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Jüdische Zeitung · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 IÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 23 teiligung war eine außerordentlich große: 95 Delegierte versammelten sich aus allen Gauen des Landes, darunter 43 stimmberechtigte. Die große Zahl der Beteiligten, der imposante und würdige Verlauf der Verhandlungen sind der beste Beweis dafür, daß die zionistische Idee in Ungarn trotz aller Anfeindungen und Angriffe an Kraft und Verbreitung in hohem Maße zugenommen hat. Einen ungewöhnlichen Glanz verlieh der Konferenz das Erscheinen der Herren Reichsratsabgeordneten Adolf Stand und Dr. Heinrich Gabel, die durch ihr eifriges Mitwirken der zionistischen Arbeit in Ungarn einen mächtigen Vorschub geleistet und die hiesigen Gesinnungsgenossen zu großem Danke verpflichtet haben. Ihr Erscheinen ist ein Zeichen der Annäherung zwischen den ausländischen und ungarischen Zionisten, welch letztere bislang ziemlich isoliert dastanden. Die Verhandlungen nahmen folgenden Verlauf: Erster Verhandlungstag. Der Präsident der Landesorganisation Dr. Bela Oesterreicher eröffnet die'Konferenz und begrüßt die Erschienenen, wonach zur Wahl des Präsidiums und der Kommissionen geschritten wurde. Gewählt wurden: Dr, Oesterreicher, Präsident; Ing. M. Strasser, Samuel Bettelheim (Pozsony) und Ignaz yusztig (ungvär), Vizepräsidenten der Konferenz. S. Bettelheim, Mitglied des A.-C. für Ungarn, heißt die aus Oesterreich erschienenen Gäste aufs wärmste willkommen und dankt für ihr Erscheinen. „Es sei wichtig“, führt Redner aus, „daß die Zionisten auch außerhalb der Kongresse Zusammenarbeiten, damit die Entwicklung der Bewegung in allen Ländern eine einheitliche sei.“ Nach den Begrüßungsworten des Präsidenten ergreift Herr Reichsratsabgeordneter Stand das Wort: „Ich erscheine hier sowohl als Vertreter des Jüdischen Klubs, als auch als Delegierter des österreichischen und galizischen Zentralkomitees und überbringe Ihnen die Grüße der zisleithanischen Gesinnungsgenossen. Hier ist die Organisation im Verhältnisse zu Galizien, wo die Bewegung viele Anhänger zählt, noch in embrynonalem Zustande, doch kann ich die Hindernisse, welche hierorts der Verbreitung der zionistischen Gesinnung im Wege stehen, wohl einschätzen. Ich wünsche Ihren Beratungen den allerbesten Erfolg.“ Nach ihm sprach Herr Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel, der insbesondere das Zusammenfühlen der Juden aller Länder betonte. „Wir sind hier nicht als Gäste erschienen“, fährt der Redner fort, „sondern als Mitkämpfer. Es ist keine Kunst, Jude zu sein im eigenen Zimmer, doch gehört Mut dazu, sich öffentlich zum jüdischen Volke zu bekennen. Ich kann Sie versichern, daß wir, die wir im aktiven jüdischen politischen Leben stehen, stets der Ach tung aller Parteien begegnet sind.“ Delegierter David K o h n, Schatzmeister des Landeskomitees, erstattet hierauf den Kassabericht, woraus ersichtlich ist, daß bereits 800 Schekolim voll eingezahlt sind, wobei zu bemerken ist, daß die Sammlungen noch im Gange sind und zahlreiche Vereine noch überhaupt nicht abgerechnet haben. Delegierter Dr. Ludwig Dömeny, Nationalfondskommissär für Ungarn, legt den Bericht über die Sammeltätigkeit für den NF. vor. — Im verflossenen Jahre - wurdenfür den NF. K 5040 gesammelt, wodurch Ungarn an neunter Stelle steht, doch ist dieser Erfolg — obwohl seitdem die Sammlungen um 75% zugenommen haben — bei weitem nicht zufriedenstellend. Es steht jedoch eine gründliche Reorganisation des ungarländischen Bureaus bevor und es ist mit Bestimmtheit zu erhoffen, daß die Einnahmen des NF. in Ungarn — wo so eifrig für die Chalukah gesammelt wird — mit der Zahl der jüdischen Bevölkerung des Landes in Einklag kommen wird. Delegierter Roth referiert im Namen der Revisoren. Die Delegierten Jordan (Szatmär), J u h ä sz (Kassa) und Dr. Gosztonyi (Nyitra), berichten über die Tätigkeit der von ihnen vertretenen Vereine. Den letzten Punkt der Sonntagvormittagsitzung bildet das Referat des Delegierten Dr. Hermann Abrahamsohn über den allgemeinen Stand der zionistischen Bewegung. In der