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Jüdische Zeitung · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 IÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 20 für die jüdische bürgerliche Gesellschaft hoch an der Zeit, einen gründlichen Rei nigungsprozeß vorzunehmen, rigorosere Anschauungen Platz g te i f e n zu lasse n. Die Furcht - vor Skandal, vor dem Freuden gekläff einiger Antisemitenblätter darf die Juden nicht länger abhalten, den jüdischen Wucherer und zweifelhaften Spekulanten als solchen zu brandmarken, gesellschaftlich zu ächten. Allzulange schon wird auf diese Furcht spekuliert! Die laxe, milde Beurteilung solcher Delikte, der Respekt vor dem Profit, auch vor dem schmutzigen Profit, stammt noch aus der Ghettozeit, in welcher wir vielfach zum zweifelhaften Geldgeschäfte gezwungen waren. Heute besteht dieNötigung zum Wucher für Niemanden! Der Jude, welcher heute mehr oder weniger wuchert, den Namen des großen armen und ehrlichen jüdischen Volkes mit Schmach belädt, hat keine Entschuldigung für sich. Nichts drängt ihn dazu, höchstens die Sucht zum gesteigerten Wohlleben, die Sucht des Emporkömmlings, sich und den Seinen den Eintritt in fashionable Zirkel zu erkaufen, seine Frau und seine Töchier mit größeren Brillanten zu beladen, seinen Söhnchen das Kavalierspielen zu erleichtern. Verkehrt nicht mitWucherern pnd ihren Helfern! Meidet diese Subjekte, verfehlet nie, Euerer Verachtung demonstrativen Ausdruckzu verleihen! Im •öffentlichen Leben ist der Anfang zu m2?hen- -Sie sind von allen Ehrenstellen zu entfernen, jede Gelegenheit, üprMsintieren zu dürfen, muß ihnen genommen werden, dem Kaufmarine, welcher wuchert und dem Advokaten, welcher hilft Allzuviel solcher Exemplare dürfen heute noch unsere Gesellschaft verpesten. Aechtet sie in der Oeffentlichkeit, laßt sie die Schwelle Eures Hauses nicht beschmutzen. Verkehrt nicht mit Wucherern und ihren Helfern! Am Vorabende des Trialismus. Von Dr. K. Nur allzulange haben die österreichischen und speziell die jüdisch-assimilatorischen Politiker die Nationalitätenfrage der Monarchie ausschließlich unter dem deutsch-böhmischen Gesichtswinkel betrachtet, die ungarische und südslavische Frage vornehm ignoriert,, so daß sie naturgemäß bald wieder vor einer der berühmten „Ueberraschungen“ stehen werden. Die Annexion von Bosnien-Herzegowina, die Erscheinungen, welche der Agramer der allgemeinen Bevölkerung zu wenigen seltsamen, ungleichen Resultaten führen mögen, ln der Tat waren unter den in obige Berechnung aufgenommenen Juden 18.115 als von ständiger Beschäftigung aufgeführt, und von diesen waren 14.527 Groß- oder Kleinhändler, Bankiers, Buchhalter, Handlungsangestellte usw., während bloß 84 als Arbeiter und 383 als in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt verzeichnet waren. Solche Gruppen sollten nur mit gleichartigen anderen verglichen werden, wenn man über die Empfänglichkeit für Tuberkulose ein richtiges Urteil gewinnen will. 1901 studierte ich wieder das Problem in der Stadt New-York. Da ich keine Statistik nach Glaubensgemeinschaft von Seite des Zensusbureau oder des Gesundheitsbureaus zur Verfügung habe, ist es unmöglich, die exakten Sterbezahlen der Juden in iigendeiner Stadt der Vereinigten Staaten zu bestimmen. Aber in Berücksichtigung ihrer freiwilligen Absonderung in bestimmten Teilen einer Stadt, speziell in New-York, kann die Mortalität der Juden oft mehr oder weniger dem wahren Koeffizienten nahe bestimmt werden. Meine Resultate zeigten, daß im vierten Bezirk, der meist von Iren und einigen Italienern und Griechen, aber von sehr wenigen Juden bewohnt wird, die höchste Todeszahl an Tuberkulose be- Hochverratsprozeß zu Tage förderte, die Abschwenkung in Kroatien sowie Dalmatien von: den Prinzipien der Fiumaner Resolution ins austrophi 1 e Fahrwasser und anderseits die.