Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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- Tunis 6× ep/1048155
- Safed 1× ep/1046078
- Vilnius 1× ep/1000947
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Seite ß JÜDISCHE 7EITUN.G. Nr. 20 Wanderung nach Palästina gebildet, so in Wilna, Witebsk, Berdyczew u. a. m. In einei Versammlung nahm eine reiche jüdische Dame ihr kostbares Geschmeide von sich und stellte es für den Fond zum Bodenankauf in Palästina zur Verfügung. Zur Nachahmung empfohlen! * * * Eine jüdische Bank in Saloniki. Saloniki. Hier werden jetzt Verhandlungen wegen der Gründung einer jüdischen Bank geführt. Mehrere hiesige wohlhabende Juden haben sich bereit erklärt sich mit größeren Beträgen an dem neuen Institut zu beteiligen, das von hervorragender Bedeutung für die ökonomische und finanzielle Stärkung der zahlreichen jüdischen Bevölkerung unserer Stadt werden dürfte. Es ist ferner ein Komitee zur Regelung und Förderung der jüdischen Immigration nach der Türkei, insbesondere nach Palästina, im Entstehen begriffen * * * Eine jüdische Demonstration. Saloniki. Auf Veranlassung des „Club des Intimes“ und des „Club Israelite“ fand am Donnerstag, dem 30. April, hier ein großer Demonstrationszug anläßlich der Thronbesteigung des Sultans Mohammed V. statt, den 35 jüdische Handwerkerorganisationen veranstalteten, unter großer Beteiligung auch aus anderen Bevölkerungskreisen. Ein Zug von über 10.000 Personen durchzog in musterhafter Ordnung die Hauptstraßen der Stadt und wurde überall mit einem unbeschreiblichen Enthusiasmus begrüßt. Der Zug hielt vor dem Lokal des Ottomanischen Komitees und des Militärklubs, wo die Herren Jakob Cazes und MoTse Cohen namens der jüdischen Bevölkerung Ansprachen hielten. Mitglieder des ottomanischen Komitees und zwei Offiziere antworteten in begeisterten Worten, die häufig von frenetischem Beifall unterbrochen wurden. Der Zug löste sich schließlich, nachdem er die dem Quai parallel laufende Straße passiert hatte,fauf dem Place de la Liberte auf. — Der glänzend verlaufene Demonstrationszug findet überall in Saloniki den größten Beifall; man bewundert vor allem die straffe Disziplin und die vorbildliche Ordnung dieses einzigartigen jüdischen Demonstrationszuges. * * * Die jüdischen Freiwilligen in der türkischen Armee. Konstantinopel. Nach den Mitteilungen türkischer Offiziere und einiger Freiwilligen sind Tausende von Juden zu den Fahnen geeilt Zu ihrem Bedauern mußten jedoch die weitaus meisten vom Kommando der Freiheitsarmee zurückgewiesen werden, entweder weil sie nicht genügende Kenntnis der Schießwaffe besaßen und zur Einexerzierung keine Zeit blieb, oder, wie ihnen in der Mehrzahl der Fälle eröffnet wurde, weil dem Staate nicht das nötige Waffenmaterial für die unzähligen Volontäre zur Verfügung stand. Manchen gelang es, in den bulgarischen Freischaren, die von Panitza und anderen Bandenführern befehligt wurden, eingereiht zu werden, andere kleideten und bewaffneten sich auf eigene Kosten. Soweit bekannt, sind zwei jüdische Freiwillige unter den Märtyrern der Freiheit geblieben; sie fanden im Kugelregen vor der Taschkischla-Kaseme ihr Ende; im gemeinsamen Ehrengrab ruhen sie neben ihren christlichen und islamitischen Kameraden. In Anbetracht des Patriotismus und der tapferen Haltung, die bei den Kämpfen auch die Nichtmohammedaner entfalteten, hat das Kommando der Freiheitsarmee beschlossen, bei der Regierung und der Kammer um die beschleunigte Votierung des neuen Militärgesetzes vorstellig zu werden, das den Nichtmohammedanern das Heer genau so wie den „Gläubigen“ erschließen soll. * * * Die öffentliche Sicherheit in den jfidichen Kolonien Palästinas. Safed. Die Existenz der acht jüdischen Niederlassungen in Nieder-Galiläa hat einen günstigen Einfluß auf die Gestaltung des