Einleitung geißelt der geistreiche Redner mit scharfen Worten die „koscherbutterweichen Rachmonesjuden“ und die „nationalen Konfessionsgenossen“, die uns feindlich gegenüberstehen. In klaren Worten skizziert er die Grundrisse der zionistischen Politik und die Ereignisse der letzten Zeit. Die Umwälzung in der Türkei macht es erforderlich, daß wir die Forderung nach einer öffentlich-rechtlichen Sicherung fallen lassen. Redner wendet sich in seinen Ausführungen auch gegen das Odessaer Komitee, welches er als „verantwortungslose Nebenregierung“ bezeichnet. Mit einem warmen Appell an die Konferenz schließt Dr. Abrahamsohn sein Referat. Nachmittags fand ein Massenmeeting im Prunksaale des neuen Stadthauses statt. Ein auserlesenes Publikum, über 1000 Personen, füllte die Räume, welches trotz der drückenden Hitze mit spannender Aufmerksamkeit den Ausführungen der Redner lauschte. Das Meeting wurde von Dr. Oesterreicher eröffnet. Er erwähnt das Ausbleiben der Genehmigung der Statuten der zionistischen Landesorganisation seitens der Regierung, welcher Umstand das Aufblühen der Bewegung hierzulande hemmend beeinflußt. Trotz alledem sei ein großer Fortschritt zu verzeichnen und täglich mehren sich unsere Anhänger. An der Hand der jüngsten Ereignisse beweist Redner die Notwendigkeit des Zionismus. Nach den mit Beifall aufgenommenen Eröffnungsworten folgt die Verlesung der eingelangten Begrüßungsschreiben. Stürmischen Applaus löste der Brief des Präsidenten Wolffsohn aus, dem wir folgenden Teil entnehmen: „Wir stehen vor einer ganz neuen und vielverheißenden Entwicklung im Orient. Die Geschichte lehrt, daß es im Volksleben ebensowenig einjj Vakuum geben kann, wie in der Natur; nur mit dem Unterschiede, daß , bei der letzteren die Entwicklung stetig, ohne Sprünge vor sich geht, während im Völkerleben die gewaltsamsten Sprünge ohne jeglichen vermittelnden Ausgang stattfinden. Das ist aber nur eine Täuschung. Alles bereitet sich langsam vor und das, wo wir jetzt im Orient sehen, dieser Aufschwung der freiheitlichen Bestrebungen, dieser Strom menschlicher Bildung, der in die Gemüter zieht, dieses Werben um die geistigen und materiellen Errungenschaften der Neuzeit, war immer vorhanden, nur wirkte und webte es in den Tiefen der Volksseele. Wir Zionisten haben es schon lange empfunden, daß, während in manch anderen Ländern, insbesondere im Osten Europas, die Humanität und Zivilisation für weite Schichten kaum ein äußerer Firnis sind, welcher die trüben Leidenschaften nicht zu verhüllen hermag, im Osten Asiens die Morgenröte der Freiveit, der Gleichheit und Gerechtigkeit heranbricht. Es ist um so mehr jetzt unsere Pflicht, ein energisches Dieses Programm enthält den Grundsatz, daß für die Juden das gelten muß, was für andere unterdrückte Minoritäten gilt, daß dauernde Besserung nur vom rücksichtslosen Kampfe um das Recht, nie aber von der Anlehnung an das Unrecht, vom ungesunden Kompromiß mit der Gewalt zu erhoffen ist. Der Erkenntnis dieser Wahrheit ist es zu danken, daß die Juden heute im österreichischen Parlamente selbständige nationale Vertreter sitzen haben. Diese nationalen Vertreter haben mit manchen Vorurteilen zu kämpfen. Vor allen besteht in weiten Kreisen der jüdischen Gesellschaft die Geneigtheit, ihre Tätigkeit mit dem alten Maßstabe der Ghettopolitik zu messen, danach, ob sie sich viele Gönner in regierenden Kreisen erworben, vielen Wählern Privatgefälligkeiten erwiesen, möglichst viele kleine Vorteile für die Juden herausgeschlagen haben und Protektionen zu verschaffen wissen. Es bedeutete eine ungeheuere Gefahr, wollten sich unsere Abgeordneten hiedurch beirren, vom vorgeschriebenen Wege abbringen lassen. Ein Nachgeben in dieser Richtung hieße alle Fruchte einer gesunden, selbständigen nationalen Politik preisgeben. In Oesterreich ist derzeit eine Regierung am Ruder, die durchaus reaktionär zusammengesetzt, eine volksfeindliche Politik betreibt und ausgesprochen antisemitischen Charakter trägt Gegenüber dieser Regierung hat sich eine Opposition zusammengetan und die Entscheidung wird in Kürze fallen. Nachdem in diesem Kampfe schon wenige Stimmen ausschlaggebend