Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 -zielbewußtes Handeln zu fördern und alle Kräfte zusammenzunehmen, um im Lande unserer Ahnen Fuß zu fassen.“ Begrüßungsschreiben sandten außerdem: Prof. '0. Warburg, der hervorragende ungarische Politiker Graf Theodor Batthyäny, MaxNordau und Reichsratsabgeordneter Benno Sträuchen Letzterer gibt der Hoffnung Ausdruck, „daß es den Vertretern unserer gemeinsamen großen Sache in Ungarn vergönnt sein möge, gleich uns und mit uns den Triumph unserer im Dienste des jüdischen Volkes stehenden Bestrebungen zu erreichen.“ Begrüßungstelegramme sandten: das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Zionistische Landes- ’ Organisation für Kroatien—Slavonien, das Misrachi- Bureau in Frankfurt am Main, Direktorium des Nationalfonds und zahlreiche ungarische Zionisten und Vereine. Stürmisch begrüßt betrat hierauf Abgeordneter Stand die Rednertribüne und mit Entzücken folgte die Zuhörerschaft den Ausführungen des bekannten .Redners, der das Publikum mit seinen glühenden Worten förmlich mit sich riß. Er sprach vom Entwicklungsgänge der zionistischen Idee, wobei er auch auf die früheren Zustände •in Galizien, welche in mancher Beziehung den heutigen in Ungarn gleichkommen, zu sprechen kam. .Besonders treffend war seine Bemerkung über die Orthodoxen, welche die Neologen für keine Juden hielten, und die Neologen, welche diese nicht alsMenschen ansahen. Er gedachte auch in innigen Worten unseres unvergeßlichen Führers. „Wenn man in 500 Jahren von den grüßten Söhnen der Stadt Budapest sprechen wird, so wird man unter ihnen auch Herz! erwähnen.“ Seine logischen kräftigen Argumente fesselten das Publikum bis zur letzten Minute. Ein nicht endenwollender, dröhnender Applaus belohnte den Redner. Nach ihm ergriff Delegierter Dr. Nison Kali an, Mitglied des Landeskomitees das Wort, der über den Stand und die Entwicklung der Bewegung in Ungarn referierte. Er erwähnte die Kampagne, welche im vergangenen Winter gegen die Idee in Ungarn geführt wurde. Auch er hob den Nachteil hervor, welchen das Fehlen genehmigter Statuten für die Bewegung in Ungarn in sich birgt. Die antisemitische Presse wolle den Zionismus gegen die ungarische Judenschaft ausspiefen. Das offizielle klerikale Organ „Alkotmäny“ sei nämlich bestrebt, zu beweisen, daß die ungarische Judenheit zionistisch und die Bewegung antipatrio- ■ tisch, demzufolge die ungarischejudenheit antipatriotisch sei. Dieses Argument werden sie insbesondere bei der Beratung über das Andrässysche Wahlgesetzprojekt benützen, welches bekannterweise für die Juden bedeutend günstiger ist, als für die übrigen nichtmagyarischen Nationalitäten, da einzig allein die Juden die Suprematie des Magyarentums sichern. Die Angriffe der klerikalen Presse, welche sich durchwegs der Argumente der assimilatorischen Judenpresse bediente, bewog die offizielle Judenschaft, durch ihr Organ, und zwar am 6. Dezember v. J., feierlich zu erklären, daß der Zionismus eine interne Sache des Judentums und keineswegs antipatriotisch sei.(Heiterkeitund Pfuirufe.) Um die Genehmigung der Statuten seitens der Regierung zu erreichen, wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Graf Th. Batthyäny hat im Interesse unserer Sache mit der Regierung Verhandlungen angeknüpft und selbst Präsident Wolffsohn hat sich in dieser Angelegenheit nach Budapest begeben, um mit der ungarischen Regierung zu unterhandeln. Er wurde von den Mini stern Apponyi undAndrässy herzlich empfangen und erhielt die Zusicherung, daß sie die Sache einer gründlichen Erwägung unterziehen werden. Häusern aus der Makkabäerzeit freigelegt worden. Auch ein Teil der Stadtmauer ist nun sichtbar, und zwar lassen sich hier drei verschiedene Mauern unterscheiden; die erste ist jüdisch und entstammt der Zeit Salomos, die zweite ist von den Ammonitem und die dritte fast vier Meter breite von den Makkabäern erbaut. An die Stadtmauern lehnen sich Häuser aus der Makkabäerzeit, deren Ziegelsteine noch sehr gut erhalten sind. Besonderes Interesse bieten die verschiedenen Felshöhlen mit Inschriften und Zeichnungen, die zum größten Teil Begräbnisstätten