Distrikts gehabt, der vordem von Räubern und Banditen heimgesucht wurde. Der ganze Charakter des Landes hat sich verändert, und große Flächen, die früher unfruchtbar waren, sind nun mit Getreide bebaut. Die ersten Bebauer hatten anfänglich nicht geringe Schwierigkeiten damit, sich selbst vor den Scharen von Wegelagerern zu schützen, aber sie organisierten arabische und jüdische Mannschaften, um dem Lande Schutz zu verschaffen. Dessenungeachtet lebt es sich noch nicht mit völliger Sicherheit in diesen Provinzen. Vorige Woche erst schoss ein Araber einen Juden nieder und zwei andere Juden wurden kürzlich auf dem Wege nach Nazareth von zwei räuberischen Arabern angegriffen. Einer der Juden wurde verwundet und mußte von seinem Bruder nach Sedera zurückgebracht werden, nachdem dieser einen der Angreifer getötet und den anderen zur Flucht gezwungen hatte. *• * * Ehrung eines palästinischen Forschers. Tunis. Der durch die Entdeckung des wilden Urweizens in der Wissenschaft bekannt gewordene Agronom Aaronsohn aus Palästina unternahm im Aufträge des unter Vorsitz von Professor Warburg, Berlin, stehenden Komitees zur Schaffung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina, dein eine Reihe namhafter Gelehrter aus verschiedenen Ländern angehören, eine Exkursion im Interesse der genannten Versuchsstation nach Südfankreich, Italien, Tunis und Algerien. Von Frankreich aus schloß sich Herr Aaronsohn einer Gesellschaft französischer Gelehrter an, die eine Forschungsreise nach Tunis unternahmen. Hier in Tunis fand außerdem ein großer botanischer Kongreß statt, bei dem Herr Aaronsohn zu einem der Vizepräsidenten gewählt wurde. Auch sonst war Aaronsohn Gegenstand großer Ehrungen auf dem Kongreß. Einen besonders freundlichen Empfang fand er bei den lokalen arabischen Behörden, die sehr darüber erfreut waren, daß dieser moderne Forscher die arabische Sprache so vollkommen beherrscht. Herr Aaronsohn, ein begeisterter Zionist, der überall bemüht ist, dem Zionismus neue Freunde zu werben, hat auch hier in Tunis hervorragende Teilnehmer des Kongresses, unter anderem ein Mitglied des französischen Parlaments, sowie eine bekannte französische Schriftstellerin, für den Zionismus gewonnen. Aaronsohn besichtigte vor einigen Tagen im Interesse des Vereines „Oelbaumspende“, der bekanntlich die Wiederaufforstung Palästinas mit Oeibaumwäldem bezweckt und der in Palästina zu errichtenden landwirtschaftlichen Versuchsstation die berühmten Oelbaumwälder von Sfax (Tunis), die ungeheure Flächen des Landes bedecken. In der Schlußsitzung des botanischen Kongresses hielt Herr Aaronsohn einen Vortrag über die zionistische Kolonisation Palästinas und die landwirtschaftlichen Erfahrungen im Vergleich zu den in Tunis und Algerien gemachten. In einem geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Kolonisation Palästinas und die dort begangenen Fehler zeigte Herr Aaronsohn, wie auch diese Fehler die nämlichen seien, die man auch in Algerien und Tunis nicht zu vermeiden gewußt hätte. Weiter sprach Herr Aaronsohn über den Fortschritt der Kolonisation in den letzten Jahren, der einer besseren Kenntnis und Bewertung des Milieus und der wirtschaftlichen Methoden zu verdanken sei und lud am Schluß seines Vortrages die botanische Gesellschaft ein, eine ihrer nächsten außerordentlichen Sitzungen in Palästina abzuhalten, wo sie in der Lage sein würde, sehr viel zu sehen und zu lernen. Der Generalresident von Tunis dankte Herrn Aaronsohn herzlich für seine überaus beredte Schilderung und forderte die Gesellschaft auf, die Einladung des Herrn Aaronsohn anzunehmen, indem er gleichzeitig die Hoffnung ausdrückte, daß Algerien und Tunis auf dem botanischen Kongreß in Jerusalem zahlreich vertreten sein werden. Parteinachrichten. Mitteilung. Der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich“ ersucht alle Gesinnungsgenossen in der Provinz sich bezüglich Beistellung von Rednern für Versammlungen und Vorträgen an das Sekretariat, Wien, IX., Liechtensteinstraße 11, zu wenden. Es wird weiters zur Kenntnis gebracht, daß der Obmannstellvertreter, Gg. Dr. H. Kadisch eine Agitationsreise nach Galizien und der Bukowina unternommen hat. — Zuschriften bezüglich Abhaltung von Vorträgen sind an seine Adresse: B r o d y, Hotel Europe, zu richten. Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich. Sonntag den 9. d. M. fand in Brünn eine Sitzung .des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich unter Vorsitz von Dr. Isidor Margulies statt, der die Sitzung mit einer Trauerkundgebung für Baurat Marmorek eröffnete. Es wurde beschlossen, das Aktionskomitee zu ersuchen, den 9. Kongreß in einem jüdischen Zentrum oder in unmittelbarer Nähe einer solchen abzuhalten, ferner bei Wahl der Orte für die Sitzung des großen Aktionskomitees die Nähe Oesterreichs und Rußlands zu berücksichtigen, ferner sprach die Sitzung ihr Bedauern darüber aus, daß an Stelle von Dr. Kahn nicht ein österreichisches Mitglied des A. C. in den Aufsichtsrat der Bank gewählt wurde und beauftragte die Vertreter Westösterreichs, im großen Aktionskomitee diese Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Es wurde ferner beschlossen, im Herbst einen westösterreichischen Parteitag einzuberufen und unter anderem auch die Stellungnahme zu den jüdischen Kultusgemeinden auf seine Tagesordnung zu setzen. Vor Abhaltung des Parteitags, auf dem alle schwebenden Fragen geklärt werden sollen, findet noch eine Sitzung des Zentralkomitees statt, für deren Sitz Prag ausgewählt wurde. Die übrigen Beratungen und Beschlüsse betrafen interne Parteiangelegenheiten. * * * Landeskonferenz der ungarländischen Zionisten. Das Programm der am 30. und 31. Mai 1. J. in Budapest stattfindenden Landeskonferenz der ungarländischen Zionisten ist das folgende: I. Vormittagssitzung am 30. Mai (Sonntag) im neuen Zionistenheim (V., Arany-Janos-utcza 33). Anfang 10 Uhr. 1. Eröffnung der Konferenz. 2. Wahl des Konferenzbureaus. 3. Kassabericht des L.-K. (Herr David Kohn). 4. Bericht des Nationalfondskommissärs für Ungarn (Dr. Ludwig Dömeny). 5. Bericht der Kontrollore. 6. Bericht der Provinzgruppen. II. Nachmittagssitzung am 30. Mai (öffentliches Meeting im großen Sitzungssaale des neuen Rathaus). Anfang 3 Uhr. 1. Eröffnung (Präsident Dr. Bela Oesterreicher). 2. Allgemeine Lage der zionistischen Bewegung (Rabbiner Dr. Hermann Abrahamsohn). 3. Bericht des Landeskomitees über die Entwicklung des Zionismus in Ungarn (Dr. Nison Kahan). 4. Jüdische Kultur und jüdische Presse (Dr. Josef Schönfeld). 5. Palästinaarbeit (Ing. Armin Beregi). III. Vormittagssitzung am 31. Mai (Montag) im Zionistenheim. Anfang 9 Uhr. 1. Allgemeine Debatte über die Berichte des L.-K. 2. Spezielle Debatte: a) über Organisationsfragen und Agitatationsmodalitäten; b) über praktische Palästinaarbeit. IV. Nachmittagssitzung am 31. Mai im Zionistenheim. Anfang 3 Uhr. 1. Fortsetzung der Vormittags-Tagesordnung. 2. Festsetzung des Budgets für das Jahr 1909/10. 3. Anträge. 4. Wahl des engeren und großen L.-K. * * * Im Zusammenhänge mit der Landeskonferenz wird in den Lokalitäten des Budapester Zionistenheimes eine Bezalel-Ausstellung stattfinden, damit den Gesinnungsgenossen Gelegenheit geboten wird, sich mit der aufblühenden und auf große Hoffnungen berechtigenden palästinensische jüdische Kunstindustrie bekannt zu machen. Sonntag (30. Mai) Abend wird von den Budapester Zionistenvereinen zu Ehren der Delegierten ein Kommers veranstaltet. * * * Das Zentralbureau der Ungarländischen zionistischen Organisation und das Nationalfondskommissariat wie auch die Budapester Vereine haben am 1. d. M. ihr neues Lokal: V., Arany Janos-