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Jüdische Zeitung · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 IÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 19 i (■ ihrem Denken und Fühlen entjudeter Kultusgrößen sind zwecklos. Gutes können sie nicht .stiften! Die Jüdischnationalen werden bemüht sein zu verhindern, daß Schaden angerichtet werde. Wo findet der Zionistenkongreß statt? Das Aktionskomitee in Köln hüllt sich diesbezüglich in unmotiviertes Schweigen. Soll der Kongreß wieder im Haag, in Basel, London oder sonst in einem Orte weitab von den Wohnstätten der großen jüdischen Volksmassen stattfinden? Der Judenkogreß gehört den Juden! Er soll dort stattfinden, wo jüdisches Leben pulsiert, an einem Orte soll er tagen, welchen der arme Jude durch den minimalsten Aufwand an Mitteln erreichen kann. Im Haag, in London, Basel etc. mögen Friedenskongresse, reich dotierte internationale Besprechungen von Staatsbehörden u. dgl. m. stattfinden. Der Zionistenkongreß ist aber keine Diplomatenkonferenz, die den Regungen des niederen Volkes entrückt, am fashionablen Meeresstrande oder im Schweizer' Hotel kühler sachlicher Beratung pflegt-. Dem Zionistenkongreß diesen Anstrich verleihen, heißt ihn eines guten Teiles seiner Schlagkraft berauben. Wenn Herzl die ersten Kongresse nach Basel verlegte, so entsprach das nicht seiner ursprünglichen Absicht Ihn bewogen Gründe, die zur Zeit der ersten zionistischen Anfänge stichhältig waren, heute aber gänzlich Wegfällen. Eine Stadt, die ihrer Lage und ihrem Charakter nach allen Bedingungen entspricht, ist Wie n. Es liegt den jüdischen Massen in erreichbarer Nähe, ist selbst ein hervorragendes jüdisches Zentrum, bietet alle Vorteile der westlichen Metropole, hat eine weit verbreitete Tagespresse mit internationalem Leserkreise und, was nicht zuletzt in Betracht kommt, ist heute der Sitz großer jüdischnationaler Organisationen. Es bietet weiters, was auch nicht zu unterschätzen ist, dem Kongreßteilnehmer für mäßige Preise alle Bequemlichkeiten der Großstadt. Gründe, die gegen eine Tagung in Wien sprechen, gibt es nicht, wurden wenigstens bisher nicht angeführt Die zionistischen Zentralkomitees in Wien und Lemberg werden in den nächsten Tagen an das Aktionskomitee in Köln eine Adresse richten, welche sich mit der Frage eingehend befaßt. Es ist im Interesse der nationalen Sache dringend zu wünschen, daß das Aktionskomitee den Vorschlägen der österreichischen Parteibehörden Gehör schenke. a) durch Haltung von Kühen. Eine Kuh kostet zirka 150 Frs. und ergibt bei sorgfältiger Pflege durch Verkauf von Milch, Butter und Käse einen monatlichen Verdienst von 5—10 Frs. b) durch Geflügelzucht. Die Anlage eines Hühnerhofes kostet 500—1000 Frs., und es lassen sich daraus nach einiger Zeit durch den Verkauf von Eiern und Hühnern 20—30 Frs. monatlich verdienen. c) durch Gemüsezucht (Kartoffeln, Tomaten, Blumenkohl, Zwiebeln usw.). Die Gemüsezucht (und eigentlich auch die Milchwirtschaft und Geflügelzucht) kann allerdings nur dann in richtiger Weise erfolgen, wnnn man ein eigenes Häuschen mit Garten und Brunnen errichtet, was zirka 4000 Francs kostet Dafür spart die Familie die Wohnungsmiete und kann aus dem Verkauf des Gemüses 20 Frs. monatlich und mehr verdienen. IH. Leute mit zirka 15.000 Francs Vermögen. können sich als Kolonisten ansiedeln und Ackerbau (Kömerbau) treiben. Da es in Palästina nur insehr seltenen Fällen möglich ist, Land zu pachten oder gegen