sein müssen, besteht für die jüdischen Vertreter die Versuchung, das alte Rezept in Anwendung zu bringen, um den Preis kleiner Zugeständnisse, der reaktionären Regierung zu helfen, zumindest neutral zu bleiben. Die Regierung wird es auch gewiß nicht verschmähen, ihre Lockmittel spielen zu lassen. Wir Jüdischnationale erwarten von unseren Vertretern im Parlamente eine Stellungnahme, die lediglich vom Gefühle für Gerechtigkeit, Fortschritt und von stolzem Nationalbewußtsein diktiert ist. Für politische Trinkgelder ist der Hausjude feil. Der ehrliche Jude kann mit einer reaktionären Regierung keinen Frieden schließen. Er muß immer dort stehen, wo das Recht ist Die VII. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten. (Originalbericht] unseres Korrespondenten.) Am 30. und 31. Mai hielt die Ungarländische zionistische Organisation in Budapest ihre VII. Landeskonferenz ab. Die Be- Platz keineswegs verliert. Herr Papst verbindet das Schöne mit dem Nützlichen. Denn diese Markthalle wird der Stadtgemeinde einen schönen Ertrag abwerfen. Diese bogenförmige Halle ist an den beiden, der Springbrunnengasse zugekehrten Enden von zwei Obelisken flankiert, denen eine besondere Aufgabe zufällt. Herr Papst knüpft nämlich an die bekannte Anregung einer hiesigen jüdisch-akad. Vebindung an, die die Errichtung eines Theodor Herzl- Denkmals auf dem Theodor-Herzl-Platz anstrebt. Diesem Zwecke sollen nun die beiden Obelisken dienen und wahrlich, künstlerischer Sinn kann mit dieser Idee ein Denkmal schaffen, das die Jahrhunderte überdauert und Zeugnis gibt, wie die jüdische Jugend und wie jüdische Bürger die edelste Persönlichkeit gefeiert haben, die das Judentum in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Die obere, die Südseite des Theodor- Herzl-PIatzes, wird nach den Plänen des Herrn Papst von einem mächtigen palastähnlichen an der Fassade mit jüdischen Motiven ausgestatteten Gebäude eingerahmt, das ein jüdisches, für die Vertriebenen Iraels bestimmtes Volkshaus darstellt. Diese Kosten sollen aber nicht von der Allgemeinheit getragen werden. Herr Papst würde die Sorge der Geldbeschaffung auf sich nehmen, vorausgesetzt, daß sein Optimismus nur keine Enttäuschung erfährt und er bei seinen Stammesgenossen soviel Opferfreudigkeit finden wird, als die Sache verdient Heute liegt der Theodor-Herzl-Platz mitten im Elend. Aber einst wird kommen der Tag. der die Träume des wackeren Baumeisters verwirklicht sieht und mit dem Einzug von Schönheit und Kunst fliehen Armut und Elend. Und Theodor Herzl wird Recht behalten . . . („Czernowitzer Tagblatt“.) Neue Ausgrabungen aus dem alten Palästina. In der altpalästinischen Stadt Gezer bei Abu Schusche, etwa dreißig Kilometer von Jaffa entfernt, unternimmt seit einer Reihe von Jahren der englische Forscher Macalister wichtige Ausgrabungen. Ueber die neuesten Entdeckungen, die seit dem März 1907 gemacht worden sind, berichtet Dr. Lamaeo Saad in einem Aufsatze des „Globus“. Da die Konzession der englischen Gesellschaft, in derem Auftrag Macalister arbeitete, am 14. März 1909 aufhörte, müssen die Ausgrabungen an diesem Zeitpunkte vorläufig aufgegeben werden, obwohl der vierte Teil der Stadt noch gar nicht erforscht ist. Die Ruinenstätte von Gezer ist besonders interessant, weil an einem Durchgangsort zwischen Egypten und Babylonien mannigfache Kulturen sich berührten. Die wichtigste Entdeckung Macalisters war ein großer Tunnel, mit 80 Stufen aus der Zeit um 2000 v. Chr., der steil zu einer Tiefe von etwa 41 Metern hinabsteigt. Er diente wahrscheinlich zur Wasserversorgung der befestigten Stadt und zeigt, daß die Ingenieurtechnik der Kanaaniter bereits auf hoher Stufe stand. Der Eingang zum Tunnel ist durch einen imponierenden Bogen von 7-5 Meter Höhe und 4‘1 Meter Breite in den Felsen eingehauen; zwei weitere Bogen gliedern in gleichmäßiger Entfernung den Bau, in den Licht von der Oeffnung hineinfällt. Allerlei Scherben, Feuersteine und Astarteplatten wurden in dem Tunnel gefunden. In der Nähe der schon früher ausgegrabenen Burg des Simon Makkabäus ist eine Reihe von Fundamenten von

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