waren. Bei der Suche nach den Höhlen entdeckte man auch eine Reihe von den in Felsen eingehauenen Löchern, die wohl auch zu Begräbnissen benutzt wurden. Man fand nämlich Knochen von Menschen mit denen von Pferden, Schafen, Eseln und anderen Tieren durcheinander •gemischt und so läßt sich vermuten, daß hier die armen Leute von Gezer begraben wurden, die kein eigenes Begräbnis haben konnten. Eine neue Art von Begräbnissen offenbarte sich in drei hufeisenförmig ummauerten und voneinander getrennten Gräbern, in deren Ecken Köpfe von feiner Arbeit standen. Bei zwei der aufgefundenen Skelette waren die Knie unter das Kinn gezogen und neben ihnen lag der Körper einer Ziege; bei dem dritten Skelett stand das Schienbein in einem rechten Winkel zur Wirbelsäule. Nur diesen Bemühungen ist es zu verdanken, daß die Statuten, die bereits mehr als ein Jahr im Ministerium liegen, noch nichtzurückgewiesen worden sind. Uebergehend auf den Stand der Bewegung in Ungarn, konstatiert er im letzten Jahre einen Zuwachs von zirka 50“'». Die Landesorganisation besteht aus 34 Vereinen und 140 Gruppen. Das Landeskomitee steht indirekt mit einem Drittel der inländischen Judenschaft in Berührung. Aus den Antworten auf die an die Gewährsmänner gerichteten Rundfragen geht hervor, daß die wirkliche Ursache des Fernhaltens der ungarischen Juden in ihrer Apathie besteht. Es ist daher vonnöten, diese Apathie zu bezwingen und eifrig für unsere hehre Sache einzustehen. (Beifall.) Hierauf ergriff Reichstagsabgeordneter Dr. Gab el das Wort. Er sprach von der Solidarität des Judenvolkes und betonte die Notwendigkeit der nationalen Gegenwartsarbeit. Minutenlanger Applaus begleitete die Ausführungen Dr. Gab eis. Das Meeting wurde um 6 Uhr vom Präsidenten unter den Tönen der Hatikwah geschlossen. Am Abend fand ein Festessen statt, an welchem außer den Delegierten auch viele hiesige Zionisten teilnahmen. Unter anderem hielt Abgeordneter Stand eine Festrede, in welcher er seiner Freude darob Ausdruck verlieh, daß die zionistische Idee auch in Ungarn bereits starke Wurzel gefaßt hat. Die Tischgesellschaft, welche auf den Namen der österreichischen Gäste achtOelbäume zu pflanzen beschloß, blieb inzwangloserUnterhaltungbisMittemachtbeisammen. (Der Bericht über den 2. Verhandlungstag folgt in der nächsten Nummer.) Zur österreichischen Frage, zur Judenfrage. Dr. K. (Ein Interview mit dem Lan deshauptmannstellvertreter der Bukowina Universitätsprofessor Dr. Smal-Stocky, Obmannstellvertreter des landtägl. Ruthenenklubs). Die österreichische Frage kann nicht fragmentarisch, sondern nur als Ganzes gelöst werden. Wenn der deutsch-tschechische Ausgleich gelingt, wird es möglich sein, auch in Galizien und Ungarn die nationale Gleichberechtigung zu verwirklichen und die polnisch-magyarische Herrschaft zu brechen. Das dualistische Oesterreich-Ungarn muß in ein national-föderatives Oesterreich umgestaltet werden, in dem jeder Nation dies- und jenseits der Leitha die nationale Autonomie zu Teil wird. Auch die Juden sind eine selbstständige Nation, der die volle nationale Gleichberechtigung gebührt. Die Assimilation schädigt nicht nur die Juden, sondern auch die anderen Völker, weil die Assimilanten die fremdnationalen Chauvinisten unterstützen und so besonders in Galizien und Ungarn die Unterdrückung der anderen Völker durch die Polen und die Magyaren ermöglichen. Die nationale Hegemonie läßt sich aber in keinem Teile der Monarchie Bei den Kanaanitern bestand, wie aus den Funden hervorgeht, die grausame Sitte des Bauopfers. Die Skelette eines Jünglings und eines Mädchens, beide in zwei Teile geteilt, lassen erkennen, daß man bei der Errichtung eines Hauses durch ein Menschenopfer die Mächte des Schicksals zu versöhnen suchte. Unter einem Gebäude in der Nähe des Tempels fand man den Kopf eines Mädchens von zweieinhalb Jahren und daneben Knochen von Tieren. In einzelnen Tonkrügen wurden die Leichnahme neugeborener Kinder entdeckt, die wahrscheinlich als Erstgeburtsopfer erstickt worden waren. Israel hatte die Sitte des Menschenopfers von den Kanaanitern übernommen. Die Sitte des Bauopfers soll noch jetzt, wie dem