langjährige Ratenzahlungen zu erwerben, muß der Kolonist das Land gegen bar kaufen und folgende Aufwendungen machen: Wie die „Neue Jüdische Korrespondenz“ vom 3. Mai meldet, wird der heurige Kongreß erst im Dezember d. J. stattfinden. Ort und genaue Zeit sind noch nicht festgesetzt. Die Krise in Ungarn. . Von Dr. K. Die Epoche des inneren Friedens in Ungarn neigt ihrem Ende zu, dasKoaliiionsministerium Weckerle-Kossuth-Zichy hat demissioniert. Die Krone lehnt in Uebereinstimmung mit dem österreichischen Ministerium und der überragenden Mehrheit des österreichischen Abgeordnetenhauses in der Armee- und Bankfrage alle Konzessionen an Ungarn ab, während dort von den Preßsöldlingen der Koalitionsclique, darunter den diversen Assimilationsjuden „das Wiederaufleben des nationalen Kampfes“ angekündet wird. Dieser „nationale Widerstand“, der leider mit'Hilfe der Stimmen der ungarischen Juden die Kossuthisten zur Herrschaft brachte und in weiterer Konsequenz den Antisemitismus in Ungarn zu einer noch nie vorhandenen Blüte. Wie schaut es nun in Ungarn, dem Lieblingslande der „liberalen Judenpresse“, wo ganz ungescheut in Flugblättern zu Judenpogromen aufgefordert wird,, derzeit aus? Der Zusammenbruch des magyarischen Koalitionsministeriums — ist nur eine Frage der nächsten Zeit. Dies irae, dies illa ...! Endlos ist die Reihe seiner Verbrechen gegenüber dem Reiche, den nichtinagyarischen Völkern der Osthälfte, ja gegenüber den breiten Volksschichten des eigenen Volkes. Nur durch Demagogie nach unten und Erpressung5 nach oben zur Macht gelangt, haben die Pester Machthaber den wesentlichsten Punkt ihres mit der Krone geschlossenen Paktes, die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechtes in Ungarn, nicht eingehalten. Nicht die Bankfrage ist also die Ursache der ungarischen Krise, die auch ohne sie entstanden wäre, und auch bei Ausschaltung derselben weiter bestehen würde. Ihr eigentlicher Urgrund ist der Bankerott der auf Chauvinismus innerlich gespaltenen und nur künstlich zusammengehaltenen, sowie,aufjesuitismus basierenden magyarischen Koalition. Man wird die Wahrheit dieser Behauptung auch in dem nachfolgenden Situationsbericht des in Pest erscheinenden N. P. V. bestätigt finden: „Die koalierte Parlamentsmehrheit und die hinter ihr stehenden Komitatscliquen sind bereit, nochmals in der Rolle der Rebellen aufzutreten. Aber die ,Nation', auf 200-250 Dunam Land (20-25 ha) ä 30-40 Frs. . ,. 6000-10.000 Frs. Haus mit Stall. 3000— 4.000 „ Lebendes und totes Inventar . . 1000— 2.000 „ Saatgut und Lebensunterhalt bis zur ersten Ernte. 1000— 1.500 „ 11000—17.500 „ Körnerbaukolonien sind die , galiläischen Kolonien und in Judäa Chedera, Ekrop, Artuf, Katra und Kastinie. In einigen dieser Kolonien gibt es noch etwas Boden zu kaufen. Außerhalb der jüdischen Kolonien ist es dem einzelnen unmöglich, Boden zu kaufen, weil die Kaufverhandlungen sehr schwierig und auch nur größere Landstücke von einigen tausend Dunam zu kaufen sind. Für Ankauf von Land außerhalb der jüdischen Kolonien müssen sich wenigstens 15—20 Leute zu einer Gesellschaft vereinigen. Ein Kolonist, der 250 Dunam Ackerboden besitzt, kann davon, wenn er fleißig und tüchtig ist, zirka 1500 Frs. Gewinn im Jahre haben. Dieser Betrag reicht zum anständigen Lebensunterhalt einer Familie in einer Kolonie bei bescheidenen Ansprüchen aus. IV. Leute mit 25.000 Francs Vermögen können als Kolonisten auf 200—250 Dunam Kömerbau treiben und daneben noch auf zirka 100 