- ungarische Krise werden, .den Zusammenbruch des Dsu-alismus beschleunigen, keineswegs aber den Weg zur Personalunion, sondern zum T r i a 1 i s m u s ebnen. Wir stehen, wenn nicht alle Zeichen trügen, am Vorabende des Trialismus. der Vereinigung Kroatiens,Slavoniens, Dalmatiens und Bosniens-Herzegowina zu einem einheitlichen national-autonomen Körper im Rahmen des Donaureiches. Die Reise der chri stlichsozialen Gemeinderäte der Stadt Wien nach Agram und andere südslavische Orte ist eines der vielen Symptome dafür, zeigt aber auch neuerlich, wie sehr die Christlichsozialen zum Unterschiede von den übrigen Parteien, besonders den sogenannten „philosemitischen“, es verstehen gesunde Ideen ihren Parteiinteressen dienstbar zu machen. Die Südslaven der Monarchie streben nach Einigung und Autonomie im Rahmen des Reiches. Wer sie ihnen verspricht oder gar leistet gilt ihnen gleich, jedermann ist aber als Bundesgenosse willkommen. Es ist daher begreiflich, daß der Agramer Gemeinderat alle Vorkehrungen zur herzlichen Begrüßung der christlichsozialen Gäste trifft, und daß man sie in Agram als Bundesgenossen gegen die „judaeomagyarische Tyrannei“ feiern wird. Wir, die wir Anhänger der nationalen Autonomie sämtlicher Völker der Monarchie sind, erkennen selbstverständlich zum Unterschiede von den diversen assimilatorischen jüdischen Politikern und den „liberalen“ Deutschen auch das Recht des serbisch-kroatischen Volkes, das trotz religiöser Differenzen eine Nation bildet — auf Vereinigung seiner durch den Dualismus künstlich getrennten Volksgenossen an. Wir müssen lebhaft wünschen, daß die Fehler, die von den assimilatorischjüdischen Kreisen in der südslavisehen Frage begangen wurden, sich nicht nach dem Ausfluge der Wiener christlichsozialen Gemeinderäte durch einen gesteigerten Antisemitismus bei den Südslaven bitter rächt. Ja, es ist äußerst traurig, daß immer und immer wieder das jüdische Volk die Fehler und Unterlassungssünde seiner patentierten „Führer“ büßen muß, die alle Fragen vom kleinlichsten Gesichtspunkte auffassen und denen vor allem eines fehlt, die in der Politik unbedingt nötige Voraussicht. Es wird sich an den Juden der Mostand: 565 auf 100.000 Einwohner. Der erste und der sechste Bezirk, auch von Juden und Italienern bewohnt, zeigten auch eine Mortalität zwischen 400 und 500 auf 100.000 Einwohner. Von den hauptsächlich von luden und Italienern bewohnten Bezirken zeigte der 13. eine Tuberkulosemortalität von 110, der 10. von 172, der 11. von 155, der 7. von 213 auf 100.000. Dies beweist, daß die Juden in der Stadt New-York bloß ein Viertrl der Tuberkulosemortalität aufweisen, die in der irischen und italienischen Bevölkerung der unmittelbaren Nachbarschaft vorkommt. Ueberdies hatten wir es hier nicht mit Juden, die einer besonderen günstigen Beschäftigungsart angehören, zu tun wie bei der oben angeführten offiziellen Statistik des Zensusamtes. Die Juden, die im 7., 10., 11. und 13. Bezirk wohnen, sind nicht alle Kaufleute. Die meisten von ihnen sind Arbeiter, die täglich viele Stunden in Schneiderwerkstätten arbeiten. Ihre Wohnungen sind die schlechtesten Typen der Behausung und man kann sich eine Vorstellung von der Ueberfüllung derselben machen, wenn