Verfasser erzählt wurde, im geheimen in Palästina existieren. Besonders geschieht dies beim Bau von türkischen Bädern und Seifensiedereien. Wenn die vier Hauptpfeiler des Bades, die die Kuppel tragen, gesetzt werden sollen, dann schickt der Baumeister die Arbeiter zur Mittagszeit fort, und in das etwa Meter tiefe Loch für den rechteckigen Pfeiler wird ein Junge, von dem man annimmt, daß er elternlos ist oder nicht viel nach ihm gefragt wird, gelockt; wie zufällig wird dann solange auf ihn Sand und Erde geschüttet, bis er erstickt. Zum Glück werden nur selten türkische Bäder und mehr aufrechterhalten. Die innere Situation, wie die auswärtige Lage drängen dazu, die Reichsverfassung der Monarchie im national-autonomistischen Sinne umzugestalten und vor aliem Kroatien, Slavonien, Dalmatien, Bosnien und Herzegowina zu vereinen. An einen großösterreichischen Bundesstaat auf demokratischer Grundlage würden sich besonders bei einer vernünftigen Wirtschaftspolitik auch früher oder später die meisten Balkanstaaten ähnlich angliedern, wie die deutschen Kleinstaaten an Preußen. Im österreichischen Parlamente aber fehlt jeder große Zug für die Aufgaben eines modernen österreichischen Staates, alle Parteien ausnahmslos kultivieren eine engherzige Fraktionspolitik. Erst wenn durch nationale Kammern die nationalen Streitfragen im Sinne der nationalen Autonomie in der ganzen Monarchie gelöst sind, wird im österreichischen Reichsparlamente eine vernünftige Parteigruppierung nach politischen und demokratischen Gesichtspunkten möglich sein und im österreichischen Reichsparlamente eine fruchtbringende Arbeit zu Tage treten. Derzeit wird eine solche in allen Körperschaften des Reiches durch den staatsrechtlich-nationalen Streit gehindert, der infolge der assimilatorisch-jüdischen Politik den Antisemitismus zeitigt, für den auch ungesunde soziale Zustände einen günstigen Nährboden bilden. Die jüdisch-nationale Politik muß daher auch eine soziale sein und an der ethischen Erziehung der Massen mitarbeiten. Nur diese, sowie die nationale Verständigung auf Grund der nationalen Autonomie, nebst einer modernen Kultur- und Wirtschaftspolitik können zur Gesundung Oesterreichs führen und eine neue bessere Aera für alle seine Völker herbeiführen. Czernowitz, am 25. Mai 1909. Prager Brief. Von unserem Korrespondenten. Die Prager deutschisraelitischen Assimilanten müssen im Wonnemond glauben, daß mit der Natur auch der Antisemitismus lebendiger wird. Allerdings geben die gutherzigen „Israeliten“ selbst den hungrigen „Judenfressern“ reichlich Stoff. So zum Beispiel veranstalteten sie heuer, wie alljährlich, im Garten des deutschen Kasinos ein Frühlingsfest zur „Stärkung des bedrohten Prager Deutschtums“; wie die übliche Phrase schön lautet. In ihrer Großherzigkeit laden die Israeliten hiezu namentlich alle deutschnationalen Korporationen ein, vor allem die Studenten. Denn es ist leider traurig und wahr, daß es bei dem Kasinofest, im Falle der Abstinenz dieser Leute, wirklich sehr Seifensiedereien gebaut; in Jaffa z. B. sind seit etwa hundert Jahren keine neuen entstanden .... Vielfach werden auch als Bauopfer Schafe in Palästina geschlachtet, deren Blut man in das erste Fundament laufen läßt oder zum Bestreichen der Türpfosten verwendet. An der Stadtmauer von Gezer hat Macalister eine große Anzahl von in Felsen eingehauenen Gräberstellen aus kanaanitscher, israelitischer und frühchristlicher Zeit ausgegraben, in denen Tongefäße und zierlich geformte, ornamentierte Oellampen gefunden wurden. Manche Grabstätten sind in unterirdische Felsen eingehauen und ziemlich großartig mit einem offenen, mehrere Quadratmeter breiten, Vorhof angelegt. Unter den Einzelfunden ragen hervor ein Altar aus der Zeit um 2000, dessen Schmuck mehrere Figuren bilden, eine primitive männliche Figur mit ausgestreckter Zunge und groteskem Gesicht, die wohl einen Dämonen darstellte, ein astronomisches Täfelchen, das Sternbilder, und zwar wahrscheinlich den Tierkreis darstellt, drei bronzene Gefäße und eine zylindrische Vase aus der ersten semitischen Periode, die ägyptische Gegenstände der 18. Dynastie enthielten.