuchung und frage sich, ob man ernstliche Befürchtungen in bezug auf seine Zukunft hegen dürfe. Vor vier Jahren feierten die amerikanischen Juden das zweihundertfünzigjährige Jubiläum ihrer Einwanderung. In kleinen Gruppen sind die ersten Juden, zumeist Spaniolen aus Portugal, Holland und aus südamerikanischen und westindischen Kolonien, nach Amerika eingewandert und haben hier kleine Gemeinden begründet. Diese Gemeinden blicken auf eine 250jährige Vergangenheit zurück. Wohl sind sie den russischen und deutschen Juden fremd geblieben, sie sind jedoch nicht zugrunde gegangen. Die spaniolischen Juden in Amerika sind weder ärger noch besser als die Spaniolen anderswo. Ihre?ahl ist gering und geht sogar zurück, aber nicht infolge von Assimilation, sondern infolge strenger. Abgeschlossenheit. Sie heiraten untereinander und bilden förmlich eine Familie. .Infolge dieser Unzucht haben sie die Lebens- und Vermefeungskraft eingebüßt. Ihr Schicksal unterscheidet sich nfeht von dem, Lose anderer abgesondert lebender Gruppen. .... ... .. . , Eine andere Gruppe der amerikanischen Juden — die aus Deutschland eingewanderten oder Jehudim — verdient erhöhtes Interesse. Auch die: „Jehujdim“ leben ,in Amerika seit längerer Zeit;Imi Jahre 1898 haben sie das 50jährige Jubiiäum ihrer Einwanderung gefeiert.,, .....; , WennProfesspr Steiners Ansicht richtig wäre, so hätte,sie sich an den. deutschr amerikanischen Juden bewahrheiten müssen, denn für die Assimilation diese? Juden waren die Umstände sehr günstig, sie kämen *) ln der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift „Zukunft“ .erschien aus der Feder des Dr. K. Fornberg ein größerer Aufsatz unter dem Titel: „Amerikanisjerung undAssimilation“. Wir entqehmendiesem Aufsätze, das auf die Juden bezügliche Kapitel, mit dessen Inhalt wir uns jedoch nicht vollständig identifizieren. aus einem Lande, in welchem die Assimilationsfendenz stark ist; sie gehörten der Bourgeoisie, an, welche sich bekanntlich am leichtesten assimiliert, sie haben siqh in Amerika hinaufgearbeitet, gehören jetzt zumeist der reicheren Bourgeoisie an, welche seit, jeher überall die typische Vertreterin. des assimilierten Israel darstellt; sie sind schließlich. nicht genug zahlreich, um sich dem Assimilationseinflusse des herrschenden Volkes zu widersetzen. Schreiber dieses ist kein absoluter Anhänger der „Jehudim“ und wertet ihren Nationalismus nicht allzu hoch — wenn man jedoch zwischen dem national kulturellen Zustand der deutschen Juden in Deutschland und in Amerika eine Parallele zieht, so wird man finden, daß die 50 Jahre amerikanischer .Geschichte diese, Juden national bewußter und selbständiger gemacht haben, als ihre Brüder in Deutschland. Die Entwicklung der deutschamerikanischen Juden erscheint noch merkwürdige?, wenn man sie mit der der Deutschen in Amerika vergleicht. Die Deutscharier haben sich fast ganz assimiliert und die deutschen Juden sind jüdischer geworden. Sie haben keine bedeutenden national schöpferischen Kräfte entfaltet, aber das geringe nationale Bewußtsein, das sie aus der Heimat mitgebracht, ist verinnerlicht und stärker geworden. Sie sind zwar beiße Patrioten und spielen im Handel und in der haute finance, in der Politik und im gesellschaftlichen eine bedeutende Rolle. Aber sie sind von der Assimilation noch viel weiter entfernt, ais die ihnen adäquate jüdische Schichte in Deutschland, Frankreich oder Ungarn. Die Ursache dieser sonderbaren im direkten Gegensatz zu der der Deutscharier stehenden Entwirklung? Sie liegt in den nationalen Eigentümlichkeiten und dem merkwürdigen Schicksal des jüdischen Volkes. Die Frage nach der Zukunft der russischen Juden in Amerika könnte durch folgenden Rückschluß beantwortet werden: Wenn sich die deutschen Juden, deren nationales Leben sehr schwach ausgeprägt war, nicht assimiliert haben, so werden sich die russischen Juden, welche von nationalem Streben beseelt sind, gewiß nicht assimilieren. Doch darf man soziale Fragen nicht auf solche Weise behandeln, sondern muß die besonderen Verhältnisse in Betracht ziehen. Und diese sind bei den russischjüdischen Einwanderern ganz anders geartet als bei den deutschen. Vorerst möge eine ganze Reihe von Umständen, angeführt sein, welche zur Erhaltung und Vertiefung des nationalen Gefühls der russischen Juden führen müssen. Die russischen Juden wandern in Massen ein und bilden große Gemeinden. Der Massencharakter , ihrer Einwanderung hat die Schaffung eigener Stadtviertel, ja sogar selbständige Vororte bewirkt, "die ein Eigenleben bergen, dieses Leben nimmt willkürlich einen nationalen Charakter an. Die großen Gemeinden ermöglichen die Existenz und die Entwicklung verschiedener national-kultureller Institutionen, iyie Zeitungen und Theater. Sogar rein demokratische Fragen des politischen Lebens, der Juden als Bürger der Vereintgten Staaten, nehmen in diesen. Massensiedlungen ein nationales Gepräge an. Als Illustrierungsfaktum sei angeführt, daß alle Parteien bei Wahlen in den j ü di s c h e n V i e r t e 1 n jüdische Kandidaten aufstellen und während der Wahlagitation oft an das j ü d i s c hnationale Gefühl der Wähler appelliert wird. Die russisch-jüdischen Einwanderer sind nicht nur in ihrer freien Zeit, sondern auch in ihrer Arbeit konzentriert. Sie arbeiten in speziellen von ihnen beherrschten Industrien, wie in der „Nadelindustrie“, sind zumeist bei jüdischen Arbeitgebern beschäftigt, und besorgen ihre Einkäufe bei jüdischen Händlern. Aber auch als Unter-

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