ich erwähne, daß im 7. Bezirk 360, im 10. Bezirk 643, im 11. Bezirk 407 und im 13. Bezirk 539 Personen auf einen Acre Land kommen Es ist noch zu erwähnen, daß eine große Zahl der dort wohnenden Juden Einwanderer waren, das narchie bitter rächen, wenn sie auch in der Zukunft immer wieder „Realpolitik“ mit „M a n d a t s.p o 1 i t i k“ verwechseln, nie die Fragen im Zusammenhänge, sondern bloß 'unter dem beschränkten Khillestandpunkt betrachten werden. Die südslavische Frage ist heute der Angelpunkt der gesamten äußeren und inneren Politik der Monarchie und unsere gefeierten jüdischenGrößen, sowie ihre arischen Bundesgenossen Hock etc. überlassen sie den Christlichsozialen zur Lösung. Durch die Vereinigung der südslavischen Gebiete soll ein Attraktionszentrum der Habsburgermonarchie auch für die Südslaven der Balkanhalbinsel innerhalb des Donaureiches geschaffen, gleichzeitig aber allen separatistischen Bestrebungen der Magyaren ein Paroli geboten, selbstverständlich auch ein Damm gegen ein weiteres Vordringen Rußlands, Italiens und Serbiens am Balkan errichtet werden. So wenig wir nun der Meinung sind, daß irgend eine länderautonomistische Lösung des Nationalitätenproblems des Donaureiches möglich ist, so sehr wir auch als Nationaljuden und moderne Oesterreicher bloß in der nationalen Autonomie für sämtliche Reichsvölker die Voraussetzung der Gesundung des österreichischen Staatwesens erblicken, so könnten wir immerhin im Trialismus den ersten Schritt nach vorwärts erblicken. Natürlich müßten parallel damit in den übrigen Teilen der Monarchie die lebenden Rechte der Völker unbeschadet toter Staatsrechte zum Durchbruche kommen. In den südslavischen Gebieten deckt sich eben zum Unterschiede von Böhmen, Galizien und Ungarn, der Begriff der nationalen Autonomie mit der Länderautonomie. Darum muß unsere Stellung zur südslavischen Frage eine andere sein, als die zu den böhmischen, galizischen und ungarischen Nationalitätenfragen. Entrechtung der Juden durch die österreichische Reichsregierung. Allen Anzeichen nach holt die österreichische Reichsregierung zu einem unerhörten, gegen die Juden gerichteten Gewaltstreiche aus. Den Juden in Bosnien- Herzegowina soll das Wahlrecht vorenthalten werden. Den Juden allein! Ein von den Tagesblättern in Umrissen publizierter Regierungsentwurf der bosnischen Verfassung lautet dahin, daß die Bewohner nach Konfessionen getrennt ihre Abgeordneten zu wählen haben. heißt Erwachsene zwischen 15 und 45 Jahren, in denen die Tuberkulose am meisten ausbricht und es ist daher um so überraschender, daß die Mortalität hier so niedrig sich stellt. II. Im östlichen Europa, wo 7'/> Millionen Juden von der Gesamtzahl von 12 Millionen in der ganzen Welt leben, in den drei Ländern Rußland, Oesterreich - Ungarn und Rumänien, wurde dasselbe konstatiert. Statistiken, die in den eben erwähnten Ländern gesammelt wurden, zeigen, daß, wenn man mit der christlichen Bevölkerung, unter der sie wohnen, vergleicht, die Mortalität an Tuberkulose unter den Juden bedeutend geringer ist. In Wien wurde gezählt, daß 1901 bis 1903 die Verhältniszahlen auf 100.000 gerechnet, folgende waren: Tuberkulose Lungenandere Foimen Katholiken.38'8 49'6 Protestanten.24‘6 32'8 Juden.13'1 17'8 Daraus geht hervor, daß die Katholiken in Wien eine über dreimal, die Protestanten eine über zweimal größere Tuberkulosemortalität haben als die Juden. In der Provinz Galizien, in der die Armut unter den Juden eine bekannt große ist, haben

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