Dunam die sie zählen kann, ist nur in den Muni-; cjpalämtern und in den Kömitatssälen zii finden. Das Volk jedo ch wird die-, sem Kampfe, wenn er wieder auf leben sollte, gleichgültig, teilnahmslos gegenüberstehen. Nicht Ungarn wird sich zum Widerstand rüsten, falls die Gegensätze sich zuspitzen, sondern nur die herrschende Kaste und ihre Söldlinge. Die politischen Ereignisse der letzten drei Jahre konnten das Volk von der Hohlheit u n d Nich tsn u tzigke i t. der nationalenPhrase gründlich überzeugen. DieGesetzgebung arbeitete ausschließlich im Interesse des Großgrundbesitzes. Die Entwicklungsmöglichkeiten des Bürger¬ und Bauerntums wurde eingeengt, die Arbeiterklasse geknebelt, die Willkür der verrotteten Verwaltung gesteigert, die Steuerpolitik volksfeindlicher als bisher ausgestaltet . . . Krone und Volk haben daher das gleiche Interesse, daß das Adels pariament beseitigt und Ungarn durch das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht verbürgerlicht werde' . . . Zwischen Kröne undVolk gibt esalsokeine Gegensätze.“ Wie ernst die politische Situation ist, kann man bereits daraus ersehen, daß man allgemein der jetzigen Krise eine längere Dauer prophezeit und mit der Möglichkeit einer Berufung eines nicht parlamentarischen Ministeriums K h u e n (des Exbanus von Kroatien) ernstlich rechnet. Ein jüdischnationaler Protest im Parlamente. Der Polenklub und seine Hausjuden bemühen sich ängstlich, die jüdischnationale Idee totzuschweigen. Von ihrem Standpunkte haben sie vollkommen recht. Nichts kann ihrer auf Korruption und Gewalt gegründeten Herrschaft gefährlicher werden als der Durchbruch des jüdischen Nationalgedankens unter der jüdischen Bevölkerung Galiziens. Die Regierung scheint ihnen bei diesen Bestrebungen Handlangerdienste leisten zu wollen, denn anläßlich der Debatte über den ruthänischen Antrag betreffend die Zweiteilung des galizischen Landsmannministeriums sprachen der Ministerpräsident und der Landsmannminister beständig von den zwei in Galizien lebenden Nationen, die Polen und Ruthenen, von den Juden kein Wort. Der zionistische Abgeordnete Dr. G abel ergriff die Gelegenheit, um dieses illoyale Vorgehen der Regierung in folgender t von der „liberalen“ Presse natürlich unterschlagenen Rede zu kennzeichnen: eine Pflanzung von Mandeln, Aprikosen und Oliven anlegen. Eine solche Pflanzung erfordert zirka 10.000 Frs. Kapital im Laufe von neun Jahren und bringt nach 9—12 Jahren einen Ertrag von zirka 1000 Frs. jährlich. Eine solche gemischte Wirtschaft (Ackerbau und Pflanzungen) bietet viele Vorteile. V. Leute mit zirka 60.000 bis 80.000 Francs Vermögen. können eine Orangenpflanzung auf 60 bis 70 Dunam anlegen. Eine solche Pflanzung erfordert 50.000 bis 60.000 Frs., wozu noch etwa 12.000 bis 20.000 Frs. für den Lebensunterhalt auf 6 bis 7 Jahre kommen. Nach 6 bis 7 Jahren trägt die Pfanzung Frucht und bringt dann 6.000 bis 10.000 Frs. jährlich. * * * In Handel und Verkehr. Im palästinensischen Handel sind die Erwerbsaussichten für neue Einwanderer ziemlich gering. Der noch nicht entwickelte Engroshandel ist zum großen Teil in den Händen der Araber und der sephardischen Juden, gegen welche der aus Osteuropa einwandernde Jude in den ersten Jahren kaum konkurrieren kann, da er die Landesverhältnisse und die Landessprache (das Arabische) nicht kennt. Kaufmännische Bureaus sind nur in geringer Zahl vorhanden und Stellen für kaufmännische L

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